MOMENTE: Der RS1, seine Menschen, seine Geschichten TEIL 1

Der Radschnellweg Ruhr ist in aller Munde und wird hoffentlich bald auf den ganzen rund 100 Kilometern durch das Revier Wirklichkeit. Bei mir ist er so gut wie jeden Tag schon unter den Reifen meines Fahrrads. Denn das Teilstück in Essen existiert schon etwas länger und ich nutze es eifrig. Als Pendler mit dem Rad ist er für mich schon unverzichtbar geworden. Mittlerweile bin ich das Stück schon so oft gefahren, das ich genau weiß, wo an welcher Stelle Bodenunebenheiten sind, die es zu umfahren gilt oder wo sich an der nicht asphaltierten Wegstrecke bei Regen immer dieselben Pfützen bilden.  Und so sehe ich auch Tag für Tag viele Dinge und Menschen. Davon möchte ich hier nun berichten. Da gab es also mal…

  • …das ältere Pärchen, das ich häufiger sah und immer das Stück vom Limbecker Platz bis zum Bertholt-Beitz-Boulevard vom Müll säuberte. Mit Greifstangen und Plastikeimern  ausgerüstet und einem Rucksack auf dem Rücken, ging es links und rechts des Weges an den Gebüschen entlang und jedes mehr oder weniger unachtsam weggeworfene Stückchen Müll wurde fein säuberlich aufgehoben und entsorgt. Woher der Antrieb für diese Arbeit kam, kann ich nicht sagen. Doch es ist aller Ehren wert! Die beiden sind immer noch unterwegs.
  • …diesen frühen Morgen, kurz nach fünf. Der RS1 lag ruhig vor mir, die ersten Vögel zwitscherten, der Himmel war klar und es versprach ein schöner Tag zu werden. Noch leicht schlaftrunken radelte ich vor mir hin. Ich kam auf die Brücke, die über die B224 führt. Und plötzlich war ich hellwach, als ETWAS auf mich zuschoss! Mein Herz raste und ich wäre beinahe vom Rad gekippt. Ein Fuchs rannte im Vollspurt knapp 3 Meter  an mir vorbei! Wahrscheinlich war er genauso erschrocken wie ich und hatte mit so einem Volldeppen in seinem Revier um die Uhrzeit nicht gerechnet. Beruhte wohl auf Gegenseitigkeit.
  • …dieses Fotoshooting, in das ich hineinplatzte. Wie konnte ich auch nur. Ebenfalls auf Höhe des Bertholt-Beitz-Boulevards, auf der Abfahrt runter zur Straße, aus Stadtmitte kommend, standen die Fotografin und ihr Assistent mit voller Ausrüstung. Mitten auf dem Weg. Rechts am Wegesrand, an den silbernen Rohren der Fernwärmeleitung, standen drei Manager irgendeines Konzerns (welcher Konzern überlasse ich eurer Fantasie) und ließen sich in bester Pose mit weißen Bauhelmen auf dem Kopf für irgendeine Imagebroschüre ablichten. Ich fragte mich, gegen was die Helme schützen sollten? Kackende Vögel im Tiefflug? Trümmerstücke aus dem Weltall? Sonnenstich? Egal. Ich musste durchs Bild. Ob es denen passte oder nicht. Der Fotografin passte es, denn sie lächelte freundlich.RS1
  • …diese Leute, die sich immer im Krupp-Park am Teich trafen. Erst wenige, dann immer mehr. Teilweise auf  Handwägelchen schoben sie ihre bunten Schiffsmodelle in unterschiedlichen Größen zum Wasser. In Campingstühlen sitzend, lenkten sie ihre Modelle per Funk über den Tümpel. Vom Segelschiff bis zum Schnellboot waren alle dabei. Dabei wurde geklönt, gelacht, gegessen und getrunken. Ein munteres  und fröhliches Miteinander zwischen Groß und Klein. Ach ja, die Anzahl der Zuschauer wurde auch immer größer. Und wenn kein schlechtes Wetter ist, sitzen sie wahrscheinlich bald wieder dort. Schöne Sache.
  • …den Pfingststurm 2014 und die Trasse des RS1 war unpassierbar. Tage- und Wochenlang war der Weg gesperrt. Umgeknickte Bäume machten das Radfahren unmöglich. Als man sich dann irgendwann vor der offiziellen Wiedereröffnung auf die Trasse mogelte, hatte sich das Aussehen des Radschnellwegs radikal verändert. Zahlreiche Bäume waren umgeknickt und es offenbarten sich viele Lücken im Baumbestand. Traurig war auch, das der Pfingststurm Monate später immer noch vorgeschoben wurde, um den seitlichen Bahndamm in Höhe des alten Bahnhofs Altendorf radikal abzurasieren. Ob das wirklich sinnvoll war, wage ich dann mal zu bezweifeln. Nachgepflanzt wurde nichts, die typischen Gebüsche solcher Wege erobern sich gerade ihr  Gebiet. War das das Ziel? *Grübel*
  • …den neu angelegten Niederfeldsee. Nach langer Bauzeit ist bei schönem Wetter dies mittlerweile ein sehr beliebter Treffpunkt besonders für Sonnenanbeter geworden. Auf den frischen Rasen liegen die Leute in der Sonne und grillen sich die Würstchen oder sitzen auf den zahlreichen Stufen in kleinen Grüppchen rings um den See. Oft sind sie, also die Menschen, nicht die Würstchen, oder auch diese, auf (ihren) Rädern zum See gekommen. Man, das ist mal ein Satzbau…jedenfalls gibt es auch welche, die springen in das kühle Nass, obwohl es verboten ist und erschrecken die armen Enten, die gerade erst ihr neues Revier in Beschlag genommen haben. Chillen am See. Mit dem Rad. Schön.
  • …diesen älteren Herrn. Manche ältere Herren sind ja gerne zu Fuß unterwegs um ihren Hund auszuführen. Der an dieser Stelle gemeinte nicht. Er kam mir hin und wieder auf einem älteren Rennrad entgegen. Und wie der geneigte Leser jetzt vermuten würde, führte er seinen Hund an der Leine Gassi. Nein, das tat er nicht. Er führte ein anderes Haustier mit sich. Nicht an der Leine.  Dieser Mann hatte einen Vogel. Nicht der im Kopf, sondern den auf der Schulter. Ein schneeweißer Papagei genoss den kleinen Ausritt mit dem Rennrad. Sachen gibts…


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