Dirty Boar 2021,Gravelride,Belgien,
MOMENTE

Beim wilden Dirty Boar 2021 in Belgien

Der Sommer geht so langsam dahin, auch wenn er gar nicht so richtig da war. Ein paar warme Sonnenstrahlen gab’s kurz vor Schluss doch noch. Welch ein Segen für den Dirty Boar 2021 Gravelride am letzten Wochenende in Belgien. Das Hohe Venn hatte ich vor zwei Jahren schon auf diesen irren Gravelride besucht. Allerdings da mit einem Wetter ab dem Start, wozu man sagt, es regnet Hunde und Katzen. Damals waren wir nach hundert Metern eigentlich schon durch mit dem Thema. Pladdernass, dreckig und noch nicht einen Kilometer zurückgelegt.

Diesmal schien uns das Wetter beim Dirty Boar mit offenen Armen zu empfangen. Wie viel Glück wir hatten, schilderte uns Holger vom Eifelgraveler am nächsten Morgen bei einem Afterride-Coffee. Eine Woche vorher war er schon in der Region unterwegs gewesen und wäre dabei fast weggespült worden vor lauter Regen.

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Diese Gravelbikes sollten uns durch die Ardennen bringen.

Markus von Heldenkurbel, mit dem ich bereits vor zwei Jahren schon beim Dirty Boar angetreten war, und ich freuten uns also riesig auf einen schönen Tag in wunderbarer Kulisse zu verbringen. Wir rollten früh Morgens um halb sieben die wenigen Meter von unserer Unterkunft los, einer echten Spelunke, ohne Frühstück, aber wenigstens noch bezahlbar, zum Start.

Rund vierhundert Teilnehmer, die wegen Corona in Blöcken starten sollten, warteten begehrlich und voller Vorfreude  auf das offizielle GO! Dann ging es auch schon los. Die Route war etwas geändert worden. Anstatt eine Art Rundkurs zu fahren, war der Track eher einer acht ähnlich. Die Unwetter der letzten Wochen schlugen sich in kleinen Änderungen der Strecke nieder. Nicht alle Abschnitte waren mehr passierbar. Das sollten wir später noch sehen.

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Startschuss morgens um sieben!
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Ungeduldige Teilnehmer konnten es kaum erwarten loszukommen!
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Da ist das Dirty Boar!

In der gleißenden Morgensonne erreichten wir nach wenigen Metern bereits den höchsten Punkt Belgiens. Am Signal de Betronge gab es einen unglaublichen Ausblick in die Weite des Hohen Venn. Selten, das bei einer solchen Veranstaltung die Leute vom Rad steigen, um erstmal Fotos zu machen. Nun gut, es erging uns nicht anders. Dafür war es einfach zu schön. 

Auf geht’s in die belgischen Ardennen

Der Schotter knirschte unter den Reifen, als wir die leichte Abfahrt nahmen. Ach, was war das schön. Tatsächlich waren auf den ersten vierzig Kilometern mehr Abfahrten als Anstiege. Durch würzige Wälder und frischer Flora und Fauna lief es gut. Jede Sehne des Körpers fühlte sich ermuntert ihr Bestes zu geben. 

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Was für eine grandiose Landschaft in den belgischen Ardennen! Ein Traum!
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Der einzige echte Foto-Stopp während des Dirty Boar. KNIPPS – und weiter!

Die Streckenposten des Dirty Boar an den wenigen Straßenüberquerungen ließen uns blitzschnell und sicher wieder in die Wälder eintauchen. Markus und ich hatten den Plan uns unterwegs ein Frühstück zu besorgen. Wir waren quasi nüchtern gestartet, nur etwas Obst und ein Riegel intus. Beim grummeligen Pensions-Chef war nichts zu bekommen gewesen. Wir hatten auf der Karte auf deutscher Seite einen Supermarkt gefunden, der nur wenige Meter neben dem Track lag. Den wollten wir schnell ansteuern.

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Wer will da nicht mit dem Gravelbike durch?

Doch wir fühlten uns so gut, der Körper voll Adrenalin und Endorphine, dass wir gar nicht wirklich Hunger bekamen und beschlossen weiterzufahren. Es war ein Genuss sondergleichen. Die Strecke bisher nicht schwer zu fahren, trotzdem immer ein angenehmer Wechsel zwischen verschiedenen Untergründen. Doch wo die angegebenen Höhenmeter herkommen sollten, blieb uns zunächst ein Rätsel. Uns schwante Übles.

Der Dirty Boar mal im Sonnenschein

Die Landschaft war einfach grandios. Jede Pedalumdrehung fiel uns leicht. Voller Freude bei herrlichstem Sonnenschein fuhren wir den Dirty Boar Gravelride ab. Durch den Hertogenwald, vorbei an der Wesertalsperre, es lief gut. Wenn ich an den Dirty Boar von 2019 denke, wie schwer er damals für mich bei dem nasskalten Wetter zu bewerkstelligen war, war diese Ausgabe nun ein absolutes Sahnestück. Damals fehlte mir wahrscheinlich noch etwas die Kondition und Erfahrung, diesmal dagegen war ich topfit. 

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Gut Lachen im Teilnehmerfeld.
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Der Tag fing gut an!

In Vicht wurde es dann leider etwas erschreckend. Wir kamen von den Hängen hinunter in das Dorf und konnten sofort den immensen Schaden des Unwetters erkennen, das die Region ein paar wenige Wochen vorher heimgesucht hatte. Dass der kleine Vichtbach im Dorf so ein Gemetzel anrichten konnte und die Wassermassen Keller füllten, Fenster in beachtlicher Höhe eindrückten und ganze Häuser unbewohnbar machten hätte man sich bis vor kurzem nicht vorstellen können.

Im und am Dorfladen konnte man ebenfalls deutlich die Spuren der Verwüstung sehen. Da wir ja kein Frühstück hatten, kam er uns sehr gelegen. Kaffee und Brötchen, behelfsmäßig hergerichtet, brachten uns wieder auf Kurs. 

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Langsam, aber immer schneller kamen Höhenmeter zusammen.

Höhenmeter! Endlich ein paar verdammte Höhenmeter! Sie kamen und wurden dann auch noch teilweise frech. Wir hatten Sonnenschein, es war warm und dann das: Die Wege waren feucht und schlammig. Was hätte man auch anderes erwarten sollen, wenn man den Hürtgenwald streift? Aber: der Dirty Boar hat nicht umsonst das Wort „Dirty“ im Titel. Wir haben sogar für einen Moment daran gedacht, ob die Jungs hier nicht extra die Wege „befeuchtet“ haben. Gut, ist dann doch etwas zu abwegig gewesen…oder?

Toll waren übrigens die Verpflegungspunkte. Der erste nach rund siebzig Kilometern. Dort wurde in Profi-Manier während des Fahrens Wasser gereicht! Oder der nach etwa einhundertzehn Kilometern. Geschmierte Toasts, Bananen, Riegel und andere Radfahr-Energie-Booster gab es für all die verrückten Teilnehmer des Dirty Boar. Hier, kurz vor der Wesertalsperre und dem Verpflegungsstopp, kreuzte sich übrigens der Track bei dieser als acht geformten Route.

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Verpflegung gab es reichlich.
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Bikes am Verpflegungs-Stopp.

Und beim dritten Stopp gab es sogar warmes Essen und frischen Kaffee. Dazwischen lagen jedoch einige Strapazen. Tatsächlich türmten sich die Höhenmeter immer mehr. Es ging langsam, aber sicher an die Substanz. Die Abschnitte waren nun schwieriger, Wurzeln wurden jetzt öfters zum Thema. Wasserdurchfahrten gab es ebenfalls. Hopp oder Top! Dass es, egal wie die Durchfahrt ausgehen würde, nass werden würde, war klar. 

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Mittagessen.

Ich habe also gelernt, dass man selbst bei bestem Wetter ordentlich nasse Füße bekommen kann. Dadurch, dass es in der Sonne schön warm war, wurden die Füße zum Glück schnell wieder trocken. Bis die nächste Pfütze kam…

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Keine Angst, einfach durch mit dem Bike!

Immer wieder war auf den Wegen zu sehen, wie das Wasser des Unwetters das Geläuf mit Geröll überspült hatte oder gar tiefste Risse auf den Pfaden hinterlassen hatte. Als ob ein Bagger da durchgerattert wäre. Furchen, über die man das Rad dann besser trug. 

Das alles kratzte nicht an unserer guten Laune. Die belgischen Ardennen sind wunderschön und unbarmherzig zugleich. Sie verlangen solch verrückten Fahrern wie uns einiges ab. Markus, Typ Drahtig & Fit, bekam sogar Krämpfe. Beachtlich, wie er die Zähne zusammen biss, um seinem Schicksal beim Dirty Boar zu entkommen.

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Let’s get dirty again!

Okay, vielleicht war auch das Finisher-Bier Zugpferd um die Schmerzen zu unterdrücken. So pflügten wir wie die Wildsau durch eine fantastische Landschaft. Schotterpisten und Wälder, die im Herzen Europas eine so einsame Landschaft darstellen…ein Traum für jeden Gravel-Fan!

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Schmal, unübersichtlich und tricky. Das gehört einfach zum Dirty Boar!
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Markus hatte mit Krämpfen zu kämpfen, biss sich aber durch.

Am Ende wird’s beim Dirty Boar noch einmal richtig hart

Doch die Erfahrung von 2019 lehrte uns, dass es am Ende des Tracks noch mal so richtig, aber so wirklich richtig Dirty werden würde. Im Tal des Pouhon wurde es eng, schmal, nass, glitschig und der Weg war gespickt mit Wurzeln. Und weil es so schön ist, ging es zum Abschluss nochmal richtig fies hinauf. Ein Singeltrail für Downhill-Fahrer, aber für uns halt in umgekehrter Richtung! Was für eine Plackerei!

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Gefinisht. Und gar nicht mal so schlecht.

Doch diesmal eine Zielankunft mit Sonnenstrahlen. Zwar schmutzig, dafür zum Glück ohne Blessuren. Etwas Applaus von einigen Wenigen, die am Ziel auf die Ankunft der Teilnehmer warteten. Ein paar Kinder, die uns mit einem Strahlen im Gesicht uns die offiziellen Aufkleber des Dirty Boar in die Hand drückten.

173 Kilometer mit am Ende doch guten 2600 Höhenmetern standen auf unserem Tacho. Die Streckenführung war sehr gut gescouted. Anspruchsvoll mit angenehmen Wechsel des Untergrunds. Mal mit ordentlich Speed, öfters kräftezehrend.

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Lagerfeuer gab’s auch.

Wir fühlten uns super, schoben die verrotzten Räder an die Seite und gaben uns herrlichem belgischen Bier in der noch warmen Sonne hin. Wir feierten die Erlegung des dreckigen Wildschweins standesgemäß bei belgischen Pommes. Zumindest für dieses Jahr ist das Borstenvieh kaltgestellt, denn wer weiß, vielleicht will es ja im nächsten Jahr wieder über die Pisten dieser herrlich-rauen Landschaft gejagt werden? 

Hier die offizielle Seite des Dirty Boar!

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