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TEST

Seat Bag Cluster20 von Miss Grape im Langzeittest

Dies vorweg: die Tasche wurde mir freundlicherweise von Miss Grape kostenlos zur Verfügung gestellt. Daher könntet ihr das auch als Werbung auffassen und somit markiere ich es an dieser Stelle besser auch so. Trotzdem bin ich in meiner Meinung absolut unabhängig und niemals käuflich. Ich denke, das geht für euch so klar. 😉


Die Marke Miss Grape aus Italien ist einigen von euch sicherlich schon bekannt. Die Firma stellt verschiedene praktische Taschen für’s Bikepacking her. Ich habe diese Marke im Frühjahr dieses Jahres kennengelernt und ein sehr nettes Gespräch mit dem Gründer der Firma gehabt. Da wuchs auch die Idee heraus, einmal eine Satteltasche von Miss Grape zu testen. Denn, so wurde mir vorgeschwärmt, würde diese Tasche endlich sicher und ohne zu wackeln am Sitzrohr gehalten werden.

Nach einigen Erfahrungen mit Satteltaschen anderer Hersteller war das ein großes Thema für mich. Dazu sah die Tasche auch noch schick aus. Doch Aussehen und Praxistauglichkeit sind zwei Paar Schuhe. Ein Grund mehr, die Tasche auf Herz und Nieren zu prüfen. Ich hatte sie in diesem Jahr bei den verschiedensten Gelegenheiten genutzt und daher gibt es jetzt diesen Langzeit-Test, indem ich meine Beurteilung zusammenfasse.

DIE SPECS

Zunächst ein paar Specs: Das Füllvolumen beträgt laut Hersteller 18,6 l, ist somit sehr großzügig bemessen. Die maximale Länge liegt bei 62 Zentimetern, die Höhe bei 18 Zentimetern. Obwohl die Cluster 20 voluminös ist, wiegt sie nur 478 Gramm und kann bis einem maximalen Gewicht von 5 kg beladen werden. 

Das vernähte Material besteht aus Nylon 420 Polyester 300 Gewebe. Eine wasserabweisende Polyurethanharz-Beschichtung mit einer Wassersäule von 10.000 mm soll für trockene Verhältnisse sorgen. An der glatten Fläche unterhalb der Satteltasche, dort, wo der meiste Dreck und das Spritzwasser hingelangen, sorgt laut Miss Grape eine PVC-Doppelbeschichtung mit einer 30.000 mm Wassersäule für Schutz gegen Nässe und Feuchtigkeit.

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Die Cluster gibt es in unterschiedlichen Größen. Das sollte man vor dem Kauf beachten! Screenshot: Miss Grape

DESIGN & HAPTIK

Die Seat Bag macht auf Anhieb einen hochwertigen und soliden Eindruck. Gut ausgewählte Materialien, mit äußerst qualitativen Nähten versehen, zeigen bei dieser Tasche deutlich, wie hoch die Messlatte liegen kann. Auch fühlen sich die unterschiedlichen Materialien sehr gut an. Die Cluster20 ist keine Tasche, die direkt in sich zusammenfällt, wenn sie leer ist. Der vordere Korpus und die Seitenwände sind steif genug, um nicht gleich wegzuklappen. Vorne sind zwei starke Klettverschlüsse angebracht, um die Tasche fest am Sattelrohr zu fixieren.

Die obligatorischen Riemen zur Befestigung am Sattelgestänge sind sehr robust, haben wie die meisten Seat Bags Plastik-Clips zum schließen und straffen der Tasche. Die dortigen Riemen sind in Grün mit schwarzen Linien gehalten. 

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Prima Gurte, robuste Plastik-Clips und ein reflektierendes Logo auf beiden Seiten der Seat Bag.

An der Stelle, wo die Tasche selber oberhalb den Kontakt unterhalb am Sattel hat, ist das Oberflächenmaterial verstärkt. Seitlich ist das Logo von Miss Grape angebracht, welches ein reflektierendes Element darstellt. Oberhalb der Tasche sind einige Straps, an denen man Kleinteile anhängen kann.

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PRAXIS

Die Befestigung ist denkbar einfach. Die Riemen lassen sich allesamt leicht und stramm befestigen. Der Teil der Tasche, der am Sitzrohr anliegt, drückt sich bei der Straffung leicht um das Rohr. In der Praxis bedeutet das tatsächlich ein wenig mehr Halt. Immer, und das gilt ja für alle Satteltaschen, sollte man darauf achten, dass die schweren Teile tief in der Tasche und somit nah am Sattelrohr sitzen!

Beim Strammziehen der oberen Riemen am Sattel kommt die Cluster20 meist nah an den Sattel, was ebenfalls zur Stabilisierung beiträgt. Dadurch, dass das verwendete Material an sich sowieso etwas Verwindungssteifer ist, lässt sich die Tasche sehr leicht befüllen. Man braucht gar nicht so feste nachdrücken, um alle Winkel innerhalb der Satteltasche zu auszufüllen. Das gefiel mir gut.

Zum Vergrößern Fotos anklicken.

Auf diversen Touren, wie zum Beispiel dem SuperBerlinExpress747 im Sommer dieses Jahres, ging es dann auf große Tour. Ausgestattet mit allerlei Gepäck am Gravelbike/ Rennrad und somit auch etwas Gewicht in der Tasche, konnte die Cluster20 sich beweisen. 

Akribisch bepackt und sorgfältig befestigt, war ich gespannt, wie sich die Satteltasche unter anderem im Wiegetritt schlägt. Tatsächlich besser als gedacht! Trotz der ausladenden Größe blieb die Tasche ziemlich unauffällig. Ganz proppenfest ging es auch nicht zu, doch die Bewegung war so geringfügig, dass dies nicht ins Gewicht fiel!

Mit Sicherheit hat das viel mit richtigem Bepacken und festzurren zu tun. Dazu darf man auch nicht die Form des Sattelrohrs vergessen. Ob dieses rund ist oder zum Beispiel eine D-Shape-Form hat, kann, muss aber nicht eine Rolle spielen. Denn dementsprechend drückt sich die Tasche mal mehr, mal etwas weniger um das Rohr und hat somit durchaus Auswirkungen auf die Stabilität.

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Auch am Rennrad mit rundem Sitzrohr machte die Cluster20 eine prima Figur.

Das für mich größte Manko an Satteltaschen, die möglich aufkommenden Pendelbewegungen, waren auf all meinen Touren mit der Miss Grape Cluster20 äußerst zufriedenstellend. Nur, wenn ich selber unachtsam die Tasche gepackt habe, also einfach die Klamotten reingestopft habe, wurden die Pendelbewegungen naturgemäß deutlich. Ansonsten verhielt sich Tasche angenehm unauffällig.

Bei einer Tour und hohen Temperaturen, habe ich, um genug Wasser an Bord zu haben, einen sogenannten Stabilizer von Topeak benutzt. Der stabilisiert gleichzeitig die Tasche und man kann noch links und rechts Trinkflaschenhalterungen montieren. In meiner Bewertung ist das natürlich nicht eingeflossen, sondern sei hier nur mal als möglicher Tipp, auch für andere Seat Bags, erwähnt.

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Hier kam ein Stabilizer an der Seat Bag wegen der zusätzlichen Trinkflaschen zum Einsatz.

Apropos montieren: Wer die Taschengröße richtig ausnutzt und füllt, der wird Probleme haben, ein Rücklicht an die Tasche zu clippen. Denn etwaige Schlaufen, Ösen oder sonstige Befestigungsmöglichkeiten sind dann nach „hinten“ nicht vorhanden! An sich nicht so schlimm. Wer aber eine kleine Rahmengröße hat, der wird unter Umständen wenig Platz am Sitzrohr haben, um dort dann ein Rücklicht zu befestigen. Auf den Fotos wird das ersichtlich. Ich habe beim Rose Backroad Rahmengröße 53!

Doch eins habe ich an der Cluster20 wirklich schmerzlich vermisst. Nämlich einen Gummizug, um eine Windjacke oder ähnliches Mal eben auf der Tasche festklemmen zu können. Die Vorrichtung mit den nötigen Ösen ist vorhanden, aber den Gummizug gibt es auch nicht im Zubehör zu finden. Den muss man sich selber von einem Fremdfabrikat irgendwie besorgen.

Das ist sehr schade und für mich der größte Minuspunkt. Denn gerade diese Gummizüge sind in der Praxis ein äußerst praktisches und wertvolles Tool. 

Doch das Wichtigste ist der Schutz des Inhalts vor Dreck und Nässe. Und da lässt die Tasche nichts zu wünschen übrig. Das Material hält sicher Spritzwasser und Feuchtigkeit draußen. Der Rollverschluss lässt sich sicher verschließen, sodass dort ebenfalls keine Nässe und Dreck eindringen kann. Eine Luftablassventil gibt es nicht. Prima: das verstärkte Außenmaterial unterhalb der Seat Bag lässt sich wegen der glatten Oberfläche leicht vom Schmutz reinigen. 

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Die glatte und verstärkte Unterseite ist leicht zu reinigen.

Kommen wir zum möglichen Verschleiß nach all den verschiedenen Touren. Der findet meist ja an den Kontaktpunkten statt. Wo sich bei anderen Taschen schon mal die geklebten Klettverschlüsse lösen, gibt es erfreulicherweise bei der Cluster20 nichts Nennenswertes zu berichten. Die Klettverschlüsse sind nämlich zusätzlich noch vernäht.  Auch an den Riemen sind so gut wie keine Spuren vom Gebrauch zu erkennen. Die Plastik-Clips halten eine Menge aus und zeigen keinerlei Ermüdungserscheinungen. Alle Nähte sind in einem hervorragenden Zustand. 

Lediglich der Teil, der permanent mit der Unterseite des Sattels in Kontakt ist, zeigt minimale Gebrauchsspuren. Würden die sich irgendwie vermeiden lassen? Wenn man ehrlich ist, ist das kaum machbar. Überall, wo etwas aneinander reibt, eine gewisse Bewegung herrscht, werden solche Spuren über kurz oder lang auftauchen. Aber die hier an der Cluster20 sind marginal und selbst auf lange Sicht gehe ich von keinerlei Problemen aus. Somit stellt sich die Frage nach Auflösungserscheinungen nicht. Sehr gut.

FAZIT

Miss Grape hat mit der Cluster20 eine hochinteressante Seat Bag nicht nur für das Bikepacking im Programm. Sie hat mir auf allen Touren gute Dienste geleistet. Einfache Befestigung, leichtes Befüllen und sehr geringe Pendelbewegungen, gerade im Wiegetritt, haben diese Tasche zu meinem Favoriten gemacht. Unglücklich ist allerdings der fehlende Gummizug, der mir tatsächlich in der Praxis des Öfteren fehlte.

Sehr erfreulich ist aber die große Robustheit der Seat Bag. An der Top-Verarbeitung gibt es nichts zu mäkeln. Der Verschleiss ist unheimlich gering. Dazu ist sie sehr pflegeleicht. Der Langlebigkeit des Produktes steht nichts im Wege. Wem der hohe Preis nicht abschreckt, bekommt also eine qualitativ hochwertige Tasche, mit der man zuverlässig auf große und kleine Bikepacking- Touren gehen kann.

Wem die Cluster20 zu groß ist, hat als Alternative noch die Versionen mit 7 oder 13 Liter!

Pro & Contra der Cluster20

Pro

  • Top-Verarbeitung
  • Befestigung
  • Wasserdicht
  • Kaum Pendelbewegungen
  • Leichte Reinigung
  • Recht verschleißarmes Material
  • Größe

Contra

  • Keine Kordel/ Gummizug, um z.B. Windjacke mal festzuklemmen
  • Keine Öse, um ein Rücklicht bei voll bepackter Tasche zu befestigen 
  • Hoher Preis ( UVP 177 € / im Netz manchmal etwas günstiger)

Weitere Infos → findet ihr auf der Website von Miss Grape

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