Flandern-Rundfahrt,Vlaanderen,Ronde Vlaanderen Cyclo,Rennrad,Kopfsteinpflaster
MOMENTE

Flandern & das Kopfsteinpflaster

Wir waren ein wenig nervös, als Timo und ich nach Belgien aufbrachen, um uns an den Parcours der berühmten Flandern-Rundfahrt auszuprobieren. Eigentlich hatten wir im Vorfeld ja einiges dafür getan, damit wir uns in Belgien einigermaßen schlagen würden. Doch man weiß ja vorher nie so genau, was da auf einen zukommt. Daher waren wir froh, dass mit der Autofahrt, dem Einchecken im Hotel und der bereits am Freitagabend abgeholten Startunterlagen in Oudenaarde alles ohne Probleme funktionierte.

In Oudenaarde, in einem Industriegebiet, war schon jetzt der Teufel los. Tausende Teilnehmer waren unterwegs, um ihre Starter-Pakete abzuholen. In einer großen Halle wurde die Ausgabe gut organisiert. Mehrere Reihen, mit Schildern der Startnummern versehen „Von – bis“ sorgten dafür, dass erst gar keine Warteschlangen aufkamen. Vor der Halle gab es Stände mit Merchandising rund um den Radsport. Vor einer Leinwand konnte man sich fotografieren und jetzt schon Erinnerungsfotos machen. Es herrschte Vorfreude unter den Leuten. Vlaanderens mooiste (das Schönste von Flandern), so die betitelte Flandern-Rundfahrt, einmal zu fahren: Für viele, uns eingeschlossen, ein Highlight! 

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Wenn man Fremde das Foto machen lässt…

Nach einem vermeintlich nicht so idealen Abendessen, American Pizza (hüstel, hüstel), legten wir uns früh schlafen in unserer Männer-WG im Hotel. Das Startfenster für unsere Flandern-Rundfahrt lag zwischen sieben und neun Uhr am Morgen. Daher stellten wir uns den Wecker auf kurz nach fünf. Frühstück gab es ab sechs im Hotel. In der Hoffnung, dann auch rechtzeitig am Start zu sein, schlummerten wir vor uns hin.

Doch wie es oft so ist: Man kann Nachts vorher kaum schlafen. Viele abstruse Gedanken wabern einem durch den Kopf. Nicht greifbar, nur kurz aufblitzend. Woran muss ich morgen früh noch denken? Was darf ich nicht vergessen? Was ziehe ich bei der Kälte an? Dick, dünn, kurz, lang? Passt das Timing? Weiß der Geier, was die Gehirnzellen da noch alles im Schilde führen! Das alles hält einem jedenfalls von einem vernünftigen Schlaf ab. Irgendwann döst man nur noch vor sich hin. Halb wach, halb schlafend. Und dann geht der Wecker und man ist völlig gerädert…

Bei Tagesanbruch sieht draußen noch alles dunkel aus. Während wir uns noch die dicken Augenränder reiben, versuchen wir uns bestmöglich anzuziehen. Am Frühstückstisch sind wir die ersten, aber nicht die einzigen Hotelgäste, die bei der Flandern-Rundfahrt mitmachen. Eine gute Stärkung am Morgen ist wichtig, denn es warten auf unserer Runde (wir haben die 144 Kilometer-Variante gebucht) rund 2000 Höhenmeter auf unsere Beine und dem Rest des Körpers.

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Haaalloooo…alle schon wach?

Hoffentlich haben wir auch an alles gedacht, als wir das Auto mit unserem Material beladen haben. Es ist kalt. Verdammt kalt. Wir frösteln. Gerade so 1 Grad über null haben wir. Dafür ist es sternenklar, denn um halb sieben ist es immer noch verdammt dunkel. Eine halbe Stunde brauchen wir ungefähr bis zu den Parkplätzen am Startort. 

Einweiser dirigieren uns wie bei einer Choreografie zu Parkplätzen in den Industriegebieten. Viele Firmen haben ihre Gelände extra dafür zur Verfügung gestellt. Es gibt keine Hektik, keinen Stress, jeder findet problemlos einen Parkplatz. Und das bei abertausenden Teilnehmern. Um die Autos herum stehen zahlreiche Rennräder. Viele davon sicherlich sehr, sehr teuer. Aber auch einige betagtere Renner zeigen sich hier. Heißt ja nicht, dass die dann schlecht sind. Schön zu sehen, dass auch einige Frauen die Flandern-Rundfahrt mitfahren. 

Wir entscheiden uns für wirklich warme Kleidung. Dicke Handschuhe kommen auch besser, wenn wir über Kopfsteinpflaster knallen. Etwas Dämpfung ist nicht verkehrt. Als wir vermeintlich alles am Mann und am Rad haben, halten wir kurz inne und fahren dann los. Auch hier zeigt sich wieder eine prima Organisation. Polizei und Ordner sperren die Hauptstraße kurz ab, damit wir geschmeidig zum Start rollen können. Der Weg ist deutlich ausgeschildert. Wieder kein Stress, alles ganz easy.

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Ruhiger Anlauf am frühen Morgen.

Die Startnummern haben wir bereits vorher am Lenker befestigt. So ist es ein leichtes, am Start loszurollen. Die Zeitmessung erfolgt, sobald man die Startlinie überquert hat. Auch unterwegs sollte es übrigens an markanten Stellen solche Messungen geben, wo automatisch dann fotografiert und gefilmt wurde, um hinterher tatsächlich für faires Geld einige schöne Fotos von sich selber zu haben.

Kurz vor acht überqueren wir die besagte Startlinie. Zunächst rollen wir flach durch Oudenaarde. Die Muskeln können sich dabei ein wenig aufwärmen. Zahlreiche Teilnehmer sind auf der Strecke vor und hinter uns. Wir überholen und werden überholt. Ein stetiges hin und her, aber kein Gedrängel. 

Ehe wir uns versehen, kommt der erste Anstieg und ahnen ansatzweise, was uns heute erwartet. Der Wolvenberg ist zwar nicht gepflastert, aber es geht zwischen den kleinen Häusern direkt mal satt bergan. 7,9 % im Schnitt, da freuen sich die Muskeln und sind, oben angekommen, schon mal gut durchblutet.

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Kopfsteinpflaster zum Frühstück. Das ist eigentlich etwas für Johan Museeuw, dem Löwen von Flandern und unglaublichen drei Siegen bei der Flandern-Rundfahrt.

Die Sonne scheint schön über die Kuppen der Hügel von Flandern, da macht das Rennradfahren wesentlich mehr Spaß. Spaß gibt es auch am bekannten Molenberg, als wir diesmal auf Kopfsteinpflaster ordentlich durchgenommen werden. Der erste Gedanke: Das hält das Material niemals aus! Niemals!!! Nach fünfhundert Metern hat der Anstieg ein Ende, die Leiden jedoch nicht. 

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Anstiege braucht der ambitionierte Rennradfahrer!

Beängstigend ist es zu sehen, wieviele Teilnehmer jetzt bereits am Straßenrand stehen und Pannen haben. Wir haben ja noch nicht mal Ernst gemacht! Ein Schauer jagt über meinen Rücken. Wo soll das hinführen? Nun gut. Drei Kreuze machen und einfach nicht hingucken, wenn andere am Wegesrand ihre Schläuche wechseln.

Der Flandernrundfahrt schlängelt sich durch unglaublich schöne Landschaft. Immer wieder gibt es herrliche Aussichten. Die zu genießen, fällt nicht immer leicht. Zu sehr konzentrieren wir uns auf den Untergrund. Das Kopfsteinpflaster fordert Opfergaben. Die werden ihm gegeben in Form von zahlreichen Trinkflaschen, die bei dem Gepolter aus den Halterungen springen wie ein Grashüpfer auf Ecstasy. Der Inhalt verteilt sich klebrig auf den rumpeligen Steinen und man muss aufpassen, um nicht über so ein Plastikfläschchen zu fliegen.

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Für alles war an den Verpflegungspunkten gesorgt: Erste Hilfe, Essen, Trinken, Toiletten…toll!

Wir sind gut dabei, fahren ein ansehnliches Tempo und sind mit unserer Leistung zufrieden, als wir nach bereits dreißig Kilometern den ersten Versorgungspunkt erreichen. Auch hier zeigt sich wieder das Organisationstalent des Veranstalters. Kein Gedränge, ausreichend Zelte, an denen es zu essen und zu trinken gibt. Waffeln, Bananen, Orangenscheiben, Riegel und Gels – hier bekommt man alles, ohne in eine Warteschlange zu geraten. Das Gleiche an den zahlreichen Toiletten. Wild-Pinkeln ist nicht gern gesehen.

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Wenigsten für ein paar Meter das Gerüttelt vermeiden. Machen die Profis auch wo sie nur können! Foto: SPORTOGRAF

Die Teilnehmer scheinen allesamt recht entspannt zu sein. Ihnen steht die Freude ins Gesicht geschrieben, dass endlich wieder die Flandern-Rundfahrt für jedermann stattfinden kann. Dass es aber auch anders geht, zeigen uns einige echte Windschatten-Lutscher, wie sie im Buche stehen. Je länger der Tag, desto mehr kommt Wind auf. So treiben wir uns auch mal im Windschatten rum, machen aber auch vorne ordentlich Arbeit. Die meisten bleiben aber lieber hinter uns und zeigen kein Interesse daran, mal ein wenig mitzuarbeiten. Selbst als wir etwas das Tempo herausnehmen. 

Irgendwann ist uns das zu bunt und wir nehmen die Füße hoch. Da können sie nicht anders als zu überholen. Und schwupp, hängen wir uns dran. Wir drehen den Spieß einfach mal um. Oder, wenn wir diese Spezies wieder mal hinter uns haben, geben wir so Gas, dass sie uns nicht folgen können. 

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Quäl dich, du Sau! Foto: SPORTOGRAF

Schade, denn eigentlich könnte man an einigen Stellen gut mal gemeinsame Sache machen und die Kräfte schonen. Schließlich geht es um nichts. Dabeisein ist alles. Es sind aber auch nur wenige Ausnahmen, muss ich dazu sagen. Alles halb so wild.

Auf dem Parcours der Profis mit dem eigenen Rennrad zu fahren, da, wo Legenden und Geschichten geboren werden und heldenhaft das Kopfsteinpflaster bezwungen wird, ist ein Traum für jeden Radsportler. Hier, beim Jedermann-Rennen ist es möglich. Klangvolle Namen der Anstiege in Flandern lassen die Augen aufleuchten.

Berendries, Valkenberg, Kanaraieberg oder der sagenhafte Oude Kwaremont – sie alle sind fester Bestandteil der Flandern-Rundfahrt und tragen zur Legendenbildung bei. Und wir mittendrin und mitten drauf. Nur das bei uns sehr wenig bis gar keine Zuschauer am Rand stehen. Unsere abgerufene Amateur-Leistung ist zu uninteressant. Die paar Versprengten jedoch, die wahrscheinlich eh am Ende der Anstiege wohnen und nichts Besseres zu tun haben, feuern uns zumindest zaghaft an. Immerhin.

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Knackig. Oder besser: Von Stein zu Stein hüpfen.

Auch am zweiten Pausenpunkt halten wir es kurz. Trinken und Bananenstückchen reinschieben und dann soll es eigentlich weiter gehen. Doch ein älterer Herr mit in Lycra eingezwängten großen Bauch und einem uralten Rennrad mit Schutzblech sowie zahlreichen Startnummern vergangener Rennen am Rahmen erregt unsere Aufmerksamkeit.

Irgendwie kommen wir ins Gespräch. Ein Mischmasch aus deutsch, englisch, niederländisch und flämischen Akzent entsteht. Keiner versteht wirklich was, meint aber alles verstanden zu haben. Stille Post für Fortgeschrittene. Doch irgendwie ist es ganz nett. Denn reden kann dieser große Bär. Da kommt mir im Sinn, dass er uns ja einen Tipp geben könnte, wo wir für das morgige Rennen einen guten Platz an der Strecke als Zuschauer ergattern könnten.

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Hier wußte jemand, wie der Hase (also das Rad) läuft.

Und dann holt er aus und redet wie ein Wasserfall. Wir versuchen uns das Genuschel zu merken, beziehungsweise überhaupt zu verstehen. Wenn das aber klappt und wirklich so toll ist, dann kann das was werden am Oude Kwaremont. Wir werden sehen. Wir bedanken uns freundlich und schwingen uns wieder auf die Rennräder. Respekt, der gute Mann fährt mit seiner Konstitution seit 23 Jahren hier mit! 

Weiter geht die wilde Hatz. Das Laktat will schließlich in die zwei Stampfer eingeschossen werden. Es geht durch schmale Straßen, hügelige Felder und an Weiden vorbei. Hin und wieder geht es in schnelle Abfahrten, genauso geht es immer wieder rauf. Die bekanntesten Hellingen kommen noch. 

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Timo hat den Koppenberg bezwungen. Da darf er auch mal grinsen.

Dazwischen und meist hinauf: Kopfsteinpflaster! Wände davon tun sich vor uns auf. Die Rennräder springen von Stein zu Stein. Oder in die Zwischenräume. Lücken, die so übel sind, dass man meint, darin zu verschwinden. Nur wenige Zentimeter Gras am Rand dieses Wahnsinns bleiben manchmal, um der Kopfsteinpflaster-Hölle wenigstens für zwei, drei Sekunden zu entkommen.

Die Zeit vergeht, ohne Bedeutung für uns, die Kilometer schmelzen dahin. Ja, wirklich. Die verbliebenen Gehirnzellen haben durch das unnatürliche Gerüttel jegliche Übersicht von Raum und Zeit verloren. Hunger stellt sich ein. Ein Segen ist der zu richtigen Zeit kommende letzte Versorgungspunkt. Ich liebe diese erfrischenden Orangenscheiben, die leckeren Bananen und auch die Waffeln. Durchatmen, Luft holen, sich ein letztes Mal stärken. 

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Schön reinknallen in das Kopfsteinpflaster, nachdem man die Knochen durchnummeriert hat.

Eigentlich sind wir schon wieder in Oudenaarde, aber es geht nochmals auf eine Schleife, die es in sich hat. Der Taaienberg ruft, nachdem es kurze Zeit flach ist. An sich nicht so schwer, im Durchschnitt nur 6,1 %, aber bis maximal 16 % auch kein Pappenstiel. Die Körner rauschen aus dem Laib, denn die Anstiege folgen nun in kurzer Folge hintereinander. Tack-Tack-Tack. 

Die Namen der Anstiege werden immer famoser und bekannter. Giftiger sowieso. Das Beste kommt also zum Schluss. Eine weise Streckenführung, die sich seit Jahren bewährt hat und jedes Rennen spannend macht. Kanarieberg, Oude Kruisberg und ein paar weitere lassen uns ordentlich auf dem Rennrad schwitzen. Einige Teilnehmer schieben ihre Räder die Rampen hinauf. Keine Option für uns. 

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Schieben? Für mich keine Option! Man sehe sich meinen Gesichtsausdruck an! Foto: SPORTOGRAF

Und dann: der Oude Kwaremont. Weltberühmt. Eine Legende der Flandern-Rundfahrt. Bocksprung-artig rumpeln wir von Pflasterstein zu Pflasterstein den Hügel hinauf. Eigentlich ist er im Durchschnitt gar nicht wild. Knapp 4 % sind es nur, 11,6 % höchstens. Aber er ist lang. Das macht es so schwierig auf dem Geläuf. 2000 Meter sind da eine Ansage. Geschafft. Keuchend, aber geschafft.

Ausruhen ist aber nicht drin. Den eine Wand ist noch zwischen uns und dem Zielstrich. Der Paterberg. Ein Monster von Anstieg, fast 13 % Steigung im Schnitt. Oh, was steigt das Laktat an in den Beinen. Nicht nur, dass man die Kurbel bis zum Erbrechen würgen muss, nein, man muss auch den schiebenden oder noch langsameren Fahrern ausweichen. Eine Plackerei. Kurz vorm völligen Stillstand. Doch dann sind wir oben, Schnappatmung setzt ein. 

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Windschatten-Lutscher an Timo’s Hinterrad.

Doch es legt sich schnell und wir knallen schon wieder bergab. Nur noch flach ist es die letzten Kilometer. Ein Klacks. Denkste. Knüppelhart bläst der Wind uns ins Gesicht. Und kostet enorm viel Kraft. Kurz packen mich dadurch Krämpfe in den Oberschenkeln, so hoch ist die Anstrengung. Und wieder setzt sich eine Fraktion von Windschatten-Lutschern hinter uns. Nicht einmal wird mitgearbeitet. Timo wird es zu bunt und gibt nochmals alles. Ich könnte kotzen, aber ich knall hinterher und wir entlassen die anderen damit frontal in den Wind. 

Die Ziellinie in Sicht, nehmen wir jetzt das Tempo etwas raus. Hier auf dieser Geraden wird die Flandern-Rundfahrt der Profis auch morgen entschieden werden. Wahrscheinlich im derben Sprint. Wer wird gewinnen? Ein Favorit? Ein Außenseiter? Wir dagegen fahren gemeinsam, den Arm auf die Schulter des jeweils anderen gelegt, über die Ziellinie. 144 Kilometer und ein einziges  Erlebnis! Was für ein Tag! Ein Segen für uns: Mensch und Material haben gehalten. 

Fazit: Einfach grandios und absolut empfehlenswert für jeden, der Rennradsport liebt und sich einmal auf die berühmten Spuren eines Frühjahrsklassikers begeben möchte. Die Anmeldungen für 2023 sind schon in Kürze möglich. 

Der offizielle Aftermovie der Flandern-Rundfahrt

Von den Profis in Flandern & die Faszination beim Zuschauen

Der nächste Tag ist perfekt. Genauso wie bisher. Wir haben das Auto etwa fünf Kilometer vom Oude Kwaremont geparkt und das letzte Stück mit den Rennrädern gefahren. Wir haben einen perfekten Punkt als Zuschauer gefunden. Direkt am Absperrgitter, die Räder hinter uns unter einem Verkehrszeichen angeschlossen. Das Spektakel beginnt. Zuschauer flanieren diesen berühmten Anstieg rauf und runter. Manche schick angezogen, hin und wieder ein wenig overdressed. Stöckelschuhe auf Kopfsteinpflaster? Nun ja. Aber es gibt weiter unten in VIP-Zelten Häppchen, da wird man gesehen. Die Schickeria gehört bei diesem Radrennen dazu.

Das jüngere Publikum entfesselt eher ein echtes Volksfest. Bier und andere hochprozentige Spirituosen aus Dosen, Glasflaschen und Bechern gehen literweise durch die Kehlen. Der ein oder andere wird nicht einmal mehr die erste Überfahrt der Profis über dem Oude Kwaremont erleben, sondern eingenickt auf dem gepflügten Feld dahinter liegen. 

Die Ordner fangen an, den Weg freizumachen von den vielen Leuten. Alle hinter die Banden. Der Auto-Korso kommt. Jury-, Food-, Service-Autos und sonstige wichtige oder unwichtige Fahrzeuge kündigen das nahe Peloton an. Eine lange Karawane ist das. Der Helikopter schwebt über unseren Köpfen. Die Show kann beginnen. Und dann kommen die Profis um die Kurve am Oude Kwaremont hochgeschossen. Es geht alles so schnell. Nur Zentimeter und nur durch die Bande getrennt, fahren die Profis an uns vorüber. Wahnsinn, was für ein Tempo! Komplett verrückt und total anders, als wir es jemals könnten.

Flandern: So machen es die Profis

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Die Lautstärke um uns herum ist enorm. Es wird auf die Bandenwerbung gehauen, die Fahrer lautstark angefeuert, ja angeschrien. Fahnen mit dem Symbol Flanderns werden geschwenkt. Wir sind im Zentrum eines Orkans, es gibt kein Entrinnen. Wollen wir auch gar nicht. Was für eine Atmosphäre, die wir da aufsaugen. 

Sobald das lang gezogene Feld vorüber ist, legt sich auch der Sturm wieder, so schnell er gekommen ist und die Leute gehen wieder über das Kopfsteinpflaster flanieren oder holen neues Bier an den Ständen entlang der Strecke. Noch zweimal fahren die Profis den Oude Kwaremont hinauf, noch zweimal erleben wir diesen Orkan an Jubel, Geschrei, Biergestank, betrunkenen Körpern, Anfeuerungsrufen und Ekstase echter Radsport-Fans. Das ist Flandern! Cobbles. Hills. Suffer.

Völlig geflasht geht es danach für uns zurück Richtung Auto. Wir halten noch einmal unterwegs am Straßenrand an, um auf dem Smartphone das unfassbare Finale auf dem Smartphone zu schauen. Matheau Van Der Poel gewinnt den Sprint kurz vor knapp in einer Vierergruppe, nachdem er zwar clever, aber völlig verrückt taktiert hatte. Grandios. Wie das ganze Wochenende. Cobbles. Hills. Suffer.

Zur offiziellen Seite von WERIDEFLANDERS geht es hier. Lust?

Infos zur Flandern-Rundfahrt auf wikipedia gibt es hier

Faszination Rennrad - mein Artikel aus der Emilia Romagna vom Giro
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One Comment

  • Holger

    Schöner Bericht, habe ich selbst ganz ähnlich erlebt. Ich empfehle auch unbedingt die „lange“ Streckenvariante zu probieren. Sensationell gut organisierter Bus-Transfer von Oudenarde zum Startort und die Hellingen komme nach ca. 110 Km.
    Ach ja die Gelben Fähnchen mit dem Flämischen Löwen werden vom „Vlaams Belang“ im Publikum verteilt. Vlaams Belang ist eine rechtsextreme, separatistische Regionalpartei in Belgien. Sie vertritt nationalistische Positionen. Ihr Stil gilt als rechtspopulistisch. (Quelle Wikipedia)

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