Rando Imperator,Witoor,Alpen,Rennrad,München,Bozen,Ferrara
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Der Rando Imperator – Herzschmerz bei der Alpenüberquerung: Teil 2

Weiter geht der Rando Imperator. Hinauf nach Nauders. Mit bis zu 12% Steigung in der Spitze, meist aber um die 9%, schraubte ich mich hinauf. Ich wollte unbedingt konstant meinen Tritt fahren. Ein ganzes Stück vor mir fuhren zwei weitere Teilnehmer. Beide überholte ich. Es war trotzdem nicht leicht, aber ich hatte mein Tempo und ein gleichmäßiges Treten gefunden. Schwitzend, aber zufrieden kam ich an der Norbertshöhe an.

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Die Serpentinen. Meine Richtung: Eher rauf als runter!

Dort dachte ich, das Schlimmste wäre jetzt geschafft. Ich täuschte mich erheblich! Nach einer kurzen, aber herrlichen Abfahrt ging es wieder rauf! Nauders lässt grüßen. Das hatte ich irgendwie nicht auf dem Schirm gehabt. Fünf weitere Kilometer musste ich klettern! Und das Stück zog sich wie Kaugummi und mir fast den Stecker. Obwohl ich alles andere als überpaced hatte.

Das der Rando Imperator kein Zuckerschlecken ist, hat auch keiner behauptet. Mir erging es fürchterlich auf dem Stück. Und zu allem Übel fuhr ich am zweiten Checkpoint, an der ehemaligen Grenzstation, am Café Daniel dran vorbei, da der Track NICHT unmittelbar daran vorbeiging und auch keinerlei Fahnen des Veranstalters, wie beim ersten Checkpoint, zu sehen waren.

Hinauf nach Nauders

Ich kam zum Reschensee und war mich am wundern, wo denn der ominöse Checkpoint nun sei. Zwei weiteren Fahrern vor mir erging es auch so. Zwei deutsche Teilnehmer, Dominik und Grischa. Wir beratschlagten kurz und da fiel es uns wieder ein. Der Veranstalter hatte es noch extra in der E-Mail geschrieben! Was das hieß? Viereinhalb Kilometer zurückfahren!

„Angepisst“ nennt man sowas in dem Moment. Das war ich so richtig. Sauer. Auf mich, auf Gott und die Welt. Ich brauchte diese Pause und die Kilometer waren unnütz gewesen. Kostbare Energie. Ärgerlich! Aber zugegebener Weise selber Schuld. Nachdem die Pizza meinen Schlund hinunter gewandert war, war alles vergessen.

Viele hungrige Mäuler wurden in dem Café gestopft. In einigen Gesichtern waren die Strapazen abzulesen. Nässe und Höhenmeter hatte einigen Fahrern zugesetzt. Doch die gute Laune blieb. Als wir uns entschieden zu dritt weiterzufahren, war auch bei mir die gute Laune schon längst wieder durchgedrungen. 

Reschenpass – Check ✓

Mit neuem Elan ging es vorbei am Reschensee, mit dem berühmten Kirchturm, dessen Spitze aus dem Wasser ragt. Ab hier wurde der Rando Imperator um einiges leichter. Die allermeisten Höhenmeter waren Geschichte, es ging eigentlich nur noch bergab.

Und wie! Der Radweg entlang des Lago della Muta war ein echtes Schmankerl. Am Rande des Ufers führte der allerbeste Asphalt wellig und rapide bergab. Wir legten ein irres Tempo auf diesem schmalen Asphaltband hin. Das Ufer zu unserer Linken, einige Meter unter uns. Ein Kribbeln im Bauch, Glücksgefühle und Spaß wirbelnd in der Magengrube. „Geil“, durchzuckte es mich! „Einfach geil!“ Den anderen erging es wohl genauso.

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Eine herrlich schnelle Abfahrt!

Der Track führte die Etsch entlang. Wolken kamen auf. Es fing wieder an zu regnen. Wir hielten irgendwo in einem kleinen Örtchen und zogen uns wacker die Regenkleidung an. Bei der Nässe und dem Tempo mussten wir auf der Strecke gut aufpassen. Alles ging gut.

Wir kamen nach Prad am Stilfser Joch und fuhren immer weiter die Etsch entlang in Richtung Meran. Einfach zu fahren in diesem Tal. Die Berge ringsum allesamt mit einer Wolkendecke umsäumt, doch der Regen hatte bereits wieder aufgehört. Alles war grau in grau. Weinreben schmückten den Weg links und rechts. Wie schön musste es hier bei Sonnenschein sein.

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Wenigstens war der Asphalt gut!

Dann hatte Grischa einen schleichenden Plattfuß. Er sagte, wir sollen ruhig weiterfahren. Er würde so einen Defekt immer ganz in Ruhe beheben. Wir hätten gewartet, aber er bestand darauf. So fuhren wir weiter. Schnell, zügig, bestimmt. Mir war mittlerweile klar, dass ich wesentlich eher in Bozen ankommen würde, als gedacht. 

Ich hatte mich komplett unterschätzt. Dass ich es wahrscheinlich sogar bis in die Dämmerung schaffen würde, hätte ich nicht erwartet. Ich war im Glauben, erst am frühen Morgen in Bozen einzulaufen. Also was tun? Irgendwo musste ich ja dann früher unterkommen. 

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Wildromantisch so ein Castello.

Kurz vor Meran rief ich in meinem Hotel in Bozen an, welches ich für sonntags gebucht hatte, ob ich schon einen Tag eher kommen könnte und ob überhaupt ein Zimmer frei wäre. Alles kein Problem! Der freundliche Herr an der Rezeption bereitete alles vor. Ich müsste nur bis 23 Uhr eintreffen. So lange wäre die Rezeption besetzt.

Das schien durchaus machbar. Alles würde gutgehen. Dominik und ich gaben unseren Rädern die Sporen. Wir unterhielten uns  die ganze Zeit sehr gut, er war ein prima und sehr angenehmer Begleiter. Und auch das Tempo passte bei uns beiden gut zusammen. 

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Links Dominik, ein sympathischer Begleiter und rechts…nun gut, Schwamm drüber.

Ab Meran wurde es immer flacher. Die Dämmerung setzte langsam ein. Die Schönheit Merans ließ sich nur noch erahnen. Da es ab hier quasi immer nur geradeaus ging, wurde die Fahrt mit dem Rennrad nun etwas monoton und zäh. Die Müdigkeit und die leicht schweren Beine machten sich bemerkbar. 

Ich teilte mein letztes Wasser mit Dominik, der nichts mehr in seiner Trinkflasche hatte und auch langsam Ermüdungserscheinungen hatte. Ein langer Tag im Sattel war das bisher gewesen. Die Kilometer zählten auf meinem Wahoo quälend langsam herunter. 30…25…20…15…Ich war an dem Punkt angelangt, dass ich jetzt einfach nur noch ankommen wollte.

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In der Dämmerung. Und ja, das ist ein Rennrad und kein Gravelbike!

10…Wir erreichten die Vororte von Bozen..5…Eine andere kleine Gruppe, Italiener, schloss sich von hinten an und wir rollten zusammen die letzten Kilometer durch die Straßen Bozens. 4…3…2…1…Da! Angekommen! Geschafft! Unglaublich! Was eine Tour! Es war viertel nach neun am Abend, als wir auf der wunderschönen Piazza Walther mit dem angestrahlten Dom und den ringsum noch gut besuchten Cafés ankamen. 

Witoor, der Veranstalter, hatte hier in dieser schönen Kulisse noch für etwas zu Essen und ein paar Getränke gesorgt. Ein paar wenige Fahrer waren noch da, vereinzelt trudelten noch welche ein. Für mich war es das. Ich würde jetzt die wenigen Meter zum Hotel rollen, während viele weitere Fahrer sich entweder nur kurz ausruhen oder in den frühen Morgenstunden weiterfahren würden.

Bozen erreicht, Herzschmerz kommt

Ferrara, das war das Ziel für viele weitere Teilnehmer. Auch für Dominik. Gelegen in der Emilia-Romagna, dreihundert weitere Kilometer vor der Brust. Ich hatte ein bisschen Wehmut im Herzen, hier jetzt auszusteigen. Mein Ziel hatte ich erreicht, aber hätte ich vorher gewusst, wie gut es laufen würde, dann hätte ich den zweiten Tag auch in Angriff genommen.

Ich war relativ schnell unterwegs gewesen, ich kam sogar im ersten Drittel des Teilnehmerfeldes an. Ich war völlig zufrieden damit. Damit hätte ich nicht gerechnet. Die ganze Tour mit dem Rennrad hat mir eine riesengroße Freude bereitet. Es war ein Erlebnis, von dem ich noch lange zehren werde. Die Eindrücke waren enorm, ja sogar grandios und spektakulär. Was für eine Erfahrung! 

Mit Wehmut dachte ich am nächsten Tag an die Fahrer, die in dem Moment weiterfuhren und noch mehr Eindrücke sammelten. Ein Gefühl, wie ein Stich ins Herz. Als ob ich jemanden Geliebtes verlassen müsste und ich mich nun einfach nur noch einsam fühlte. Ich kann mich nicht erinnern, solche merkwürdigen Sentimentalitäten jemals im Radsport gehabt zu haben. Verrückt.

Witoor zeichnete mich während des Events mit dem „Rando Imperator Award“ aus. Ich war sprachlos.

Offizielles Video zum Rando Imperator 2022

Na, wer findet mich im Video 😉
Weitere Infos

Wer den ersten Teil gerne noch einmal lesen möchte: Herzschmerz bei der Alpenüberquerung: Teil 1

Hier geht es zur Website des Veranstalters WITOOR

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