HNF-NICOLAI XD2,bikingtom,Test
TEST

Fahrbericht HNF-NICOLAI XD2 URBAN (S-Pedelec)

Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, den Nachfolger des HNF-Haisenberg XD1 zu fahren, nun als HNF-NICOLAI XD2 bezeichnet, nach der Namensänderung der Firma. Den Vorgänger hatte ich im Oktober 2017 bereits gefahren, das Interesse daran war riesengroß. Mich erreichten einige Emails dazu. So nahm ich die Gelegenheit gerne wahr, als Frank Herbach, Gebietsleiter von HNF-NICOLAI in NRW, mir anbot den Nachfolger einmal Probe zu fahren ( ebenfalls als S-Pedelec! ). Mich interessierte vor allem, wo die Änderungen am XD2 zu finden sind. Hier also mal meine Eindrücke.

Vorab, es handelt sich eher um ein kleines Update, wo die auffälligste Änderung der nun verbaute Intube-Akku von Bosch ist! Im leicht bullig wirkenden Unterrohr integriert und gut versteckt, mit einer Leistung von 500 Watt. Der Motor selber ist weiterhin hochkant verbaut, was dem jetzigen Design noch mehr zu Gute kommt. Im Zusammenspiel mit der N380SE-NUVINCI-Schaltung und dem Gates-Riemenantrieb, kann er sein volles Potenzial ausschöpfen. Nur ganz unwesentliche Verzögerungen während bewusst kraftvoller Beschleunigung sind zu merken. Die fallen aber nicht ins Gewicht und stören keineswegs. Gefiel mir nach kurzer Eingewöhnung gut. Ebenso das PURION-Display von BOSCH, das beim kraftvollen Auftritt des XD2 ein angenehm dezentes Erscheinungsbild bietet. Das größere und klobigere INTUVIA-Display gehört somit also der Vergangenheit an.

 

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Links das Vorgängermodell XD1, rechts der Nachfolger und aktuelle Modell, das XD2 Urban. 

 

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Der Intube-Akku, versteckt im Unterrohr, dazu der kraftvolle BOSCH Performance Speed-Motor.

 

Wie der Name ja schon darauf hinweist, das Rad ist für den urbanen Lebensraum in der Stadt konzipiert. Um den Bedürfnissen noch gerechter zu werden, wurden nun schicke Gepäckträgerstreben konstruiert, die sich sehr gut an diesem Fahrrad machen. Da sie sich dezent an das hintere, stabile Schutzblech schmiegen, schlicht und puristisch, sollten sie gut ihren Zweck erfüllen. Ob es zu Problemen mit dem Platzangebot zwischen Fuß und Gepäckträgertasche kommen kann, konnte ich nicht testen. Am hinteren Schutzblech tut übrigens auch eine hochwertige SUPERNOVA ihren Dienst. Mitgedacht wurde endlich auch mal an langen Schutzblechen, die weit hinunter reichen und so auch echte Wirkung haben. Gerade wenn man in der Stadt und zum Job unterwegs ist, möchte man ja ungern versaute Hosenbeine bekommen. Die Schutzbleche von CORTINA, die am XD1 verbaut wurden, waren eher suboptimal gegen Verschmutzung und dazu kratzempfindlich. Da kann ich an meinem eigenen Pedelec ein Lied von singen, wo auch CORTINA-Schutzbleche angeschraubt sind. Die jetzige Lösung am XD2 mit den WINGEE von HERKELMANN gefällt mir also wesentlich besser. Sie sind stabil und lassen auch eine bessere Anbringung des vorgeschriebenen Nummernschildes zu. So wird gleichzeitig die Sattelstütze frei für eventuelle Satteltaschen.

 

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Langgezogene Schutzbleche bieten guten Schutz gegen Schmutz am Hosenbein und die Federgabel dämpft hervorragend!

 

An die Umsetzung eines kleinen, aber feinen Detail wurde nun auch gefeilt. Bisher war es schwierig ein gescheites Schloss am XD1 mitzuführen. Nun besteht die Möglichkeit direkt auf dem hinteren Schutzblech ein ABUS-Schloss sicher zu verstauen. Im Grunde eine ideale Position, da man es schnell griffbereit hat. Kleines Manko, das aber leicht abzuschalten wäre, ist das Geklapper des Schlosses innerhalb der Halterung, je nach Straßenverhältnissen. Das wirkt zunächst störend, mit einer möglichen Dämpfung in der Halterung selber könnte man dem Problem aber schnell aus dem Weg gehen.

 

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Prima Idee um ein Schloss mitzuführen, nur das Geklapper kann manchmal etwas störend wirken.

 

Die besagten Straßenverhältnisse in der Stadt sind ja mittlerweile häufig auch eher bedenklich. Überall gibt es Flickenteppiche auf dem Asphalt, auch größere und kleinere Löcher sind leider keine Seltenheit. Unebenheiten gibt es also reichlich. Da kommen die dicken Schluffen von SCHWALBE ( Super Moto-X ) mit einer 50er Breite gerade recht. Sie schlucken im Zusammenspiel mit der außerordentlich guten 120 mm ROCKSHOX Recon-Federgabel so manche Delle weg. Klasse. Doch als krasser Gegenpart wirkt die Sattelstütze Trident von SATORI. Sie schluckt nämlich so gut wie gar nichts und wie ich finde geht sie brutal auf den Rücken. Das habe ich schon beim XD1 kritisiert. Das ist sehr unangenehm und bietet auch ein merkwürdiges Gefühl beim fahren, wenn beim überfahren einer Unebenheit diese zunächst vorne weg gebügelt wird und im nächsten Moment dann doch der Einschlag über die Sattelstütze kommt. Da ist noch Verbesserungspotenzial vorhanden. Ein wechseln der Stütze stellt aber zum Glück heutzutage kein Problem mehr da.

 

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Deutliche MTB-Gene, ausgelegt aber für die Stadt, mit feiner Gepäckträgerhalterung. Nur die Sattelstütze schlägt zu sehr auf den Rücken.

Bequem ist der dagegen die Lenkerhaltung, die man über einen Speedlifter von BYSCHULZ auch in der Höhe verstellen kann. Zwar ist der Lenker nach wie vor sehr breit, aber nicht ermüdend für die Arme. Er trägt dazu bei ein sicheres Fahrgefühl bei den höheren Geschwindigkeiten zu haben. Ein wichtiges Kriterium, denn man darf ja mit dem S-Pedelec nicht auf Radwegen fahren und sollte also sicher das Rad auf den Straßen führen können. Die Geometrie am XD2 ist aber so gehalten, das zu keiner Zeit ein Flattern auftaucht. Das Rad liegt solide und satt-angenehm auf der Straße. Doch ob einem auch das Fahrgefühl zwischen so einer Art Chopper und einem MTB gefällt, ist immer Geschmackssache! Da heißt es: selber ausprobieren! Am Lenker ist übrigens nun auch eine hervorragende Lampe angebracht, nämlich die SUPERNOVA E3, die hier ein stimmiges Bild abgibt, und sich schon unzählige Male an den unterschiedlichsten Fahrrädern bewährt hat. Schön.

 

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Vorne und hinten gibt es sehr gutes Licht von SUPERNOVA!

 

Ganz wichtig für ein S-Pedelec sind natürlich auch die Bremsen. Die MAGURA MT4, die ich mittlerweile auch schon an diversen anderen Rädern fahren konnte, packen absolut zuverlässig und richtig bissig zu und sind eine gute Wahl. Sie stammen zwar eher aus dem MTB-Bereich, machen als Allrounder-Bremsen aber einen wirklich guten Job! MAGURA bietet die Bremse übrigens auch als MT4e an, die noch besser auf E-Bikes abgestimmt sein soll. Ob die jetzt noch wesentlich bessere Brems-Ergebnisse am XD2 erzeugen würde, vermag ich nicht zu beurteilen. An den hier verbauten MT4 mit Zwei-Finger-Bremshebeln gibt es aber auch wirklich gar nichts auszusetzen!

FAZIT: Ein feines Update ist mit dem XD2 Urban gelungen. Kleine Detailverbesserungen machen das S-Pedelec noch interessanter, da anscheinend mehr auf die Alltags-Bedürfnisse der möglichen Käufer eingegangen wurde. Lediglich die mangelhafte Sattelstütze haut ordentlich rein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Da muss echt Abhilfe her. Kleines Manko auch das mögliche Klappern des Schlosses hinten auf dem Schutzblech, was aber leicht zu ändern wäre. Ansonsten bekommt man bei HNF-NICOLAI mit dem XD2 ein qualitativ sehr hochwertiges Rad. Zu einem Preis von 3990€ bzw. 4290€ für das S-Pedelec! Gerade der Rahmen mit seinem wunderbaren glatten Schweißnähten zeugt von hohem Können. Kein Wunder bei der Rahmenschmiede, die nicht ohne Grund einen sehr guten Ruf besitzt! Dazu kommen die einzelnen Komponenten, die ein stimmiges Bild abgeben. Prima. Bleibt die Frage, wo dieses S-Pedelec einzuordnen ist? Eher doch im MTB-Bereich, wenn man sich den Rahmen und die Geometrie anschaut? Oder doch schicker Stadt-Flitzer mit MTB- und Chopper-Genen? Mit Sicherheit eine interessante Alternative zu so manchem Einheitsbrei. Man sollte sich aber immer vor Augen halten, das man mit dem S-Pedelec nicht auf Radwegen fahren darf, sondern nur auf der Straße! Gut das man da auch die Wahl hat nur das „normale“ Pedelec mit 25 km/h-Unterstützung zu nehmen! Das wäre dann auch wohl weiterhin meine erste Wahl. Aber ordentlich Spaß…das macht das XD2 Urban definitiv!

Weitere Infos findet ihr unter www.hnf-nicolai.com

6 Comments

    • bikingtom

      Das macht schon Spaß, das muss ich dir sagen! 😃 Und trotzdem schaffe ich sogar noch viele, viele Kilometer im Jahr! 😉 Wenn das hier meine Family lesen sollte…😘😁

      • alex

        Ja so ist das eben, die Family. Aber so wie ich das im Hinterstübchen habe, sind sie bei Dir auch radmäßig wenigstens ein wenig begeistert.
        Ich spiele ja hier alleine auf weiter Flur.

      • bikingtom

        Ganz so einfach ist es nicht. Aber sie verstehen zumindest was das Radfahren als Leidenschaft für mich bedeutet. Sie selber fahren eher…na, Schwamm drüber! 😂

  • Danny

    Mich würde noch mehr Infos zur Schaltung interessieren ob da die die NuVinci etwas taugt. Ich bin Nabenschaltungen eher skeptisch gegenübergestellt. Ich hatte mal eine Alfine 11 an einem Pedelec S und die war bei höheren Geschwindigkeiten total überfordert. Kannst Du etwas dazu sagen? Hat man bei hohen Geschwindigkeiten eine abstrus hohe Trittfrequenz?
    Was mich auch interessieren würde: Lässt sich die Bedieneinheit abnehmen? Aus Erfahrung weiss ich, dass da bestimmt einer rumfummelt wenn es mal irgendwo steht. Habe da auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. AM besten wäre natürlich eine Lösung à la Stromer ST2 wo alles im Rahmen ist. Weil mal ehrlich. Immer so eine Bedieneinheit mitschleppen ist doch auch mühsam..

    • bikingtom

      Hallo Danny, mir schien die Wahl der NuVinci recht gut gelungen. Zu hohe Trittfrequenz bei hoher Geschwindigkeit konnte ich nicht feststellen. Gewöhnungsbedürftig für ein paar Momente war mir die Schaltung allerdings auch, ein Fan war ich bisher auch nicht gerade davon. Ich bevorzuge halt einfach die klassische Kettenschaltung. Trotzdem hatte ich schnell ein gutes Gefühl beim XD2 Urban und konnte in der Hinsicht nichts negatives feststellen. Komfortabel in der Stadt ist die NuVinci allemal. Lösungen, wo alles im Rahmen integriert ist, sind zwar schön. Jedoch nur so lange wie man beide Hände auch am Lenker lassen kann! Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen.

      Herzliche Grüße,

      bikingtom

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