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Gravel-Reifen fürs Grobe: Hutchinson Tundra im Test

Dies vorweg: den Hutchinson Tundra habe ich mir selber gekauft und bin niemanden gegenüber verpflichtet. Der Test spiegelt meine persönliche Erfahrung wieder, die ich euch gerne weitergebe. Trotzdem kennzeichne ich diesen Test vorsichtshalber als Werbung. Ihr könnt damit umgehen. 😉

Ich war auf der Suche nach einem soliden Gravel-Reifen, der auch auf matschigen Wegen guten Grip und auf groben Geläuf eine prima Performance abliefern kann. Da ich mit dem Semi-Slick Reifen Caracal Race von Hutchinson im Sommer und Herbst sehr zufrieden war, habe ich mich bei dem Hersteller daraufhin nach entsprechenden Reifen für die Winter- und oft durchwachsende Übergangszeit umgeschaut. Der Hutchinson Tundra sprach mich an und landete daher bei mir schlussendlich auf den Laufrädern.

Vorstellung Hutchinson Tundra

  • Modell: Hutchinson Tundra Tan Walls
  • Tubeless Ready: ja
  • ETRTO: 40-622
  • TPI: 127
  • Gewicht: 490 g
  • Preis: 49,99 Euro
  • Herstellerland: Frankreich
Hutchinson Tundra,Gravel-Reifen,Profil von oben
Grobes Profil für schwieriges Gelände, auf der Straße wirkt er jedoch etwas schwerfälliger.

Hutchinson gibt an, das der Tundra für schwere, teils felsige Schotterpisten oder verwurzeltes Gelände sowie matschigen Untergrund ausgelegt ist. Dazu wurde die eigene Expertise aus dem MTB-Bereich verwendet, um das Profil zu optimieren, so der Hersteller. Die Stollen wurde so angeordnet, dass sich Schlamm dort nicht festsetzen soll, ohne Einschränkungen beim Grip machen zu müssen. Auch auf Asphalt soll der Tundra überzeugen, der Rollwiderstand gering gehalten werden.

Meine Erfahrung mit dem Tundra

Ich habe den Reifen mittlerweile unter vielfältigen Wetterbedingungen gefahren. Matsch, Schlamm, grober und spitzer Schotter, Wurzelpassagen und Asphalt – so ziemlich alles war bei meinen Touren mit den Hutchinson Tundra dabei. Dabei habe ich, nach etwas herantasten, auf einen Reifendruck von etwa 2,5 bar gesetzt, die Reifen habe ich tubeless montiert.

Bei feuchten, matschigen Untergrund spielt der Tundra im Zusammenhang mit erhöhter Geschwindigkeit seine Stärke aus und pflügt geradlinig und sicher durch die Erde. Bei geringerer Geschwindigkeit verliert er zwar spürbar etwas an Grip, ohne dass dies jedoch zu Problemen führt. Bei kleinen Anstiegen im Gelände, bei denen der Untergrund feucht ist, können die Reifen trotz des Stollenprofils kurzzeitig durchdrehen, etwas Technikbeherrschung ist in dem Moment von Vorteil.

Tatsächlich liegt das an der Anordnung der Stollen, die wie ein einzelner Steg wirken und somit an entscheidener Stelle kurz die Haftung verlieren können. Trotzdem: Alles in allem passierte das im Test sehr selten, ich empfand den Grip des Tundra bei schwierigem Geläuf als sehr gut und er bot mir zuverlässige Sicherheit. Die Stollen setzten sich obendrein, wie Hutchinson es verspricht, nicht nennenswert zu, das Profil wirkt selbstreinigend.

Der gute Grip macht sich auch bei Kurvenlage deutlich bemerkbar, da die Außenstollen etwas hervorstehen und sich gut in den Boden beissen können. Wer zudem mit geringerem Luftdruck fährt, gewinnt etwas mehr Auflagefläche hinzu, was dem Fahrverhalten ebenfalls zugute kommt. Wie bereits erwähnt, benötigt es etwas Ausprobieren, um den persönlichen, idealen Luftdruck herauszufinden. meines Erachtens ist der Reifen etwas sensibler, um den passenden Punkt zwischen schwammigen Fahrverhalten und perfekter Balance zu finden, als bei anderen Reifen.

Wenn dieser aber einmal gefunden ist, arbeitet der Hutchinson Tundra äußerst zuverlässig. Selbst Wurzelpassagen lassen sich gut ihm bewältigen. Er ist zwar kein MTB-Reifen, dennoch bietet er auch in solchem Gelände eine ansprechende Performance.

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Die Stollen setzen sich nicht sonderlich zu, der Dreck ist schnell wieder abgefahren.

Hutchinson sagt vom Tundra, er biete geringen Rollwiderstand auf Asphalt. Dem würde ich jedoch Wiedersprechen. Ja, er rollt zwar ordentlich, wirkt beim Fahrverhalten auf der Straße dennoch schwerer als beispielsweise der ebenfalls gut profilierte Schwalbe Ultrabite und saugt sich gefühlt mehr „in den Asphalt“ hinein.

Beim Thema Pannensicherheit bekommt der Hutchinson Tundra ein dickes Plus von mir. Pannen gab es im Test nicht zu verzeichnen, das Profil weisst auch nach bald rund 2000 Kilometern Laufleistung keine Beschädigungen auf. Ein sogenanntes „Hardskin-Textilgitter“, das sich von Wulst zu Wulst erstreckt, verstärkt den Reifen an den entscheidenen Stellen. Ein Zweikomponenten-Gummi sorgt für ein strapazierfähiges zentrales Profil.

Ebenso hält sich die Abnutzung des Pneus stark in Grenzen und ich würde auch keine Prognose abgeben, mit welcher Laufleistung der Reifen runtergefahren sein wird. Das dürfte noch ein ganzes Weilchen dauern. Top!

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Zufrieden: die hohe Pannensicherheit gefällt.

Fazit

Der Hutchinson Tundra ist eine gute Wahl mit nur leichten Abstrichen für Fahrten durch Matsch und über schroffe Schotterpisten. Der Grip in diesem Gelände bewerte ich mit gut bis sehr gut. Die sehr geringen Schwächen des Pneus sind zu verschmerzen. Auch die Performance auf trockenen und groben Schotterwegen überzeugte mich. Die Pannensicherheit ist Top. Lediglich bei Fahrten auf Asphalt hatte ich das Gefühl, etwas ausgebremst zu werden, der Gravel-Reifen wirkt dort etwas zu schwer. Die Stärken des Tundra liegen definitiv im Gelände.

➕ Performance auf groben und in matschigem Geläuf

➕ hohe Pannensicherheit

➕ geringer Verschleiß

➕ preislich attraktiv

➕➖ kann etwas dauern, den geeigneten Luftdruck zu finden

➖ schwerfällig auf Asphalt

Mehr Informationen, auch zu anderen Größen, findest du bei Hutchinson.

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Gravel, Bikepacking, Ultracycling und Rennrad. Das sind meine Steckenpferde. Ich liebe es in der Natur auf dem Rad unterwegs zu sein. Sei es auf entspannten Touren, bei sportlichen Herausforderungen oder eigenen Grenzen verschiebenden Events. Radfahren ist meine Leidenschaft. Sowohl als Hobby als auch beruflich.

One Comment

  • Pascal Kurschildgen

    Danke für den Testbericht. Klingt nach einem Reifen für Spaßgelände. Gut das du das nochmal mit dem Reifendruck erwähnst. Jeder muss für sich selber den richtigen Reifendruck in Abhängigkeit seines fahrerischen könnens, körperlichen Merkmale und vor allem Fahrprofil ausarbeiten. Ebenso nicht zu vernachlässigen die TPI Angabe des Reifenherstellers die einen Anhaltspunkt dafür bietet wie weich/anschmiegsam die Karkasse des Reifens ist. Top Bericht auch mal abseits der „großen“ und dominierenden Hersteller, danke dafür.

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