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Frankreich (3)

TOUR: Radfahren ohne Grenzen – Zwischen Deutschland und Frankreich

 

Eine Radtour machen zu können, ohne Grenzen überwinden zu müssen, ist eine feine Sache. Das bietet die Gelegenheit vom Rad aus seinen „Nachbarn“ auf eine schöne Art und Weise besser kennenzulernen. Denn wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, der weiß, wie einfach es ist dadurch mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Gerade Reiseradler gelten irgendwie als eine Art friedliche Spezies, der man gerne hilft oder mit denen man sich gerne mal auf ein Pläuschchen einlässt. „Woher kommst du?“, Wohin des Weges?“ oder „Was treibt dich in diese Gegend? sind oft gehörte Fragen. So entwickeln sich manchmal tolle Gespräche und man erfährt nebenbei noch interessante Geschichten aus der Umgebung. Also alles in allem eine richtig schöne Sache.

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Die Ludwigskirche in Saarbrücken
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Die Saar in Saarbrücken

Umso gespannter war ich natürlich auf die Tour, von der ich im ersten Teil erzählen möchte. Zum Verständnis: im zweiten Teil ist der Startpunkt der Tour der selbe, aber die Radtour führt dann in eine andere Richtung. Beide so schön das es sich lohnt auch von beiden zu erzählen. Am Ende der Artikel gibt es dann jeweils wieder den gpx-Track zum Download! Hier nun aber zunächst der erste Bericht:

An der Saar lässt es sich gut warmradeln für den Tag
„Verpflegungsstation“ auf bei Sarreguemines

Von Saarbrücken aus ging es zum eigentlichen Startpunkt in Sarreguemines, direkt an der Saar gelegen. Hier kann man sich in aller Ruhe warmfahren bevor es dann in die Hügel geht. Die Landschaft ist sehr reizvoll, die Auen bieten unzähligen Tieren Schutz.  Bei Sarreguemines ging es dann vom Fluss weg durch ein, zwei schmale Gassen, dann war ich schon an einem kleinen, schattigen Platz mit einem hübschen Brunnen an dem es eine typisch französische Brasserie gab. Meine erste Anlaufstation um mich mit Verpflegung einzudecken. Denn weitere mögliche „Versorgungsstationen“ gab es zwar laut meiner Routen-Planung auf der Strecke, aber die waren schon weit voneinander entfernt. Also war hier die beste Gelegenheit sich mit leckeren Backwaren und dem nicht fehlen dürfenden Baguette die Taschen voll zu machen. Selbst hier, nur wenige Meter auf französischer Seite, wurde es schon schwierig sich auf deutsch zu verständigen, denn ich hatte nur Latein in der Schule. Es ging zwar eigentlich ohne Probleme, aber komisch war es dennoch. Es gab früher Zeiten, wo die Spannungen beider Länder groß waren und da hätte ich wahrscheinlich als Deutscher keinerlei Waren bekommen. Dazu wäre ich womöglich noch aus dem Laden und auf und davon gejagt worden. Zum Glück ist das vorbei, denn, das darf ich vorweg nehmen, mir gefällt Frankreich recht gut! Nicht nur erst seit dieser Tour!

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Hier lohnt sich jeder Höhenmeter
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Schöner Rastplatz mit herrlichem Ausblick

Ich begab mich auf den Weg das bekannte Radwegenetz Velo Visavis, welches die Grenze hier in der Gegend zwischen den beiden Ländern verbindet. Zuerst war ich auf einer alten Römerstraße unterwegs, die hier zunächst über einige Kilometer hinauf in die Hügel führte. Diese Straßen wurden schon zu Zeiten der römischen Herrschaft nach den gallischen Kriegen um 50 v.Chr. angelegt. Ich musste in paar mal ordentlich Luft holen, denn diese langgezogene Steigung hatte es schon in sich. Aber kaum ein paar Meter gefahren beeindruckte mich der Ausblick enorm. Die Weite, die sich zu meinen Füssen auftat, war herrlich. Der Blick reichte von hier bis in die Vogesen. Das linderte den Anstieg ungemein, ein Lächeln kann man sich da kaum verkneifen. Je höher ich kam, desto schöner wurde es. Und quasi zur Belohnung gab es oben, so ziemlich auf dem höchsten Punkt gelegen, einen tollen Rastplatz! Dort konnte ich in alle vier Himmelsrichtungen das Panorama genießen, und das belegte Baguette auch.

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Blickrichtung nach Tenteling

Jetzt schon einige Höhenmeter verzeichnend radelte ich gut gelaunt weiter. Weiterhin die faszinierende Landschaft aufsaugend ging es vorbei Nousseviller-St.-Nabor in Richtung Tenteling. Kühe auf den Weiden und blühende Rapsfelder gaben ein schönes Bild ab. Ich kam durch kleine Wohngebiete, die manchmal wie ausgestorben wirkten. Doch ich war manchmal auch erstaunt, was für schöne und moderne Häuser auf einmal vor mir auftauchten. Denn unweit davon gab es auch einige heruntergekommene Ortsteile zu sehen. Einer breiteren Hauptstraße folgend, bog ich bei Farébersviller wieder auf einen ruhigeren Weg ab. An dieser Ecke stand direkt gegenüber der örtlichen Feuerwehrwache als Erinnerung eine alte Spritzenkutsche aus dem Jahre 1898. Kaum vorzustellen wie damit einst Brände gelöscht wurden und wie modern heutzutage die Feuerwehr ausgerüstet ist.

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Wie schnell war die Feuerwehr wohl früher damit?

Das ständige Auf und Ab ging mittlerweile doch ganz schön in die Waden. Für jede kleine Abfahrt war ich dankbar. Die Wolken schienen dunkler zu werden, manchmal glaubte ich, das könnte sich zu einem Gewitter auswachsen. Beides zusammen war in diesem Moment nicht gerade förderlich für meine Stimmung. Zum Glück verschwanden diese Wolkengebilde nach einiger Zeit wieder und meine Stimmung wurde damit auch wieder besser. Ich kam nun über kleine Schleichwege durch Ortschaften wie Béning-lès St-Avold und die Vororte von Freyming-Merlebach, wo früher Steinkohleabbau betrieben wurde. Wie in so vielen Orten in dieser Region. Das Thema ist hier überall noch gegenwärtig und hat die Gegend hier in Lothringen stark geprägt. Auch heute kann man noch an vielen Ecken Überbleibsel aus diese Zeit entdecken. Eintauchen in die Zeitgeschichte – hier ist das sehr gut möglich wie ich später noch weiter feststellen musste.

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Eine gute Beschilderung ist viel wert

Eine weitere Ortschaft die ich wieder unmittelbar an der deutschen Grenze durchfuhr war Rosbruck, bevor ich dann auch wieder auf deutscher Seite entlang radelte. Ich war nun in dem spannenden Gebiet des Warndt. Ursprünglich war die Gegend komplett von Wald bewachsen. Im Jahre 999 in einem Dokument noch als Warenta bezeichnet, gehören heute 50 Ortschaften zu diesem Gebiet. Im Mittelalter war der Wald für die „normale“ Bevölkerung tabu, denn hier fand die herrschaftliche Jagd statt. Heute wird der Wald zwar auch genutzt, steht aber unter Schutz. Und so verwundert es nicht das hier auch Tiere wie der Uhu oder die Wildkatze leben. Auch seltene und vom Aussterben bedrohte Amphibien wie die Wechselkröte leben in den hiesigen Feuchtgebieten. Ideale Zufluchtsorte für Fledermäuse sind die ehemaligen Blei- und Kupferminen, gerade in den Wintermonaten.

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Im Warndt. Hier empfängt mich der kühle Wald

Durch den schattenspendenden Wald mit seiner herrlichen Luft radelte ich sanft hügelig bis Karlsbrunn, Hier steht das gleichnamige Jagdschloss, welches Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken zwischen 1769 und 1786 erbauen lies. Ein schlichter Bau, der schon ab 1840 der preußischen Forstverwaltung gehörte und immer noch zu diesem Zwecke genutzt wird. Möglich ist es aber auch hier standesamtlich zu heiraten. Passende Hochzeitsfotos könnten dann direkt nebenan im Wildpark Karlsbrunn gemacht werden. Ab hier wurde es dann mal wieder ganz schön steil, während ich so den Tiergehegen entlang fuhr. Man muss wissen, der Tierpark ist immer frei zugänglich! Der Radweg war aber an dieser Stelle nicht besonders gut. Es war ganz schön anstrengend hier bergauf zu fahren. Das Gerumpel und Geruckel nervte mich dann doch etwas, denn ich schlingerte und keuchte mehr bergauf als das ich ordentlich fuhr! Doch plötzlich war ich oben angekommen und die Qualen waren direkt wieder vergessen.

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Beeindruckende Kulisse von oben: Blick von der Aussichtsplattform Carriere Barrois
Carrière
Gewisse Ähnlichkeit mit einer Canyon-Landschaft ist vorhanden

Vor mir lichtete sich der Wald und ich konnte direkt tief in einen Abgrund gucken. Einer Canyon-Landschaft ähnlich tat sich vor mir der alte Steinbruch Carriere Barrois auf. Diese natürliche Sandgrube wurde früher genutzt um mit dem vorhandenen Sand die alten Stollen zu verfüllen um zum Beispiel Erdrutschen vorzubeugen. Heute holt sich die Natur diesen einzigartigen Platz zurück und man kann dieses Gebiet wunderbar erkunden. Der Ausblick von weit oben über das Terrain war sehr beeindruckend. Die Möglichkeit so nah direkt an einer Klippe zu stehen hat man auch nicht alle Tage. Aber ein bisschen Nervenkitzel ist ja auch mal ganz schön. Das war auf dieser Tour schon ein kleines Highlight muss ich sagen. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

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Die Stille im Wald ist ein Genuss

Und wo es bergauf geht, da geht es auch wieder hinunter. Ich tauchte nun tief in den Wald ein ohne in die Pedale treten zu müssen. Der Fahrtwind wehte mir um die Ohren. Der holzig-würzige Duft stieg rasant in meine Nase. Ich musste bei diesem Tempo aber höllisch aufpassen, denn der Weg war gespickt mit größeren und kleineren spitzen Steinen. Eine Reifenpanne wollte ich hier nicht riskieren. So ging es eine Weile immer weiter bergab. Am Fuße des Berges gelangte ich an eine Straße, die mich nach Lauterbach führte. Markantestes Bauwerk ist wohl der Warndtdom, wie die Kirche St. Paulinus auch genannt wird. Vorbild der Fassade ist unter anderem der Trierer Dom.

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Der Warndt-Dom oder einfach die Kirche St. Paulinus

Der Radweg nahm mich nach dem Dorf wieder mit auf die Reise in die waldbedeckten Hügel des Warndt. Lindenhaine wechselten sich ab mit Buchenwäldern. Es war herrlich. Zwischen den Baumwipfeln lugte die Sonne hindurch. Es war schon später Nachmittag, das Licht tauchte den Wald in schöne Farben. Dann sah ich plötzlich eine Bank, ringsum an den Bäumen hingen gebastelte Papierbilder. Freundlich luden sie den Radfahrer, und natürlich auch alle anderen, ein, hier eine Rast zu machen. Und da es die  erste Bank war, die ich seit geraumer Zeit gesehen hatte, nahm ich die Einladung gerne an. Hier war ich ganz dicht wieder an der französischen Seite angelangt. Denn unmittelbar am Wegesrand entdeckte ich einen alten Grenzstein der hier seit 1920 seinen Dienst tut wie ich der Inschrift entnehmen konnte.

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Linden-Hain am Wegesrand
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Lustiger Rastplatz im Wald
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Hier verläuft anscheinend direkt die französische Grenzlinie

Zuerst noch leicht bergab radelnd, ging es dann plötzlich ein ganzes Stück wieder steil den Weg hinauf. Ich kann nur sagen das eine gute Übersetzung am Fahrrad wirklich Gold wert ist. Oberhalb der Anhöhe kam ich aus dem Wald heraus und hatte von hier wieder ein paar nette Überblicke über die Landschaft, bevor es nach Ludweiler und Geislautern hinunter ging. Hier kann man überall noch Zeugen der Kohleindustrie finden. Kurz nach Geislautern kann man das Erlebnisbergwerk Velsen besuchen. Hier können Groß und Klein erkunden, mit welchen Techniken und Maschinen die Flöze abgebaut werden und wurden! Eine interessante Sache. Und spannend wurde es dann auch nur ein kleines Stück weiter, nämlich wieder auf französischer Seite.

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Der erste Eindruck der „Grube Wendel“
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Einer der ältesten Stahl-Fördertürme Frankreichs

Zuerst dachte ich, ich sei auf Zeche Zollverein in meiner Heimatstadt Essen gelandet, so ähnlich sehen sich teilweise die Gebäude der La Mine Carreau Wendel, auch manchmal  Grube Wendel genannt. Ab 1862 wurde hier Kohlebergbau betrieben. Vier Schächte wurden hier betrieben. Wendel 1, Wendel 2, Vuillemin 1 und Vuillemin 2. Charles de Wendel war Besitzer der Firma, Vuillemin war sein beratender Ingenieur. Die gewonnene Kohle wurde für das Stahlunternehmen der Familie Wendel benötigt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen verstaatlicht und trotz der sich anbahnenden Kohlekrise ist die Anlage noch in den 60er Jahren auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden. Im Jahre 1986 dann das Aus: die Grube wird stillgelegt, weitere Schächte, die eine Konzession besitzen, nutzen aber weiterhin die vorhandene Infrastruktur. Bis zum Jahre 1989, dann schließt als letztes Wendel 3. Heute ist das öffentlich zugängliche Gelände ein einzigartiges Museum und bietet den Besuchern eine erstklassige Reise in die Zeitgeschichte von Lothringen und ist in dieser Form ein bedeutendes kulturelles Erbe dieser Region!

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Man könnte meinen man ist auf Zeche Zollverein in Essen
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Man kann hier viel über die Geschichte des Kohleabbaus in Lothringen erfahren!
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Die Zeichen der Vergangenheit sind in der Gegenwart immer noch präsent

Der Radweg führte mich quasi mitten über das Gelände. Über eine ehemalige Trasse und – schwupps – war ich wieder auf heimischer Seite der „Grenze“. Der Wald hatte mich für ein Stückchen wieder, spukte mich aber vor einer alten Ruine wieder aus. Eingetaucht in das warme Abendlicht stand ich mit meinem Bike vor der ehemaligen Kirche von Aschbach, erbaut im 12. Jahrhundert. Schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hörte Aschbach als Dorf auf zu existieren. Bald darauf wütete die Pest und die Kirche wurde als Pestlazarett genutzt. Später kaufte der Graf von Saarbrücken das Gebäude und nutzte es als Hof. Die Besitzverhältnisse wechselten noch ein paar mal, die Gemeinde Gersweiler kaufte den Hof 1953 um es dann zehn Jahre später abzureißen. Heute kümmert sich der Heimatverein Gersweiler um das Gelände, ein kleiner Rastplatz wurde hergerichtet. In dem Licht hatte der Ort schon etwas mystisches an sich. Eine bemerkenswerte Stimmung erfüllte mich hier. War schon irgendwie komisch, als ob hier eine gewisse Energie fließen würde. Das kann ich schlecht beschreiben, aber ich fühlte mich hier wohl und als ich wieder auf mein Rad stieg verließ ich den Ort mit einem positiven Gefühl.

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Da lässt es sich gut radeln!
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Mauer der alten Pest-Kirche von Aschenbach

Dann, nach wenigen Metern weiter bergab, erreichte ich die Saar bei Ottenhausen! Da wurde mir bewusst, das ab nun nicht mehr viele Höhenmeter dazukommen würden. Ich rollte den Fluss ganz entspannt entlang. Hier waren auch Stahlwerke zu sehen, im Hintergrund manchmal auch alte Fördergerüste. Wie immens der Kohlebergbau und die Stahlindustrie im Saarland und in ganz Lothringen seine Spuren hinterlassen hat, das wurde mir hier noch einmal sehr bewusst. Ich nahm dann den letzten sanften Hügel hinauf zum Hotel in Angriff, quer durch den Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken. Dieses ca. 50 ha große Gebiet war noch im Jahre 1870/71 Schlachtfeld im Deutsch-Französischen Krieg. Schon im 19. Jahrhundert wurde es als Grünanlage ausgebaut, spielte aber weiterhin eine strategische Rolle im 1. und 2. Weltkrieg. Nach Beendigung der Konflikte strebten Frankreich und die noch junge Bundesrepublik bessere Beziehungen an. So wurde im Jahre 1960 die erste und einzige Deutsch-Französische Gartenschau u.a. von Bundeskanzler Konrad Adenauer eröffnet, von französischer Seite war Premierminister Michel Debré zugegen. Heute ist dieser Garten ein beliebter Naherholungsort bei den Menschen beider Seiten.

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Schleuse an der Saar. Ab hier wurde der Rest der Tour relativ flach.
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Im Deutsch-Französischen Garten. Mit Bimmel- und Seilbahn!

Für mich war die Tour nun zu Ende. Etwas über 100 Kilometer standen nun auf der Haben-Seite. So viele Facetten dieser Region haben mich beeindruckt. Wundervolle Hügelkämme wechselten sich ab mit tiefen Wäldern, die mir Schatten vor der Sonne und frische Luft spendeten. Die vielen Höhenmeter verlangten mir manchmal ganz schön was ab, waren aber alle – zumindest fast alle – ihre Mühen wert. Auch wenn ich zwischendurch mal geflucht haben sollte. Dafür bin ich immer wieder mit faszinierenden Ausblicken und tollen Eindrücken belohnt worden. Dafür habe ich müde Waden gerne in Kauf genommen.

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Verdreckt, müde…aber zufrieden!

Wer gefallen an dieser Runde gefunden hat, der findet hier den Download des gpx-Track! Man kann die Tour im übrigen auch ganz einfach teilen wenn man möchte. Man kann die Runde praktisch in der Mitte bei Emmersweiler durchschneiden, in dem man hier anstatt nach Karlsbrunn direkt in Richtung der Grube Wendel abbiegt. So kann man entweder die Runde komplett für sich durch den Warndt machen oder die südlichere Runde hauptsächlich auf französischer Seite. Ganz nach belieben. Ich wünsche jedenfalls eine Menge Spaß 😉

 

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TOUR: „V43/V3“ – letzten Sommer in der Bretagne

Und weil es in diesen Tagen so grau in grau ist und wir von weißen Weihnachten so weit entfernt sind wie die Sonne vom Mond hier noch ein Auszug aus meinem Rad-Tagebuch vom Sommer diesen Jahres in der Bretagne…

„Heute geht’s auf die längste Tour meiner Bretagne-Routen. Ungefähr 80 km auf alten Bahntrassen und Flussradwegen liegen vor mir. Von Von Dinard bis nach La Roche Blanche.

 Infotafel am Start in Dinard. Die grün gestrichelte Route ist meine, das Ende ist hier nicht zu sehen.
Infotafel am Start in Dinard. Die grün gestrichelte Route ist meine, das Ende ist hier nicht zu sehen.

Der Anfang gestaltet sich schon schwierig, denn die Trasse in Dinard ist am „Start“ als solche nicht gleich ersichtlich. Kurz nach dem Beginn wird sie auch schon wieder durch Neubaugebiete unterbrochen und der Wiedereinstieg auf die Trasse gleicht einem Suchspiel. Aber dann geht’s. Zuerst ist die Bahntrasse noch etwas „besser“ besucht, so lange es durch die Vororte von Dinard geht. Mit der Zeit wird es ruhiger und die Wegbeschaffenheit besser. Meistens wenn man Straßen quert, stehen dort die alten Wärterhäuschen. Teilweise als Ruine, teils aber auch nett hergerichtet und bewohnt.

Verfallenes Wärterhäuschen bei Trébufour
Verfallenes Wärterhäuschen bei Trébufour

Die Häuser entlang der Strecke, wenn man sie denn mal zu Gesicht bekommt, haben alle die gleiche bretonische Farbe – ein helles besch beherrscht die Fassaden. es sieht fast so aus als ob andere Farben hier nicht erlaubt sind..

Ich komme an Feldern vorbei, wo der Mais schon richtig hoch steht, durch Wäldchen, wo das Efeu die Bäume bezwungen hat. Die Landschaft wird nach und nach immer schöner und ich fange an die Tour richtig zu genießen. Der Himmel ist mit ein paar Schäfchenwolken behangen, in der Sonne wird es wieder ordentlich warm.

Trasse bei Launay
Trasse bei Launay

Ich passiere Ortschaften wie Plestin-Plouër oder das schön hergerichtete Taden, mit dem alten Herrenhaus Grand’Cour aus dem 14. Jahrhundert.

V43V3

Kurz darauf erreiche ich den La Ranche, den lieblichen Fluss, der bald darauf zum Kanal wird. Zumindest in meiner Richtung. Der Fluß hat eine Länge von 103 km und mündet, kurz nachdem er das Gezeitenkraftwerk passiert hat, in den Ärmelkanal.

Nun bin ich in Dinan angekommen. Diese Mittelalterliche Stadt wird geprägt durch das Viadukt und den Jahrhunderte alten Häuschen. Die bretonische Stadt ist umgeben von einer beeindruckenden Mauer. Die Geschichte der Stadt geht zurück bis ins 11. Jahrhundert, wahrscheinlich wurde dort aber schon in der Antike gesiedelt. Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten sind unter anderem die Kirche Saint Malo sowie die Basilika Saint-Sauveur. Auch viele der alten Gassen sind erhalten geblieben und so bekommt man hier eine richtig gute Ansicht einer mittelalterlichen Stadt. Am Fuße dieser Stadt und am Ufer des Flusses gibt es liebliche Cafes und Restaurants. Alles sehr gemütlich!

Das Viadukt
Das Viadukt
In den Gassen von Dinan
In den Gassen von Dinan
 Jahrhunderte altes Fachwerk in Dinan
Jahrhunderte altes Fachwerk in Dinan
 Der La Ranche bei Dinan
Der La Ranche bei Dinan

Der Weg hinter Dinan ähnelt nun eher einer Querfeldeintour, er ist richtig mies. Steine und Wurzeln pflastern meinen Weg die ersten Meter nach der Stadt. Sehr unangenehm. Doch ab Évran wird es wieder richtig schön. Der La Ranche ist jetzt ein richtiger Kanal und die Wegbeschaffenheit ist sehr gut. Es lässt sich hier wunderbar fahren.

Mit Efeu bewachsene Baumallee kurz hinter Dinan
Mit Efeu bewachsene Baumallee kurz hinter Dinan
 Eine der vielen Schleusen am Canal d'Ill-et-Rance
Eine der vielen Schleusen am Canal d’Ill-et-Rance

Viele kleine Schleusen sind am Kanal zu sehen. Dort müssen die Schleusentore zum Teil noch von Hand gekurbelt werden! Dann sieht man plötzlich auf einer kleinen Wiese einige Skulpturen und Bilder aufgestellt. Ob man die kaufen kann? Keine Ahnung.

Malerische Kulisse
Malerische Kulisse
Skulpturen-Garten bei Boutron
Skulpturen-Garten bei Boutron

Und so schlängelt sich der Kanal dahin. Einige Leute angeln, aber viele Menschen sind nicht unterwegs. Ein schöner Tag. Und kaum hab ich’s geschrieben werden die Spaziergänger immer mehr. Aber freundlich sind die meisten, wenn ich klingel. Die Schleusen kommen ebenfalls immer häufiger. Alle sind sie sehr hübsch gepflegt. Als ob der Kanal durch Gärten fließt. Einfach so.

Blumenschmuck am Kanal
Blumenschmuck am Kanal

Zwischendurch wechselt der Ausblick auf leer geerntete Felder und tiefe Wälder. Die Orte, durch die ich komme, sind zwar klein, aber wunderschön. Und so komme ich meinem Ziel immer näher. Es wird am Schluss wieder einsamer und endet an einem schön gelegenen See. Schmetterlinge und Bienen haben sich während der Fahrt zu mir gesellt, die Sonne hat geschienen und Wolken haben sich auch mal blicken lassen.

Strohballen auf den Feldern
Strohballen auf den Feldern
Mein Ziel bei La Roche Blanche
Mein Ziel bei La Roche Blanche

Ganz entspannt bin ich nun. Meinem Gesäß geht’s gut, der Arsch könnte sogar noch weiter radeln. Alles in allem war’s sehr abwechslungsreich, obwohl es ja eigentlich nur geradeaus ging. Aber es war ideal um einfach mal die Lust am Radfahren zu genießen. Der schönste Teil kam übrigens nach Dinan. Ein wirklich toller Radtag!“

 

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TOUR: Unterwegs in der nördlichen Bretagne/Frankreich

Aus meinem Tour-Tagebuch berichte ich hier aus der wunderschönen und abwechslungsreichen Bretagne. Im Grunde ein Paradies für Radfahrer, auch wenn die Infrastruktur für Fahrräder nicht sonderlich ausgeprägt ist. Man kommt trotzdem bestens zurecht und es gibt zahlreiche, gut asphaltierte Wege etwas abseits der Hauptverkehrsadern, wenn man die denn so nennen kann…

Von Landwirtschaft geprägte Region
Von Landwirtschaft geprägte Region

„Heute fahre ich also meine erste Tour in Frankreich. Man sagt ja, das die Franzosen es nicht so mit dem Radfahren haben. Deshalb gibt es  hier auch wohl nur wenige „Radwege“ die ich nutzen kann. Aber egal.

Der Start bei Ploubalay ist etwas holprig, da der Weg – mein Weg – wegen Bauarbeiten gesperrt ist. So muss ich bei Trêgon einen kleinen Umweg über Hauptstraßen fahren. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich. Aber einmal wieder auf dem Weg ist es relativ angenehm. Relativ deshalb, weil dort, wo wir in Deutschland asphaltierte Feldwege haben, hier doch öfters Autos fahren. Das sind also offizielle Straßen, sehen aber irgendwie wie Feldwege aus. Trotz allem sind sie aber gut befahrbar!

Das alte Häuschen wartet auf eine Renovierung
Das alte Häuschen wartet auf eine Renovierung

Die Landschaft ist von Kornfeldern geprägt. Überall sieht man jetzt schon das gepresste Stroh auf den Feldern. Bei Le Guildo komme ich das erstemal ans Wasser, nämlich an den L’Arguenon, der hier kurz davor ist in den Atlantik zu münden. Die Brücke über den Fluß ist auf beiden Seiten mit vielen schönen bunten Blumenkästen geschmückt. Das Wasser geht hier bei Ebbe sehr weit zurück, so das die Mündung des Flußes fast trockengelegt wird. Es bleibt in der Zeit, wo Ebbe ist, nur ein gräulicher Schlamm zurück und die kleinen Boote liegen praktisch auf Grund. So lange bis das Meer zurück kommt.

Bei Le Guildo
Bei Le Guildo

Danach wird es hügeliger für mich. Einer ist so steil, das ich mich frage, ob das hier wirklich der richtige Weg ist. Hilft alles nichts. Mein ROSE-Bike und ich müssen halt da durch bzw. rauf. Es hält sich aber ansonsten mit den Anstiegen im Rahmen. Manche Hügel lassen sich sogar recht beschwingt erklimmen.

Am Hang gelegenes Kornfeld
Am Hang gelegenes Kornfeld

In Matignon kann ich nicht durch den Ortskern radeln, da ist ein ziemlich großer Wochenmarkt. Viele fliegende Händler haben hier ihre Stände aufgebaut und bieten Obst, Gemüse, Wurstwaren, Klamotten und unnützes Zeug an. Trotzdem kann es sich lohnen einmal über solche Wochenmärkte zu streifen. Fast jeden Tag finden sie in einem anderen Dorf statt.

So muss ich also wieder einen kleinen Umweg fahren, kein Problem. Hin und wieder sieht man von Hügelkuppen aus der Ferne das Meer. Da will ich hin, nach Erquy. An den Boulevard de la Mer.

Sables-d'Or-les-Pins
Sables-d’Or-les-Pins

Ich bin angekommen. Es ist jetzt Ebbe. Die letzten Kilometer waren noch einmal schön zu fahren. Der Strand von Sables-d’Or-les-Pins ist rund drei Kilometer lang und wunderschön mit seinen Kiefernbestand. Das Seebad daneben entstand zu Beginn der 1920er Jahre, wirkt aber nicht ganz so mondän.

Die letzten Meter durch die Stadt von Erquy bis zur Bucht sind, trotz Saison, nicht überlaufen. Mörderische Autofahrer blieben aus. Zum Glück.

Im Hafen von Erquy gibt es eine große Hochsee-Trawler-Flotte und die Stadt ist außerdem für ihre Muscheln bekannt. Ein nettes Örtchen.

Fazit der ersten Tour in Frankreich: schöne Landschaft wechselt sich mit kleinen Dörfern und Städtchen ab. Man muß zwar auf den Straßen etwas aufpassen, sie sind nicht alle in einem guten Zustand, aber trotzdem läßt es sich ganz gut radeln. Es macht definitiv Spaß mit Rad die Region zu „erradeln“. Und das die Franzosen nicht so stark auf Radfahrer achten – kann ich so nicht bestätigen.“

Erquy
Erquy
Mein „Amaturenbrett“

 

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