TOUREN

Inhaltsverzeichnis meiner Touren


- In der Biosphäre des Bliesgau
- Verdener Fahrradrunde
- Fahrradtour zu den Geister-Dörfern bei Garzweiler
- Niederrhein-Tour nach Wesel
- Wiener Schmäh
- KWL - Kamen.Werne.Lünen.
- Im Norden ist es schön
- Einmal um den Ringkøbing Fjord in Dänemark
- Die "Einst-Geteilt"-Tour
- Harte Waden in der Rhön
- Ein wenig Texel/ NL
- Halde Hoheward im Pott
- Rund um Solingen
- Auf dem Fietssnelweg & die Region Twente/NL
- Im grünen Pott
- Der Ilmenau-Radweg & Die Lüneburger Elbmarsch
- Lüneburger Heide INTENSIV
- Halde Haniel
- Industrie-Romantik mit einem Schuß Frühling
- Panorama-Tour am Limit
- Mit dem E-Bike in der südlichen Steiermark
- Auf „Fietsentour" in der Grafschaft Bentheim
- Nordseeküstenradweg Teil 4 - Das große Finale
- Nordseeküstenradweg Teil 3 - Norderney & Am Allerwertesten
- Nordseeküstenradweg Teil 2
- Nordseeküstenradweg Teil 1 - Vorgeplänkel und 1.Tag
- Radurlaub in Gelderland/NL
- 1.Radtour 2015
- "V43/V3" - letzten Sommer in der Bretagne
- Herbstliche Fahrt zum Wasserschloss Wittringen
- Zech(en)-Runde
- Unterwegs in der nördlichen Bretagne
- Rund um das Castello Perdenghe
  



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TOUR: In der Biosphäre des Bliesgau

Wie fängt man von der ersten Radtour an  zu erzählen, wenn man einige Tage in der Region des Saarlands unterwegs war? Die ersten Zeilen eines solchen Berichts sind immer die schwierigsten. Also schreibe ich einfach mal drauf los so wie mir die Gedanken und Erinnerungen aus dem Kopf sprudeln und es die Aufzeichnungen hergeben. Ich war sehr glücklich damit, als die Wettervorhersage für meinen Radurlaub durchaus nur gutes Wetter versprach. So war der Grundstein gelegt für einen herrlichen Radtag, der mich von meinem Hotel in Saarbrücken über kleinere Schleichwege hinunter in die Stadt und zur Saar führte. Gerade noch in einem Industriegebiet unterwegs war ich erstaunt wie schnell alles um mich herum grün wurde. Dabei kam ich in den Vorort St. Anuarl, der zu den ältesten Stadtteilen Saarbrückens gehört. Sage und schreibe aus dem 2. bis 3. Jahrhundert fanden Ausgrabungen heraus. Eine gallo-römische Anlage stand einst an dieser Stelle.  Der Bau der schönen Stiftskirche wurde im 13. Jahrhundert begonnen und gegen 1390 beendet. Sehenswert sind die Grabdenkmäler der Grafen von Nassau-Saarbrücken! Von Mitte des 15. Jahrhunderts war die Kirche Grabeskirche dieses Adels-Geschlechts. Erwähnenswert ist auch der sarkophagartige Schrein der Gräfin Elisabeth von Lothringen (†1456), der aber nicht ihre sterblichen Überreste beherbergt!

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Die Stiftskirche St. Arnual

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Gemälde (?), direkt an der Saar gelegen

Gleichzeitig war ich schon direkt an der Saar angelangt und ich folgte dem Flussverlauf in Richtung Güdingen. Wirkliche Highlights gab es hier nicht zu sehen, aber die Strecke war ideal um sich für den Tag einzupendeln. Kurz hinter dem Örtchen umfing mich dann auch schon ein wunderbares Grün, das „Ensheimer Gelösch“.  Hier nahm das Biosphären-Reservat für mich seinen Anfang. Die Stille der Natur war wunderbar. Es war kein Autolärm mehr zu vernehmen, nur das Zwitschern der Vögel begleitete mich und mein Rad. Erst war der Weg noch asphaltiert, dann wurde es ein typischer Waldweg. Aber gut zu befahren. Die Sonne strahlte durch das Blätterdach. Ich hatte richtig Spaß, bis eines dieser Schilder kam,  das die kommenden Höhenmeter auf einer gewissen Strecke angibt und im Saarland als Hinweis für alle Radfahrer gilt, die meinen sich einen Berg hoch quälen zu müssen. Der erste Schweiß perlte nun also  langsam auf diesen Metern an mir herunter.

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Die Saar bei Güdingen

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Im Ensheimer Gelösch

Auf einmal ließ ich die Bäume und den Wald hinter mir je höher ich kam. Wildblumenfelder waren nun zu sehen und der Ausblick war fantastisch. Das musste erst einmal genossen werden bevor es dann weiter den Berg hochging. Und plötzlich, aus einem Feldweg kommend, stand ich vor dem Flughafen Saarbrücken. Ihn musste ich quasi entlang radeln, bevor ich wieder in die Natur eintauchte. Viel war hier übrigens nicht los, es ist ja auch eher ein kleinerer Flughafen und so war hier auch nicht viel Verkehr. Gut so. Trotzdem standen hier, etwas abseits der Rollbahn, Propeller-Maschinen aus Brasilien und Indonesien wie sich herausstellte. Manchmal ist die Welt doch kleiner als man denkt.

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Jeder Höhenmeter lohnt sich!

Grinsend ging es den „Hanfberg“ hinauf, fragt mich also nicht warum der so heißt! Dort hat man an vielen Stellen weitere tolle Ausblicke in die Region. Das surren und brummeln allerlei Insekten war in der eigentlichen Stille auf den herrlich blühenden Wiesen allgegenwärtig. Da kann man sich gerne mal eine Pause auf eine der netten Bänke gönnen und einfach mal die Seele baumeln lassen.

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Die Sonne blinzelt durch die Blätter

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Blühende Wiesen überall

Von der alten Römerstraße aus hat man bei gutem Wetter dann weitere wunderschöne Ausblicke bis rauf nach Sankt Ingbert, Kirkel und noch weiter! Dafür lohnt sich jeder Höhenmeter den man bis hier hin bewältigt hat. Diese Ausblicke haben für mich diese Radtour geprägt, haben sich förmlich ins Gehirn gebrannt und sie empfand ich bei jeder Höhenbewältigung als Belohnung für die Strapazen.

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Hier lässt es sich gut radeln, oder?

Der Höhepunkt war dann definitiv, als ich an ein „Milich Heisje“ (saarländisch für „Milch-Häuschen“) und dem Eichelberger Hof gelangte. Dieser Bauernhof bietet am Wegesrand einen klitzekleinen Selbstbedienungsladen an. Für Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer gibt es dort allerlei an typischen Bauernhof-Waren wie Milch, Eier und Wurst. Was war ich erfreut darüber als ich sah, das sie sogar selbstgemachtes (!) Eis in einer Eistruhe anboten! Genau das Richtige für dieses warme Wetter und diese herrliche Fahrradtour! Mit Sitzgelegenheiten in der Sonne oder im Schatten. Herz, was willst du mehr?

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Hier ist der Radler gut aufgehoben!

So saß ich schon wieder und machte ein Päuschen. Gefühlt kam ich die letzten 1,5 Stunden kaum vorwärts. Aber ist es nicht schön sich einfach treiben zu lassen, keinen Zeitdruck zu verspüren und einfach das zu tun was man am liebsten macht? Einfach so eine Radtour mit allen Sinnen genießen. Abzuschalten vom Stress des Alltags. Bewusst sich einmal auszuklinken und neue Energie zu tanken. Der Tag war wie dafür gemacht.

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Oft vielen mir solche Kreuze am Wegesrand auf

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Und immer wieder herrliche Aussichten, wie hier vom alten Römerweg aus

Und irgendwann geht es dann doch wieder weiter. Der Saar-Nahe-Radweg schlängelte sich durch die mal mehr, mal weniger sanften Hügel des Bliesgau. Kleine Ortschaften mit Namen wie Seelbach, Biesingen und Alschbach galt es zu durchqueren. Alles liebliche Dörfer, in denen anscheinend noch Ruhe und Gelassenheit herrscht. Die Häuschen mit ihren Vorgärten meist liebevoll gepflegt. Die Zeit schien hier langsamer zu laufen. Kein Nachteil in der heutigen oftmals hektischen Welt. So empfand ich dann auch das Radfahren. Als eine Entschleunigung zum Alltag.

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Die Dorfkirche St. Anna in Biesingen

Die nächste Stadt auf dem Weg war nun Blieskastel. Und diese Stadt hat eine historische Vergangenheit. Wahrzeichen der Stadt ist der sogenannte „Gollenstein“, der ganz in der Nähe steht. Dies ist ein rund 4000 Jahre alter Menhir,  der als größter seiner Art in Mitteleuropa gilt! Des weiteren gibt es das Rathaus, einst Waisenhaus, aus dem 18. Jahrhundert sowie die Orangerie die auch als „ Der Lange Bau“ bekannt ist. Dies ist das einzige Überbleibsel des ehemaligen Schlosses, welches in der Französischen Revolution zerstört wurde. Von weitem sieht man auch etwas oberhalb gelegen die Heilig Kreuz-Kapelle, deren Bau 1682/83 beendet wurde. Der Napoleonbrunnen wurde zu Ehren Napoleons 1804 erbaut. Die französische Inschrift wurde 1939 entfernt, nach dem Krieg wurde sie aber wieder hinzugefügt. Entgehen lassen sollte man sich also diese kleine, aber geschichtsträchtige Stadt nicht, die im übrigen auch viele Einflüsse des Barock aufweist.

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Heilig Kreuz-Kapelle in Blieskastel

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Blick in Richtung der Altstadt von Blieskastel

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Oberhalb der Stadt thront der markante Bau der Kreisvolkshochschule

Auf einer ehemaligen Bahntrasse radelte ich nun ganz entspannt weiter. Sie ist Teil des Glan-Blies-Radwegs und gut frequentiert. Von Radfahrern jeder Couleur. Rennradfahrer, Liegeradfahrer, Mountainbiker, Trekkingradfahrer – alle waren sie hier unterwegs ohne sich gegenseitig zu behindern.  An einigen Stellen kann man wiederum gut Rast machen. Angetan war ich von dem ziemlich neu aussehenden Rastplatz kurz vor Blickweiler. Optimale Unterstellmöglichkeiten bei schlechten Wetter bietet eine nette Schutzhütte, bei guten Wetter kann man auch auf außerhalb stehenden Bänken prima sitzen. Die Räder lassen sich dort  fest anschließen um sich ein wenig in der Gegend umzuschauen. Eine Infotafel zeigt, welche Tiere es alles hier gibt! Das waren eine ganze Menge. Ein gelungener Rastplatz wie ich finde.

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Kurz vor Blickweiler ist dieser angenehme Rastplatz zu finden

Auf dem gut asphaltierten Radweg surrten die Reifen schnell vor sich hin. Das Rad ließ sich hier leicht vorwärts bewegen und manchmal musste ich aufpassen nicht einfach an Sehenswürdigkeiten vorbei zu rauschen. So waren es Kleinigkeiten am Wegesrand, die etwas von der Eisenbahn-Vergangenheit erzählten. Kilometersteine oder auch alte Bahnhöfe wie die bei Blickweiler oder Breitfurt. Im alten Bahnhof bei Gersheim kann man Rast bei einem kühlen Blonden einlegen. Ideal wenn man gerade einen Geschwindigkeitsrausch hinter sich hat. Natürlich nur wenn die Strecke das gerade hergibt. Rücksichtnahme ist oberstes Gebot! Passend dazu kann man einige Meter vorher sogar gut übernachten, denn unmittelbar am Radweg gelegen gibt es die Möglichkeit zum „Glamping“, wie es so schön neudeutsch heißt. Schlichte, aber saubere Holzhütten, aussehend wie große Weinfässer, geben dem Radfahrer die Möglichkeit die müden Glieder auszuruhen. Das hat in so einem „Fass“ bestimmt seinen Reiz!

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Kilometersteine der Eisenbahn weisen auf die Vergangenheit dieser Trasse hin

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Nette Übernachtungsmöglichkeit für müde Radfahrer

Zwischen Reinheim und Bliesbruck verließ ich nun diese tolle Trasse und genau dort befindet sich ein weiteres Highlight, für das man ein wenig Zeit einplanen sollte. Nämlich der Europäische Kulturpark Bliesbruck Reinheim, genau auf der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich gelegen. Klingt vielleicht zuerst etwas langweilig, ist es aber ganz und gar nicht. Es handelt sich hierbei nämlich um einen Archäologiepark. Die ersten Grabungen wurden bereits 1806 durchgeführt. Bedeutend ist u.a. ein keltisches Fürstinnengrab aus der Zeit um 370 v. Chr.! Aber auch aus römischer Zeit gibt es hier Spuren zu finden. Eine Palastvilla und sogar eine kleine Siedlung, Vicus genannt. Anschaulich wird hier dem Besucher die damalige Zeit vor Augen geführt.

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Auf einmal wieder in Deutschland. Die Grenze verschwimmt, man weiß manchmal gar nicht auf welcher Seite man ist. Schlimm? Nein.

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Starker Anstieg bei Reinheim

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Aber solche Ausblicke sind die Belohnung

Kurz darauf gab es einen enormen Anstieg zu bewältigen, der auch noch ein Stück über eine Landstraße führte. Das empfand ich etwas unangenehm, fuhren die Autos doch hier ziemlich schnell an mir vorüber während ich hier mit vier  Stundenkilometern daherjuckelte und aufpassen musste nicht einfach umzukippen. Zum Glück führte ein Feldweg oben weg von der Straße und die Strapazen waren auch hier schnell vergessen, denn wieder einmal war die Aussicht überwältigend. Und durchschnaufen musste ich eh, bevor es dann direkt wieder hinunter nach Habkirchen ging, das schon 819 (!) erstmals urkundlich erwähnt wurde.

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Und wenn wir schon mal so viele Kirchen haben, dann geht auch noch die Sankt Annakapelle von ca. 1239 in Habkirchen

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„Grenzübergang“ über die Blies nach Frankreich

Die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich verschwimmt in dieser Region doch stark wie ich finde. Eben noch auf deutscher Seite, war ich plötzlich schon auf französischem Gebiet, wie bei Blies-Schweyen. Eine kleine Brücke über die Blies führte mich direkt an typisch französischen Häusern vorbei. Die Temperaturen waren gefühlt immer noch hoch als ich am späten Nachmittag in Sarreguemines oder auch bekannt als Saargemünd, eintrudelte. Hier fließt die Blies dann auch in die Saar. Geschichtlich wurde die Stadt schon im Jahre 706 erwähnt und ist bekannt für seine ehemalige florierende Keramikindustrie.

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Kleinere Staustufe bei Sarreguemines

Von hier aus war es jetzt einfach. Es galt der Saar immer weiter in Richtung Güdingen zu folgen, dem eigentlichen Ausgangspunkt der Radtour. Nachdem ich Sarreguemines hinter mir gelassen hatte, wurde es auch schon wieder beschaulicher. Boote waren nicht auf dem Wasser zu sehen, auch in den typisch kleinen französischen Schleusen, wie ich sie schon in der Bretagne kennengelernt habe, war von Freizeitskippern nichts zu sehen. Dafür waren herrliche Auen zu sehen und auf Tafeln wurde gezeigt für welche Tiere dies die Heimat ist. Auch hier musste ich feststellen, das dies nicht wenige waren.

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Radfahren macht auf dem Leinpfad entlang der Saar ordentlich Spaß

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Vielen Tieren bietet die direkte Umgebung der Saar eine Heimat

Früher wurden auf diesen Treidelpfaden am Kanal entlang im übrigen Schiffe im Leerzustand von Menschen, Pferden und Eseln gezogen wenn der Kapitän sparen wollte. Es wurden dann Zugriemen umgelegt und oftmals musste die ganze Familie helfen. Es war eine sehr beschwerliche Arbeit, gerade zu Beginn um das Schiff in Bewegung zu bekommen. Danach glitt es gleichmäßig durch das Wasser und ging einfacher von statten. Die Motorisierung schritt aber auch hier voran und so kamen ab 1934 Zugmaschinen auf, die diese Arbeit übernahmen oder die Frachtkähne erhielten selber Motoren. Man kann an manchen Stellen noch solch alte Schiffe sehen und eine Vorstellung davon bekommen wie es einst hier ausgesehen hat.

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Als ob der Kran platz macht für die Radfahrer

So an einem Fluss entlang zu radeln lässt einen schon mal die Zeit vergessen. Der Radtag wurde also spät, auch weil ich langsam müde wurde und dann doch noch eine Rast am Ufer einlegte. Ich war in dem Moment dankbar für diese wunderbare Fahrradtour. Das Biosphärenreservat Bliesgau und die Gegend rund um das Mandelbachtal hat viel zu bieten für Radfahrer. Wenn ich an die Ruhe denke, die dabei von ganz alleine entstehende Entspannung, den kleinen und größeren Sehenswürdigkeiten an den Radwegen, die abwechslungsreiche Natur, die fantastischen Ausblicke, ja dann hat sich jeder Höhenmeter und jede Anstrengung gelohnt.

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Typisches französisches Schleusenwärterhäuschen

Wenn jetzt jemand auf die Idee kommen sollte diese Tour nachzufahren, dann gebe ich folgende Tipps: Die Höhenmeter sind nicht zu unterschätzen, die Wege aber auch nicht. Ein gutes Trekkingrad ist von Vorteil, man sollte einigermaßen fit sein. Natürlich kann man mit einem eBike nachhelfen. Einkehrmöglichkeiten sollte man in den Örtchen am Wegesrand schon finden, in den etwas größeren sowieso, teilweise liegen sie unmittelbar an der Strecke. Und zum guten Schluss gibt es hier wieder den gpx-Track zum Download! Viel Spaß!

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TOUR: Verdener Fahrradrunde

Zugegeben, eine ganze Runde wurde diese Radtour leider nur theoretisch auf dem Papier, denn ein unvorhergesehener Defekt ( dazu später mehr ) bereitete der Tour nach rund 80 Kilometern ein unfreiwilliges Ende. Doch immerhin ist dies auch schon eine ordentliche Kilometerzahl für eine Tagestour. Darum gibt es trotzdem diesen „kleinen“ Reisebericht. Man könnte ihn also auch „die halbe Verdener Fahrrad-Runde“ nennen. Am Ende gibt es aber den gpx-Track als komplette Tour zum herunterladen.

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Blauer Himmel und anscheinend bin ich nicht allein unterwegs 😉

Doch von vorne. Mich verschlug es nach Norddeutschland. Genauer gesagt in die Reiterstadt Verden/Aller, in der Nähe von Bremen. Wer sich für Pferde interessiert, der sollte diese Stadt kennen. Und wer Ruhe und Gelassenheit sucht, ländliche Einsamkeit und Idylle mag, der ist im Landkreis Verden ebenfalls bestens aufgehoben. Von meinem Domizil in dem wirklich kleinen Dorf, eher sogar Dörfchen, namens Schafwinkel in der Gemeinde Kirchlinteln, brach ich nun also standesgemäß ganz kitschig bei blauen Himmel und Sonnenschein früh morgens auf. Klingt toll, war aber noch verdammt frisch. Damit muss man ja um diese Jahreszeit noch rechnen. Trotzdem entschädigt so einer wunderschöner blauer Himmel natürlich kräftig und die Laune wird dadurch auch noch zusätzlich angehoben. Somit war alles angerichtet für einen erstklassigen Radtouren-Tag.

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Noch kühl, aber es kündigte sich herrliches Radlerwetter an

Die ersten Kurbelumdrehungen dienten erst einmal zum warm werden und um meinen Rhythmus zu finden. Na gut, da ich ja doch gerne unterwegs Fotos mache entwickelt sich ein konstantes Treten der Pedale etwas schwierig. Aber egal. Ich wollte ohne Hast radeln und lieber die Natur dabei genießen. Die frische, leicht feuchte Luft machte mich wach und tat herrlich gut. Zwischen den Feldern ging es durch die Lintelener Geest, wo ich schon nach wenigen Kilometern interessante Geschichten über diese Gegend erfuhr. Nach dem Krieg herrschte großer Mangel an Tabakwaren in der Region, die Nachfrage war groß. Da Bremer Tabakfirmen noch keinen Zugang zum Überseehandel hatten, wurden Bauern gesucht, die Tabak anpflanzen sollten. In Brunsbrock ließen sich vier Landwirte darauf ein und in den 1950er Jahren war der Anbau auch sehr lukrativ. Doch schon in den 1960er Jahren wurde es stetig schwieriger so auf dem Markt zu bestehen. Zurück blieb hier in Brunsbrock ein Schuppen zur Tabaktrocknung aus der damaligen Zeit.

Fachwerkhaus und Touristikzentrale in Kirchlinteln

Kurz darauf musste ich mir auch schon eine Umleitung wegen einer Baustelle suchen. Das gestaltete sich nicht ganz so einfach, denn Abzweigungen an einsamen Landstraßen lassen sich manchmal nur nach etlichen Kilometern finden. So irrte ich zuerst auch auf ein paar Feldwegen durch die Gegend, bis ich wieder auf meinen ursprünglichen Weg kam. Ich war auf der „Allee des Jahres 2015″, die von schönen Eichen gesäumt wird und ein Kopfsteinpflaster besitzt. Doch keine Sorge, ein schmaler Pfad neben der Straße ist auch für Radfahrer nutzbar! In Kirchlinteln gab es dann noch einen Supermarkt um sich für den Tag mit Verpflegung einzudecken. Von dort ging es weiter in Richtung Weitzmühlen.

Landwirtschaft heute

Auf diesem Weg liegt die sogenannte „Hügelgräber-Heide“, mit Gräbern aus der Bronzezeit. Diese  ungefähr aus den Jahren 2500-1400 v. Chr. stammenden Gräber liegen in einem wunderbaren Naturschutzgebiet und laden förmlich zur Pause ein. Ich allerdings wollte nach den wenigen Kilometern noch nicht an Pause denken und radelte weiter entlang der Landstraße, sicher auf dem Radweg und weiter in Richtung Verden. Durch ein kleineres Industriegebiet landete ich dann unvermittelt an der Aller. An der Stelle gab es sogar früher einmal eine Burg, von der heute rein gar nichts mehr existiert. Nur durch die Entdeckung ehrenamtlicher Denkmalpfleger auf alten Karten weiß man davon. Man schätzt, das diese Burg im 10. Jahrhundert gebaut wurde, aber nicht lange hielt. Die Wikinger verwüsteten die Küsten und das Binnenland Niedersachsens in dieser Zeit. Heute wird diese Gegend Burgberg genannt.

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In der Nähe des Burgbergs, an der Aller

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Netter Weg an der Aller entlang, kurz vor der Altstadt

Und ein paar wenige Meter weiter war ich auch schon in Reichweite der Aller. Die Aller entspringt in der Magdeburger Börde in Sachsen-Anhalt und ist rund 260 km lang. Bei Verden fließt sie dann in die Weser. Hier am Ufer war es schön. Oberhalb des Ufers muss man aus den netten, kleinen Häusern einen schönen Ausblick haben. Die Altstadt von Verden streifte ich hier nur am Ufer, aber beeindruckte mich schon sehr. So schöne alte und reich verzierte Fachwerkhäuser bekommt man nicht so oft zu sehen. Als Tipp an dieser Stelle also: sich unbedingt dort einmal umschauen! Zu den Fachwerkhäusern gesellen sich nämlich noch weitere Wahrzeichen der Stadt, nämlich unter anderem der Dom zu Verden, erbaut zwischen 1290 und 1490, die spätromanische Kirche St. Andreas mit dem wuchtigen Spitzdach und natürlich das Rathaus mit seinem markanten Turm, welches zwischen 1730 und 1733 errichtet wurde! Ein wenig Zeit einplanen sollte man, wenn man  die Stadt noch nicht kennt. Ok, ich gebe zu, ich kenne sie schon von einigen Besuchen her und habe mir das dann für die Radtour geklemmt.

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Sehenswerte Fachwerkhäuser in der Altstadt Verdens

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Zu Erinnerung an John Lennon, der hier für einen Anti-Kriegsfilm drehte

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Doch was ich noch nicht wusste, das John Lennon hier sogar für einen Anti-Kriegsfilm gedreht hat! Eine unscheinbare Bronze-Platte an einer noch unscheinbareren Stelle erinnert daran. Fast wäre ich daran vorbei gerauscht. Aber ist ja noch mal gut gegangen und dieses Highlight kann ich als gesehen verbuchen. Noch ein paar Meter weiter und ich überquerte die Aller über der Brücke am Klusdamm. Dort kann man einen herrlichen Ausblick über die ganze Stadt bekommen. Für richtig tolle Fotos stand die Sonne leider zu hoch und das Licht war schlecht. Ich hoffe sie sind trotzdem annehmbar. Jedenfalls machte ich hier einige Augenblicke lang Pause und genoss die Aussicht in die Allerniederung, Heimat vieler Pflanzen und Tiere wie Schwanenblume, Pfeilkraut, Sumpfschwertlilie sowie Haubentaucher, Malermuschel und Kiebitz. Jetzt hieß es aber die Stadt etwas aus den Augen zu verlieren und der Aller mal nah, mal fern, stromaufwärts zu folgen und in das Marschland einzudringen.

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Der markante Dom zu Verden

Typisches Stadtbild von Verden, rechts die St. Andreaskirche

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Turm der St. Johanniskirche aus dem Jahre 1150, der älteste sakrale Backsteinbau Norddeutschlands

Hinter Wahnebergen kam ich der ruhigen Natur näher, noch immer war das Stadtbild zu sehen. Durch den sich dahin schlängelnden Verlauf des Radwegs konnte ich so zunächst immer mal wieder eine andere Perspektive auf Verden erhaschen. Doch die Silhouette wurde immer kleiner, irgendwann verschwand sie dann ganz. Das Marschland umfing mich nun mehr und mehr. Das Rad lief prima, ich fühlte mich gut und genoss den seichten Wind, der durch die Graswiesen strich. Andere Radfahrer? Fehlanzeige. Nur ich und das gleichmäßig surrende Geräusch der breiten Reifen auf dem Asphalt am Deich. Es war schön hier zu radeln, doch er nahm mir aber auch zunächst die Sicht auf den Fluss. Kurz vor Ahnebergen gab es eine Bank oberhalb des Deiches. Da musste ich einfach anhalten um in dieser Ruhe der Natur Rast einzulegen. Zahlreiche Vögel waren in den Wiesen zu beobachten und ließen sich von mir gar nicht stören. Die Aller war gar nicht so deutlich zu erkennen an dieser Stelle, auf der andere Seite lag das Dorf Luttum, verborgen hinter Marsch und Wald und für mich ebenfalls nicht zu sehen.

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Optimal mit dem Fahrrad zu befahren

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Eine wunderbare Stelle um eine Pause zu machen

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Umleitungen können auch schön sein

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Die Solar-Fähre über die Aller in Westen war Ende April noch nicht in Betrieb

Ich folgt weiter dem Aller- und dem Lüneburger Heide-Radweg auf denen ich mich befand. Wegen einer Baustelle musste ich bei Barnstedt eine kurze, aber reizvolle Umleitung radeln, vorbei an Feldern und Wiesen, um dann im Dörfchen Westen wieder eindrucksvoll auf die Aller zu treffen. Hier gibt es den Aller-Hafen, eine kleine Anlegestelle mit  der zweitkleinsten Fähre Deutschlands, die aber anscheinend um diese Zeit Ende April noch nicht in Betrieb war. Sie verbindet Westen mit dem gegenüberliegenden Ort Otersen und wird bereits mit Solarenergie und Elektromotor betrieben! Einen Schlenker durch dieses Dorf sollte man machen, es gehört zu den ältesten Siedlungen im Aller-Weser-Dreieck! Das schmucke alte Amtshaus aus dem Jahre 1760  ist heute ein Mehrgenerationen-Haus. Dazu die St. Annen-Kirche, die Bischof Iso von Verden ab dem Jahre 1290 aus Backsteinen erbaute, erst als Wehrturm, dann mit weiterem Ausbau eines Kirchenschiffes bis 1782. Sie gehört zu den ältesten Kirchenbauten im Landkreis Verden! So ein kleines Dorf, aber soviel Geschichte. Man lernt nie aus!

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Die St. Annen-Kirche in Westen

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Das Mehrgenerationen-Haus mit Blick auf die Aller

Eindrücke an der St. Annen-Kirche

Ich stieg wieder aufs Rad und radelte weiter den Aller-Radweg entlang. Der Wind war nach wie vor frisch, aber trotzdem angenehm. Die Luft in der Lunge fühlend ging es weiter durch das Marschland. Die Aller windet sich hier in ihrem Lauf. Meine Stimmung war gut, wie sollte es auch anders sein. Das nächste Dorf auf meinem Trip hieß Hülsen und hat ebenfalls etwas aus der Historie zu erzählen.

So gibt es dort das sogenannte „Schafstallviertel“. Da man sich hier in der Heide befindet, gab es natürlich auch Schafe und Schafställe. Die Besonderheit  liegt darin, das all die Ställe hier ohne erkennbare Anordnung auf engem Raum am Rande des Ortes errichtet wurden. Sie boten den Tieren Schutz vor Wölfen und den neugeborenen Lämmern Schutz vor der Kälte in den strengen Wintermonaten. Außerdem wurden sie nicht vollständig geschlossen gebaut, denn die Schafe haben einen hohen Bedarf an Sauerstoff und somit frischer Luft! Die Ställe stammen aus dem 17. Jahrhundert. Einst standen dort etwa 30 Stück, übrig geblieben sind 9 davon und stehen unter Denkmalschutz. Genutzt werden sie heute auch für kulturelle Veranstaltungen.

Das Schafstallviertel in Hülsen

Interessant ist auch die Geschichte des Kaliabbaus im Aller-Leine-Tal. Zwischen 1906 und 1920 wurden dreizehn bis zu 700 Meter tiefe Schächte abgetäuft um das begehrte Kaliumchlorid zu gewinnen. Aus einstigen Bauerndörfern wurden Industrieorte und die Bevölkerungszahl stieg rasant an. Doch die Blütezeit war nur von geringer Dauer. Mitte der 1920er Jahre ging es genauso schnell wieder bergab. Im zweiten Weltkrieg wurden einige Schächte noch teilweise als Depot von Munition genutzt. Heute zeugen ein paar ehemalige Arbeiterhäuser von der kurzen Hochphase des Kaliabbaus in der Region. Unterwegs erzählen  Hinweistafeln von dieser Geschichte. Einen passenden Radweg gibt es zu dem Thema übrigens auch!

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Gruselig ist es schon wenn Überlebenstipps als erstes auf einer Infotafel stehen

Und da wir ja eben schon mal kurz beim Thema Wölfe waren: es gibt seit rund einem Jahr sogar einen neuen Radrundweg der das Thema Wölfe thematisiert. Am Wegesrand stehen diverse Informationstafeln, die über einige wissenswerte Dinge über diese Tiere berichten. Dazu wird  spannend die Geschichte des „Würgers von Lichtenmoor“ erzählt, eines besonders großen Rüden, der im Jahre 1948 erlegt wurde und vorher dort sein Unwesen trieb. Ich muss ja zugeben, das ich doch einige male ins Gebüsch geblickt habe ob da nicht so ein possierliches Tierchen auf mich wartet. Man muss halt solche Geschichten gut verkaufen können damit die Leute sich gruseln. Der eigentliche Radrundweg ist im übrigen 90 Kilometer lang und begleitete mich ein Stück meines Weges, auch auf einem Stück einer alten Bahntrasse. Dazu gleich noch mehr.

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Gar nicht so genau zu erkennen, die alte Bahntrasse

Der nächstgrößere Ort war nun Rethem. Die kleine Stadt wird umgeben von Wäldern und Moor und blickt zurück auf eine 650-jährige Geschichte. Heraussticht unter anderem die bekannte Bockwindmühle von 1593, ein beliebtes Fotomotiv bei den Besuchern, wenn sie durch den Londypark spazieren. Auch der Skulpturenpark im Burghof Rethem ist sehenswert. Besonders gefiel  mir auch die Marienkirche, die 1839 geweiht wurde. Am schön gelegenen Rathaus, einem Fachwerkbau von 1792, gibt es im übrigen auch eine Ladestation für Ebikes. In dieser Region wird dankenswerter Weise gerne an Radfahrer gedacht. Verweilen in diesem netten Örtchen lohnt sich also.

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Marienkirche in Rethem aus dem Jahre 1839

Bockwindmühle in Rethem, Baujahr 1593! Mittlerweile aber auch mal restauriert.

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Bilder aus Rethem

Bis hier hin war ich also teilweise auf der alten Bahntrasse der Allertalbahn unterwegs. Sie verband einst Verden über Rethem, Schwarmstedt und Celle mit Gifhorn. Das Teilstück, auf dem ich nun mit dem Fahrrad fuhr, wurde zwischen 1903 und 1905 eröffnet, der andere Teil erst später. Heute sieht die Strecke recht unscheinbar aus, nur wenig lässt auf eine ehemalige Bahntrasse schließen. Man muss da schon zweimal hinschauen um dies zu erkennen. Zum Beispiel am alten Bahnhof Eilte, heute Wohnhaus, kann man noch Spuren aus der Eisenbahnzeit erkennen. Radfahren lässt sich es übrigens recht gut.

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Die sich windende Aller

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Hier lässt es sich sehr gut fahren

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Hier wurde einiges neu hergerichtet

Von Rethem fuhr ich also weiter in Richtung besagtem Eilte. Der Radweg ist dort sehr gut ausgebaut. Die Aller nebenan schlängelt sich hier fast mit sagenhaften 90-Grad-Kurven durch das Marschland. In Eilte war es dann soweit und ich überquerte die Aller auf einer schmalen Brücke. Ich wollte auf der anderen Seite dem Fluss wieder abwärts folgen. Mich empfingen dort Wiesen und Felder, ein Traktor pflügte die Scholle um. Hier wurden die saftigen Wiesen und die fruchtbaren Felder von Hecken eingesäumt um den Wind abzuhalten, der den Mutterboden und die Saat hinweg trägt. Ja, und in der Tat war der Wind nun auf einmal deutlich zu spüren. Nämlich so wie es sich fürs Radeln gehört, direkt von vorne! Das treten der Pedale wurde deutlich anstrengender, gefühlt kam ich kaum vorwärts. Ich brauchte bald eine Pause. Doch es schien hier keine Rastmöglichkeit zu geben. Bis ich aus dem Augenwinkel eine verwitterte Bank hinter einer Hecke und unter einem Baum entdeckte. Kaum zu sehen. Perfekt für eine geschützte Rast. Den Energie-Riegel schob ich mir in die Backen in der Hoffnung auf ein Kraftwunder.

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Alter Bahnhof von Eilte

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Störchen wird hier ein sehr gutes Brutgebiet geboten

Schmale Brücke über die Aller

Doch das Wunder blieb aus. Trotzdem tat die Pause gut, doch der Wind war immer noch unerbittlich und nagte an mir. Ich war froh, als ich endlich die Fahrtrichtung wechselte und er dann nur von der Seite kam. Da ging es dann auch bei mir wieder besser. Bei Klein Häuslingen, ebenfalls einst Hochburg beim Kaliabbau, gibt es auch noch einige Gebäude aus dieser Zeit wie das einstige Verwaltungsgebäude und das Werksgasthaus. Im Ort davor, in Groß-Häuslingen, stehen zwei noch imposantere Direktorenvillen und ein paar Fabrikgebäude. Die Geschichte ist also allgegenwärtig.

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Ich, dick eingepackt bei der Pause und dem Schutz vor dem ganzen Wind

Doch auch bei mir nahm die Geschichte nun langsam ihr unrühmliches Ende. Dem Radweg folgend kam ich zum Gut Klein Häuslingen. Auf einer Infotafel standen ein paar interessante Dinge über die Bewohner dieses Gutes. Nämlich das die Besitzer im Mittelalter auch Raubritter waren! Und schon ging das Spektakel los. Ein Hund, im folgendem Drecksköter genannt, schoss aus der Hofeinfahrt auf mich zu! Die Raubritter schienen ihn höchstpersönlich auf mich angesetzt zu haben. Von der Größe her war er nicht einzuschätzen ob er nur ein Kläffer oder ein fleischzerfetzender Killerhund war. In Sekundenbruchteilen schaltete ich auf Fluchtmodus um und gab Gas. Gerade noch rechtzeitig sonst hätte man irgendwann mal meine Gebeine verscharrt in den Gebüschen gefunden. Kaum ließ dieser Drecksköter von mir ab, rasselte es wie aus dem Nichts an der Kette. Es sah zuerst so aus, als wäre die Kette abgesprungen. Doch irgendwas war faul an der Sache. Die Kette hing schlaff herab sobald ich aufhörte zu treten. Ich hielt sofort an, in sicherer Entfernung vor diesem Höllenhund, der noch immer nach mir kläffte und knurrte, sich aber nicht weiter  in meine Richtung bewegte.

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Hier wohnten einst Raubritter…und heute ein Drecksköter

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Game Over

Was soll ich sagen, ich wusste nicht weiter. Also Rucki-Zucki die sozialen Medien bequemt, von denen ich auch prompt Hilfe und Tipps bekam. Doch es war nichts zu machen. Nicht mit dem Werkzeug welches ich dabei hatte. Und so kam es wie es kommen musste. An einem eigentlich doch so schönen Tag. Ich zückte das Smartphone, wählte die Nummer meines persönlichen Pannendienstes und ließ mich tatsächlich „abschleppen“.

Ein paar Kilometer waren eigentlich noch geplant, durch Feld, Wald und Wiesen. Zurück zum Ausgangspunkt. Doch trotz dieser Misere war es ein gelungener Tag. Wäre mir die Panne nach 20 Kilometern passiert hätte ich mich totgeärgert. Doch ich hatte knapp die 80-Kilometer-Marke gekratzt, da konnte ich es dann nach einigen Stunden der Frustration schließlich doch verkraften. Alles war gut. Na, bis auf den Freilauf, denn der war kaputt und enttarnt als Übeltäter. Er wurde verhaftet…äh…ausgebaut und durch einen neuen ersetzt. In der Hoffnung das dieser nun bis in alle Ewigkeit hält.

Die komplette Tour findet ihr aber hier zum Download als gpx-track. An dieser Stelle deshalb auch der Hinweis, das sie bis zum Ferienhaus führt, welches ich gebucht hatte. Das mache ich eigentlich sonst nie, doch ich war dermaßen zufrieden mit der Unterkunft, das ich dies als absolut tollen Ausgangspunkt für diese als auch andere Radtouren empfand. Deshalb der passende Link dazu, sozusagen als besondere Empfehlung 😉

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TOUR: Fahrradtour zu den Geister-Dörfern bei Garzweiler

 Endlich hatte ich mal ein paar Tage frei. Füße hoch legen, nichts tun, faulenzen…aber nicht mit mir! Denn wenn ich etwas Zeit habe werde ich nervös. Da zieht es mich bei jeder Gelegenheit raus mit dem Rad. Und da nichts Wichtiges anlag habe ich flux mal eine Tour zusammengeschustert. Die Touren-Saison steht eh jetzt vor der Tür, da können auch mal ordentlich Kilometer zusammen kommen. Dabei herausgekommen ist eine Strecke von rund 105 Kilometern. Von der Haustür weg bis zum Tagebau bei Garzweiler. Etwas skeptisch war ich schon ob ich bereits die Fitness für einen langen Tag im Sattel habe. Aber das vorweg: das war alles kein Problem. Doch nun zur eigentlichen Tour mit all den Sehenswürdigkeiten.

 Von meiner Heimat aus war ich schon Ruck-zuck an der Ruhr angelangt. Da ich im Drei-Städte-Eck Essen, Oberhausen und Mülheim wohne, konnte ich quasi bis dorthin herunterrollen. Die kurze Strecke kenne ich von vielen kleineren Rad-Runden in der Gegend schon aus dem Effeff. Doch ab dort wollte ich einmal ganz bewusst unbekanntere Wege einschlagen. Entlang der Ruhr und dem für seine Staus bekannten Autobahnkreuz Kaiserberg radelte ich dann entlang des Sportplatz-Geländes von Preußen Duisburg. Mehrere Fußballplätze nebeneinander gereiht, die teilweise schon bessere Tage gesehen haben. Genauso wie die dazugehörigen Umkleiden-Gebäude. Leider fehlt es wie bei so vielen Vereinen im Pott an Geld und Sponsoren. Eine typische Bolzplatz-Anlage des Ruhrpotts war dies hier also, wie ich sie selber als aktiver Fußballer nur zu gut selber kennengelernt habe. Direkt daneben die klassischen Schrebergarten-Anlagen, ebenfalls typisch für’s Ruhrgebiet. Allesamt hübsch hergerichtet, nach den Bestimmungen und Satzungen des Bundesverbandes  Deutscher Gartenfreunde e.V.

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Bilder aus dem „Königreich Duissern“

 Schon war ich im Duisburger Stadtteil Duissern, wo ich zuerst über einen lustig bemalten Stromkasten schmunzeln musste. „Königreich Duissern“ stand darauf geschrieben. Auf dem Bild war eine Nonne, ein Krug und augenscheinlich einige Stücke Kohle zu sehen. Nach Recherche gibt es dort die sogenannte Duisburger „Karnevalsgesellschaft Königreich Duissern 1934 e.V.“ Das erklärte natürlich das Bild. Pappnasen gibt es also auch hier.

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Hier fand die Tragödie der Loveparade 2010 statt

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Gruseliger Tunnel, die gleiche Länge muss man sich zur anderen Seite vorstellen. Auf dem Foto ist die wirkliche Dunkelheit und Enge nicht gut zu erkennen!

 Kurz darauf wurde es aber sehr beklemmend für mich. Nach wenigen Metern hinter dem Hauptbahnhof gelegen, erreichte ich den Ort der Tragödie der Loveparade von 2010, an dem 21 Menschen wegen einer Massenpanik zu Tode kamen und 541 Leute verletzt wurden. Durch einen langen, dunklen Tunnel erreicht man den schmalen Aufgang zum ehemaligen Veranstaltungsgelände. Ich war noch nie in dieser Ecke und fand diesen elendig langen, düsteren Tunnel von 400 (!) Metern Länge schon alleine dermaßen gruselig das es mich fröstelte. Die niedrige Decke tat dazu ihr übriges. Dann die schmale Lücke in der Mitte des Tunnels durch die tausende von Besuchern damals herein und vom Gelände wieder hinaus mussten. Ein verheerendes Konzept und nicht nachzuvollziehen wie man dies damals überhaupt nur Ansatzweise genehmigen konnte. Bis heute sind vor Gericht keine Urteile gegen die handelnden Personen gefällt worden, ein Skandal sondergleichen. Für die Hinterbliebenen gibt es keine Schmerzlinderung. Wahnsinn. Der kleine Ort ist heute eine Gedenkstätte. Fotos der Verstorbenen hängen dort, Kreuze sind aufgestellt worden, persönliche Gegenstände sind hinterlegt worden. Dort herrscht beklemmende, erdrückende Stille. Ein gespenstiges Fleckchen. Oberhalb der Tunnel soll auf dem Brachgelände vielleicht bald ein Shopping-Outlet-Center gebaut werden. Wenn man an dieser Gedenkstätte steht wirken die Pläne surreal und deplatziert. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch verließ ich diesen denkwürdigen Ort.

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Erinnerungen an die Opfer.

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Die Gedenkstätte der Loveparade 2010

 Nur wenige Meter weiter war ich auch schon am Fußballstadion des MSV Duisburg und dem direkt daneben liegenden Sportpark Wedau, bekannt für seine Ruder-Regatta und anderen sportlichen Aktivitäts-Möglichkeiten. Natürlich kann man hier auch wunderbar spazieren gehen. Das taten auch mal wieder diverse Hundebesitzer, die ihre vierbeinigen Zöglinge nicht im Griff hatten. Solche Leute mag ich nicht, die einen noch angrinsen wenn ihr Wischmop-Köter versucht einen auf den Fahrrad anzuspringen, gerade wenn man schon langsam und rücksichtsvoll vorbeifährt. Habe ich kein Verständnis für. Deshalb habe ich die Herrschaften auch einmal ordentlich angeblafft und sie mit offen stehenden Mund stehen lassen. Den genauen Wortlaut spare ich mir aber hier.

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Glasfassade am Stadion vom MSV Duisburg

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Großes Reinemachen für die Saison

Am Wolfsee kann man nicht nur wunderbar Radfahren!

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Mittlerweile blüht überall der Raps auf den Feldern

 Nach dem nahe gelegenen Wolfsee und Haubachsee umfing mich bereits viel Grün. Keine Spur von Großstadt mehr. Die Badestellen wurden gerade für die Saison hergerichtet, noch waren keine Besucher zugegen. Das Wetter war bisher ja auch nur ein klägliches grau in grau. So hatte ich die Natur fast für mich alleine. Nur vereinzelt ließen sich Spaziergänger blicken. Entlang des Wäldchens Grindsmark und Heltorfer Mark waren bald auch schon die ersten Felder in Sicht. Hier blühte schon der Raps, den ich nun noch viel öfters auf den Feldern sehen sollte.

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Schloss Heltorf

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Die mit hohen Bäumen versehene Auffahrt zum Schloss Heltorf

 Landschaftlich schön gelegen erreichte ich Schloss Heltorf, wo die Herren von Heldorp und u.a. Otto von Heldorp bereits im Jahre 1167 als Besitzer des Schlosses urkundlich erwähnt wurden. Der angrenzende Schlosspark, im englischen Stil als Waldpark angelegt, beherbergt Deutschlands zweitälteste und sehenswerte Rhododendronanpflanzung und ist zwischen Mai und Oktober gegen Eintritt öffentlich zu bestaunen. Den langen Zufahrtsweg mit seinen hohen Bäumen links und rechts radelte ich hinunter, weiter an Feldern vorbei, über das Örtchen Froschenteich und zum Rhein.

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Zeit für eine Pause. Direkt am Rhein.

 Kurz vor Wittlaer kamen erste Wohnbebauungen. Und die, so nah am wunderschönen Rhein gelegen, zeigten deutlich wo das Geld sitzt. Schöne Villen, gepflegte Gärten und teure Autos vor den Häusern sagen schon viel aus. Kurz darauf war ich schon unten direkt am Rhein. Ein schönes Plätzchen am Wasser nutzte ich erst einmal zur Pause. Sogar die Sonne ließ sich kurz blicken, doch wenn ich in die Richtung schaute, in der ich wollte, war es dort hinten eher dunkelgrau. Kein gutes Zeichen. Doch es sollte tatsächlich für mich den ganzen langen Weg trocken bleiben. Schiffe fuhren den Strom hinunter und herauf. Beladen oder leer. Tief im Wasser liegend oder hoch aufragend. Was sie wohl alle geladen hatten in all den Containern?

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Wunderbarer Weg entlang des Rheins.

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Unweit am Rhein bei Wittlaer

 Kaiserswerth war der nächste sehenswerte Halt, direkt am Rhein gelegen. Die „Altstadt“ bietet einem gepflegte Einkehrmöglichkeiten zwischen wunderbar erhaltenen Häusern u.a. aus dem 17. Jahrhundert. Sie wird auch manchmal Kaiserstadt genannt, obwohl es kein ständiger Wohnsitz eines Kaisers war. Kaiser Barbarossa errichtete 1174 die einst mächtige Kaiserpfalz, eine Zollfestung direkt am Rhein und strategisch günstig gelegen. Die Überreste sind heute zu besichtigen. Auch die Suitbertus-Basilika aus dem Jahre 1237 lohnt ein Besuch. Kaiserswerth hat eine umfangreiche Geschichte, die ihr HIER nachlesen könnt. Dank an Wikipedia! Bei Kaiserswerth überquerte ich den Rhein nun mit der dortigen Fähre. Die kurze Fahrt über den Strom ans andere Ufer kostete mich samt Fahrrad schlappe 2€. Nur ich und eine ältere Dame waren an Bord. Wenn die Saison richtig losgeht, wird das wohl anders aussehen. Da werden die Touristen, Spaziergänger, Rad- und Autofahrer wohl in Massen hin und her schippern.

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Reste der Kaiserpfalz bei Kaiserswerth

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Mit der Fähre ging es über den Rhein

 Auf dieser Seite des Rheins waren ebenfalls direkt hinter dem Deich, schön ruhig gelegen, noble Villen zu sehen. Wer hier ein Häuschen besitzt, kann vergnüglich auf den Fluss blicken und dabei noch den Flugzeugen beim Starten vom Düsseldorfer Flughafen aus zusehen. Denn die fliegen hier noch in wenigen hundert Metern über einen hinweg. Ich schaute noch öfters interessiert in den Himmel während ich den Rhein mit dem Fahrrad aufwärts folgte.

 Unter der markanten Brücke der A44 hindurch und nach der Ilvericher Altrheinschlinge bog ich rechts ab in Richtung Meerbusch. Hier war es für einen Werktag recht ruhig. Ich hielt bei einem Bäcker und versorgte mich mit einem sehr leckeren und mit Fleischwurst belegten Brötchen. Das wollte ich irgendwo auf dem Weg an einer schönen Rastmöglichkeit verputzen. Erst am schön gelegenen Gut Dyckhof vorbei, einer Wasserburg die erstmals 1393 erwähnt wurde, traf ich bei Neuss auf den Nordkanal, einst von Napoleon in Auftrag gegeben, wo ich so eine nette Stelle fand und erst einmal eine kleine Pause einlegte. Die Sonne schien in dem Moment kräftig und ich war rundherum zufrieden.

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Gut Dyckhof

 Gestärkt radelte ich weiter ein kleines Stück den Nordkanal entlang. Den habe ich vor längerer Zeit schon einmal auf einem Teil von Neuss bis Venlo abgeradelt und wer Lust hat, sollte das auch mal tun. Die Felder wurden jetzt immer zahlreicher. Dazu kamen einige Baumschulen. Der Wind wehte hier etwas kräftiger frontal ins Gesicht. Doch das leicht sonnige Wetter entlohnte für die manchmal nötigen und kräftigen Pedaltritte.

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Eindrücke von Baumschulen, Windmühlen, Ski-Halle, Hinweistafeln am Nordkanal und der alten Burg Lauvenburg aus dem Jahre 1300!

 Nach den Ortschaften Lüttglehn, Epsendorf und Glehn wurde es mittelalterlich. Die Altstadt von Liedberg liegt auf einen Höhenrücken, das Schloss auf nicht ganz 80 Metern über N.N. Die Anlage mit mehreren Gebäuden stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Grundmauern wahrscheinlich sogar aus dem 11. Jahrhundert! Ein Unternehmer aus Viersen hat die Anlage in sieben Jahren mit viel Mühe saniert, auch jetzt finden noch einige Arbeiten dort statt. Geschichtsträchtig ist dieser Ort mit seinen schönen Fachwerkhäuschen und ein Besuch des Mühlenturms und der Pfarrkirche ist durchaus zu empfehlen. Nebenbei gibt es dort noch einen netten Bio-Laden, in dem man sich mit allerlei regionalen Leckereien eindecken kann.

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Schloss Liedberg

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Altstadt von Liedberg

 Am unweit gelegenen Natuschutzgebiet „Das Hobbruch“ kam ich an einer eher gruseligen, leicht versteckt liegenden Privatklinik vorbei. Alte Gebäude mit Türmchen und Zinnen trugen zu diesem Bild bei, dazu passend ist dies auch noch eine Klinik für psychiatrische Erkrankungen. Es wirkte dementsprechend gelegen etwas schaurig auf mich. Man könnte auch meinen die Fantasie ging mit mir durch. Das Naturschutzgebiet war schnell durchradelt und ich kam schon zum nächsten Schloss auf der Tour.

Auf dem Foto nicht so gruselig wie in Echt! Die Klinik.

Auf dem Foto nicht so gruselig wie in Echt! Die Klinik.

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Hinter der Klinik direkt eine wunderschöne Landschaft

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Schloss Rheydt

 Schloss Rheydt ist eine Wasserburg, mit dem heutigen  Aussehen aus dem 16. Jahrhundert, wobei es ursprünglich schon 1180 erstmals erwähnt wurde. Es befindet sich heute in der Hand der Stadt Mönchengladbach. Gleichzeitig beherbergt es das städtische Museum. Außerdem finden regelmäßig Ausstellungen, Konzerte mit namhaften Künstlern und Ritterspiele statt. An diesem Tag war es ruhig. Ich umrundete das Schloss und warf einen Blick in den Innenhof, wo einige Pfauen mit ihren prachtvollen Federn neugierig die vereinzelten Besucher beäugten.

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Pfau auf dem Hof von Schloss Rheydt

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Lustige Wandbemalung einer Schule

 Danach umfing mich das Umfeld von Rheydt. Einen kleinen Grüngürtel folgend bekam ich hier einmal das etwas hässlichere Gesicht eines Vororts zu sehen. Beschmierte Betonburgen einer Sozialbausiedlung, davor Müllberge, gesammelte und umgeworfene Einkaufswagen. Es fehlten nur noch die brennenden Mülltonnen. Zum Glück ließ ich diesen Abschnitt  sehr schnell wieder hinter mir. Und erreichte…

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Schlossinsel von Schloss Wickrath

…das nächste Schloss. Wie konnte es auch anders sein. Schloss Wickrath im gleichnamigen Stadtteil, ist eine Wasserschlossanlage mit herrlichem, öffentlich zugängigen Schlossgarten. Der Reichsgraf Wilhelm Otto Friedrich von Quadt ließ es zwischen 1746 und 1772 erbauen. Die ursprüngliche Burg Wickrath wurde aber bereits im Jahr 1068 urkundlich erwähnt. Heute gibt es dort diverse Veranstaltungen und eine gehobene Gastronomie.

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Ein Spaß hier zu radeln

Dem schmalen Flüsschen Niers folgend radelten ich und mein Bike genüsslich den gleichnamigen Radweg entlang. Noch immer gab es keine Ermüdungserscheinungen bei mir. Auch mein Allerwertester meldete sich nicht. Dank einem prima Sattel, einer guten Radhose und einem richtig gut eingestellten Bike. Das macht schon eine Menge aus beim Radfahren.

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Das Ende eines Dorfes

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Borschemich ist dem Untergang geweiht

 Doch es sollte an diesem Tag noch einmal bedrückend werden. Der Braunkohletageabbau von Garzweiler kam immer näher. Die Schlote und „Wolkenmacher“ des Betreibers RWE waren schon seit geraumer Zeit in der Ferne zu sehen gewesen. Jetzt kam ich zu einer abgesperrten Straße für Autos, der Radweg führte aber weiter. Erst dachte ich die Tour hätte ich an dieser Stelle falsch geplant. Doch ich war richtig. In einem Bogen fuhr ich in das verlassene Dorf Borschemich. Direkt am Rande des Tageabbaus gelegen. Die meisten Häuser waren schon abgerissen, die wenigen noch stehenden waren verrammelt und verriegelt. Bagger und Schuttcontainer standen an manchen Stellen. Nur wenige Meter weiter war schon die Spitze des riesigen Schaufelradbaggers zu erkennen, der aus dem tiefen Loch auftauchte. Es herrschte bedrückende Stille. Hier haben Menschen gelebt, hatten schöne kleine Gärten, nette Nachbarn. Hier wurde am Gartenzaun der neueste Tratsch ausgetauscht. Jetzt war das Dorf verlassen, die letzten Reste menschlicher Behausung werden in kurzer Zeit verschwunden sein. Der Schaufelradbagger frisst sich immer weiter durch den Boden. Unaufhaltsam.

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Der riesige Schaufelradbagger frisst sich unaufhaltsam weiter

 Schlimmer wurde es dann sogar noch im nächsten Dorf, das ich nach ein paar Metern über asphaltierte Feldwege erreichte. Immerath, so der Name dieses Geisterdorfes. Wenn man die Straße ins Dorf hinunter radelt, denkt man, das man noch auf einen Umtrunk in die Dorfkneipe einkehren kann. Doch wenn man näher kommt, die Betonsperren für die Autos sieht, die mit Brettern vernagelten Fenster in allen Stockwerken, die Laternen, an denen Kabel herunterbaumeln, die zugewachsenen Hinterhöfe, geschlossenen Geschäfte und leeren Parkplätze, wo das Unkraut wächst. Dazu noch die große Kirche mit ihren zwei Türmen, ebenfalls verlassen und sich ihrem Schicksal überlassen, ja da lief es mir fröstelnd den Rücken hinunter. Als ob die Menschen fast fluchtartig ihre Häuser verlassen mussten herrschte nun eine düstere Stimmung und unwirkliche Stille über den Dächern dieses Ortes. Ich folgte der Hauptstraße, die nach einigen Biegungen wieder hinaus aus Immerath führte. Ganz am Ende, ich konnte es nicht glauben, wohnte hier anscheinend tatsächlich noch jemand. Keine verrammelten Fenster, der Gehweg noch sauber und gepflegt. Ein Auto vor der Tür. Von dieser Seite kam man damit anscheinend noch hinein. Die letzten Verbliebenen, doch auch deren Schicksal mit Ablaufdatum versehen. Um danach irgendwo anders einen Neuanfang starten zu müssen. Das surren meiner Räder klang hier irgendwie lauter als sonst. Einerseits war es spannend durch so ein Geisterdorf zu radeln, andererseits war ich froh wieder heraus zu sein.

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Trügerische Idylle. Das verlassene Dorf Immerath mit seiner Kirche

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Fast wie bei einer Evakuierung

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Leerstehende Häuser…

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…wo man nur hinsieht. Gespenstisch.

 Danach ging es über einige Meter Feldweg, mein Ziel war der Aussichtspunkt und Skywalk, direkt über den Abgrund des Tageabbaus. Von dort hat man einen sehr guten Ausblick in das tiefe Loch der Erde. Mehrere Schaufelradbagger auf unterschiedlichen Höhen des Abbaus waren zu sehen. Dazu Förderbänder die die abgebaute Braunkohle zu den weit entfernten Kraftwerken des Energie-Riesen befördern.

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Keine Postkartenidylle aus Immerath

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Braunkohleabbau Garzweiler

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Einer der riesigen Schaufelradbagger

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Die Größe ist schier überwältigend

 Auf einigen Schautafeln wurden Infos rund um das Thema Braunkohleabbau veranschaulicht. Wahrscheinlich auch um Verständnis bei der Bevölkerung zu werben. Die Tour war jedenfalls definitiv spannend, es gab viel zu sehen. Überrascht war ich aber von den bedrückenden Momenten. Zugleich war es aber auch lehrreich und informativ. Immer wieder kann man auf solchen Touren Ecken kennenlernen, mit denen man gar nicht rechnet. Das ist das Aufregende dabei. Es war ein langer Tag, aber einer der jeden Meter wert war.

Update: Auf Grund der großen Nachfrage könnt ihr  euch den gpx-Track zum nachfahren hier jetzt herunterladen. Ich wünsche euch viel Spaß dabei!

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Spannend und auch lehrreich war diese Radtour

 

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TOUR: Niederrhein-Tour nach Wesel

 Mein Gefühl sagte mir das es langsam an der Zeit ist um „in die Puschen“ zu kommen für die ersten „richtigen“ Radtouren im neuen Jahr. Schließlich wartet ja auch mein neues ROSE-Bike sehnsüchtig auf schöne Ausritte. Kurzerhand plante ich deshalb eine Tour, die im Grunde vor der Haustür startete und in Wesel enden sollte. Das Wetter war wie in den letzten Tagen solide grau, aber immerhin trocken. Das ist ja schon die halbe Miete. Wie interessant es in der unmittelbaren Umgebung sein kann, erfuhr ich direkt am Haus Ripshorst am Rhein-Herne-Kanal, denn dort trafen sich an diesem Morgen einige Leute auf der großen Wiese zum Drachen steigen lassen. Tolle und vor allem große Drachen waren hier zu bestaunen. Den noch spärlichen Besuchern um diese Uhrzeit wurde Kaffee und Kuchen für einen kleinen Obolus angeboten.

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Drachen vor Haus Ripshorst

 Ich überquerte den Kanal über eine Brücke und radelte weiter entlang des Kanals. Vorbei an dem Gasometer und dem Niederrheinstadion, wo die Fußballmannschaft von Rot-Weiß Oberhausen ihre Heimspiele austrägt. Das Rad fühlte sich schon auf den ersten Metern richtig gut an und das ließ mich ganz entspannt in die Pedalen treten. Vom Kanal weg gelangte ich nun auf den Radweg „Grüner Pfad“, einer alten Bahntrasse die nun neu asphaltiert wurde und nun optimal zu befahren ist. Nach einigen Kilometern erreichte ich den Landschaftspark Duisburg. Immer wieder bietet dieses alte Industriedenkmal eine tolle Kulisse und ist einen Besuch wert. Schon oft bin ich hier auf meinen Radtouren vorbeigekommen. Diesmal machte ich nur kurz Halt um ein paar Fotos zu machen, danach war ich dann auf der Themen-Route „Deutsche Fußballroute“ unterwegs. Einer Route, die in NRW viele Höhepunkte des Fußballs in größeren und kleineren Städten ansteuert und für Freunde des runden Leders sicherlich interessant ist.

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Der Gasometer in Oberhausen.

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Vor dem Stadion von RWO.

 Kurz darauf erreichte ich schon den Rhein. Winzige Regentropfen empfingen mich hier, doch die waren zum Glück nur von kurzer Dauer. Viele Schiffe waren hier auf dem Strom unterwegs. Manche schwer beladen und tief im Wasser liegend, die anderen leer und unterwegs zu den Häfen um neue Fracht aufzunehmen. Diese Bilder sollten mich jetzt bis Wesel begleiten, denn nun hieß es auch für mich den Rhein „abwärts“ zu folgen. Über die Brücke der A42 wechselte ich auf die andere Uferseite. Von dort oben hat man übrigens auch einen schönen Ausblick in die Umgebung. Die Halde Rheinpreußen mit ihrem „Geleucht“ liegt in unmittelbarer Nähe, einen Abstecher zu meiner eigentlichen Tour könnte man hier problemlos machen. Doch ich hielt mich diesmal am Wasser.

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Der „Grüne Pfad“

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In der Kulisse des Landschaftsparks Duisburg

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Halde Rheinpreußen mit dem Geleucht, Eisenbahnbrücke und der Rhein mit seiner Schifffahrt!

 Die Gegend wurde ländlicher. Felder und Wiesen wurden zahlreicher. Die ersten Bauernhöfe waren zu sehen. Duisburg-Baerl ist eher ein Dorf als ein Stadtteil, da war ich schnell durch und wieder auf den Damm des Rheins. Über Binsheim gelangte ich nach Orsoy. Ein nettes, ruhiges Örtchen. Immer gut für einen  kleinen Ausflug. Doch ruhig war es an diesem Karnevalssonntag hier nicht. Überall waren  hier die Leute bunt verkleidet und standen an Stehtischen vor der Haustür zusammen, unterhielten sich, lachten, schunkelten bei Karnevalsmusik und tranken dabei das ein oder andere Bier. Hier wird Nachbarschaft anscheinend noch Groß geschrieben. Eine richtige Dorfgemeinschaft könnte man das auch nennen. Nett mitanzusehen. Ein wenig war ja auch ich verkleidet als Radfahrer…

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Duisburg-Baerl von der Brücke der A42 aus.

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Schiffs-Impressionen auf dem Rhein.

 Hätte ich irgendwo spontan gehalten, hätte ich wahrscheinlich ein Bier in die Hand gedrückt bekommen. Doch mich zog es weiter. Orsoy war schnell durchquert. Danach herrschte wieder Ruhe auf dem Weg. Den Rhein konnte ich jetzt nicht mehr sehen, da ich landeinwärts unterhalb des Damms radelte. Den Orsoyer Rheinbogen ließ ich hinter mir. Es radelte sich an dem Tag wirklich gut. Ich verspürte ein zufriedenes Gefühl in mir aufsteigen. Dieses Gefühl, das es genau richtig war heute mit dem Rad auf Tour zu gehen. Und auch das Wetter spielte mit. Hin und wieder rissen die Wolken kurz auf und ließen ein paar kurze Sonnenstrahlen durch.

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Nur wenige Radfahrer waren an diesem Tag unterwegs.

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Info-Tafel am Wegesrand.

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Beruhigende Landschaft…

 Das nächste Dorf, Ossenberg, lag links von mir. Doch auch hier konnte man von weitem das halbe Dorf hören wie es mit der Karnevalsmusik schunkelte. Der Rhein und das Rheinvorland war nun auch wieder in Sichtweite. Unermüdlich waren Schiffe  an diesem Tag  auf den Rhein unterwegs. Gut zu sehen war auch wie sie teilweise gegen den Strom ankämpften, während die anderen mit Leichtigkeit den Fluss hinab schwammen. Felder und Wiesen blieben hier am Niederrhein ebenfalls ein ständiger Begleiter. Ich empfinde diese Landschaft immer wieder als sehr entspannend.

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…und Brutgebiet für Graugänse.

 Die neue Niederrheinbrücke von Wesel war nun nicht mehr zu übersehen. Nach Büderich mit seiner kleinen Rheinpromenade kam ich nun zum Fort Blücher, einer Festungsruine direkt vor der Brücke. Sie wurde unter Napoleon in den Jahren 1807 bis 1813 erbaut und hat wohl einiges Geschichtsträchtiges mitgemacht. Ein paar Fotos später war ich dann bereits schon auf der besagten neuen Brücke und konnte trotz etwas diesigem Wetter gut auf den Rhein und die flache Landschaft schauen. Wesel lag direkt vor mir. Die Stadt war im Spätmittelalter eine wichtige Handelsstadt und aus militärischer Sicht hatte sie im zweiten Weltkrieg eine ebenso strategische Lage und war daher von großer Zerstörung betroffen.

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Man könnte meinen ich war in Norddeutschland unterwegs.

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Niederrhein-Brücke und Wesel im Blick.

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Fort Blücher, Heimat vieler Fledermäuse!

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Der Willibrordi-Dom in Wesel.

 Von der Brücke aus war es nur ein Katzensprung bis zu der Lippe-Mündung. Hier endet oder startet zugleich die bekannte Römer-Lippe-Route. Und auch meine Tour hatte ihr Ziel hier erreicht. Bis zum Bahnhof war es nicht mehr weit. Einen ausgiebigen Besuch der Stadt mit seiner Rheinpromenade, der Zitadelle Wesel und dem Preußenmuseum ist aber empfehlenswert.

 Die Strecke ist ganz bequem als Tagestour zu gestalten und wer Lust hat diese Route einmal nachzufahren, für den gibt es hier den Link zum Download der gpx-Datei für Smartphone oder Navi.

Viel Spaß!

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TOUR: Wiener Schmäh

Das Jahr ist schon fast wieder herum, doch für eine nette Tagestour durch Österreichs Hauptstadt Wien hat es noch gereicht. Trotz leicht regnerischen Wetters. Aber die kleine Runde möchte ich euch nicht vorenthalten. In Wien gibt es unzählige Sehenswürdigkeiten, die natürlich nicht alle an einem Tag besucht werden können. Deshalb ist dieser Tour-Bericht auch eher eine Inspirations-Quelle, wie man gut mit dem Rad durch die Stadt kommen kann. Denn meiner Meinung nach lässt es sich sehr gut durch Wien radeln, die Infrastruktur ist für meinen Geschmack recht gut angelegt! Davon können wir in Deutschland mal wieder meistens nur träumen…Aber das ist ein anderes Thema. Am Ende des Berichts findet ihr übrigens den Link zum Download der Tour als gpx-Datei!

 Start und Ziel war an der U-Bahn-Haltestelle Burggasse-Stadthalle. Auf den ersten Blick direkt an einer Hauptstraße, denn die ehemalige Bundesstrasse „ist die am stärksten befahrene Landesstraße in Österreich und eine der meist frequentierten in Europa“! (Quelle: wikipedia) Auf dem zweiten Blick aber tatsächlich ein äußerst angenehmer Einstieg  für Radfahrer!  Denn der „Gürtelradweg“ führt entlang der Hochbahntrasse auf einem separaten, von der Straße getrennten und relativ gut geführten Radweg mal links, mal rechts und manchmal auch unter der alten Trasse hindurch. Unter den Bögen der Trasse befinden sich viele kleine Geschäfte. Darunter mittlerweile auch einige Szene-Lokale. Man sagt, das sich hier gerade die zentrale Meile des Wiener Nachtlebens mit richtig guten Musiklokalen wie dem B72, dem Chelsea oder dem Q [kju:] entwickelt.  Die passende Atmosphäre lässt sich leicht unter den alten, verzierten Hochbögen erahnen.

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Verzierungen an einer Brücke der Hochbahntrasse.

  Während ich also so stadtfremd, aber problemlos in Richtung Donau-Kanal radelte, musste ich dabei über die Radinfrastruktur daheim schmunzeln. Die kann anscheinend selbst nicht mit Wien mithalten. Ohne das dies jetzt abwertend für die Hauptstadt Österreichs sein soll! Ich finde es eher erschreckend, wie rückständig das hierzulande dagegen teilweise ist und wie positiv dagegen Wien auf mich wirkt.  Aber da schweife ich schon wieder ab…

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Beispiele der Radwegeführung in Wien

 Direkt am weiteren Weg lag auch die Volksoper Wien. Der großartige Saal mit seinen Emporen und Balkonen erinnert ein wenig an die Lichtburg in Essen. Das Programm, ob Ballett oder Musical, ist sehr umfangreich. Und wer diese Kunstformen mag, der ist hier gut aufgehoben. Man sollte aber ein bisschen mehr Zeit mitbringen.

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Am Donaukanal lässt es sich gut radeln!

 So gemütlich dahin  gleitend erreichte ich kurz nach dem Lichtenwerder Platz den Donau-Kanal. Dort steht, direkt am Ufer und mitten in der Stadt, die Müllverbrennungsanlage Spittelau. Das ist schon irgendwie leicht irritierend. Doch das besondere daran ist die Fassade, die von keinem geringeren als Friedensreich Hundertwasser künstlerisch gestaltet wurde! Dementsprechend muss man zwei mal hingucken um ein Fernwärmekraftwerk zu erkennen!

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Das Fernwärmekraftwerk!

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Graffiti-Kunst am Donaukanal.

 Einmal um die Ecke gebogen und schon war ich am Kanal. Im Mittelalter war dort einst der Hauptstrom der Donau, doch der Fluss änderte immer wieder sein Bett und war dann irgendwann ein ganzes Stück weiter östlich. Der Begriff „Donaukanal“ für diesen Arm des Flusses bürgerte sich dann ein. Heute gibt es am Ufer viele Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Ob es Konzerte, Ausstellungen oder Restaurants sind, die Liste ist lang. Ich radelte vom Fernwärmekraftwerk nordwärts. Sofort fielen mir die tollen Graffiti-Bilder an der Mauer auf! Davon musste ich natürlich auch Fotos machen. Das ging ein ganz schönes Stück so und ich kam kaum zum Radfahren. An Brückenpfeilern waren die tollsten Kunstwerke zu sehen. Das fand ich sehr interessant. Kein Geschmiere, sondern das war Kunst! Sehenswert!

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Die Schleuse in Nußdorf

 Und so brauchte ich eine ganze Zeit bis ich zur Nußdorfer Wehr- und Schleusenanlage kam. Dort zweigt der Donaukanal von der Donau ab. Die komplette Errichtung mit Verwaltungsgebäude und Kettenmagazin war im Jahre 1899 beendet. Dazu gehört auch die für die Statik des Wehrs so wichtige Schemerlbrücke. Und die musste ich auch mit dem Fahrrad überqueren um erstmals auf die andere Seite des Kanals zu kommen. Über eine weitere Brücke direkt über die breite Donau gelangte ich dann so auf die Donauinsel.

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Auf dem Steinitzsteg und über der Donau.

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Blick von der Donau-Insel in Richtung Donau-City.

 Einsam und verlassen lag die „Insel“ vor mir. Bei dem Wetter war hier so gut wie niemand unterwegs. Bei gutem Wetter muss das hier ganz anders aussehen. Mit rund 21 Kilometern Länge ist die Insel ein hervorragendes Freizeit- und Erholungsgebiet und gleichzeitig das beliebteste der Wiener Bevölkerung. Hier kann man Sport treiben, man kann Grillen. Hier gibt es Konzerte, Festivals und viele weitere Veranstaltungen. Außerdem gibt es einen Familienbadestrand, einen Wasserspielplatz, Yachthäfen  und vieles mehr. Und das alles mit tollen Blick auf die Stadt. Ich hatte bei diesem  grauen Wetter die Insel aber so gut wie alleine  für mich! Die wenigen Lokale hatten geschlossen, die Spielplätze waren leer, die Bänke auch. Das feuchte, goldgelbe Kleid der Bäume lag auf dem Boden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel konnte ich schon die Donau-City mit ihren futuristischen Hochhäusern sehen. Dort lag mein nächstes Ziel.

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Der markante Turm DC-Tower 1, das höchste Gebäude Österreichs und links die Donau-Insel.

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In Donau-City.

 Über die Reichsbrücke gelangte ich dort hin. Markant ragt der DC Tower 1 mit 60 Stockwerken in die Höhe. Er hat bis zur Spitze eine Höhe von 250 Metern. Er ist gleichzeitig das höchste Gebäude Österreichs und eines der schmalsten Hochhäuser der Welt mit durchschnittlich nur 28 Metern! Es beherbergt unter anderem ein Hotel, Restaurants und Büros. Außerdem gibt es oben eine Aussichtsterrasse. Die Pläne für den DC Tower 2 werden gerade bearbeitet. Er soll allerdings nur 168 Meter hoch werden. Der Baubeginn verzögert sich noch.

 In Donau- City, auch „Vienna DC“ genannt, ist auch die UNO-City ansässig. Viele Organisationen der UNO haben dort ihren Sitz. Mit zu bekanntesten gehört wohl die Internationale Atom-Energie-Organisation IAEO, die dort seit 1979 beheimatet ist. Aber auch das UNHCR, also das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, hat dort Büros. Dort führte mich der Radweg mitten durch die „City“. Wichtige Leute mit Ausweisen am Revers unter denen sich die klassischen Touristen mischen um nach den Weg zum nahegelegenen Donauturm zu fragen. Aktentaschen und Rucksäcke. Shops und ultramoderne Fitnesstsudios. Ein stetiges Treiben überall. Ein leicht amerikanisches Feeling kam da auf. Doch relativ schnell war ich auch dort wieder durch und kam zum Gebiet der „Alten Donau“.

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An einem ruhigen Steg der „Alten Donau“. Im Hintergrund Donau-City.

 Der genaue Gegensatz zum Treiben in Donau-City, das man weiterhin in der Ferne sehen konnte. Jetzt allerdings mit viel goldgelben Blättern, beschaulichen Hütten, Ruderclubs und vielen Rastmöglichkeiten am Ufer im Vordergrund. Und wieder lag diese wunderschöne Gegend ziemlich verlassen vor mir. Die wunderbar gelegenen Biergärten mit Blick auf das Wasser müssen im Sommer wohl völlig überlaufen, die Spielplätze voll und die Atmosphäre trotzdem entspannend sein. Auf schön gestalteten Holzstegen im Wasser kann man sich auf Bänken und Holzliegen ausruhen. Ich hatte die freie Auswahl wo ich so über dem Wasser sitzen wollte.

Mein Weg führte mich aber weiter über ein Wehr zurück auf die Donauinsel. Dort ging es mit dem Rad in südliche Richtung weiter. Nach wie vor hatte ich das Gefühl an diesem Tag gehörte die Insel mir ganz alleine. Nach einigen Kilometern erreichte ich nun die Walulisobrücke um wieder auf die andere Seite der Donau und in den Nationalpark Donau-Auen zu gelangen. Wer eine kleinere Runde radeln möchte, der kann diesen Schlenker auslassen und vorher über das Wehr des Kraftwerks Freudenau wieder in Richtung Innenstadt radeln. Dazu später mehr. Ich wollte jedenfalls noch etwas Grün in meiner Runde einbauen. Irritierender Weise liegt das riesige Zentrallager der OMV mit seinen unzähligen Tanks direkt am oder im Nationalpark sowie unmittelbar an der Donau. Die ersten Meter begleiteten mich also diverse Gerüche dieser Raffinerieanlage, die zu den größten und komplexesten Binnenraffinerien Europas zählt! Zuerst glaubte ich, ich wäre falsch gefahren, denn der Weg durch den angrenzenden Wald war erst nicht so gut. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen! Denn dies war die sogenannte „Alte Napoleonstrasse“!

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Bin ich hier noch richtig?

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Unscheinbares Denkmal für die alte Napoleon-Straße!

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Einsamkeit im Nationalpark Donau-Auen

 Am 20.Mai 1809 gelangten Napoleons Truppen von der Donau an diesem Punkt und dies war ihr Weg in das Marchfeld. Über 75000 Mann zogen in den beiden nachfolgenden Tagen in die Schlacht von Aspern und Eßling und wurden dort vernichtend geschlagen! Ein kleines und unscheinbares Denkmal erinnert daran! Dort bog ich rechts ab und kam erst an einigen Feldern vorbei um dann wieder tiefer in den Wald des Nationalparks zu tauchen. Das viele Laub auf dem Boden und die hohen, dicht stehenden Bäume boten trotz der widrigen Umstände eine tolle Kulisse und es machte mir Spaß dort zu radeln. Kurz vor Groß-Enzersdorf ging es dann wieder südwärts in Richtung Donau und der Raffinerie. Die musste ich dann nun über die Straße komplett durchqueren. Es roch wieder stark nach Öl, Benzin, Waschmittel (???) und Seifenlaugen (???). Große LKWs verschiedener Tankstellenketten verließen das Gelände oder kamen dort an. Ich überquerte wieder die Neue Donau zur Donau-Insel auf dem Weg, auf dem ich gekommen war und fuhr nun in Richtung des Kraftwerks Freudenau um die Donau endgültig hinter mir zu lassen. Das Kraftwerk ist sehr imposant, man kann es als Fußgänger oder Radfahrer komfortabel überqueren und es bietet einen tollen Ein- und Ausblick. Es gibt auch zahlreiche Sitzgelegenheiten, die sogar überdacht sind! Innerhalb des Kraftwerks werden auch Führungen angeboten.

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Das Kraftwerk Freudenau kann man mit dem Rad überqueren.

 Nach dem Kraftwerk und nachdem ich über die Freudenauer Hafenbrücke geradelt war, stieß ich dann wieder auf den Donaukanal. Doch die ersten Kilometer sind hier nicht ganz so schön zu fahren. Zuerst lag dort links von mir die Hauptkläranlage Wiens, dann die Entsorgungsbetriebe Simmering. Der Radweg war von allem großzügig abgegrenzt, führte aber trotzdem ein ganzes Stück entlang der Oststadtautobahn A4. Ab Höhe der Stadionbrücke, die unweit zum Ernst-Happel-Stadion führt, wurde es wieder schöner zu radeln. Das Stadion hieß früher auch „Wiener Praterstadion“ bis es 1993 unbenannt wurde. Es ist Österreichs größtes und bedeutendstes Stadion. Außer Fussball finden dort auch viele weitere Veranstaltungen statt.

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Zurück am Donau-Kanal, nur einen Steinwurf vom Prater entfernt.

 Ein Stück weiter, am Weißbergerufer, über die Franzensbrücke hinüber, gelangt man schnell zum berühmten Wiener Prater mit seinem markanten und weithin sichtbaren Riesenrad! Eigentlich meint man dann den Vergnügungspark, der aber richtig „Würstlprater“ heißt! Im Jahre 1896/97 wurde das Riesenrad gebaut, welches man weltweit mit Wien verbindet und ein echtes Wahrzeichen der Stadt ist! Um diese Jahreszeit und bei dem Wetter hatte die „Kirmes“ mit ihren vielen Fahrgeschäften zu und nur wenige Touristen verirrten sich dorthin.

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Am beliebten Stadtpark.

 Weiter ging meine Route dann weg vom Donaukanal in Richtung Stadtpark. Er wurde bereits 1860 eröffnet und ist gleichwohl bei Einheimischen als auch Touristen beliebt. Im Park steht eines der meistfotografierten Wahrzeichen der Stadt, ein Denkmal mit bronzener Figur zu Ehren von Johann Strauß (Sohn). Auch viele Skulpturen und weitere Denkmäler sind dort zu bestaunen. Ein wirklich netter Ort um einmal zu verweilen.

 Von hier war es auch nicht weit bis zum bekannten Karlsplatz. Hier steht die berühmte Wiener Staatsoper, das bekannte Hotel Sacher liegt in unmittelbarer Nähe und die imposante Karlskirche mit ihrer Kuppel ist direkt gegenüber am Resselpark gelegen. Um die Innenstadt mit dem weltberühmten Stephansdom oder die Kapuzinergruft derer von Habsburg und viele weitere hochinteressante Sehenswürdigkeiten zu erkunden ist dies ein sehr guter Ausgangspunkt. Der Platz wurde im Jahre 1899 nach Karl dem VI benannt. Er war es auch der nach einer Pestepidemie im Jahre 1713/14 versprach eine Kirche zu errichten. Die Karlskirche eben. Die Staatsoper wurde im Mai 1869 eröffnet und ist wohl mit das berühmteste Opernhaus der Welt! In der Kaisergruft, gelegen unter einer eher unscheinbaren Kirche, liegen viele Angehörige aus dem Hause Habsburg. Sehenswert sind die detailreich verzierten Sarkophage allemal. Auch die berühmte Kaiserin Sisi liegt dort neben ihren Mann, Franz-Jospeh I, begraben. Einen Besuch kann ich dort nur empfehlen. Auch der Dom, seit 1365 erst Domkirche, die Ursprünge gehen bis auf das Jahr 1137 zurück, ist einen Abstecher wert. Manche sagen, es ist DAS Wahrzeichen Österreichs! Der Turm ist über 136 Meter hoch, die unbeschreibliche Aussicht kann man nach 343 Stufen genießen! Auch den Domschatz gibt es zu besichtigen. Und die Innenstadt mit ihren vielen Gassen bietet noch so viel mehr, von der grandiosen Wiener Hofburg, der ehemaligen Kaiserresidenz der Habsburger und heutigem Sitz des österreichischen Bundespräsidenten, und dem Maria-Theresien-Platz ganz zu schweigen! Und es gibt noch zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten die hier einfach den Rahmen sprengen würden!

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Die Wiener Hofburg, Sitz des Bundespräsidenten Österreichs. Lustiges Panoramafoto.

 Vom Karlsplatz ging es für mich ein kleines Stück weiter und dann vom Museumsquartier links weg, dem als Wildwasser (!) zählenden Flusses Wien entlang. Ihr habt richtig gelesen. Er hat den gleichen Namen wie die Stadt und entspringt im 1. Wiener Bezirk und mündet nach 34 Kilometern im Donaukanal. Er ist in der Stadt durch hohe Mauern gebändigt. Ich habe allerdings manchmal nur ein kleines Rinnsal sehen können. Die Streckenführung des Radwegs scheint hier leicht verwirrend zu sein. Der Weg schlängelt sich so durch die Gegend. Doch in Wirklichkeit fand ich es recht einfach dem Radweg zu folgen, da an den vermeintlich schwierigeren Stellen durchgehende Linien die Führung erleichterten. So kam keinerlei Stress an brisanten Straßenkreuzungen auf. Sehr schön.

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Die Wienterassen, prima zum verweilen.

 An einer Biegung lag dann plötzlich die erste Wientalterasse vor mir. Ein tolles Projekt, das den Bürgern hier fehlenden Erholungsraum zurück gibt. Gelegen über den Gleisen der U-Bahn und der Wien. Eröffnet wurde diese hier im September 2015. Vorbildlich mit Rastmöglichkeiten und Grün versehen. Und dazu gibt es noch kostenloses WLAN! Eine sehr schöne, städtebauliche Idee wie ich finde. Zwei weitere Terrassen sollen folgen.

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Höhepunkt der Tour: Schloss Schönbrunn

 Auf dem Wientalradweg, so die Bezeichnung des Radwegs an der Wien, lies es sich weiterhin gut radeln. Letzter Stopp für den heutigen Tag sollte das wunderschöne Schloss Schönbrunn sein. Das Schloss ist die meistbesuchte Attraktion in Wien. Es wurde in den Jahren 1638-1648 für die Kaiserin Eleonora Gonzaga erbaut. Bei der Türkenbelagerung von 1683 wurde es schwer beschädigt und erst im Jahre 1743 erhielt es sein heutiges Aussehen mit dem wunderschönen, 160 ha großen Park. Über zwei Jahrhunderte, bis zum 1.Weltkrieg, war es die Sommerresidenz der österreichischen Kaiser und kultureller Treffpunkt der Habsburger. Es gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Besichtigung des Schlosses ist praktisch Pflichtprogramm und spannende Zeitreise zugleich.  Und wer es noch nicht wusste, es gibt dort sogar den ältesten Zoo der Welt, nämlich den Tiergarten Schönbrunn. Errichtet im Jahre 1752! Heute zählt er zu den besten Zoos der Welt und zieht jährlich über 2 Millionen Besucher aus aller Herren Länder an!

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Meine gefahrene Route.

 Nach dem Höhepunkt zum Schluss dieses Tages ging es dann zurück durch einige ruhige Seitenstraßen zum nur wenige Kilometer entfernten Start/Ziel. Ein toller Tag war es. Trotz des grauen Wetters. Nur zum Schluss, praktisch als Belohnung, ließ sich die Sonne vor Schloss Schönbrunn noch einmal blicken! Rund 63 Kilometer zeigte der Kilometerzähler am Ende an. Wer sich den Abstecher rüber in den Nationalpark sparen möchte, der kommt auf ungefähr 50 Kilometer. Die Runde ist für jedermann einfach zu fahren. Hier findet ihr den Link zum Download der Tour als gpx-Datei. Ich wünsche viel Spaß damit!

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TOUR: KWL – Kamen.Werne.Lünen.

Der Sommer kam dieses Jahr erst spät. Doch dann mit Wucht. Im September noch so warme Temperaturen zu haben ist schon außergewöhnlich. Das wollte ich ausnutzen und bin eine schon länger geplante Tour gefahren. Am Ende des Berichts findet ihr den Link für den gpx-track zum Download!

 Startpunkt für diese nette Runde war am Bahnhof von Kamen, gelegen am südlichen Ende der westfälischen Bucht. Von hier gelangte ich schnell auf den Seseke-Weg. Die Seseke, früher ein Abwasserfluss, heute renaturiert, durchfließt die Stadt Kamen von Ost nach West und endet in der Lippe. Hier hat man einen schönen Weg angelegt, der prima zu befahren ist. Von hier war auch die alte Zeche Monopol mit ihrem Fördergerüst von Schacht Grillo 1 von 1873 zu sehen. Auch in dieser Gegend hatte die Kohleförderung zu der damaligen Zeit eine große Bedeutung.

Fahrradtour bikingtom Zeche Grillo Kamen

Zeche Grillo Schachtanlage 1/2  bei Kamen.

 Etwas weiter, direkt an der Seseke und der Mündung des Braunebach gelegen, steht das Kunstwerk „JETZT“ des Berliner Künstlers Christian Hasucha. Steine wurden umfasst und umrahmen das Wort JETZT. Durch die Buchstaben kann man den Fluss im steten Wandel beobachten. Kunst halt. Aber auffallend! Und ein Foto wert.

Fahrradtour bikingtom Seseke-Weg

Auf dem Seseke-Weg.

Fahrradtour bikingtom JETZT-Skulptur Seseke-Weg

Im „Jetzt“ an der Seseke.

 Am Weg der Seseke entlang erfährt man immer wieder auf Schautafeln einiges über die Besonderheiten der Umgebung. Und, das fand ich besonders toll, am Wegesrand wurden einige Apfelbäume gepflanzt, an denen sich jeder bedienen kann. Und so war es kein seltenes Bild zu dieser Jahreszeit, das Radfahrer mit Käschern die Äpfel von den oberen Zweigen pflückten und in ihren Fahrradkorb packten. Auch ich machte meine Radtasche mit verschiedenen Apfelsorten voll, allerdings mit den von den unteren Zweigen gepflückten Äpfeln. Schön saftig und erfrischend waren diese. Die musste ich ja natürlich auch direkt probieren. Herrlich!

Fahrradtour bikingtom Seseke-Weg

Schön zu fahren mit dem Fahrrad.

Fahrradtour bikingtom Apfelernte Äpfel Verpflegung

Verpflegung am Wegesrand. Saftige Äpfel direkt vom Baum.

 Ehe ich mich versah war ich dann schon auch am Seepark Horstmar mit seinem beliebten Strandbad und den großen Liegewiesen. Entstanden ist das alles auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Preußen. Anlass war die Landesgartenschau von 1996, heute ist dies ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet. Hier gibt es Kunst zu bestaunen, es gibt Rasenfußballplätze und eine Discgolf-Anlage fürs Frisbee-Werfen. Nebenan ist direkt der  Datteln-Hamm-Kanal, auf den dann doch einige Binnenschiffe unterwegs sind. Und ein paar Meter weiter kann man dort auch eine kurze Pause am kleinen Wasserwanderrastplatz, dem sogenannten Preußen-Hafen, machen.

Fahrradtour bikingtom Seepark Horstmar

Am Seepark Horstmar.

Fahrradtour bikingtom Seepark Horstmar

Warme Temperaturen im September am Seepark Horstmar.

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Relikt der alten Zechen-Zeit an der ehemaligen Zechenbahn kurz nach dem Preußen-Hafen.

 Auf dem Weg der ehemaligen Zechenbahn radelte ich nun durch Lünen-Süd und dem Süggelbach entlang. Schnell ließ ich die Häuserzeilen hinter mir und ehe ich mich versah war ich schon wieder im Grünen. Auf dem Radweg A7 – nein, nicht die Autobahn! – der einmal rund um Lünen führt, kam ich nun zu einem weiteren Highlight der Tour. Vom Mühlenbachtal konnte ich es schon von weitem sehen. Ich meine das sogenannte „Colani-Ufo“. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Minister Achenbach ist heute das Technologiezentrum Lüntec beheimatet. Der weit bekannte Designer Luigi Colani setzte dem ehemaligen Fördergerüst im Jahre 1995 das „UFO“ auf. Bekannt ist es aber auch unter dem Namen „Colani-Ei“. Die letzte Förderung war im Jahr 1992. Viele Gebäude werden heute anderweitig genutzt. unter anderem gibt es dort ein kleines, nettes Café. Genau richtig um auch hier mal ein Päuschen einzulegen.

Fahrradtour bikingtom Colani-Ei Colani UFO Lüntec

Das Colani-UFO, auch „Colani-Ei“ genannt.

Fahrradtour bikingtom Colani-Ei Colani UFO Lüntec Café

Einladend das Café am Colani-UFO und der ehemaligen Zeche Minister Achenbach.

 Wieder über den Datteln-Hamm- Kanal ( übrigens wurde der erste Abschnitt des Kanals schon im Jahre 1914 in Betrieb genommen ) erreichte ich ein unscheinbares, altes Mühlenhäuschen. Die Schlossmühle Lippholthausen ist heute ein Standesamt. Daneben steht der alte Grenzstein zwischen den Grafschaften Mark und Dortmund. Nur einen Steinwurf weiter, oder eher besser ein paar Pedalumdrehungen weiter, überquerte ich nun das nächste Gewässer. Diesmal die Lippe!

Fahrradtour bikingtom Schlossmühle Lippholthausen Standesamt

Früher Schlossmühle…

Fahrradtour bikingtom Schlossmühle Lippholthausen

…heute Standesamt Lippholthausen.

 An dieser Stelle stand früher die Buddenburg.  Seit dem 14. Jahrhundert bis zum Jahre 1902 gehörte es der Familie Frydag zu Buddenburg. Nach dem Verkauf und weiterer Nutzung auch während der Kriegszeit, wurde es angeblich wegen Baufälligkeit im Jahre 1977 abgerissen. Eine Infotafel an der Stelle erinnert an Haus Buddenburg.

Fahrradtour bikingtom Schloss Buddenburg Lippe

Infotafel über das ehemalige Schloss Buddenburg.

Fahrradtour bikingtom Schloss Buddenburg Lippe

An der Lippe, beim ehemaligen Schloss Buddenburg.

 Am Rand von Altstedde und Nordlünen vorbei und vielen Feldern und Wäldern, erreichte ich nun Cappenberg mit seinem gleichnamigen Schloss! Es ist zugleich eines der bedeutendsten Beispiele für westfälische Klosterbaukunst des Barock! Die genaue Grundsteinlegung ist unbekannt, jedoch gründete der letzte Graf von Cappenberg im Jahre 1122 den ersten Prämonstratenser Orden im deutschsprachigen Raum. Er selbst lebte dort als Mönch. Weit über 700 Jahre war hier ein Kloster untergebracht. Erst im Jahre 1803 wurde es geschlossen. Die gesamte Geschichte von Schloss Cappenberg könnt ihr in diesem Link nachlesen wenn es euch interessiert! Heute gibt es dort eine ständige LWL-Ausstellung mit dem Namen „Der Freiherr vom Stein und Cappenberg“. Wer also Lust bekommen hat, mit dem Rad zu fahren und dabei noch kulturhistorisches Wissen zu sammeln, der sollte sich in den Sattel schwingen.

Fahrradtour bikingtom Schloss Cappenberg

Renovierung am Schloss Cappenberg.

Fahrradtour bikingtom Schloss Cappenberg

Eingang Schloss Cappenberg

 Kurz nach Schloss Cappenberg führte der Radweg in den Wald, dem Kohuesholz. An sich ist es ja meistens wunderbar auf Waldwegen zu radeln und die gute Luft zu genießen. Doch hier war der Weg teilweise dermaßen schlecht, das ich ordentlich durchgerüttelt wurde und mich so auf den Untergrund konzentrieren musste, das ich nicht nach rechts oder links gucken konnte. Da war ich doch froh, als ich wieder aus dem Wald raus war und der Weg wieder besser wurde. Wie man so eine Strecke als Radweg kennzeichnen kann ist mir ein Rätsel. Na ja.

Fahrradtour bikingtom Wald Cappenberg Radweg

Ist das noch ein Radweg?

 Nun kamen wieder Felder. Viele waren schon wieder umgepflügt, auf einigen stand der Mais aber schon richtig hoch. Die Zeit bis zur Maisernte ist nicht mehr lang. Dann fahren die Feldhäcksler raus und die Bauern legen wieder eine Mais-Silage an. Hier merkte ich, das der Herbst trotz  der Temperaturen doch schon seine ersten Spuren hinterlässt.

Fahrradtour bikingtom Mais Ernte

Der Mais steht schon hoch!

 Das nächste Städtchen, welches ich erreichte,  war Werne. Durch einige ruhige Nebenstraßen kam ich zum Stadtpark. Dort, in kurzer Distanz zum Natur-Solebad, steht das Gradierwerk. Über Rieselwände, bewachsen mit Schwarzdorn,  wird die Sole hinab geleitet und beim Aufprall entsteht ein „Solenebel“ und eine Art mediterranes Klima in der Umgebungsluft. Und die ist wiederum förderlich bei Atemwegserkrankungen. So saßen auf den zahlreichen Bänken viele Leute und genossen die gute Luft. Eine tolle Sache wie ich finde!

Fahrradtour bikingtom Saline Werne Stadtpark

Die Saline in Werne.

Fahrradtour bikingtom Stadtpark Werne

Im Stadtpark von Werne

  Ein Stück weiter traf ich wieder kurz auf die Lippe und folgte dem Weg der alten Zechenbahn. Ich überquerte die Lippe  und dann kam auch schon wieder der Datteln-Hamm-Kanal. Wie ihr seht, ständige Begleiter dieser Tour. Bald darauf erschien auch schon die Marina Rünthe. Am nett gestalteten Hafen lagen viel Boote und Yachten vor Anker. Es lockten an der Promenade einige Restaurants oder auch als Restaurant umgebaute Boote. Ein sehr beliebtes Ausflugsziel stellt mittlerweile dieser – man mag es kaum glauben – ehemalige Kohleumschlaghafen der Zeche Werne bei vielen Radfahrern da. Man konnte es an den zahlreich geparkten Rädern sehen. Die Leute saßen bei einem gut gekühlten Bier unter den Sonnenschirm und genossen das gute Wetter. Die Marina Rünthe ist übrigens der größte Sportboothafen NRWs!

Fahrradtour bikingtom Marina Rünthe Datteln Hamm Kanal

Die Marina Rünthe.

  Direkt hinter der Marina Rünthe durchquerte ich auf einem schmalen Pfad das Naturschutzgebiet Beversee. Mannshoher Farn empfing mich im Wald. Ein toller Anblick. Hier verirrten sich nicht viele Leute hin. Der Weg war zwar auch etwas holprig, doch es war dort so schön, das mir das dann doch egal war. Am Beversee selber empfing mich ein Algenteppich. Es sah schon etwas ekelig aus und das Kraftwerk Bergkamen im Hintergrund trug nicht gerade zur Schönheit der Gegend bei. Auf einer Holzempore hatte man einen guten Überblick über den See. Ich radelte aber weiter.

Fahrradtour bikingtom Beversee Naturschutzgebiet

Am Beversee.

 Jetzt kamen die Höhenmeter! Ich wollte unbedingt auf die Bergehalde Großes Holz und ihrer höchsten Erhebung, der „Adener Höhe“, rund 148 Meter hoch gelegen. Irgendwie schaffte ich es tatsächlich, den falschen Weg bergauf zu nehmen. Die Steigung, die ich nahm, war so steil, das die Räder durchrutschten. Also hieß es für ein paar Meter schieben, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war. Schweißgebadet kam ich oben an. Die Lichtinstallation „Impuls“ bildet den höchsten Punkt. Auf dem Weg rauf – oder runter, je nach dem – findet man auch noch die „blauen Leuchttürme“, die an die Geschichte der Zechen in der Region erinnern. Kurz unterhalb des Gipfels gibt es auch eine nett gestaltete Schutzhütte sowie Betonwände mit gemalten Motiven der Region Bergkamen! Man hat bei guten Wetter eine tolle Aussicht in das östliche Ruhrgebiet und das Münsterland. Der Aufstieg war also definitiv nicht umsonst!

Fahrradtour bikingtom Großes Holz Adener Höhe

Auf dem Weg zum Gipfel der Adener Höhe.

Fahrradtour bikingtom Großes Holz Adener Höhe Motive Bergkamen

Unterhalb des Gipfel gibt es diese Wände mit Motiven aus der Region.

Fahrradtour bikingtom Adener Höhe Großes Holz Bergkamen

Vom Gipfel gibt es tolle Aussichten!

 Runter ging es schneller als rauf. Die Tour führte mich vorbei ein der ehemaligen Schachtanlage Grimberg, die eine traurige Geschichte hat. Im September 1944 kamen bei einer Schlagwetterexplosion 107 Bergleute ums Leben. Nicht mal zwei Jahre später starben bei einem weiteren Grubenunglück in 930 Metern Tiefe weitere 405 Bergarbeiter! Die Druckwelle der Explosion war so groß, das es selbst über Tage Opfer gab und die Fördereinrichtung zerstört wurde. Nur 64 Bergleute konnten gerettet werden.  Die Ursachen des Unglücks wurden nie wirklich abschließend geklärt.

Fahrradtour bikingtom Schachtanlage Grimberg Grubenunglück

Gedenktafel an der alten Schachtanlage Grimberg 3/4.

 Auf dem Weg der ehemaligen Werksbahn radelte ich weiter und kam nun auf dem Kuhbach-Weg, der mich einmal durch den Grüngürtel von Bergkamen führte. An einer Stelle war in einem angrenzenden Garten die Flagge von Neuseeland gehisst. Ich dachte schon ich hätte mich verfahren…

Fahrradtour bikingtom Kuhbachweg

Der Kuhbach-Weg.

Fahrradtour bikingtom Seseke-Weg Kamen

Kurz vor Tour-Ende wieder am Seseke-Weg.

 Weiter ging es dann, vorbei an Feldern und Wohnvierteln, über den Klöcknerbahnweg. Von dem ganz nah gelegenen Autobahnkreuz „Kamener Kreuz“, einer der meist befahrenen Autobahnkreuze Deutschlands, bekam ich hier nichts mit. Idyllisch lag der Weg vor mir und der feine Kies knirschte unter den Rädern. Bald darauf erreichte ich wieder den Seseke-Weg. Nach wenigen Metern durch Kamen erreichte ich wieder den Bahnhof.

 Erstaunlich finde ich es immer wieder, wie viele interessante Dinge man auf solchen Radtouren erfahren kann. Man kann so viel über eine Region lernen. Ich war mir zum Beispiel nicht bewusst, das so weit im östlichen Ruhrgebiet oder auf westfälischen Boden die Kohleförderung so eng mit dem Menschen verknüpft war. So bin ich mit dieser Tour mal wieder sehr zufrieden. Und wenn auch ihr diese etwas über 70 Kilometer lange Runde einmal mit eurem Fahrrad drehen wollt, dann könnt ihr beim nachfolgenden Link euch den gpx-Track herunterladen und nachfahren. Der Aufstieg auf die Halde ist korrigiert…

Ich wünsche euch viel Spaß!

Download gpx-Track der Tour „Kamen.Werne.Lünen.“

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TOUR: Im Norden ist es schön

 Bei dieser Tour habe ich einen Abschnitt von rund 124 Kilometern auf dem Nordseeküsten-Radweg in Dänemark zurückgelegt! Ein richtig schöner, aber auch anstrengender Tag war das. Mit vielen tollen Eindrücken. Irgendwann auf der Strecke kam mir der Gedanke „dafür fahre ich Fahrrad!“. Und das würde ich so unterschreiben! Und ich hoffe, ich kann euch nun auch ein wenig begeistern.

bikingtom nordseeküstenradweg

Radweg am Vest Stadil Fjord

 Bei etwas diesigen Wetter saß ich früh Morgens wieder auf dem Sattel. Herrlich. Von Lodbjerg Hede ging es direkt auf die Route 1 oder auch „Vestkystruten“ genannt, die hier den Nordseeküsten-Radweg kennzeichnet. Der ganze Abschnitt in Dänemark ist in etwa 560 Kilometer lang. Vorbei am Golfplatz von Holmsland Klit und einigen versteckten Ferienhäuschen war ich nach wenigen Kilometern schon wieder in freier Natur. Links und rechts viele Felder, einige Bauernhöfe und dann kam auch schon das Naturschutzgebiet am Vest Stadil Fjord. Ein schmaler Pfad muss dort am Anfang entlang geradelt werden, wo das Gras links und rechts hoch wächst, man sich sehr einsam vorkommt aber diese Erkenntnis absolut schön finden wird. Das ganze in toller Natur und weiten Ausblicken. Später wird der Weg breiter, ist wieder mit dickem Kies versehen und man rumpelt einfach darüber. Doch der weite Ausblick in diese Seen-Landschaft ist atemberaubend. Egal bei welchem Wetter. Dieses Gebiet ist auch ein äußerst wichtiges Brut- und Aufenthaltsgebiet für abertausende von Zugvögeln! Da mal so einen Schwarm abheben zu sehen ist schon beeindruckend!

bikingtom Nordseeküstenradweg Dänemark Stadil

Abschnitt des Nordseeküstenradwegs am Vest Stadil Fjord

bikingtom am Vest Stadil Fjord und dem Nordseeküstenradweg in Dänemark

Prächtige Farben am Wegesrand

 Manchmal habe ich mich gefragt, wo denn all die Touristen sind? Die müssten doch hier überall anzufinden sein! Schließlich hat man auf den Autobahnen all die Ferienkarawanen gesehen, die zuhauf Fahrräder mitgenommen haben! Doch wo sind die? Haben die die Räder nur zur Deko mitgenommen oder als Alibi für die Geschichten, die dann zu Hause den Daheimgebliebenen erzählt werden? Ich weiß es nicht. Und ehrlich? Wenn’s nicht überlaufen ist, ist die Natur doch viel besser zu genießen! Zum Beispiel saßen so dutzende an schönen bunten Schmetterlingen auf den hohen Grashalmen und machten nur widerwillig Platz, als ich so gemächlich durch die Gegend fuhr. Ein Graureiher am Rande des Weges bemerkte mich erst kurz vor dem Vorbeirollen. Ich auch. Er erschrak heftig und flog davon. Ich auch. Nur radelte ich grinsend weiter anstatt zu fliegen!

bikingtom auf dem Nordseeküstenradweg in Dänemark

Der Radweg bei Husby Klitplantage.

 Die Dünen, die ich über den Fjord parallel hinweg in der Ferne sehen konnte, kamen nun immer näher. Und kurz nachdem ich das Naturschutzgebiet durchquert hatte bog ich auch direkt bei Verdosø Klit  in deren Richtung ab und folgte der Route vorbei an der kleinen Siedlung Vester Husby und direkt dahinter in die Husby Klit Plantage. Dieses wunderbare Plätzchen Natur umfasst in etwa 11 km² Mischwald, aber auch Dünenheide und Strand! Angelegt wurde das alles im Jahre 1858, da das Sandtreiben  ein großes Problem war. Die Bepflanzung ist sehr abwechslungsreich, da es hier Böden gibt, die sehr trocken, aber auch sehr nass sind. So wachsen  neben den Dünenheiden auch Buchen und andere Laubbäume. Außerdem gibt es  auch einige tolle Wanderwege ! Die gute Luft empfängt den Radler und alle anderen Besucher mit einer schönen und wohltuenden Frische. Wenn man dazu noch die Beeren am Wegesrand pflücken und bei einer netten Pause verzerren kann…

bikingtom auf dem nordseeküstenradweg in der Husby Klitplanatge in Dänemark

Da entlang in der Husby Klitplanatge

 Bald darauf fuhr ich entlang der schmalen Landzunge am Nissum Fjord in Richtung Thorsminde. An einer Stelle ist ein großer Gedenkstein für die Seeleute errichtet, die Weihnachten 1811 in einem Orkan hier vor der Küste geraten waren. Die englischen Schiffe der Royal Navy, die „St George“ und die „Defence“, zwei große Geleitschiffe für eine riesige Handelsflotte, schafften es nicht rechtzeitig aus diesem Unwetter heraus, liefen auf Grund, zerbrachen und gingen mit Mann und Maus unter. 1300 Männer fanden hier in nasses Grab, nur 12 Männer von der St George und 6 Männer von der Defence schafften es Land.

bikingtom auf dem Nordseeküstenradweg bei Thorsminde in Dänemark

Auf der schmalen Landzunge kurz vor Thorsminde

 Das „Strandingmuseum St. George in Thorsminde zeigt einige Wrackstücke, darunter Waffen und Uniformen und behandelt thematisch dieses und weitere große Schiffsunglücke Dänemarks. Ab dem 17. August 2016 hat es allerdings erst mal geschlossen und wird erst wieder 2017 geöffnet, dann mit noch weiteren Wrackteilen der St George, u.a. der gut erhaltenen riesengroßen Ruderanlage des Schiffes mit einem Gewicht von rund 8500 kg! Man darf gespannt sein.

bikingtom auf dem Nordseeküstenradweg bei Thorsminde in Dänemark

Gedenkstein für die große Schiffskatastrophe im Jahre 1811

 In Thorsminde, rund 35 Kilometern nach meinem Start, gönnte ich mir in einer kleinen Fischbude am Hafen zwei warme Fischfrikadellen. Ich setzte mich an die Kaimauer und genoss diese Köstlichkeit. Dabei hatte ich einen schönen Blick auf die Nordsee und den kleinen Strand neben dem Hafen. Kinder spielten im Sand, die Eltern faulenzten daneben oder kramten und suchten wie wild in irgendwelchen mitgebrachten Taschen. Auf dem Pier, zur Hafeneinfahrt hin, saßen oder standen einige Angler und hofften vielleicht  auf den Fang ihres Lebens. Der Wahrscheinlichkeit in diesem fischreichen Gewässer ist  gar nicht mal so schlecht.

bikingtom auf dem Nordseeküstenradweg in Dänemark bei Thorsminde

An der Hafeneinfahrt von Thorsminde

 Weiter ging es dann leider hinter Thorminde direkt auf der Bundesstraße, eine Alternative dazu gibt es  nicht, da der Landstrich recht schmal ist. Rechts der Nissum Fjord, links direkt die Dünen. So muss man auf rund 10 Kilometern immer mit rasenden Autos rechnen, die einem im Nacken sitzen. Es fahren hier zwar nicht unbedingt sooo viele Autos, aber wirklich in die Landschaft zu schauen ist nicht so drin. Meistens sind die einheimischen Autofahrer aber so aufmerksam, das sie direkt ganz auf der anderen Seite der Fahrbahn überholen. Die Einheimischen wohlgemerkt!

bikingtom auf dem Nordseeküstenradweg am Nissum Fjord in Dänemark

Blick von den Dünen auf den Nissum Fjord & auf dem Radweg NACH der ollen Bundesstraße!

 Doch nach diesen 10 Kilometern sollte es jetzt erst so richtig schön werden! Der nun ein wenig abseits verlaufende Radweg bei Fjaltring war gut zu radeln. Kein Verkehr, sanfte Hügel, viele gut riechende Kornfelder. Bis zur Ernte konnte es nicht mehr lange dauern. Und dann dieser wunderschöne, einsame Verkaufsstand mit Selbstbedienung! Mitten im Nichts. Mit ganz viel Liebe zum Detail hergerichtet. Geschützte Waren in einer Holztruhe, mit zweiseitigem Deckel und einem farbenfrohen Sonnenschirm noch darüber. Davor noch eine Kühlbox mit Getränken und ein Eimer mit Wasser und darin stehenden frischen Blumen. Ich wollte erst vorbei radeln, doch das sah einfach zu schön aus und ich musste einen Blick in die Truhe werfen. Da gab es Kartoffeln zu kaufen. Und Zwiebeln. Und Möhren. Und Salatköpfe. Und selbstgemachte Marmelade. Und in der Ecke war die Kassette in der man dann einfach das Geld einwerfen musste um zu bezahlen. Schön das man hier noch den Menschen vertraut! Ich bin mir nicht sicher wie so was bei uns laufen würde. Zwar gibt es auch in Deutschland hin und wieder diese Art von Selbstbedienung an Bauernhöfen, aber  in Dänemark ist das noch viel, viel mehr verbreitet! Ich finde das eine richtig schöne Sache!

bikingtom am Nordseeküstenradweg in Dänemark im Sommer 2016

Sensationeller SB-Stand im Nirgendwo

bikingtom am Nordseeküstenradweg in Dänemark im Sommer 2016

Und wie liebevoll dieser Stand gefüllt war!

 Schon von weitem konnte ich diese schöne typisch weiße Kirche sehen. Ein paar wenige Hügelkuppen und Kurven später stand ich vor der „Trans Kirke“. Einsam an  der Steilküste mit Blick auf die raue Nordsee. Umgeben von einem alten Friedhof mit einer kleinen Steinmauer. Früher stand die Kirche mitten im Dorf, doch die Erosion an der Küste tat ihr übriges. Und so blieb diese Bauwerk einsam zurück. Heute ist die Küste geschützt und die Kirche steht Besuchern offen. Der Blick von den Klippen ist sagenhaft. Als ich auf’s Meer rausschaute, konnte man den Horizont nicht sehen. Leichter Nebel lag auf der an diesem Tag ruhig daliegenden See, die Sonne schien hier etwas trüb. Ein großes Schiff war zu sehen und es sah so aus als ob es durch die Luft schweben würde. Irre.

bikingtom am Nordsseküstenradweg in Dänemark, an der Trans Kirke

Direkt an einer Steilküste liegt die Trans Kirke

 Der Nordseeküsten-Radweg hatte nun hier zu Recht seinen Namen. Dicht an der Steilküste gelegen und auf einem relativ neu gestalteten Radweg bis zum Leuchttum von Bovbjerg Fyr war es eine Freude dort mit dem Rad unterwegs zu sein. Der Leuchtturm wurde im Jahre 1877 erbaut und ist gerade mal 26 Meter hoch! Doch auf Grund seiner Lage an der Steilküste liegt er 62 Meter über dem Meeresspiegel. Seine rötliche Farbe sollte sich von den weißen Kirchen unterscheiden, da diese schon viel früher zur Orientierung an der Küste dienten! Heute finden hier unzählige kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen statt, da der Leuchtturm mittlerweile in privater Hand ist. Er zählt im Jahr rund 40.000 Besucher. Und vor dieser Kulisse ließ sich auf einer schmalen Bank direkt an der Steilküste wieder gut eine Pause machen. Ein paar Meter weiter konnte ich eine Holztreppe sehen, die tief runter zum Strand führte. Ein wirklich schönes Plätzchen. Mal wieder. Irgendwie kam ich gerade nicht wirklich vorwärts. Überall eine Möglichkeit um zu halten und die Natur zu genießen!

bikingtom am Nordseeküstenradweg in Dänemark an einer Steilküste

Radeln am Abgrund, aber wunderschön!

bikingtom nordseeküstenradweg dänemark leuchtturm bovbjerg fyr

Am Leuchtturm Bovbjerg Fyr ein Wahnsinns-Ausblick!

 Ab nun wurde die Steilküste immer mehr flacher und irgendwann befand ich mich dann fast wieder auf Meereshöhe. Auch zu meiner Rechten gab es wieder Wasser. Der Ferring Sø lag dort. Der Radweg führte über Kies durch die Dünenlandschaft. Teilweise war er nicht so gut verdichtet worden und ich musste aufpassen, das ich nicht wegrutschte.

bikintom am nordseeküstenradweg bei Ferring Sø in Dänemark

Am Ferring Sø

 Ich kam nun durch die Dörfchen Vejby und Vrist, eine Ansammlung einiger schöner und weniger schönen Häuschen. In einem kleinem Supermarkt besorgte ich mir noch weitere Getränke, da es mittlerweile gefühlt ganz schön heiß geworden war und mir ein Kaltgetränk jetzt richtig gut tat. Und weiter ging’s. Bei Harboøre fiel mir ein merkwürdiger Stall auf einer Weide auf. Bei genauerer Betrachtung stellte ich dann fest, das dies ein ehemaliger Bunker des Atlantikwalls war! Heute zur friedlichen Nutzung vorgesehen. Verrückt welche Hinterlassenschaften aus dem zweiten Weltkrieg man da überall noch finden kann!

bikingtom am nordseeküstenradweg bei thyboron und agga dänemark

Mit der Fähre ging es über den Thyrobøn-Kanal nach Agga

 Nächstes Ziel war nun die Fähre in Thyborøn. Doch erst musste ich noch durch eine überaus lange „Gerade“ durch ein Naturschutzgebiet radeln. Ein schmaler Pfad, einfach gerade in die Landschaft gesetzt. So sah das zumindest aus. Wieder Weiden und Wasser rechts von mir. Viele Vögel saßen dort am Wasser, Rinder weideten auf den Wiesen. Links, ein paar hundert Meter entfernt wieder die Dünen. Weiter hinten, landeinwärts, eine große Chemie-Fabrik mit Schornsteinen, die so gar nicht in die Landschaft passte und von der man nichts gutes lesen kann. Die Wasserqualität soll dort ringsherum nicht allzu gut sein. Eher sehr bescheiden. Und das in solcher Landschaft! Für mich ein No-Go! Jedenfalls kam ich kurz darauf nach Thyborøn. Auch da habe ich schon schönere Städtchen gesehen, doch dort sollte mich die Fähre nur über den breiten „Nissum Bredning“ rüber nach Agga bringen. So radelte ich durch die öden Straßen in Richtung Hafen. Die Fähre war noch nicht da. Ein paar andere Radfahrer warteten bereits schon. Da nicht ersichtlich war, wo man ein Ticket bekommt, fragte ich einen von ihnen. An Bord müsste man erst bezahlen. Alles klar. Kurz darauf kam die Fähre auch schon. Die wenigen Autos durften zuerst an Bord rollen, dann wir Radfahrer. Der Preis für die Überfahrt waren 30 Kronen für mich, weitere 30 Kronen für das Rad. Also rund 8€ für die knappen 10-15 Minuten Fahrt. Ein ordentlicher Preis, oder?

bikingtom am Nordseeküstenradweg in Dänemark

Nach der Fähre immer nur geradeaus. Ist das Panoramafoto nicht lustig?

 Drüben angekommen, war erstmals nichts außer ein schmaler Landstrich mit Straße und daneben verlaufenden Radweg. Und über etliche Kilometer wieder gerade aus. Links Wasser, rechts Wasser. Dort schwammen Schwäne und viele andere Vögel. Die Ruhe war hier spürbar, nur der Wind wehte mir nun auf der freien Fläche um die Ohren. Bei Agga ging es dann links um das Dörfchen herum. Die Dünen kamen wieder näher und der Nordseeküsten-Radweg führte mich geradewegs hindurch. Nach rund 85 erradelten Kilometern sollten jetzt tatsächlich nochmal mit die schönsten Kilometer kommen. Nach einigen Kilometern durch die Dünen und wiedermal miesen Kiesweges bog ich jetzt ein in den erst seit 2007 (!) bestehenden Nationalpark Thy, Dänemarks größte Wildnis! Dort gibt es soviel zu sehen und zu bestaunen, das ich das alles gar nicht hier aufführen kann! Menschenleere Wildnis mit Dünen, Heide, Strand, Wasser, Seen und Wäldern. Oder Überbleibseln von den Menschen aus dieser Region wie Grabhügeln, verschwundenen Dörfern sowie einer Kirchenruine und mal wieder alte Festungen aus dem zweiten Weltkrieg! Auch viele Tiere haben im Park ein Zuhause, darunter der Rothirsch oder der Kranich! Und die richtige Stimmung kommt auch direkt auf, wenn man von Süden kommend den miesen Kiesweg verlässt und links abbiegt in Richtung eines weiteren Leuchtturms, dem „Lodbjerg Fyr“. Sofort hält einen die Landschaft in ihren Bann gefangen.

bikingtom nordseeküstenradweg nationalpark thy

Auf geht es in den Nationalpark Thy!

 Schon von weitem sieht man den Leuchtturm zwischen einigen Bäumen und der Heide stehen. Der Anblick in dieser Umgebung ist sehr faszinierend, er erinnerte mich stark an eine Art Märchenwelt. Auf dem obigen Foto ist das nur einigermaßen zu erahnen, wie so oft auf Fotos. Ich kam dem Leuchtturm in einer praktisch genüsslichen Fahrt immer näher. Er wurde im Jahre 1884 in Betrieb genommen und hat eine Höhe von rund 35 Metern, liegt aber knapp 48 Meter über dem Meeresspiegel. Er steht heute unter Denkmalschutz und kann tagsüber auch erklommen werden. Nachts scheint sein Licht immer noch hell und gibt in dieser herrlichen Einsamkeit im 20 Sekunden-Rhythmus sein Blinkfeuer ab.

bikingtom nordseeküstenradweg nationalpark thy dänemark

Landschaft wie in einer Märchenwelt

bikingtom nordseeküstenradweg dänemakr leuchtturm lodbjerg fyr

Am „Märchen“-Leuchtturm Lodbjerg Fyr

 Der weitere Weg war relativ neu angelegt, denn er zweigte etwas von der Karte auf dem Smartphone ab. Was aber kein Problem war, eher eine Bereicherung. Auf diesmal gut ausgebauten, zermahlenem Kies konnte ich wunderbar in die Pedale treten. In der Stille des Waldes, nur den knirschenden Kies unter den Rädern, sprang plötzlich ein Rehbock wenige Meter vor mir  über den Weg, um die nächste Kurve kommend hoppelte ein dicker Hase ins Gebüsch. Und dann? Was war das? Halt, Stopp! Zurück! Was wächst denn da? Lauter Fliegenpilze, so groß, wie man sie sich in einem Märchenwald vorstellt. Unweit daneben große Ameisenhaufen und tausende an fleißigen Ameisen auf dem Waldboden! Und von diesen Ameisenhaufen gab es auf der weiteren Fahrt durch den Nationalpark noch einige zu sehen! Beeindruckend!

bikingtom nordseeküstenradweg nationalpark thy dänemark

Eindrücke aus dem Nationalpark Thy

 Bei Ørum kam ich erst mal aus dem Wald wieder heraus um kurz nach Svankær wieder in den Nationalpark einzutauchen. Hier irgendwo kam mir wohl der Eingangs erwähnte Satz „dafür fahre ich Fahrrad“ in den Sinn. Staunend und mit offenem Mund über die einzigartige Landschaft, vorbei am wunderschön gelegenen See „Per Madssens Kjær“ ging es tiefer in den Park. Den Mund hätte ich besser geschlossen halten lassen, so hatte ich dann einige kleine Fliegen im Mund. Egal, ging gerade nicht anders. War einfach zu schön.

bikingtom nordseeküstenradweg dänemark nationalpark thy

Am Per Madssens Kjær lässt es sich aushalten

 Dann traf ich sogar mal Menschen in dieser Gegend! Eine Familie ebenfalls auf Rädern, wohl vom Tag am  See kommend. Außerdem zwei Pilz-Sammlerinnen, die anscheinend genau wussten welche Pilze man hier pflücken kann und welche man besser stehen lässt. Ebenfalls mit Rädern unterwegs. Womit sollte man in dieser verlassenen Gegend auch sonst mit unterwegs sein? Besser so!

 Bald darauf verließ ich den Park wieder und kam auf eine Straße, die aber absolut einsam dalag. Die Landschaft änderte nur langsam ihr Gesicht. Neben der Straße war nach wie vor Heide, Wald und Wiese. Einige Kilometer noch, dann gelangte ich durch den Ort Stenbjerg am Käte Lassen-Haus vorbei. Einer deutschen Malerin, die auch für ihre Kirchenfenster bekannt ist. Warum ich das schreibe? Na, ihr Geburtstag gefällt mir außerordentlich gut und man fühlt doch was Verbindendes…

bikingtom Nordseeküstenradweg Dänemark Nationalpark Thy

Reinstes Vergnügen dort zu radeln – Nationalpark Thy

 Jetzt ging es praktisch zum Endspurt. Der Tag war schon lang bisher, der Abend nahte, die Kräfte ließen nun verständlicherweise auch etwas nach. Doch mit einem „smilen“ auf den Lippen radelte ich dann am Zielort in Nørre Vorupør ein. Dieses schöne Dörfchen konnte seinen Charme bewahren gegen den aufkommenden Tourismus. Ein paar kleine Geschäfte, Restaurants, Bäcker und Supermarkt und ein Strand, an dem noch heute gefischt wird. Strandfischen ist selten geworden, es gibt nur noch drei Orte in Westjütland, wo das so gemacht wird. Mit einer Motorwinde werden die großen Fangschiffe zu Wasser gelassen und auch wieder eingeholt. Der frische Fisch wird direkt verkauft oder geht in die ortsansässigen Räuchereien.

bikingtom Nordseeküstenradweg Dänemark Nørre Vorupør

Die Kirche in Nørre Vorupør

bikingtom Nordseeküstenradweg Dänemark Norre Vorupor

Das Ziel erreicht nach über 123 Kilometern – am Strand von Nørre Vorupør, bei Surfern beliebt und deshalb auch „Cold Hawaii“ genannt!

 Touristen saßen oberhalb der langen Mole in der Sonne, aßen ein Eis, tranken eine kühle Limo und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Viele Familien kamen mir vom angrenzenden Strand entgegen, wo sie sich den ganzen Tag über in die Sonne gefleezt hatten. Der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Ich saß leicht müde, aber äußerst zufrieden auf einen Steinblock und genoss die Szenerie. Ich hatte so viele tolle Bilder von dieser Tour im Kopf und die ließen mich den Tag noch mal Revue passieren. Was für eine Tour, was für ein Tag!

bikingtom in Dänemark

Meine Strecke auf dem Nordseeküsten-Radweg!

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TOUR: Einmal um den Ringkøbing Fjord in Dänemark

Sommer. Sonne. Urlaub. So lässt es sich aushalten. Zumal Dänemark ein beliebtes Land zum Radfahren ist und man dementsprechend auch mit vernünftigen Radwegen rechnen kann. Doch dies ist leider auf dieser Tour – und auf den anderen, von denen ich später in weiteren Tour-Berichten schreiben werde – nicht immer der Fall gewesen. Doch das tat dem Spaß keinen wirklichen Abbruch, das vorab! Und zum Glück wurde ich trotz dieser manchmal doch derben Wege von einem Platten verschont. Na, vielleicht hatte der liebe Fahrrad-Gott ja diesmal auch ein einsehen, nach meinen dieses Jahr schon erlittenen Reifen-Debakels. Doch kommen wir nun zur Tour.

 Der Start meines Rundkurses war in Søndervig, nicht mehr als eine Ferienhäuser-Ansammlung, einem Supermarkt, eine handvoll Geschäfte und Restaurants. In fünf Minuten ist man durch gebummelt. So in etwa jedenfalls.

 Die Sonne an diesem Morgen versprach einen tollen Radel-Tag. Die Radtasche an der Sattelstütze schnell mit dem Notwendigsten gepackt, Getränk in die Halterung, Sonnencreme aufgetragen  und los ging es auf den 110 Kilometer langen Rundkurs, der hier durchaus eine beliebte Strecke darstellt! Immerhin ist er Dänemarks ältester angelegter Radweg und gilt zu Recht als Klassiker! Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und so ging es dann direkt auf einen Feldweg, der mit dicken, grobkörnigen Kiesel bedeckt war. Man sollte also schon gute pannensichere Reifen haben! Sonst spukt einem der mögliche Platten immer im Hinterkopf herum.

 Frohen Mutes fing ich also direkt an, die herrliche Sonne an diesem wunderschönen Morgen zu genießen. Der Weg schlängelte sich durch die Landschaft. Links von mir Getreidefelder, rechts der Blick auf den flachen und stillen Fjord. Wobei man Fjord hier nicht falsch verstehen sollte, denn hohe Berge wie man sie von Norwegen her kennt, gibt es hier nicht! Der See, der nur an einer einzigen Stelle, in Hvide Sande, kontrollierten Zugang  zur Nordsee hat, ist im Schnitt auch nur 1,5 Meter tief! Dafür rund 30 Kilometer lang und in etwa 12 Kilometer breit. Mehr Infos unter diesem Link. Der Wind kann hier auch ordentlich sein und deshalb ist dies auch ein beliebtes Revier für Kitesurfer. Den Anlaufpunkt dieser Sportart am See erreichte ich nach wenigen Kilometern. Doch soviel war hier um diese Zeit noch nicht los, nur zwei Kajakfahrer waren auf dem See zu sehen.

 Kurz vor der kleinen Bucht führte ein Abzweig über einen neu angelegten Weg mit zwei hübschen kleinen Brücken über eine schmalere Passage des Fjords. „Bagges Dæmning“ nennt sich dieser künstliche Weg, an dessen flachen Ufern Schilf wächst und Graureiher auf Nahrung im Wasser warten. Auch ein netter Rastplatz ist dort, an den man wunderbar picknicken kann.

 Doch ich und mein Rad ließen diesen Abzweig rechts liegen und fuhren entspannt weiter in Richtung Rinkøbing. Die ersten lästigen, kleinen Fliegen fingen an in meiner Sonnencreme zu baden und klebten direkt  an Armen und Beinen fest. Doch ich ließ mich nicht beirren. An der wunderschön weiß getünchten Kirche „Gammel Sogn“, mit einem kleinen Hain von windschiefen Bäumen daneben, hielt ich erst mal an.  Die Kirche stammt aus dem Jahre 1175, bis 1847 war der Kirchturm sogar noch 12 Meter höher und diente auch als Seefahrtzeichen für die Fischer auf dem Fjord und dem Meer! Wenn man die Muße hat, kann man sich im Inneren sogar die tollen Fresken aus dem 12. Jahrhundert anschauen.

Radfahren Dänemark bikingtom

Die sehenswerte Kirche „Gammel Sogn“

 Kurz darauf kam ich dann nach Rinkøbing, der größten Stadt am Fjord mit rund 10.000 Einwohnern. Früher war die Stadt ein wichtiger Hafen, doch die Einfahrt in den Fjord versandete im 17. Jahrhundert immer mehr und verlor so natürlich seine Attraktivität und seine Bedeutung. Erst viel später wurde durch den Kanalbau bei Hvide Sande wieder ein Zugang zum Meer geschaffen. Fjordfischer und Freizeitkapitäne liegen heute mit ihren kleinen Booten im  Hafen, wo man auch frischen Fisch bekommen kann. Es gibt hier zum Beispiel u.a. Scholle, Hering und Aal. Doch ich war noch satt vom Frühstück und radelte an den kleinen Büdchen vorbei. Auch das „neue“ Rathaus liegt dort am Hafen, das „alte“ Rathaus, so wie es früher üblich war, natürlich am zentralen Marktplatz. Ein kurzweiliger Besuch ist Rinkøbing allemal wert, die Cafés und kleinen Geschäfte am Marktplatz laden zu einer Pause geradezu ein.

Radfahren Dänemark bikingtom

Morgens am Hafen von Ringkøbing

Im „Zentrum“ von Ringkøbing

Weiter ging es dann für mich auf der „Fjorden Rundt“, auch an den blauen Schildern mit weißer Schrift und der Zahl 760 zu erkennen. Ein Navi braucht man hier nicht, der Weg ist gut ausgeschildert. Ein wenig erinnerten mich die nächsten Kilometer an die Bretagne. Hübsche Häuschen hinter schmalen Hecken, etwas oberhalb gelegen, mit Blick auf den Fjord  und der Radweg davor. Eine schöne Kulisse zum Radfahren.

Radfahren Dänemark bikingtom

Schöner Abschnitt des Radwegs hinter Ringkøbing

 Der Weg führte nun etwas von Fjord weg, aber immer noch im Blick habend, an einer Straße entlang. Unspektakulär kam ich so durch das Örtchen Velling und weiteren Kornfeldern links und rechts des Weges. Die Sonne wurde nun stärker und ich war froh mich eingecremte zu haben. Trotz ein paar kleiner klebender Fliegen. Der Fjord verschwand nun etwas aus meinem Blickfeld, hier waren nun einige landwirtschaftliche Betriebe und große Felder die das Bild prägten. Ich kam in den Ort Stauning, ein eher sehr beschauliches Örtchen mit einem klitzekleinen Hafen. Doch eine Besonderheit gibt es hier. In der kleinen ortsansässigen Destillerie kann man bei einer netten Führung einen außerordentlich guten Whiskey probieren. Angeblich sind diverse Lieferungen immer äußerst schnell vergriffen. Außerdem ist unweit von Stauning, am Regional-Flughafen, das dänische Flugzeugmuseum untergebracht. Es beherbergt einige sehr interessante Flugzeuge verschiedener Epochen und ein Besuch lohnt sich!

Radfahren Dänemark bikingtom

Pause an einem schönen Angelteich

 Langsam wurde es Zeit für eine erste Pause. Fast 40 Kilometer standen jetzt schon auf dem Tacho, da kann man sich das schon mal gönnen. Und so hielt ich Ausschau nach einer schönen Bank und wurde an einem Angelteich, die es in Dänemark ja öfters gibt, fündig. Abseits der Straße gelegen, die eh schon wenig befahren war, schob ich das Rad nach ganz hinten an dem Teich. Dort bot mir eine kleine Sitzbank prima Schatten unter einem kleinen Bäumchen an. Niemand war hier und ich genoss die Stille an diesem schön gelegenen Teich. Gelegentlich schnappte ein Fisch an der Wasseroberfläche nach Luft. Ich aß und trank und holte mir so neue Kraft für die nächsten Kilometer.

Radfahren Dänemark bikingtom

Im Mündungsdelta des Skjern Å

Radfahren Dänemark bikingtom

Ich war jetzt zwar auf der Höhe der Stadt Skjern, doch mein Weg führte mich nun in eine atemberaubende Landschaft. Das Mündungsdelta des Flusses Skjern Å, übrigens das einzige Flussdelta in ganz Dänemark,  ist ein Paradies für Vögel aller Art! Hier, am auch zugleich wasserreichsten Fluss Dänemarks, lassen sich solch seltene und bedrohte Vögel wie den Löffler, die Rohrdommel oder die Sumpfohreule beobachten. Kein Wunder, das es sogleich ein EU-Vogelschutzgebiet ist!  Auch die Skjern-Wiesen ziehen  jedes Jahr viele Besucher an, denn hier kann man zu Fuß oder halt wie in unserem Fall mit dem Rad das einzigartige Gebiet hervorragend erkunden. An der „Pumpenstation Nord“ gibt es einen Aussichtspunkt über das Gebiet. Und dort geht es auch mit der ersten von zwei Seilfähren über den Fluss. Man zieht die Fähre am Seil über den Fluss zu sich herüber falls sie nicht auf der richtigen Seit liegt, schiebt das Rad drauf, und zieht sich auf die andere Seite. Mit ein paar Leuten geht es schnell. Alleine, wie in meinem Fall, etwas langsamer. Man will ja auch den Ausblick genießen und nicht irgendwelche Fähr-Rekorde brechen. So wie bei einer anderen Familie gesehen. Egal. Nach wenigen Metern kommt dann bereits die zweite Seilfähre, die über einen anderen Arm des Flusses führt. Auf der anderen Seite habe ich Wildpferde gesehen. Sie leben das ganze Jahr im Freien und dienen auch der Landschaftsentwicklung und dem Naturschutz! Was es alles gibt! Ich war jedenfalls fasziniert von diesem wunderbaren Stück Natur und fand das Radfahren dort sehr ansprechend. Der Radweg durch das Delta ist abwechslungsreich und schön angelegt und bietet erhabene Ausblicke in die Landschaft. Für mich eine der schönsten Ecken am Fjord!

Radfahren Dänemark bikingtom

Eindrücke aus dem Mündungsdelta mit Seilfähre, Wildpferden, Vögeln, Rindern und toller Landschaft

 Berauscht von diesem Erlebnis kam ich dann kurz darauf durch die reinen Campingdörfer Skaven Strand und Hemmet Strand. Die ließ ich ganz schnell hinter mir und – schwupps – wurde es auch schon wieder schöner. Der schmale Weg schlängelte sich am Ufer entlang. Von Menschenaufläufen war ich hier weit weg. Kleine Ruderboote lagen hin und wieder im sicheren Hafen des Schilfes verborgen. Hin und wieder gab es auch schmale, kurze Sandstrände. Hier hatte man seine Ruhe. Das empfand ich als sehr angenehm.

Radfahren Dänemark bikingtom

Ausblicke auf dem Fjord bei Skuldøl

  Das nächste größere Fischerdorf, man könnte auch sagen: Wikinger-Dorf, war Bork Haven. Von hier starteten tatsächlich einst die Wikinger zu ihren Beutezügen auf dem Meer und entlang der Küste! Ein kleines Freilichtmuseum etwas weiter an der Strecke zeigt, wie die Wikinger früher dort gelebt haben. In dem kleinen Fischerei- und Yachthafen hat heute aber der Tourismus Einzug gehalten und in der nur wenige Meter langen Gasse am Hafen gibt es nun Eis für die Kleinen ( und mich! ) und ein, zwei Restaurants für die kulinarischen Feinschmecker. Auch eine Surfschule gibt es hier, denn das Revier rund um Bork Haven ist beliebt bei Surfern. Natürlich dürfen ein paar Meter ins Landesinnere Ferienhäuser- und Wohnungen nicht fehlen. Aber auch im Hafen liegen ein paar Hausboote vor Anker, die zwar schwimmen, aber nicht nicht fahren! Wie bereits erwähnt machte ich hier im Hafen eine weitere Pause und ließ mir das Eis richtig schmecken bei dem Wetter. Zwei ordentliche Kugeln Eis für 25 Kronen, das sind rund 3,35€. Na, da muss das Eis ja schmecken! Tat es. Und gekühlt hat es innerlich auch bei den nun sehr warmen Temperaturen, blauen Himmel und Sonnenschein.

Radfahren Dänemark bikingtom

Bork Haven

 Nach Bork Haven wurde es etwas ungemütlicher, da man hier direkt  auf einer Landstraße fahren muss und die Autos doch teilweise im hohen Tempo von hinten angeschossen kommen. Das ist immer ein ungutes Gefühl und finde ich nicht so prickelnd. Bei Nymindegab verließ ich nun die Fjorden Rundt, den die 760 führt ab hier auf der Bundestraße nordwärts. Dort gibt es nur hin und wieder einen Radweg ein paar Meter abseits der Straße. Das wollte ich mir aus eben erwähnten Gründen ersparen. Denn nur wenige Meter weiter, in der Dünenlandschaft und dem Naturschutzgebiet bei Nymnidegab Plantage empfing mich der doch gut bekannte Nordseeküsten-Radweg! Und der läuft praktisch parallel zur 760! Nur viel, viel schöner. Links die Dünen, dahinter die Nordsee und rechts erst mal herrlich flache Landschaft! An mehreren Stellen gibt es Parkplätze und Zugänge zum Strand. Der trotz Hochsaison ziemlich leer war.

Radfahren Dänemark bikingtom

Bunkeranlage bei Nymindegab

 Ich radelte weiter in Richtung Norden. Vorbei an weiteren Bunkern der Deutschen aus dem 2. Weltkrieg! Versteckt liegen die hier in den Dünen. In einem bin ich hinein gekrabbelt. Das war schon ein wenig gruselig. Die Gegend hier war im Krieg strategisch wichtig und es gab auch ein Lager, in dem die deutschen Truppen stationiert waren. Nach dem Krieg übernahmen die Dänen das Lager und in den Dünen entlang des Radwegs werden heute noch Militärübungen abgehalten und dann wird das Gebiet teilweise gesperrt. Bei mir war aber alles frei. Um so besser.

 Sanft schlängelte sich der Weg durch die Dünenlandschaft. Die Sonne brannte auf meinem Haupt. Durch den allgegenwärtigen Sand kam ich mir vor, als ob ich durch eine Wüste radeln würde. Nach jeder Hügelkuppe gab es weiteren Sand und Dünen soweit wie das Auge reichte. Aber trotzdem war es prima da zu fahren. Oftmals konnte ich auch den Fjord zu meiner Rechten etwas entfernt wieder sehen. Hat mir gefallen. Doch je weiter ich nach Norden kam, desto mehr kamen wieder die Ferienhaus-Siedlungen zum Vorschein. Für sich gesehen waren die Häuschen allesamt ganz nett, so unstrukturiert sie auch in der Landschaft platziert waren. Doch wirklich Urlaub machen in solchen charmelosen Dörfchen ist nicht mein Ding.

Radfahren Dänemark bikingtom

Scheune mit einer „Ausstellung“ zur Seenotrettung in vergangenen Zeiten

 Weiter ging es entlang des Nordseeküsten-Radwegs. Ein kleines Stück nach Haurvig kam ich an einer Scheune vorbei, die offen stand. Ein Schild war davor. Aber kein Mensch zu sehen. So lugte ich um die Ecke und blickte in die Scheune hinein. Dort war anscheinend ein kleines Museum untergebracht und in der Scheunenmitte stand ein altes Boot ausgestellt welches vor langer Zeit zur Seenotrettung benutzt wurde. Außerdem ein Rettungskorb und einige weitere kleine Exponate. Hier wurde veranschaulicht wie die Rettung auf See früher vonstatten ging und wie schwierig dieses Unterfangen war. Eintritt bezahlte ich hier nicht, jeder Interessierte ist willkommen sich das kostenlos anzuschauen. Abends macht wohl irgendjemand einfach wieder das Scheunentor zu. Vermute ich einfach mal. Gleichzeitig spendete die Scheune mir kurzzeitig etwas Schatten. Meine Getränke waren nun leider aufgebraucht und die Sonne knallte immer noch.

Radfahren Dänemark bikingtom

Erfrischung im Schatten der Skulptur „Cyklus“ in Hvide Sande

 Ich muss zugeben, nach ein paar weiteren Kilometern mit viel Durst war ich froh an einem Campingplatz vorbeizukommen. Denn dort gibt es meistens immer einen kleinen Supermarkt mit allerlei Krims und Krams. Und kalten Getränken! So konnte ich mich kurz vor Hvide Sande überraschenderweise günstig mit Kaltgetränken eindecken. Die erste Flasche Wasser war auch schnell leer getrunken. In Hvide Sande, da wo sich der Fjord an der Schleuse zum Meer hin öffnet, wollte ich dann noch eine letzte Pause einlegen. Unter der Skulptur „Cyklus“ des Künstlers Leo Andersen, einer stählernen Halbkugel mit sieben Schiffsstelen, einem Geschenk zum 75 jährigen Geburtstag der Stadt im Jahre 2006, setzte ich mich in den Schatten. Dort trank ich, völlig unsportlich, zwei Dosen eiskalte Coke! Das hatte ich mir verdient.

 Hier in Hvide Sande gibt es Sonntags immer eine Fischauktion, auf der man allerlei frisch gefangen Fisch mit ein wenig Glück für günstig Geld ersteigern kann. Doch manchmal kann es auch teuer werden. Also aufpassen wenn ihr den Arm nach oben streckt! Und falls ihr doch einen Fisch ersteigern solltet, könnt ihr den direkt in der Halle von ein paar sachkundigen Pensionären gekonnt ausnehmen lassen! Das Treiben bei der Auktion zu beobachten ist allerdings kostenlos und recht interessant. Auch hier ist ein Besuch empfehlenswert!

Radfahren Dänemark bikingtom

Fischauktion in Hvide Sande

In weiteren Fischgeschäften kann man aber auch ganz normalen oder auch geräucherten Fisch erwerben. Die Auswahl ist enorm und die Fischbrötchen sind alle gut belegt und lecker!

 Von der Brücke über der Schleuse kann man die großen Schiffe sehen, die raus auf die raue Nordsee fahren, aber auch einen Bramsegelschoner, die Maja, auf der man selber eine rund zweistündige Segeltour mitmachen kann. Je nach Wetter entweder im Fjord selber, oder auch auf der Nordsee.

Radfahren Dänemark bikingtom

Bramsegelschoner „Maja“

 Nach der wohltuenden Pause und mit neu mobilisierten Kräften ging ich dann die nächsten Kilometer an. Kurz nach Hvide Sande kam ich schon zu dem bekannten und bei Touristen beliebten Lyngvig Leuchtturm. Er ist der jüngste Leuchtturm Dänemarks. Er stammt aus dem Jahre 1906! Erbaut wurde er aus dem Grunde, da ein paar Jahre zuvor ein Schiff dort vor der Küste gestrandet war und 24 Seeleute ihr Leben verloren. Anlass genug also, den 38 Meter hohen Leuchtturm zu errichten, auf dem man das ganze Jahr über hinauf kann um die Aussicht zu genießen. Vorausgesetzt man ist bereit die 228 Treppenstufen zu erklimmen. Am Fuße des Turms ist ein kleines Museum und ein Café eingerichtet. Auch einen netten Spielplatz für die Kleinen gibt es dort. Und für eine kurze Rast eines Radlers ist hier mit einer prima Abstellmöglichkeit auch gesorgt!

Radfahren Dänemark bikingtom

Der Lyngvig Leuchtturm

 Von dem Leuchtturm bis zu meinem Start- und Ausgangspunkt in Søndervig war es jetzt nicht mehr weit. Noch ein wenig Dünenlandschaft und dann wieder immer mehr Ferienhaussiedlungen bis ich schließlich am Ziel ankam. So hatte ich am Ende des Tages rund 110 Kilometer auf dem Tacho stehen! Das alles bei wunderbarem Wetter, auch wenn es teilweise gefühlt recht heiß war. Eine tolle Runde war das, die gerade bei solchen Bedingungen richtig Laune gemacht hat. Und da auch nur wenige Höhenmeter  (223 m) auf der Strecke zusammen kamen, war ich auch nicht zu sehr erschöpft. Ein langer, toller Tag ging zu Ende.

Die Tour auf der Karte

Die Tour auf der Karte

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TOUR: Die „Einst-Geteilt“-Tour

 Die zweite Tour, die ich in der Rhön gemacht habe und euch jetzt erzähle, hatte einiges zu bieten. Startpunkt war der Parkplatz am bereits im letzten Bericht erwähnten „Schwarzen Moor“. Ein paar Meter gerollt, und schon war ich am ehemaligen Grenzstreifen zwischen der damaligen DDR und Deutschland. Ein einsamer ausgedienter Wachturm auf ehemaliger ostdeutscher Seite. Ein Stück Grenzzaun daneben. Betonpfade im Gras, auf dem die Wachen an der Grenze patrouillierten. Ansonsten nichts außer saftige und blühende Wiesen, ein paar kleinere Bäume. Ein friedliches Plätzchen Erde. Nichts was an die heiße Zone erinnert. Idylle pur. Doch die Geschichte erzählt ja bekanntlich was anderes.

Grenzzaun Rhön Radfahren bikingtom

Hinterlassenschaften

 Und so stand ich da mit meinem Rad und konnte mir das irgendwie gar nicht so recht vorstellen. DIe Szenerie wirkte schon ein wenig unrealistisch. Doch als ich dann ein paar hundert Meter weiter radelte, kam ich zu einer Rastgelegenheit. Dort stand ein Pfahl, an dem zwei Knöpfe sowie ein kleiner integrierter Lautsprecher angebracht war. Durch drücken dieser Knöpfe startete man eine Audiodatei. Bewohner der Rhön und der Grenze erzählten dort vom Leben wie es einmal war. So konnte man gleichzeitig Pause machen und noch etwas über die Region erfahren. Sehr nett gemacht!

Radfahren in der Rhön bikingtom

Der Aufbau der Grenze.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Mahnmal

  Rast machte ich dort nur kurz. Ich radelte weiter in Richtung des kleinen verschlafenen Dorfes Birx. Auf dem Weg dorthin waren weitere Infotafeln zu sehen. Auf denen waren diesmal unter anderem die Vögel in der Rhön abgebildet. Und auch hier konnte man über Tastendruck die verschiedenen dazu passenden Vogelstimmen hören. Wirklich schön gemacht. Gerade für Kinder eine tolle Sache und willkommene Abwechslung auf Touren!

Radfahren in der Rhön bikingtom

Hervorragende Infotafeln am Wegesrand!

 Von Birx ging es auf der Hauptstraße rasant mit Backenflattern abwärts bis nach Seiferts wo ich wieder auf den Ulstertalradweg traf. Ihn folgte ich diesmal ebenfalls bis kurz hinter Hilders und verließ dort schon nach wenigen Metern den Milseburgradweg wieder in Richtung Tann (Rhön). Über wenig befahrene Landstraßen, die allesamt in gutem Zustand waren ging es vorbei an urigen Häuschen, Weiden, Wiesen und Wäldchen. Auf den Feldern waren die großen Traktoren und den Ballenpressen dabei das getrocknete Gras einzusammeln und in großen Rundballen zu verpacken. Der Geruch getrockneten Grases kitzelte in der Nase. Doch daran erkennt man immer das der Sommer vor der Tür steht.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Qualmender Traktor oder doch nur Wolken?

radfahren in der Rhön bikingtom

Das gelbe Schloss in Tann, das zu einer ganzen Schlossanlage gehört.

 Und es wurde auch langsam sehr warm an diesem Tag. Die Sonne brannte förmlich im Nacken, das konnte ich nach der Tour zu Hause im Spiegel begutachten. Eine kleine Pause gönnte ich mir dann in Tann, an der rückwärtigen Seite von Schloss Tann, genauer gesagt unterhalb des gelben Schlosses. Das gelbe Schloss ist der jüngste Komplex der Schlossanlage und geht auf das Jahr 1714 zurück. Es gibt da noch das dazugehörige blaue und rote Schloss. Letzteres ist das rote gleichzeitig das älteste Schloss, es wurde im Jahre 1558 fertiggestellt! Soviel erstmal zu den bunten Schlössern an dieser Stelle.

 Ab Tann ging es dann dichter an der Bundesstraße 278 entlang. Nur nicht zu dicht haben sich wohl auch die Verkehrsplaner gedacht. Denn der Radweg verläuft vorbildlich ein angenehmes Stück versetzt zu der Straße. Das hat mir gut gefallen. Und die Qualität des Weges ist ebenfalls sehr gut. Auch wurden teilweise Steinwälle oder Holzwände errichtet, an denen sich praktisch die Pflanzen austoben können und sich auch Tiere einnisten können. Und nett anzusehen ist das als Radfahrer natürlich auch.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Vorbildliche Radwegeführung neben der Bundesstraße.

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Schöne Kirche und nette Fachwerkhäuser in Schleid.

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Schornstein mitten in der Landschaft.

Über Günthers, Motzlar und Schleid gelangte ich nun nach Geisa. Die Gegend wurde auch zu Zeiten des kalten Kriegs „Fulda Gap“ genannt. Hier rechnete man damit, das hier die Stelle sei, an der am ehesten die Truppen des Warschauer Pakts in den Westdeutschen Raum eindringen würden und innerhalb von wenigen Tagen die Bundesrepublik in zwei Hälften teilen könnten. Dementsprechend unternahm der Westen mit Hilfe US-amerikanischer Truppen massive Anstrengungen u.a. mit Grenzposten um dies zu verhindern. Der ehemalige Beobachtungsposten „Point Alpha“ der Amerikaner blieb nach dem Ende des kalten Krieges erhalten und wurde zur Gedenkstätte erhoben. Hier kann man deutlich sehen, das die Feinde sich damals nur wenige Meter gegenüberstanden. Auge in Auge. Nur ein relativ schmaler Grenzstreifen dazwischen. Die Amerikaner nutzten ihren Wachturm auch dazu den Funkverkehr des nur wenige Meter gegenüber liegenden Wachturms der DDR abzuhören. Die Fahne der USA weht auch heute noch dort, die eigentliche Fahnenstange berührt aber nicht den Boden sondern wird einige Zentimeter über den Boden von einer kleinen Konstruktion festgehalten. Das soll symbolisieren das die Amerikaner als Freunde kommen und nicht als Besatzer! Ein interessantes Detail. Wie wenig es aber gebraucht hätte das es hier wirklich geknallt hätte mag man sich gar nicht vorstellen. In der Gedenkstätte Point Alpha kann man sich in der Ausstellung ein Bild davon machen wie es dort an der Grenze jahrzehntelang zuging. Genauso wie ein paar hundert Meter weiter im „Haus auf der Grenze“, das man über einen Pfad entlang der Grenze oder über die Landstraße von Geisa hinauf erreicht. Ein Besuch dieses geschichtsträchtigen Ortes lohnt sich allemal! Mit dem Fahrrad von Geisa hinauf auf den Rasdorfer Berg ist das aber reinste Schinderei! Das nur mal am Rande.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Rund um Geisa stehen solche Info-Tafeln zur Geschichte der Region.

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Die Stadt Geisa.

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Wachturm der Amerikaner.

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Gedenkstätte „Point Alpha“ und der Todestreifen. So frei dort herumzulaufen war damals undenkbar!

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Am früheren Grenzverlauf.

 Nach dem Besuch dieser Gedenkstätte, der doch zum Nachdenken anregte, schwang ich mich wieder auf das Rad und fuhr den ganzen Berg wieder hinunter nach Geisa und dann weiter auf dem Ulstertalradweg. Jetzt schien das Wetter umzuschwenken. Dunkle, sehr dunkle Wolken kamen immer näher. In der Luft war zu spüren das ein Gewitter im Anmarsch war. Das fand ich nicht so prickelnd, denn vor solchen Naturgewalten habe ich Respekt. Die kann ich nicht beherrschen. Also war mein Motto „nix wie weg“. Zuerst sah es fast so aus also ob das Unwetter mich doch erwischen würde. Doch als ich in eine wunderschöne Auenlandschaft hinein fuhr, links und rechts die Berge etwas höher wurden, verschwand das aufziehende Gewitter nebenan im nächsten Tal. Da hatte ich nochmal Glück gehabt. Und so radelte ich weiter beschwingt durch eine faszinierende Landschaft.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Herrliche Landschaft an der Ulster.

 Vorbei an den thüringischen Dörfern Buttlar und Pferdsdorf kam ich dann nach Philipsthal an der Werra, schon wieder auf hessischer Seite. Wie man sieht, hier verschwimmen fast die Grenzen. Jedenfalls gibt es dort das gleichnamige Schloss. Mal wieder eins. Der Radweg führt da mitten durch. Erbaut in den Jahren 1685 bis 1735 beherbergt es heute u.a. das Rathaus und ein Altenwohnheim. Durch das Torbogenhaus gelangt man wieder hinaus – oder hinein – je nachdem woher man kommt.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Im Hof von Schloss Philipsthal. Und mittendurch der Radweg.

 Nun war der Werratal-Radweg also mein Begleiter. Schon kurz nach Philipsthal war ich wieder in Thüringen unterwegs. Genauer gesagt verläuft die Grenze der beiden Bundesländer Hessen und Thüringen hier bei Vecha. Viele Fachwerkhäuser waren hier jetzt zu sehen. Eine merkwürdige Ruhe war überall zu spüren. Nicht unangenehm, sondern eher so, als sei hier an manchen Orten die Zeit einfach stehen geblieben und Stress eher ein Fremdwort. Menschen waren kaum zu sehen. Nur selten sah ich mal einen Radfahrer. Das lag aber vielleicht auch daran, das der Radweg zwischen Vacha und Dorndorf direkt auf der zwar wenig befahrenen Bundesstraße 84 verläuft, aber deshalb auch nicht gerade angenehm zu befahren ist. Denn wenn da Autos fahren, dann auch nicht langsam. Das Stück war also leider nicht so ergreifend schön.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Blick nach Vacha.

  Doch ab Dorndorf wurde es wieder besser. Allerdings nur der Radweg. Das Wetter war jetzt doch in Begriff wieder schlechter zu werden. Auftürmende Wolken kündeten von einer Schlechtwetterfront. Ich konnte weit ins Land schauen, doch in der Richtung, woher die dunklen Wolken kamen, war weit und breit auch keine Verbesserung der Lage zu erkennen. Das ließ mich kräftig in die Pedale treten. Bei Merkers nahm ich dann auch die Alternativroute des Werratal-Radwegs, direkt an der Werra entlang anstatt  die Hauptroute über Kieselbach und dem Kraynberg. Der Weg war allerdings eher ein rumpeliger und schlechter Pfad, der an manchen Stellen sehr schmal war und teilweise hohes Gras in den Weg hinein wucherte. Das man das überhaupt offiziell als Radweg ausschildert fand ich etwas befremdlich. Aber egal. Das schlechte Wetter saß mir im Nacken und da war das jetzt doch das geringere Übel.

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Impressionen zwischen Vacha und Dorndorf. Der Kaugummi-Automat ist der Hammer!

 Ich wollte noch ein paar Kilometer machen, sah meine Chance aber nach und nach mehr schwinden. Kurz vor Tiefenort kam ich dann vom holprigen Pfad, den man anscheinend doch in zügiger Geschwindigkeit befahren kann wenn es nötig ist, wieder auf die Hauptroute des Werratal-Radwegs. Wieder fielen mir die Fachwerkhäuschen auf, die man hier anscheinend öfters finden kann. Mitunter sehr schön wieder in Stand gesetzt und schön anzusehen.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Hier und dort immer wieder Fachwerk.

 Der nächste Ort hieß Bad Salzungen. Ein Besuch des Ortskern hätte sich höchstwahrscheinlich gelohnt. Da gibt es die Therme, den Burgsee sowie das Gradierwerk. Gerade für Allergiker ermöglicht die Sole hier rasche Linderung. Auch bei Atemwegserkrankungen ist man hier bestens aufgehoben. Doch es trieb mich noch ein Stück weiter. Um genauer zu sagen bis Immelborn. Weiter schaffte ich es nicht mehr, das Unwetter holte mich ein. Keine zehn Minuten nachdem ich die Tour beendet hatte, verdunkelte sich der Himmel drastisch und der Regen prasselte mit voller Wucht zu Boden und Blitz und Donner brachen über die Landschaft herein. Ein gewaltiges und irgendwie auch passendes Ende  für diese spannende, informative und manchmal auch überraschende Tour. 87 Kilometer lang, aber nie langweilig.

Hier kann die Tour als gpx-Datei heruntergeladen werden! Die Tour hat da eine Länge von rund 90 Kilometern, da ich die Alternativ-Route an der Werra entlang bei Krayenberg nur bedingt empfehlen kann. Sie ist zwar schön, aber sehr holprig. Deshalb führt die Route um den Krayenberg herum. Und ich bitte auch zu beachten, das der Weg von Geisa hinauf zum Alpha Point ziemlich steil ist, aber sich die Mühe lohnt! Ich wünsche euch trotzdem viel Spaß damit!

Radfahren in der Rhön bikingtom

Jüdischer Friedhof bei Barchfeld.

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Kurz bevor das Unwetter losbrach. Die Ruine „Steinsches Schloss“ in Barchfeld-Immelborn.

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TOUR: Harte Waden in der Rhön

 Mein kleiner Radurlaub für dieses Jahr stand endlich vor der Tür und Ziel für vier Tage war diesmal die Rhön. Mit sanften Hügeln, aber auch ordentlichen Höhenmetern dabei. Ein  landschaftlich unheimlich schön im Herzen Deutschlands gelegenes Mittelgebirge. Was man nicht vermutet, ist, das zum Beispiel  das osthessische Gebiet der Rhön vulkanischen Ursprungs ist. In grauer Vorzeit war es dort ziemlich eben und alles von einem flachen Meer überzogen! Bis sich in vielen, vielen Kilometern  Tiefe die Erde aufmachte und nach oben drückte! So entstanden dann die sanften Bergrücken. Heute ist dort aber keine vulkanische Aktivität mehr vorhanden. Also alles in allem ein höchst interessantes Gebiet, das es lohnt zu erkunden.

Wie immer gilt: zum vergrößern der Bilder einfach die Fotos anklicken!

 Zu allererst muss ich aber  zu der Überschrift sagen, das sie ja fast nur die halbe Wahrheit darstellt. Um es vorweg zu nehmen, es gab auch entspannte Teilstücke auf dieser Tour. Doch zuerst kam Schmerz. Großer Schmerz. Aber von vorne…

Radfahren in der Rhön mit bikingtom

Harte Wade

 Ich wusste schon vorher, das mich am Anfang dieser Tour einiges an Höhenmetern erwarten würde. Aber das die Anstiege so gemein sein würden, das hätte ich nicht gedacht! Start war für mich in Hausen, einem unscheinbaren Dorf, in dem Abends um sieben die Bürgersteige hochgeklappt werden und alles ruhig ist. Das Wetter war irgendwie schwer einzuschätzen. Waren Wolken da, war es kühl. Kam die Sonne durch, wurde einem sofort warm. Auf dem ersten Stück nach Leubach hatten die kühleren Temperaturen bei mir gesiegt, doch als ich den ersten ernsthaften Anstieg vor mir sah, wußte ich das ich definitiv gerade die falschen Sachen an hatte. Doch so eine Zip-Off-Hose ist äußerst praktisch und die Jacke wanderte auch direkt wieder in den Rucksack! Und dann „ging die Luzie so richtig ab“ wie man so schön sagt! Steil und kurvenreich ging es rauf auf rund 790 Metern Höhe. Zwischendurch musste ich tatsächlich öfters mal anhalten und Luft holen. Und das soll schon was heißen, das mache ich sonst nicht so oft! Von der Straße aus hatte man hin und wieder einen schönen Blick ins Tal. Weiter oben konnte man einen Grenzturm der ehemaligen DDR sehen. Das Gebiet, in dem ich fuhr, liegt genau im Drei-Länder-Eck von Bayern, Hessen und Thüringen. Ein heißes Pflaster, doch dazu komme ich noch in einem weiteren Tour-Bericht.

 Irgendwann, nach viel Schweiß und einiger veronnener Zeit kam ich jedenfalls endlich oben an. Dort gibt es das sogenannte „Schwarze Moor“, eines der wichtigsten Hochmoore Europas und ein Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Ein wahrer Rückzugsort seltener Tiere und Pflanzen. Ein Rundwanderweg über Holzplanken lässt das Moor schonend erkunden. Schautafeln bieten eine Fülle an Informationen und ein schöner, 17 Meter hoher Aussichtsturm aus Holz in Form eines Weizenglases, lässt einen die Schönheit auch von oben erahnen! Markant ist ein einfach da stehender Torbogen aus Stein am Eingang des Moores, das doch ein wenig unheimlich wirkt. Und in der Tat, dort stand früher ein Gaulager der Nationalsozialisten, benannt nach dem damaligen Gauleiter Dr. Otto Hellmuth auch Hellmuthlager genannt! Heute hat es keine echte Bedeutung mehr, es dient  nur noch als Mahnmal.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Holzspielplatz am „Schwarzen Moor“.

 Weiter ging es für mich in Richtung Naturpark Lange Rhön. Das Wetter war hier oben doch etwas schlechter. Wolkenverhangen und grau in grau. Langgezogene Anstiege. Fiese Anstiege. Die Landstraße war aber ziemlich leer, so gut wie keine Autos waren dort. Nur ein Motorradtrupp mit gefühlten 189 Mann musste natürlich an mir vorbei. Mit Tempo und Visier unten. Wie kann man nur mit den stinkenden Dingern durch die Natur kutschern und hinterher schwärmen wie toll es dort ist obwohl man kaum was gesehen hat durch den schmalen Schlitz im Helm? Das werde ich nie verstehen.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Nein, das Bild ist nicht schief! Von rechts ging’s da links rauf.

 Und irgendwie kam ich auch etwas aus dem Tritt. Trotz Navi verlor ich hier oben kurzfristig die Orientierung. Und so musste es dann wohl auch dazu kommen, das ich anstatt den direkteren Weg zu nehmen, einen Umweg fuhr. Huuuuiiiiiiii ging es da schnell runter, bester Asphalt unter den Rädern, rauschender Wind um die Ohren. Nur ich und die Natur. Vereint in Geschwindigkeit, die mir trotz Radbrille die Tränen aus den Augen trieb. Bis ich unten ankam und ernüchternd festellte, ich bin zu früh abgebogen und die nächste Straße ging wieder steil rauf. Wäre ich oben geblieben, hätte ich einfach nur um die nächste Kurve gemußt. Dumm gelaufen für meine Waden, die jetzt nochmal ran durften!

Radfahren in der Rhön bikingtom

Ab Kilometer 25 ging es etwas entspannter zu…bis zum nächsten Anstieg.

 Hechelnd mit der Zunge fast auf dem Boden kam ich wieder nach oben. Doch nun waren die schlimmsten Leiden erstmal vorbei. Nach relativ wenigen Kilometern fühlte ich mich aber so, als ob ich schon den ganzen Tag im Sattel gesessen hätte. Eine kurze Pause und ein Energieriegel taten mir da ganz gut. Die Straße hatte ich nun verlassen und bog in einem gut befahrbaren Feldweg ab. Am Waldrand entlang radelte ich nun freudig Richtung Tal. Hier genoss ich das erstemal bewusst an diesem Tag die schöne frische Luft. Tief sog ich sie in meine Lungen. Herrlich. Das liebe ich, dafür radel ich.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Hier lässt es sich prima in Richtung Tal radeln.

 Hier war es auch wesentlich grüner als noch oben auf dem Berg. Saftige Wiesen, würzige Wälder und vereinzelt ein paar Rinder auf den Weiden. Und niemand weit und breit zu sehen. Nur ich mit meinem Rad. Und so kam ich dann nach ein paar Kilometern in den Ort  Wüstensachsen: Dort traf ich das erstemal auf diese prima gemachten Infotafeln für Radwege. In diesem Fall für den Rhönrad- bzw. Ulstertalradweg. Wie auf dem Foto zu sehen, gibt’s da auch ein Kästchen, wo ein Stempel samt Stempelkissen mit dem Schriftzug der Rhön drin ist. Den drückte ich auf meine Radkarte, aber am Ende der Tour war der leider verwischt. Die Karte war halt wasserfest. Pech.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Interessante Infotafeln fand ich öfters an den Radwegen.

 Ich folgte also nun dem Ulstertalradweg. Der Weg führte mich an den Hängen vorbei, die Ulsta bekam ich da noch selten zu sehen. Dafür wieder kleine knackige Steigungen. Gerade noch konnte ich das Rad laufen lassen, nach der nächsten Ecke ging es wieder rauf und ich musste  ordentlich in die Pedale treten. Die Fitness kam heute nicht zu kurz!

Radfahren in der Rhön

Blumenpracht, herrliche Wiesen und eine Madonna mitten im Wald.

 Durch die Orte Seiferts, Thaiden und Batten und dem alten, leider nicht genutzten Viadukt der ehemaligen Ulstertalbahn,  kam ich nach rund neun weiteren Kilometern in Hilders an. Dort angekommen wusste ich, jetzt hatte ich die härtesten Steigungen wirklich hinter mir! Ab hier radelte ich nun über den bekannten Milseburgradweg in Richtung Petersberg-Götzenhof und der alten Barockstadt Fulda! Am Anfang der Bahntrasse stehen ebenfalls ein paar Infotafeln und eine kleine Skulptur. Der alte Bahnhof in Hilders am Anfang der Strecke ist mittlerweile in Privatbesitz. Doch den ursprünglichen Zweck kann man noch deutlich erkennen.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Am Anfang des Milseburgradwegs steht diese Skulptur und der alte Bahnhof, der heute in Privatbesitz ist.

 Der Asphalt des Radwegs ist sehr gut, das Rad fühlte sich sehr gut an. Die moderate und leichte Steigung bis zum Milseburgtunnel ist auch mit Kind und Kegel gut zu fahren. Hin und wieder sieht man am Wegesrand noch das Kiesbett der alten Eisenbahnschwellen, wenn der Radweg leicht versetzt verläuft. Leicht zugewuchert, aber dennoch nicht zu übersehen. Auch alte Relikte der Eisenbahnstrecke sind des Öfteren noch erhalten geblieben. Wie zum Beispiel die Schranke in Eckweisbach oder aber auch diverse Signale.

Radfahren in der Rhön

Immer gerne gesehen: Relikte der alten Zeit.

 Links und rechts waren meist blühende Wiesen und grüne Wälder. Immer wieder ein schöner Anblick. Die 40-Kilometer-Marke hatte ich nun bereits hinter mir gelassen. Ein wenig Kraft tanken wollte ich aber erst etwas später. Ich wusste, das es einen Biergarten in Langenbieber gibt, direkt an der Trasse. Da wollte ich hin. Doch zuerst kam noch eine kleine und nette Einkehrmöglichkeit in Milseburg, kurz vor dem bekannten gleichnamigen und 1172 Meter langen Tunnel! Eigentlich der Höhepunkt auf dem Radweg. Im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Einkehrmöglichkeit ließ ich aber links liegen und fuhr lieber direkt in den Tunnel. Der ist auch nur von Mitte April bis Oktober befahrbar wegen unseren Freunden, den Fledermäusen. Er ist beleuchtet und es gibt sogar an diversen Stellen Notrufsäulen. An alles wurde gedacht, nur nicht an die Heizung! Spaß beiseite. Die Durchschnittstemperatur in dem alten ehrwürdigen Tunnel beträgt 8-10 Grad! Dementsprechend hat es mich ganz schön gefröstelt. Aber die Fahrt hindurch macht ordentlich Laune!

Radfahren in der Rhön bikingtom

Am östlichen Eingang des Milseburgtunnels.

Radfahren in der Rhön

Cooles Radeln im kalten Tunnel.

 Das Ende des Tunnels kam irgendwie dann doch viel zu schnell. Den hätten sie damals ruhig noch etwas länger machen können für die künftigen Radfahrer-Generationen. Hätten die Bauarbeiter das nur damals gewußt…verdammt…

 Schon bald darauf kam ich bei Elters vorbei. Von dort hatte ich eine tolle Aussicht mit einem weitem Blick zurück auf die markanten Bergkuppen, aber auch auf sanfte Hügelketten. Und nicht weit entfernt konnte man auf schroffen Fels schon Schloss Bieberstein sehen, das in einer Höhe von 500 ü. NN liegt. Das Barockschloss wurde 1740 vollendet, thronend über dem Biebertal.

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Schloss Bieberstein

 Und dann kam ich endlich in Langenbieber zu meiner wohlverdienten Pause. Es saßen nur eine handvoll Leute dort, die aber schon im Begriff waren weiter zu radeln. So saß ich dort ganz alleine mit meinem alkoholfreien Weizen und einen Laugenbrezel. Schmecken tat das isotonische Getränk sehr gut und ich meine enorm neue Kraft gespürt zu haben.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Rast in Langenbieber mit wohltuendem isotonischen Getränk!

 Gestärkt radelte ich danach weiter. Ein sanftes Gefälle tat meinen Beinen ebenfalls gut. Die Berge wurden nun immer mehr zu Hügeln, Felder und Wiesen wechselten sich ab, genau wie die alten Bahnhofsschilder, die in vielen kleinen Orten darauf hinwiesen, das dort mal ein Haltepunkt war.  Die Sonne kam immer mehr raus und es wurde richtig warm. Schönstes Radwetter also.

Radfahren in der Rhön bikingtom

Auf dem Milseburgradweg.

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Impressionen Milseburgradweg.

 Ich näherte mich nun immer mehr Petersberg, dem Endpunkt des Milseburgradwegs. Er hat mir sehr gut gefallen. Abwechslungsreich, mit schönen Aussichten und entspannt zu fahren. Dazu immer wieder Anlehnungen an die Eisenbahn, die dort einst fuhr. Er ist wirklich empfehlenswert! Doch zu Ende war meine Tour aber hier noch nicht! Petersberg ist ein Vorort von Fulda. Und da wollte ich noch sehr gerne hin.

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Unspektakulär. Der Anfang – für mich Ende – des Milseburgradwegs.

 Über Nebenstrassen und kleinen Wegen erreichte ich schon nach kurzer Zeit Fulda. Durch das Paulustor, das in den Jahren 1709 bis 1711 errichtet wurde,  aber nicht immer an dieser Stelle stand (!) kam ich auf die gepflasterte Pauluspromenade. Zu meiner Rechten war nun der eindrucksvolle Dom zu Fulda mit seinem großen Vorplatz, auf den ich von der Promenade hinunter schauen konnte. Geweiht wurde er im Jahre 1712. Er ist das Wahrzeichen von Fulda und auch die Grabeskirche des heiligen Bonifatius. Wer noch mehr zu diesem Bauwerk wissen möchte, den auch einst Papst Johannes Paul II. im Jahre 1980 besuchte, der klicke einfach hier. Da habt ihr die Gelegenheit auf eine tolle virtuelle 360 Grad-Tour zu gehen!

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Der Dom zu Fulda und rechts daneben die Michaelskirche.

 Jedenfalls lag an der Promenade zu meiner Linken der Schlosspark. Den wollte ich mir auch einmal kurz anschauen. Ich kann sagen, ein Abstecher hinein sollte man unbedingt machen. Er wirkte auf mich sehr beruhigend, so mit seinen hohen Bäumen, die hart radelnden Leuten bei Sonnenschein angenehmen Schatten spenden. Der Springbrunnen in der Mitte mit seiner hohen Fontäne, links die schöne Orangerie, rechts das imposante Stadtschloss von Fulda aus dem Jahre 1714. Erwähnte ich bereits, das Fulda eine alte Barockstadt ist?

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Links der Springbrunnen im Schlosspark und im Hintergrund das Schloss mit Turm, rechts oben die Orangerie und rechts unten das Schloss mit abgeknipsten Turm.

  Da das Wetter jetzt noch einmal richtig schön wurde fuhr ich noch weiter mit dem Rad. Durch die wunderbare Fulda-Aue, einem Naherholungsgebiet unweit der Innenstadt. Der hessische Fernradweg R1/R2 geht da mitten durch. Wunderbar. Immer wieder bot sich mir zwischendurch ein netter Blick zurück auf die Stadt. Bis sie dann doch irgendwann aus dem Sichtfeld verschwand. Wenige Menschen waren unterwegs. Es war mittlerweile auch schon gegen Abend. Ich radelte praktisch noch aus bis Eichenzell und beendete diesen anstrengenden, aber absolut lohnenswerten Radtag. Rund 83 Kilometer mit über 1050 fiesen Höhenmetern hatte ich hinter mir. Ich war ziemlich fertig, aber glücklich.

 Eine leicht verfeinerte Tour, nicht ganz so lang ( 66 km ) und ganz so anstrengend ( 440 Höhenmeter ) habe ich als gpx-Datei zusammengestellt und KANN HIER GERNE HERUNTERGELADEN WERDEN! Anfang der Tour ist am Schwarzen Moor und endet in Eichenzell am Bahnhof. Ein wenig Kondition ist von Vorteil.

Viel Spaß mit den harten Waden…

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TOUR: Ein wenig Texel/ NL

 Kurzfristig ergab sich die Möglichkeit mich ein paar Tage auf der schönen Insel Texel in den Niederlanden zu erholen. Natürlich kann ich mich nur richtig entspannen, wenn auch Radfahren zum Urlaubsprogramm gehört. Sonst fehlt da was. Und das geht ja mal gar nicht.

 Die ersten Tage auf der Insel war es verdammt windig. So windig, das ich doch am Strand ein wenig nervös wurde angesichts der entfesselten Winde und des im Tiefflugs über den Strand wehenden Sandes. Problemlos konnte ich mich und meinen Körper in mindestens 90 Grad Schräglage halten. Letztlich war die Entscheidung da gefallen, dann doch ein E-Bike zu mieten. Auf Texel kein Problem. Ein großer Händler in De Koog hatte eine große Auswahl von Rädern, hauptsächlich von Gazelle. Die E-Bikes, typisch holländische Fahrräder, waren ausgestattet mit dem Impuls-Antrieb und 7-Gang-Schaltung. Das aufrechte Sitzen auf diesem Rad ging zwar besser als erwartet, trotzdem merkte man jedes Schlagloch direkt auf der Wirbelsäule. Der Motor, ausreichend stark für die guten niederländischen Radwege, aber für meinen Geschmack trotzdem zu schwach auf der Brust. Der Unterschied zwischen dem Eco- und dem Sport-Modus war zumindest bei meinem Fahrrad ziemlich gleich null. Machte den Fahrspass wie gesagt für die Verhältnisse auf der Insel aber nicht kaputt. Und die Fahrräder waren ansonsten in einem sehr guten Zustand, gut gepflegt und die Verleihstation sauber und ordentlich. Also war alles parat für eine prima Tour.

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Das E-Bike Gazelle Orange Comfort, mein Mietrad.

 Los ging es dann direkt von De Koog entlang der Dünen, ein kurzes Stück nach dem Dorf ging es dann auch links ab, hinein in die wunderbare Dünenlandschaft. Sanft wellig schlängelte sich der Radweg durch die Landschaft. An einigen Stellen gab es Aussichtspunkte u.a. für die Vogelbeobachtung im sogenannten Naturreservat De Slufter. Dort war keine Menschenseele außer zwei freiwillige Staatsbedienstete des Reservats, die mir sehr freundlich viele Infos über das vor mir liegende Gebiet gaben! Dort gibt es eine derart hohe Artenvielfalt bei den Vögeln, das ich nicht damit gerechnet hatte! Durch ihren großen Feldstecher durfte ich dann auch mal einen Blick riskieren. Auch erfuhr ich das dieses Reservats einen natürlichen Zugang zum offenen Meer besitzt und dieses Gebiet so auch von den Gezeiten abhängig ist.  Interessant war auch das Texel nicht mit dem Landfrass durch das Meer zu kämpfen hat, sondern  das Gegenteil der Fall ist. Am südlichen Ende „wächst“ die Insel eher, da durch Strömung und Wind der Sand aufgehäuft wird.

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Durch und…

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

…an der Dünenlandschaft vorbei um…

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

…zum sogenannten „De Slufter“, einem Paradies für die Vogelwelt, zu gelangen!

Nach den vielen netten Informationen ging es weiter durch die Landschaft. Der nächste Stopp war direkt an Strand bei Paal 28, so heißen teilweise die Ausflugspunkte am endlosen Sandstrand. Dort konnte  ich bei schönem Wetter die rauhe Seeluft genießen! Die Strände schienen zu dieser Jahreszeit fast wie ausgestorben. Das empfand ich als sehr angenehm. Schön war’s.

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

An der rauhen See.

 Danach surrte das Rad erstmal östlich durch das Landesinnere. Die Fietspads machten das radeln hier sehr bequem. Durch kleine Sträucherheine und Baumalleen wurde dies zu einem Vergnügen. Schnell erreichte ich das Dörfchen De Cocksdorp mit seiner schönen kleinen Kirche und gelangte von dort direkt auf den asphaltierten Deich. Das Wattenmeer sah dort eigentlich gar nicht so danach aus. Teilweise war das Wasser eher türkisfarben. Also ein wenig untypisch. Doch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Man radelt dort ohne Abgrenzung auf dem Deich. Wenn man ausrutscht, rutscht man unweigerlich ins kühle Nass. Man sollte dort also nicht zu waghalsig fahren. Nach dem langen Stück, wieder südwärts,wo es ziemlich windgeschützt war, ging es dann auf der Landesinneren Seite weiter. Und sofort blies der Wind seinen rauhen Atem einem direkt ins Gesicht. Auch auf dem E-Bike musste man da doch ein wenig dagegen ankämpfen. Bald darauf ging es zwar wieder auf die andere Seite des Deiches, aber nur kurz. Denn dann ging es nun ins landwirtschaftliche Herz der Insel. Mittlerweile kamen rasch einige Regenwolken auf und der Himmel wirkte bedrohlich dunkel. Als die ersten Regentropfen kamen würde es Zeit eine Unterstellmöglichkeit zu finden.

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Unterstellen im Wartehäuschen.

Ein Bushaltestellenhäuschen schützte mich perfekt vor dem Regenschauer und nach einer halben Stunde war der Spuk auch schon wieder vorbei und ich konnte bei nur noch leichten Wolken weiter radeln. Es ging erst durch das richtig urige Örtchen Oosterend und seinen kleinen Gassen mit zwei, drei gemütlichen Restaurants und Kneipen. Ehe man sich versah war man schon wieder durch den Ort durch und befand sich auf asphaltierten Feldwegen wieder. Über das nun offene Land fegte der Wind nun kräftig und man musste schon ordentlich trampeln. Doch die gute Landluft tat den Lungen gut. Vorbei an Bauernhöfen, Feldern und Äckern ging es kreuz und quer durch die Landschaft. Nun wieder westwärts gewandt.

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Tolle Radwege im Inselinneren.

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

De Cocksdorp

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Am Deich bei De Cocksdorp.

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Direkt auf dem Deich und am Wattenmeer!

Den größten Ort der Insel Texel, Den Burg , links liegen lassend, kam ich der Dünenlandschaft der westlichen Seite wieder näher. Durch die Dünen, die zum Nationalpark gehören, windet sich der Radweg und ist wunderbar zu fahren. An vielen Stellen lohnt sich ein Halt um auf schmalen Pfaden auch etwas in dieser tollen Landschaft zu wandern!

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Unterwegs sind immer einige schöne Rastmöglichkeiten zu finden!

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Da kann man sich kaum entscheiden wo man halten soll!

Radfahren Texel Niederlande bikingtom

Zum Schluss der Tour ging es wieder durch den National Paark Duinen van Texel!

Danach war es auch nicht mehr weit bis De Koog. 44 sehenswerte Kilometer hatte ich auf dem Tacho! Noch rechtzeitig vor Ladenschluss könnte ich das E-Bike problemlos wieder abgeben! 20€ plus 50€ Kaution empfand ich als einen fairen Preis! Ein Tag und eine Tour, die sich wirklich gelohnt haben!

Hier der Link zur gpx-datei zum nachfahren der Route!

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TOUR: Halde Hoheward im Pott

 Das Dezember-Wetter in den letzten Tagen war ja eher Frühlingshaft. Bei Temperaturen im zweistelligen Bereich konnte ich der Verlockung nicht widerstehen, doch noch eine kleine Tour zu fahren. Dafür ist es einfach zu schön auf dem Fahrrad. Geplant hatte ich nichts konkretes, beim Blick auf die Karte war ich eher unschlüssig. Bis mir einfiel, das ich immer schon mal gerne AUF die Halde Hoheward, zwischen Herten und Recklinghausen gelegen, mit dem Rad wollte. Bisher hatte ich die Halde nur mal umrundet. Das sollte sich also nun mal schleunigst ändern.

 Vom beschaulichen Frintrop in Essen ging es zuerst in Richtung Rhein-Herne-Kanal, und von dort entlang des Emscher-Radwegs vorbei am Berne-Park in Bottrop. Trotz des schönen Wetters waren nicht allzu viel Menschen unterwegs. Das Rad rollte angenehm über den Kies.

Carbon Obelisk

Carbon Obelisk

 Es war die richtige Entscheidung gewesen sich in den Sattel zu schwingen. Ich durchfuhr ein kleines Wäldchen in der Welheimer Mark in Bottrop und kurz darauf kam ich in Essen-Karnap zu dem sogenannten „Carbon Obelisk“. Er wurde im Jahre 2010 zum Anlass der KULTURHAUPTSTADT EUROPAS 2010 von der amerikanischen Künstlerin Rita McBride errichtet, mit Bezug auf die alte Region, die heute so sehr im Wandel steht. Der Obelisk ist rund 14 Meter hoch.

 Kurz darauf erreichte ich den Nordsternpark in Gelsenkirchen und fuhr am Amphitheater vorbei, wo im Sommer tolle Konzerte und Musikfestivals ausgerichtet werden. Jetzt war hier gerade nicht viel los, nur ein paar vereinzelte Sparziergänger liefen durch den Park, der Spielplatz war auch verweist. Im Sommer ist es hier sonst oftmals überlaufen. Leider wurde der Weg nun für ein kleines Stück etwas holprig. Direkt am Kanal gelegen war der Radweg in keinem guten Zustand. Zum Glück aber nur für wenige hundert Meter. Aufpassen musste man hier aber dennoch gut!

Brücke im Nordsternpark

Brücke im Nordsternpark

 Besser wurde der Emscherradweg schon kurz darauf. Gut ausgeschildert mit netten Rastmöglichkeiten machte hier das Radfahren wieder richtig Laune. Wenn der feine Kies unter den Rädern knirscht ist das ein schönes Gefühl. Und so ging es auch schon weiter in Richtung Wanne.

Direkt an der Emscher

Direkt an der Emscher

Rastmöglichkeit am Emscherradweg.

Rastmöglichkeit am Emscherradweg.

 Ich musste nun auf einem Radweg entlang einer Hauptstraße abbiegen und kurz darauf kam ich auch schon zur Zeche Ewald, direkt an der Halde Hoheward gelegen. Die Zeche, errichtet im Jahre 1871 und geschlossen im Jahre 2000, ist ein beliebter Treffpunkt für Radfahrer aller Art, Veranstaltungsort und einen schönen Biergarten hat es dort auch. Der hatte sogar bei diesem Wetter auf und lud zur Einkehr ein. Doch erst wollte ich oben auf die Halde!

Angekommen an der Zeche Ewald

Angekommen an der Zeche Ewald

Rechts am Förderturm liegt der Biergarten der Zeche Ewald, links der Malakowturm von 1888!

 Ein asphaltierter Weg führte bis ganz nach oben auf die fast 153 Meter hohe Halde. Mit dem E-Bike war das kein Problem. Und die Auffahrt hatte sich direkt gelohnt, auch mit einem herkömmlichen Rad wäre es die Mühe definitiv wert gewesen!  Ein atemberaubender Blick über das Ruhrgebiet wird  einem geboten! Der Wind haute mir hier oben zwar um die Ohren, aber das war mir in dem Moment nicht wichtig. Die Konstruktion des Horizontobservatorium war selber abgesperrt. Im sogenannten Äquatorialbogen wurden kurz nach Eröffnung im Dezember 2008 Risse festgestellt und seitdem gibt es einen heftigen Rechtsstreit wegen diesem Mangel und man weiß bis jetzt immer noch nicht wann das Forum innerhalb des Observatorium wieder zugänglich sein wird. Schade. Nichtsdestotrotz  ist diese, an das legendäre Stonehenge in England und den prähistorischen Steinkreisen angelehnte Konstrukt beeindruckend.

Auffahrt auf die Halde

Auffahrt auf die Halde

Beeindruckend

Beeindruckend

Blick über das Ruhrgebiet

Blick über das Ruhrgebiet

Das Observatorium

An einem anderen Teil der Halde steht ein weiterer Obelisk, diesmal dient er als Sonnenuhr! Er ist neun Meter hoch und man kann mit etwas Hilfe von den Infotafeln konkret die Zeit wie in der Antike messen! Tolle Sache. Und so fuhr ich bei heftigen Wind über das Plateau und genoss die Aussicht. Auf und entlang der Halde gibt es aber noch mehr Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel die Drachenbrücke oder die verschiedenen „Balkone“ entlang der Ring- oder Balkonpromenade. Wie bereits erwähnt, kann man alternativ zu meiner Route auch die Halde komplett umfahren. Auch dies bietet sich für alle Interessierten an, es lohnt sich.  Man kann hier also wirklich eine Menge Zeit verbringen! Doch bald darauf wurde es auch Zeit weiter zu radeln. Runter von Halde und ein kurzes Stück den gleichen Weg zurück, den ich auch gekommen war.

Typische Ruhrpottbude und im Hintergrund der Malakowturm der Zeche „unser Fritz“.

 Eine weitere Zechenansiedlung lag nun auf meinen Weg. Die Zeche „Unser Fritz 2/3″ aus dem Jahre 1871. Heute ist das Zechengebäude ein Künstler-Atelierhaus und es finden dort auch Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Es ist ein relativ unscheinbares Gelände, doch nett hergerichtet. Einen Ausflug lohnt sich auch hierhin. Nicht weit von hier steht auch der Malakowturm, der weithin immer noch sichtbar ist.

 Doch es sollte an diesem Tag nicht die letzte Zeche auf meinem Weg gewesen sein. Nachdem ich die bekannte Erzbahn-Trasse überquerte, gelangte ich auf eine weitere, relativ kurze, alte Bahntrasse und kam so zur ehemaligen Zeche „Consol“ oder auch „Consolidation“ genannt. Gelegen im Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck hat diese ehemalige Zeche auch eine lange Geschichte die sich zurück bis ins Jahr 1848 verfolgen lässt. Die Förderung wurde im Jahre 1993 aufgegeben. Heute, wie so oft, wird das Gelände unter dem Namen „Consol-Park“ für kulturelle Anlässe genutzt ( u.a. Consol-Theater), bietet aber auch ein Multifunktionssportplatz und eine Trendsportanlage.

Alte Bahntrasse in Richtung...

Alte Bahntrasse (links) in Richtung…

...Zeche „Consol

 Ein Stück weiter, vorbei am Bulmker Park, gelangte ich nun direkt in die Stadtmitte von Gelsenkirchen. Unter der Woche wäre die Fußgängerzone wahrscheinlich voller, doch an diesem Tag war nicht viel los. Einige Cafés hatten geöffnet, nur wenige Menschen waren unterwegs. Doch ich radelte weiter in Richtung Stadtgarten und Revierpark Nienhausen. Und wo sollte ich kurz darauf schon hinkommen? Natürlich zur letzten Zechen-Station an diesem Tag. Schon mehrmals drüber berichtet, deshalb hier auch nur kurz erwähnt: das Weltkulturerbe der UNESCO, Zeche Zollverein. Für alle Interessierten hier also nochmals ein Link zu wohl einer der schönsten Zechenanlagen.

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Auf einem Pfad hinter dem Gerätehaus der Feuerwehr Essen-Stoppenberg.

 Durch einige verschlungene Pfade in Essen-Stoppenberg gelangte ich dann wieder zum Essener Uni-Viertel und auf die Rheinische Bahntrasse, meiner Haus- und Hofstrecke von und zur Arbeitsstelle. Am See des Krupp-Parks waren einige Leute versammelt, die ihre ferngesteuerten Boote dort fahren ließen. Groß und Klein unter den Zuschauern hatten große Augen und beobachteten glückselig die durch das Wasser pflügenden Schiffs-Modelle.

 Langsam nahm die Tour nun auch ihr Ende. Etwas über 60 Kilometer standen auf meinem Tacho. Jeder Meter davon war es heute wert gewesen. Einen bunten Querschnitt des Ruhrgebiets habe ich so wieder kennengelernt bzw. vertieft. Am Wegesrand gab es wieder so viel zu sehen und entdecken. Es macht einfach Spaß, auch in einem Ballungsraum wie das Ruhrgebiet, auf Entdeckungstour zu gehen.

Den passenden gpx-track findet ihr hier an dieser Stelle. Einfach diesen Link anklicken.

 Zum Schluss hier noch ein paar kurze Infos zur Tour. Es erwarten euch rund 340 Höhenmeter, die meisten davon natürlich an der Halde. Die Strecke ist rund 65 Kilometer lang, normalerweise von den meisten Leuten zu schaffen, die ein wenig Kondition haben. Außerdem gibt es überall Möglichkeiten interessante Stopps einzulegen und dort auch neue Kraft zu tanken.

Viel Spaß beim Nachfahren!

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TOUR: Rund um Solingen

 Dieses mal hat es mich und mein Rad ins Bergische Land gezogen. Nach vielen Tagen mit Regen hatte der Himmel endlich mal aufgeklart. So tat es richtig gut sich mal wieder ein wenig zu bewegen. Die Tour rund um Solingen hatte ich schon vor einigen Monaten geplant, aber erst jetzt passte alles zusammen.

Wasserburg Haus Graven

Wasserburg Haus Graven

 Startpunkt war in der Nähe von Wiescheid, Stadtteil von Langenfeld. Ein ganz kurzes Stück entlang der Bundesstraße und schon war ich in der Natur. Vorbei an der Wasserburg Haus Graven. Das heutige Aussehen der Burg, die an drei Seiten von Wasser umgeben ist, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Über ruhige Nebenstraßen kam ich so mit dem Rad in das Naturschutzgebiet Ohligser Heide, das rund 150 Hektar groß ist und auf dem es unter anderem Eichen- und Birkenwälder sowie einen Heideweiher gibt.

Naturschutzgebiet Ohligser Heide

Naturschutzgebiet Ohligser Heide

 Kurz darauf kam ich auch schon am Solinger Vogel- und Tierpark vorbei. Die Vögel konnte man gut an der Straße neben dem anliegenden Waldfriedhof hören!

 Leicht hügelig und stetig empor ging es nun die Straße entlang, die einen ausgezeichneten Fahrradstreifen mit viel Platz bot! Oben angekommen führte mein Weg mich kurz über die Hauptstraße um links abzubiegen. Zu meiner Linken war der Solinger Hauptbahnhof zu sehen, kurz darauf bog ich in den Grüngürtel am Lochbach ab und kam an der Poschheider Mühle vorbei. Das erste mal schriftlich erwähnt wurde sie gegen Ende des 17. Jahrhunderts und hat in all den Jahrhunderten einiges erlebt.

Die Poschheider Mühle.

Die Poschheider Mühle. Vorne der „Neubau“ von 1941 mit der Inschrift, hinten die wesentlich älteren Gebäude.

 Den Weg leicht ansteigend radelte ich nun oberhalb des Lochbachs durch ein schönes Wäldchen. Die Sonnenstrahlen ließen die rot-braunen Blätter in prächtigen Farben leuchten. Leichtes rascheln unter den Reifen hörte sich an wie eine Symphonie der Sinne. Das Radfahren machte mal wieder richtig Spaß! Auch wenn sehr viele Leute, teils mit ihren Hunden, spazieren gingen. Das sollte an diesen Tag überall der Fall sein. Kein Wunder nach den ganzen trüben Tagen.

Oberhalb im Wäldchen am Lochbach.

Oberhalb im Wäldchen am Lochbach. Da macht Radfahren Laune!

Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg!

Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg!

 Doch irgendwann kam dann doch wieder eine Straße. Kurz bevor ich auf die „Korkenzieher-Trasse“ traf, kam ich an der Jugendhilfe Werkstatt vorbei. Die tollen Metallfiguren auf der Mauer fielen mir direkt auf, besonders der große „Don Quichotte“. Prima Handwerkskunst, alle Achtung!

Kunst an der Jugendhilfe-Werkstatt!

Kunst an der Jugendhilfe Werkstatt!

 Als nächstes fand ich mich auf der besagten Trasse wieder, in Höhe des botanischen Gartens wieder. Der Name „Korkenzieher“ führt wohl auf die gewundene Wegführung durch Stadt zurück. Eröffnet wurde die Bahnstrecke  im Jahre 1887, das letzte Stück wurde 1995 wieder geschlossen. Direkt am Rande der Trasse waren zahlreiche Tafeln von Amnesty International angebracht, die auf unsere Menschenrechte aufmerksam machen sollen.

Wunderschöner Blick ins Bergische.

Wunderschöner Blick ins Bergische.

 Die Trasse war wunderbar zu fahren. Eine prima Asphaltdecke ließ das Rad leicht rollen. Am Rande der Stadt, auf Höhe der Schelerstraße, hatte ich einen schönen Ausblick in das Bergische Land mit seinen Hügeln, Feldern und Wäldchen.

Leider mittlerweile geschlossenes Trassencafé direkt an der Korkenzieher-Trasse.

Leider mittlerweile geschlossenes Trassencafé direkt an der Korkenzieher-Trasse.

Auf der Korkenzieher-Trasse.

Auf der Korkenzieher-Trasse.

 Vorbei an den beiden Waggons des ehemaligen Trassencafés, das leider dieses Jahr geschlossen wurde, ging es weiter bis nach Gräfrath. Dort verließ ich die Trasse wieder um durch die Altstadt mit dem Kopfsteinpflaster zu radeln. Ein schöner Marktplatz mit Café und der Kirche St. Mariä Himmelfahrt oberhalb am Berg lagen vor mir. Die Häuser mit all ihren mit Schiefertafeln verkleideten Mauern boten ein prächtiges Bild. Es war leider nur zu kalt um draußen an einen Tisch diesen Anblick zu genießen. So radelte ich weiter, durch wenig befahrene Nebenstraßen,  um dann abzubiegen in Richtung Kohlfuhrt und der Wupper. Teils rasant und steil ging es nun bergab zum Fluss. Bewaldete Hänge links und rechts. Ich überquerte die alte Kohlfurther Brücke mit ihren zwei Stahlbögen aus dem Jahre 1893. Doch schon rund 500 (!) Jahre früher gab es an dieser Stelle eine hölzerne Brücke und später eine aus Stein. Sie diente als Verbindung von Solingen nach Cronenberg.

Altstadt von Gräfrath.

Altstadt von Gräfrath.

Die alte Kohlfurther Brücke über die Wupper.

Die alte Kohlfurther Brücke über die Wupper.

 Von hier aus ging es auf dem Radweg ein paar wenige Kilometer entlang der Hauptstraße. Nächster Stopp: die Müngstener Brücke. Eine imposante Eisenbahnbrücke aus Stahl mit einer Höhe von 107 Metern, die die Wupper und das Müngstener Tal überspannt. Im Jahre 1897 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Remscheid und Solingen eröffnet und verkürzte den Weg zwischen den Städten von 44 km auf nur noch 8! Unter den rund 935.000 Nieten die die Brücke zusammenhalten soll angeblich auch eine einzige Goldene sein. Doch bisher wurde sie nicht gefunden.

Die Müngstener Brücke hoch über der Wupper.

 Seit 2006 gibt es unterhalb der Brücke den sogenannten Brückenpark mit netten Verweilmöglichkeiten, Restaurant, Minigolf-Anlage und ein paar Buden, an denen es zum Beispiel leckere frische Waffeln gibt.

Außerdem gibt es eine Schwebefähre über die Wupper. Auch für Radfahrer gedacht. Doch an einem Wochenende wie diesem sind da viele Menschen unterwegs und man muss doch recht lange auf die Überquermöglichkeit warten.  Deshalb machte ich kehrt, denn nur einen Katzensprung, am Anfang des Brückenparks, geht ganz normal eine Brücke über die Wupper. Keine lange Wartezeit. Auf der anderen Seite ging es nun bergauf, ein kurzes Stück eher auf MTB-Terrain mit einem breiten Schotterweg und vielen Wurzeln. Doch mit dem E-Bike war auch dieses Stück befahrbar. Wer Schwierigkeiten mit so einem Gelände hat, der sollte den Abzweig links neben, der nur eine kurzen Umweg darstellt. Leicht steigend, unter einem schönen Blätterdach, ging es den Weg weiter, direkt unter einem Teil der Müngstener Brücke vorbei. Momentan wird die Brücke restauriert, so das dort noch eine Baustelle ist. Doch für Radfahrer und Spaziergänger ist genug Platz vorhanden.

Direkt unter der Müngstener Brücke.

Direkt unter der Müngstener Brücke.

 An den Hängen oberhalb der Wupper entlang radelte ich durch den Wald, saugte die frische Luft ein. Oftmals musste ich klingeln, denn viele Spaziergänger waren ebenfalls auf diesen schönen Weg unterwegs. Ich bedankte mich jedes mal beim vorbei radeln, die Leute nahmen das freundlich zur Kenntnis. So sollte das immer sein.

Farbenprächtiger Weg direkt am Ufer der Wupper.

Farbenprächtiger Weg direkt am Ufer der Wupper.

 Nun kam der Fluss wieder näher und ich konnte in ein paar Sonnenstrahlen am Ufer der Wupper eine kleine Pause machen. Danach ging es mal rechts, mal links entlang des dahinfließenden Stroms. Eine Schleifmühle lag am Wegesrand, die auch als Museum dient und die alte Handwerkskunst des Schwerterschmiedens zeigt.

Schleifmühle

Schleifmühle

 Das Wetter wurde nun leider etwas grauer, leichter Nieselregen war für den Spätnachmittag angesagt. Die Vorboten zeigten sich durch die graue und tristen Wolkendecke am Himmel. Doch das tat meiner Laune keinen Abbruch. Leicht irritiert war ich, als mir mitten im Wald ein Mann entgegenkam, der ein Lama an der Leine ausführte. Schmunzelnd radelte ich an den beiden „Gestalten“ vorbei und kam bald darauf am sogenannten Haus Fähr vorbei, einem schönen Ausflugslokal, direkt an der Wupper gelegen. Am Wegesrand lagen in der Tat einige Ausflugslokale, die auch für einen kurzen Stopp einluden.

Verschlungener Baumstamm

Verschlungener Baumstamm

Alter Gutshof

 Die Waldwege verließ ich nun, vor mir lagen nun einige Felder, der Weg war flach, die Hügel hatten sich etwas zurückgezogen. Ein altes und schönes Gehöft mit einem Turmartigen Eingang wie bei einem Schloss passierte ich und war kurz darauf auch schon am Ende der meiner Tour angelangt. Auch wenn so viele Leute an diesem Tag unterwegs waren, war es trotzdem eine wunderbare Tour! Die Gegend lohnt sich per Fahrrad zu erkunden. Ein solides Trekkingrad, MTB oder E-Bike sollte man schon einsetzen. Und weil es so schön war könnt ihr HIER DEN GPX-FILE für eure eigene Tour herunterladen, falls ihr nun Lust bekommen habt! Es erwarten euch 51 Kilometer mit rund 850 Höhenmetern. Viel Spaß!

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TOUR: Auf dem Fietssnelweg F35 & die Region Twente/NL

 Bei dieser Tour wollte ich zwei Dinge miteinander verbinden. Der Fietssnelweg F35 hat genauso eine Vorbildfunktion in den Niederlanden wie hierzulande der Radschnellweg RS1, der einmal das gesamte Ruhrgebiet durchqueren soll. Die „holländische“ Version soll von Enschede bis Almelo und von dort mit Abzweigung nach Vriezenveen bzw. Nijverdal führen.  Das wollte ich mir also unbedingt  einmal ansehen. Außerdem wollte ich auch gerne die Region Twente beradeln, von der ich schon einiges gelesen hatte. So ging es dann bei besten Wetter mit strahlend blauen Himmel los.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Der Tau ist noch auf den Wiesen früh Morgens.

 Startpunkt war der Ort Epe bei Groningen,  kurz vor der niederländischen Grenze. Der Morgentau auf den Weiden in dieser ländlichen Idylle glänzte im Sonnenschein, die Luft war zu dieser Tageszeit noch recht frisch. Mein erstes Ziel für diesen Tag war Enschede in den Niederlanden, dort wo der F35 in der Nähe des Bahnhofs beginnt. Ich bahnte mir den Weg entlang von Feldern und Weiden bevor ich – schwupps – auch schon über der Grenze kam und entlang von Glanerbrug Richtung Enschede radelte. So als ob jemand den Schalter umgelegt hätte, so war da plötzlich eine wunderbare Radverkehrsinfrastruktur vor mir. Mal wieder staunend radelte ich über Straßen mit breit markierten Radwegen und fahrradfreundlichen Ampeln. Teilweise empfand ich zum Beispiel die Radwegführung an Straßeneinmündungen und größeren Kreuzungen – positiv gesehen – als ein wenig schwieriger  zu verstehen, weil ich solche tollen Konzepte in Deutschland bisher nicht erlebt habe. Doch es ist im Grunde ganz simpel und nach ein paar Minuten in diesen „Straßengewirr“ fällt es einem ebenfalls sehr leicht sich dort zurechtzufinden.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Einstieg in den F35 in Enschede

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Start

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Das Logo des Fietssnelweg.

 Vorbei am Zentrum von Enschede mit seinen vielen Geschäften und Cafés und dem nahegelegenen Hauptbahnhof fand ich dann ohne Probleme den Anfang des Fietssnelweg F35. Ein roter Asphaltteppich empfing mich und mein Fahrrad. Der Radschnellweg führt parallel entlang der Eisenbahnlinie. Er ist wie bei einer Straße mit weißen, kurzen Linien in der Mitte markiert und hat eine Breite von 4 Metern. Also ausreichend Platz für Radfahrer. Ein Genuss dort mit dem Rad zu fahren. Doch schon nach relativ wenigen Metern erreichte ich auch schon das Ende des ersten Abschnitts, denn der Fietssnelweg ist leider noch nicht durchgängig befahrbar. Doch es wird ernsthaft daran geschraubt und gebaut.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Am Ende des ersten Abschnitts.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Umleitungsschild des F35

 Um auf den nächsten Abschnitt zu gelangen waren meist vorbildlich angebrachte Umleitungsschilder installiert, denen leicht zu folgen war. Die Umleitungen führten selbstverständlich über vorhandene Radwege.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Am Stadion vom FC Twente

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Optimal um das Stadion mit dem Rad zu erreichen.

 Am Stadion des FC Twente ging es dann wieder weiter auf dem F35. Über dem großzügig gestalteten Vorplatz und unter der Unterführung der Bahnlinie gelangte ich rechts ohne Probleme wieder auf dem Radweg. Die Anreise für sämtliche Fußballfans mit dem Fahrrad und der Bahn ist hier äußerst günstig gestaltet, denn hier wurde natürlich auch ordentlich Platz geschaffen um Fahrräder gut abstellen zu können. Das hat mir sehr gut gefallen. Unweit des Stadions sind außerdem die Universität von Twente,  eine Eisbahn sowie ein Shopping-Center beheimatet. Auch deshalb ist die Lage und die Führung des F35 hier optimal!

Ein Seitengleis ohne Drängelgitter überqueren

Ein Seitengleis ohne Drängelgitter überqueren

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

In Richtung Hengelo.

 Kurz darauf kam ich dann nach Hengelo, wo man den Radschnellweg wieder verlassen und durch die Innenstadt radeln muss. Doch kurz darauf erreichte ich den nächsten Abschnitt des ehrgeizigen Projekts. Weiter entlang der Bahnlinie und vorbei an einem Klärwerk mit seinen Faultürmen kam ich dann zu einer sehr sehenswerten Brücke mit einer sehr gelungen Unterführung. Am besten sieht man das auf dem Foto. Gestalterisch erste Sahne und absolut vorbildlich für Radfahrer.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Gelungene Streckenführung unter der Brücke hindurch.

 Leider hörte dort bei Borne aber der F35 bereits wieder auf und so musste ich wieder durch die nette Innenstadt dieses Dörfchens mit seiner schönen Kirche. Danach empfingen mich wieder Felder und Wiesen, von Autoverkehr nichts mehr zu spüren. Die Bahnlinie war unweit entfernt, doch der jetzt kommende Teil des Radschnellwegs war noch nicht fertig. Lediglich die rote Asphaltschicht war auf einem kleinen Stück aufgetragen, die Markierungen fehlten. Nach nur wenigen Metern endete dieser Teil des F35 vor einem Maisfeld. Bis Almelo geht der Radweg selber also noch nicht. Nur ein winziges Teilstück in Almelo selber existiert bereits. Bis dort fuhr ich aber dann nicht mehr, ich drehte vor dem Maisfeld um und begab mich nun auf den Rückweg. Allerdings jetzt durch die freie Natur, nicht mehr am Fietssnelweg gebunden.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Außnahmsweise mal eine Straße überqueren.

 Mein Fazit bis hier hin und zu diesem Radschnellweg: es bleibt noch viel Arbeit zu tun. Doch die bereits fertigen Abschnitte sind vorbildlich gestaltet und sind einfach ideal für die allermeisten Pendler in der Region. Der Einzugsbereich der möglichen Pendler ist immens. Bequem kann man zügig seine Ziele in der Region erreichen und erleichtert das Umsteigen vom Auto auf das Fahrrad ungemein. In den Niederlanden gewohnheitsmäßig eh noch mehr als bei uns in Deutschland. Deutlich hebt sich der Fietssnelweg aus der Umgebung ab. Sein blau-weißes Symbol ist auffällig und an einigen Stellen auch auf dem roten Belag aufgetragen. Das ganze ist ein überaus ehrgeiziges Projekt, an dem noch viel getan werden muss. Tatsache ist aber, das die Niederlande und hier die Region Twente auch im Stande ist ein solches Projekt in die Tat umzusetzen! Die Erkenntnisse die bei diesem Projekt gewonnen werden, könnten auch beim Radschnellweg RS1 im Ruhrgebiet oder aber auch neuerdings in Berlin und vielen weiteren Städten ungemein helfen!

Hier einmal der Link zur offiziellen Seite des Fietssnelweg F35!

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Entlang der Bahnlinie.

Fietssnelweg Radschnellweg Niederlande bikingtom

Hier endet der Radschnellweg vor einem Maisfeld.

 Nun ging es über einsame und wunderbare Wege, vorbei an Feldern und Weiden. Auf den Wiesen lag frisch gemähtes Gras und wartete nur darauf von der Ballenpresse aufgesammelt zu werden. Ein kurzes Stück der Twickelervaart entlang kam ich zu einer kleinen, aber feinen Brücke, die aussah als ob sie aus einem Teil der Herr der Ringe-Filme entsprungen war. Ein Steg führte auf der anderen Seite in eine Moorlandschaft. Für Fahrräder allerdings nicht gedacht, entschloss ich mich nach einem Blick auf die Karte das Rad dort zu schieben, denn der Weg durch das Moor führte mich unweit wieder auf eine Straße. Ein sehr beschaulicher und schöner Ort um einmal richtig die Ruhe in der Natur zu genießen. Und das bei dem tollen Sonnenschein!

Radtour Niederlande bikingtom

Schöne Natur

Radtour Niederlande bikingtom

Wunderschön gelegen.

 Von der anderen Seite erreichte ich schnell wieder meine Ursprüngliche Route. Vorbei an der schönen und sehr alten  „Watermoolen Noordmolen“ die zu einer Rast einlädt ging es ein ganzes Stück durch die Wälder bis ich zum Twentekanaal kam. Das Ufer mit Schilf bewachsen, radelte ich dort einige Meter entlang, überquerte den Kanal über eine schmale Brücke und radelte weiter durch Feld, Wald und Wiese. Gerade die einsamen Wiesen hatten es mir bei dem Sonnenschein angetan und so machte ich eine kleine Pause und lag genüsslich in der warmen Herbstsonne. Herrlich!

Radtour Niederlande bikingtom

Am Twentekanaal.

Radtour Niederlande bikingtom

Wassermühle.

Radtour Niederlande bikingtom

Päuschen in der warmen Herbstsonne.

Durch Felder und Wiesen

Durch Felder und Wälder

 Voller Glücksgefühle fuhr ich weiter. Eine schöne Wasser-Mühle auf dem Weg durch die Weiden war auch „De Oldemeule“ mit einer alten einsamen Eiche davor. Ich bewegte mein Rad aber weiter. Ich passierte eine kleine Gedenkstätte eines abgestürzten Jagdgflugzeugs aus dem zweiten Weltkriegs, welche mit frischen Blumen und Wimpeln der Alliierten geschmückt war und kam in den schönen Ort Boekelo. Dort fuhr am Bahnsteig gerade eine alte Museumseisenbahn ein, an der einige alte Personenwaggons angekoppelt waren. Ein sehr schöner Anblick. Genau wie die Brauerei von Grolsch, die ebenfalls am Wegesrand lag.

Radtour Niederlande bikingtom

„De Olde Meule“

Radtour Niederlande bikingtom

Gedenkstätte.

Den Vororten von Enschede entlang radelte ich wieder in Richtung Grenze zu Deutschland. Die schöne Radinfrastruktur wurde auf heimatlicher Seite der Grenze nach und nach immer spartanischer. Ein kurzes Stück an der Bundestrasse B70 entlang stand dann dort ein kleiner Aussichtsturm, der einen Blick in die Landschaft des Hündfeldermoor/Amtsvenn erlaubt. Graugänse lagen dort versteckt im hohen Gras und warteten wohl auf den Aufbruch in wärmere Gefilde.

Radtour Niederlande bikingtom

Museumszug in Boekelo.

Radtour Niederlande bikingtom

Wieder heimwärts.

Radtour Niederlande bikingtom

Schmaler und versteckter Radweg.

Radtour Niederlande bikingtom

Blick in das Amtsvenn.

 Durch teilweise schmale Pfade, aber offiziellen Radwegen erreichte ich so nach knapp 85 Kilometern meinen Ausgangspunkt in Epe. Ein aufregender und schöner Radtag ging zu Ende.

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TOUR: Im grünen Pott

Bei der Vorstellung wie es im Ruhrgebiet aussieht gehen die Meinungen manchmal immer noch weit auseinander. Von Rußgeschwärzt bis tiefgrün. Und davon trifft dann auch eher letzteres zu. Im Ranking der grünsten Städte liegt meine Stadt Essen aktuell auf Platz 3. Gelsenkirchen, durch die diese Tour ebenfalls führt, liegt auch schon auf Platz 8. Und Essen hat sogar die Wahl zur Grünen Hauptstadt 2017 gewonnen! Das also nur mal so am Rande. Und wie schön es im Pott sein kann, möchte ich euch halt auf dieser Tour mal wieder vor Augen führen. Und damit ihr euch ebenfalls bei Gelegenheit mal selber ein Bild machen könnt, findet ihr am Ende des Berichts den Link zur passenden GPX-Datei für euer Navi.

Es wird grün an der Emscher...

Es wird grün an der Emscher…

 Start der Tour ist im Essener Stadtteil Frintrop, der noch immer ein wenig den Charme eines Dorfes versprüht. Von dort geht es erst einmal den Donnerberg hinunter in Richtung Dellwig, vorbei an Feldern und Pferdekoppeln. Und  – schwupps – sind wir auch schon am Rhein-Herne-Kanal, überqueren ihn und folgen dem Wasser entlang des Kanals in Richtung Osten. Viele Binnenschiffe befahren den Kanal und haben von Erdgas bis Kies so ziemlich alles geladen. Kurz darauf erreichen wir auch schon den Berne-Park in Bottrop. Jahrzehntelang wurden hier Abwässer geklärt, heute sind in den Becken verschiedene Pflanzenarten angepflanzt, im ehemaligen Maschinenhaus befindet sich eine Gastronomie, einen schönen Spielplatz für die Kleinen gibt es auch und ihn Betonröhren ist es sogar möglich zu übernachten! Für Radler auf Tour bestimmt mal was sehr Außergewöhnliches.

Am Rhein-Herne-Kanal

Am Rhein-Herne-Kanal

Der Berne-Park

Der Berne-Park (Foto von 2014)

 Weiter geht es ein Stück entlang des Emscher-Radwegs und dem gleichnamigen Flusses, der als Kloake in einem Betonbett gepfercht wurde, aber mittlerweile mit enormen finanziellen Aufwand wieder renaturiert wird. Wir unterqueren die Autobahn A42, eine der Auto-Hauptrouten durch’s Ruhrgebiet. Unter der Brücke gibt es die „Emschergalerie“, wo Kinder einer Grundschule in Bottrop-Ebel mit kleinen Figuren ihren Lebenstraum inszenierten und Fotos machten. Diese hängen nun plakativ dort an der Wand und sind wirklich entzückend gemacht.

Galerie unter der A42

Galerie unter der A42

Zwischen Emscher und Autobahn

Zwischen Emscher und Autobahn

 Zwischen Autobahn und Emscher gelangt man mit dem Rad dann in den Bottroper Stadtteil Welheimer Mark und kurz darauf kann man einen Blick auf das Klärwerk Bottrop mit seinen vielen verschiedenen Becken werfen. Es riecht gar nicht so streng dort wie man eventuell meint. Wir überqueren schnell die immer verkehrsinfarktgefährdete B224 sicher über die Ampel und gelangen so flugs wieder nach Essen in den Stadtteil Kanarp und erreichen kurz darauf auch schon wieder den Rhein-Herne-Kanal. Vorbei am dortigen Emscher-Park kommen wir dann auch zügig mit unseren Drahteseln in den Gelsenkirchener Nordsternpark, dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern. Dort gibt es viel zu sehen. Unter anderem einen Bergbaustollen, einen Aussichtshügel, die ehemalige Kohlenmischanlage, die Besucherterasse auf dem neuen Erschließungsturm in luftiger Höhe mit seiner imposanten Herkules-Statue des Künstlers Markus Lüpertz und natürlich schönem Biergarten und einem tollen Wasser-Spielplatz. Und viele weitere Dinge die zum verweilen lohnen.

Der Nordsternpark vorraus

Der Nordsternpark vorraus

 Der Radweg führt nun weiter entlang des Kanals. Ein kurzes Stück wird der Weg zwar etwas ruckelig, aber schon bald erreichen wir einen kleinen aber schön gemachten Ausflugspunkt, den Hafen Graf Bismarck. Kein Hafen im herkömmlichen Sinne, sondern ein kleines Becken, an dem eine Promenade errichetet wurde und wo schattenspendene Bäume zur Pause einladen. Außerdem ist die dortige Brücke über das Becken sehenswert, die Ausblick über das neue Hafenviertel bietet.

Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal

Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal

Am Gelsenkirchener Hafen Graf Bismarck

Am Gelsenkirchener Hafen Graf Bismarck

 Rauf auf das Fahrrad und kurze Zeit später heißt es auch schon wieder runter vom Sattel, wenn man denn in die ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen möchte. Für diesen schön gestalteten Zoo mit seinen vielen Innen- und Außenbereichen kann man schon mal einen ganzen Tag brauchen um sich alles anzusehen. Auf dem Rad umrundet man den Park halb. Am Kanal erreicht man dann direkt die Erzbahntrasse, dessen markantes Zeichen hier die Brücke Grimberger Sichel in selbiger Form bildet. Die Trasse führt direkt entlang der Erlebniswelt und ist wunderbar zu radeln. Wenn man bis zu ihrem Ende radeln würde, würde man an der bekannten Bochumer Jahrhunderthalle auskommen.

Brücke Grimberger Sichel

Brücke Grimberger Sichel

Auf der Erzbahn-Trasse durch's oder hier besser über's Grün!

Auf der Erzbahn-Trasse durch’s oder hier besser über’s Grün!

Doch nach ein paar Kilometern gelangen wir zu der Abzweigung des Radweges Krayer-Wanner-Bahn. Und genau an dortiger Stelle gibt es mittlerweile die zum Kulturgut erhobene Radstation Erzbahn-Bude. Dort kann man mit vielen anderen Radlern ein frisches Blondes trinken oder eine Frikadelle futtern und bei Sonnenschein gemütlich den anderen vorbeifahrenden Radfahrern zuschauen. Auch bei kleineren Pannen wird einem hier schnell geholfen. Ein Stopp ist dort einfach ein „Muss“! Zwar von einem „Nordlicht“ betrieben, aber ein richtig echtes Stück Ruhrpott und nicht mehr wegzudenken.

Die Erzbahn-Bude. Kult.

Die Erzbahn-Bude. Kult.

Dem Radweg der Krayer-Wanner-Bahn nun folgend geht es auf prima Aspahlt zügig dahin. Entspannt kann man hier die Kurbel treten. Heftiger kann es werden, wenn man die direkt am Radweg liegende Halde Rheinelbe mit der sogenannten Himmelstreppe hochfahren möchte um die tolle Aussicht über das Ruhrgebiet zu genießen. Egal ob mit dem E-Bike oder dem MTB, eine Auffahrt lohnt sich allemal.

Die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe

Die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe

Und wenn man das geschafft hat, kann man sich auf einen Kaffee auch beim nahegelegenen Bauernhof am Mechtenberg freuen. Dort gibt es aber auch einen kleinen Hofladen wo man Eier, Kartoffeln, Milch und frische Wurst bekommen kann. Kinder freuen sich auf den kleinen Streichelzoo oder das spielen in den Heuballen.

Ein weiterer möglicher Stopp liegt ein kleines Stück weiter entlang der Trasse, nämlich Zeche 3/7/10.  Zugehörig zum nahegelegenen Welterbe Zeche Zollverein beherbergt diese nette Örtlichkeit die Ausstellung „Phänomalia Erfahrungsfeld“, man kann dort Räumlichkeiten für verschiedene Veranstaltungen mieten und der Biergarten unter dem begehbaren (!) Förderturm lockt uns Radler natürlich mit seinen Hopfengetränken.

Förderturm

Förderturm der Zeche 3/7/10

Wie bereits erwähnt liegt in kurzer Distanz dann das UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein vor uns. Das riesige Gelände zu erkunden kann ebenfalls mal locker einen Tag beanspruchen. Soviel gibt es dort zu sehen. Und es ist wirklich interessant dort mal eine Führung mitzumachen! Unser Radweg führt uns dort vorbei an Zeche Zollverein 1/2/8 und auf die Ringpromenade entlang der Kokerei Zollverein. Das Gelände ist in der Tat außergewöhnlich und lohnt für viele Stopps.

Trasse der Krayer-Wanner-Bahn

Trasse der Krayer-Wanner-Bahn

Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes.

Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes. Hier der Förderturm der Zeche 1/2/8

Nun gelangen wir schon durch ein paar ruhigen Nebenstraßen und einem Grüngürtel fast in der Innenstadt von Essen. An der Universität Duisburg-Essen kommen wir am neuen Universitätsviertel Grüne Mitte Essen vorbei, einem Vorzeigeprojekt der Stadt. Hier entstehen moderne Wohnungen und ein gut besuchter Grüngürtel direkt in der Stadtmitte und Uni gelegen. Der zukünftige Radschnellweg RS1, der einmal die Städte von Duisburg bis Hamm auf rund 100 Kilometern verbinden soll, endet hier bisher von Mülheim kommend.

Kurz vor Sonnenaufgang am Niederfeldsee - Juni 2015

Blick früh Morgens über den Niederfeldsee mit dem RS1

Und genau auf diesen, ebenfalls als Vorzeigeprojekt der Region geltenden Radschnellwegs, machen wir uns auf um auf der Trasse der ehemaligen Rheinischen Bahn die Kette surren zu lassen. Vorbei am Thyssen-Kruppschen Hauptquartier und em atttraktiven Krupp-Park  gelangen wir zu einem weiteren Neubaugebiet am Niederfeldsee. Dort wurden attraktive Wohnungen „am Wasser“ gebaut und der Stadtteil Altendorf in Essen somit enorm aufgewertet. Mittlerweile ist das dort ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt geworden. Bei einem kurzen Päuschen kann sich mal einen kleinen Eindruck des Areals verschaffen.

Auf der Tal-Route (Frühling 2015)

Auf der Tal-Route (Frühling 2015)

Der Trasse der Rheinischen Bahn folgend gelangen wir nach ein paar Kilometern an die Grenze zu Mülheim. Dort verlassen wir den wunderbaren neuen Asphalt und widmen uns nun der sogenannten Tal-Route zu. Wir passieren die Naturschutzgebiete Kamptal und Winkhauser Tal, überqueren nach einigen ruhigen Nebenstraßen die Hauptverkehrsader Aktienstraße und gelangen so sicher in eine weitere grüne Lunge mit Feldern, Wald und Wiesen – dem Naturschutzgebiet Hexbachtal. Das das Gebiet nichts mit Hexen zu tun hat und Bürger manchmal doch einiges erreichen können, könnt ihr in dem Link nachlesen.

Hier kann man frische Luft einatmen und man denkt man ist überall – nur nicht im Ruhrgebiet. Und so kommen wir langsam, aber sicher wieder zum Ausgangspunkt der Tour zurück. Nicht ohne noch einmal einen kleinen Stopp im schönen Biergarten der Tal-Schänke hinzulegen.

Und wer jetzt noch denkt, das mit dem grünen Pott wäre hier nur eine Ausnahme…na, dem ist nicht mehr zu helfen.

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TOUR: Der Ilmenau-Radweg & Die Lüneburger Elbmarsch

Der Platz „Am Sande

Im Gegensatz zur Tour in der Lüneburger Heide war mir diesmal das Wetter zum Start in Lüneburg nicht so wohlgesonnen. Es nieselte. Doch das hielt mich nicht davon ab, zuerst einmal die Altstadt mit dem Rad ein wenig zu erkunden. Urkundlich erwähnt wurde die Stadt erstmals 956. Lüneburg ist ebenfalls eine Hansestadt, deren Reichtum unter anderem durch den Handel mit Salz begründet wurde und war sogar eine  der wichtigsten Städte der Hanse neben Bergen (Norwegen), Visby (Schweden) und Lübeck. Heute ist Lüneburg ein beliebtes Ausflugsziel mit seinen schön hergerichteten Fachwerkhäusern und dem Alten Hafen und seinem bekannten Wahrzeichen, dem Kran.

Schöne Fachwerkhäuser und tolle Verzierungen.

Schöne Fachwerkhäuser und tolle Verzierungen.

 Ich radelte entspannt durch einige Gassen und staunte über die meist schönen Fachwerkhäuser und ihren liebevollen Verzierungen. Am Alten Hafen, direkt an der Ilmenau, kam ich dann zu meinem Startpunkt. Dort sah es bei dem Wetter etwas trostlos aus, es waren wenig Besucher da. Wie auch sonst bisher bei dem ollen Wetter. Bei meiner Rückkehr am Abend sollte das aber anders aussehen.

Am Alten Hafen, trostlos bei dem Grau am Morgen...

Am Alten Hafen mit dem Kran, in seinem heutigen Aussehen fast unverändert seit 1797. Trostlos bei dem Grau am Morgen…

...aber einladend am Abend!

…aber einladend am Abend!

 Langsam wurde es aber mal Zeit aufzubrechen um endlich die Tour entlang des Ilmenau-Radwegs zu starten. Die Ilmenau hat übrigens eine Länge von 109 Kilometern und ist der größte Fluss in der Lüneburger Heide. Er entspringt bei Uelzen und mündet in der Elbe.

 Nachdem ich der Ilmenau entlang einiger Wohn- und Industriegebiete gefolgt bin, war ich auch schon raus aus der Stadt und es wurde direkt ländlich. Der Regen nahm zu und ich zog meine Regenkleidung an. Der Regen machte mir nichts aus, er brachte frische Luft mit sich und ich fand das in dem Moment einfach nur schön. Auch in der Hinsicht, das ich wusste, das es wenigstens nicht den ganzen Tag regnen sollte.

  Unterwegs waren immer wieder sehr schön gemachte Info-Tafeln aufgestellt. Per QR-Code und einem Smartphone konnte man sich dort auch praktischerweise einen Audio-Guide herunterladen. So lernte ich, das es hier auch Fischotter gibt, die zu den schnellsten Schwimmern der Landraubtiere gehören und das es auch Dünen mitten im Wald gibt, die sogenannten Binnendünen. Also Wissen abgespeichert und weiter.

Eine geschichtlich interessante Brücke über die Ilmenau.

Eine geschichtlich interessante Brücke über die Ilmenau.

Hausboot auf dem Fluß. Man kann sich fühlen wie einst Tom Sawyer.

Hausboot auf dem Fluss. Man kann sich fühlen wie einst Tom Sawyer.

 An dem Ort Bardowick vorbei über einen historische Treidelpfad ging es nach St. Dionys und dann links ab entlang des Neetzekanals. Er wurde im 19. Jahrhundert zwischen Walmsworth bei Rullstorf und St. Dionys gebaut und mündet dort in der Ilmenau. Der Kanal ist ein Seitenarm der Neetze, die, 53 Kilometer lang, im Staatsforst Göhrde entspringt und bei Fahrenholz ebenfalls in die Ilmenau fließt. Soviel erst einmal zur Gewässerkunde.

Der Neetzekanal bei St. Dionys.

Der Neetzekanal bei St. Dionys.

 Am Kanal wurde es dann erst mal richtig ungemütlich, da der Regen jetzt stärker wurde und mir das Wasser nur so an der Kleidung und dem Helm herunterlief. Wind kam auch noch auf. Ein paar Kilometer war es also wirklich ekelig bevor das Wetter wieder besser wurde. Mein Weg schlängelte sich nach dem Dorf Oldeshausen mit einigen schönen Häusern dann durch die Landschaft. Viele Wiesen und Felder bildeten hier den Hintergrund in meiner Tour. Ich radelte zusehends in besseres Wetter und durch das Naturschutzgebiet Ilmenau-Luhe-Niederung. Direkt an Winsen/Luhe gelegen.

Das Wetter wird besser. Am Schöpfwerk von Laßrönne, gebaut anno 1888, aber 1998 neu gebaut. Bis 1946 wurde es mit Dampf betrieben.

Das Wetter wird besser. Am Schöpfwerk von Laßrönne, gebaut anno 1888, aber 1998 neu gebaut. Bis 1946 wurde es mit Dampf betrieben.

 Dort sah ich auch von weitem auf einem Mast ein Storchennest. Es waren zwei Störche zu sehen, die mit ihren Schnäbeln ganz schön laut „Klackerten“. Das war nicht von schlechten Eltern. Mittlerweile wieder linksseitig der Ilmenau radelnd, kam ich dem Dorf Stöckte nun immer näher. Dort fließt, ganz unspektakulär, die Ilmenau  in die Elbe. Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern eingepfercht in einem künstlichen Bett.

Unspektakulär. Die Flußmündung.

Unspektakulär. Die Flussmündung.

 Nun gut. Ich schwang mich wieder auf mein Bike und fuhr entlang der Elbe stromaufwärts. Die Elbe war hier anders als „oben“ in Hamburg, die dicken Pötte fuhren nicht bis hier hin. Deren Ladung wird im Hamburger Hafen gelöscht. Hier waren eher Binnenschiffe zu sehen. Aber auch nicht so viele von ihnen. Es war ja auch Pfingstmontag. Mit leichtem Rückenwind ging es vorwärts.

Am Rande der Elbe.

Am Rande der Elbe.

 So langsam bekam ich Hunger. Es wurde Zeit für einen kleinen Imbiss. Ich wollte irgendwo an einem schönen Plätzchen mit einer netten Einkehr halten und möglichst ein Fischbrötchen verputzen. Doch es kam nichts. Kilometerlang entlang des Elbdeiches, mal links, mal rechts davon – nichts. Und an dem nicht wirklich schönen Campingplatz und dessen Frittenschmiede wollte ich ganz bestimmt nicht essen. Also weiter geradelt, der Magen schon leicht knurrend. Ich hatte zwar noch kleinere Snacks dabei, aber ich wollte etwas richtiges zu Essen. Und dann sah ich plötzlich direkt am Wegesrand und oben auf der Deichkrone ein paar wenige, spartanische Stühle und Tische in bunt verwitterten Farben. Rechts lag direkt das Gasthaus Harms. Niemand saß dort oben, die Tür der Gasstätte war aber offen und ein Blick auf die ausgehangene Speisekarte sagte mir zu. So fragte ich unverblümt in der guten Stube nach ob ich da draußen sitzen könne. „Klar, kein Problem,“ war die Antwort und ehe ich mich versah hatte ich auch schon eine leckere Currywurst und Kartoffelecken auf dem Tisch. Garniert von einem hervorragenden alkoholfreien Weizen. Ok, nicht ganz das was ich wollte, aber mein Fischbrötchen hatte ich mittlerweile begraben. So saß ich da, die Sonne lugte jetzt auch hervor und es war richtig schön dort oben auf dem Deich.

Pause auf der Deichkrone, die Elbe im Blick.

Pause auf der Deichkrone, die Elbe im Blick.

 Sowohl ich, als auch mein Smartphone tankten neue Kraft. Ich bekam ein paar Kalorien aus der  Küche, das Gerät ein bisschen Strom aus dem Zusatzakku. Perfekt gerüstet für die Weiterfahrt. Ich wollte jetzt zur Staustufe Elbe-Geesthacht. Eine von nur zwei Staustufen der Elbe in Deutschland. Doch nach wenigen hundert Metern war da doch tatsächlich ein kleines Fischgeschäft an der Straße. Ich konnte es nicht fassen, aber trotzdem hielt ich nicht an, denn ich war ja mittlerweile gesättigt. So kann’s gehen. Bei Rönne fuhr ich dann auf die Brücke der Staustufe. Nicht um ganz über sie drüber zu fahren, sondern mir die Konstruktion mal anzusehen. Ein Aussichtspunkt gab es da, von dem man einen guten Blick auf das geöffnete Wehr hatte. Die Fließgeschwindigkeit war erschreckend hoch und beeindruckend. „Wer dort hineingerät, kommt nicht mehr lebend heraus“, dachte ich mir. Mit leicht zittrigen Händen machte ich ein Foto mit dem Smartphone. Nicht das mir das noch da hineinfällt! Die Staufstufe wurde 1960 gebaut, besitzt eine Doppelschleuse für die Schifffahrt und hat sogar einen Fischaufstieg oder auch Fischtreppe genannt. Seit 2010 gibt es eine zweite Fischtreppe, die sogar die größte in ganz Europa ist! So können problemlos auch Wanderfische wie zum Beispiel der Stör in ihre alten Laichgebiete gelangen.

Staustufe Elbe-Geesthacht. Beeindruckende Fließgeschwindigkeit.

Staustufe Elbe-Geesthacht. Beeindruckende Fließgeschwindigkeit.

 Von hier konnte ich auch das AKW Krümmel sehen, das direkt an der Elbe liegt. Von 1984 bis 2011 war dieses Kernkraftwerk in Betrieb. Da es ein paar Zwischenfälle mit Notabschaltungen im Jahre 2009 gab, sowie 2011 die Atomkatastrophe in Fukushima/ Japan passierte, beschloss damals die Bundesregierung, das AKW Krümmel nicht mehr anzufahren. Erschreckend ist aber wohl die seit 1986 erhöhte Leukämieerkrankung bei Kindern in diesem Gebiet, obwohl keinerlei Austritt von Radioaktivität bekannt ist! Siehe auch dazu diesen Artikel. So machte ich mir schon so meine Gedanken, was die Leute alles mitgemacht haben oder immer noch mitmachen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem Atomkraftwerk leben. Darüber ist man sich manchmal gar nicht so bewusst, wenn man so ein Ungetüm nicht direkt vor der eigenen Haustür stehen hat.

Das Kernkraftwerk Krümmel und die Wohngebiete auf der anderen Seite der Elbe, gelegen in der schönen Elbmarsch.

Das Kernkraftwerk Krümmel und die Wohngebiete auf der anderen Seite der Elbe, gelegen in der schönen Elbmarsch.

 Für mich ging es mit dem Rad nun durch die schönen Felder und Wiesen der Elbmarsch. Getreide- und Rapsfelder wechselten sich ab. Kilometerweit ließ ich mir den sanften Rückenwind gefallen. Das Wetter war gut, es machte Spaß so durch die Einsamkeit zu radeln. Wieder kein Mensch weit und breit. Zur ganzen Hektik zu Hause im Ruhrpott eine echte Wohltat. Eigentlich wollte ich über Barum fahren, aber das Radfahren durch diese Gegend machte mir soviel Vergnügen, das ich spontan beschloss, einen kleinen Umweg über  Artlenburg und Lüdershausen zu nehmen. Ich musste dort zwar dann ein paar Meter entlang der Bundestrasse fahren, aber das nahm ich dafür in Kauf. Bei Brietlingen stieß ich dann wieder auf meine geplante Route. Alles war gut. Denn von dort ging es wieder weiter zwischen Feldern und Wäldchen. Ich überquerte abermals den Neetzekanal und dann sah ich diesen großen, imposanten Bau. Das Schiffshebewerk Scharnebeck. Ich war am Elbe-Seitenkanal angelangt.

Durch die Elbmarsch. Was ein Spaß!

Durch die Elbmarsch. Was ein Spaß!

 Das Schiffshebewerk Scharnebeck war bei seinem Bau 1974 das weltweit Größte seiner Art! Schiffe überwinden hier eine Höhe von 38 (!) Metern! Es hat zwei Schleusenkammern und der gesamte Schleusenvorgang mit Ein- und Ausfahrt dauert nur 15 Minuten. Der ganze Bau sah von der Architektur nicht so schön aus, nur gewaltig und imposant. Ich erreichte das Bauwerk von unten an der Straße, die sogar unter dem Schiffshebewerk hindurchführt. Das sah schon beeindruckend aus. Ich überquerte die Straße, da dort ein Aussichtspunkt sein sollte. Doch es führten bis oben sehr viele Stufen hoch und mein Rad konnte ich nicht abschließen, da ich diesmal aus Gewichtsgründen das Schloss daheim gelassen hatte. So war ich erst einmal enttäuscht. Ärgern war der richtige Ausdruck. Doch ein Blick auf die Karte zeigte mir, das die Straße, die parallel zum Kanal hoch führte, einen Abzweig hatte. Den konnte ich nehmen und kam so doch noch zur Aussichtsterrasse. Super. Das hatte sich gelohnt. Man hatte einen tollen Blick auf die Anlage und seitlich hinunter zum Unterhafen und über die Elbmarsch. Ein Schiff war in der hinteren Schleuse und ich wartete so lange, bis der Schleusenvorgang startete. Ich wollte unbedingt wissen, wie das aussieht und funktioniert. Wäre ich eher am Tage dagewesen, hätte ich eine Führung durch die Schleuse machen können. Besucher haben dort die Möglichkeit mal in das Bauwerk zu schauen. Wer Interesse hat, kann sich das ja mal hier angucken.

Schiffshebewerk Scharnebeck. Ein Besuch lohnt sich!

Schiffshebewerk Scharnebeck. Ein Besuch lohnt sich!

 Nachdem ich dann nichts mehr sehen konnte wie das Schiff nach unten gehoben wurde, setzte ich mich wieder auf das Rad und fuhr weiter. Es war nicht mehr so weit bis Lüneburg. Vom Elbe-Seitenkanal ging es schon nach ein paar Metern rechts ab. Allerdings musste ich dazu ein paar wenige Stufen hinunter, es war da aber zum Glück auch eine Schieberinne für Fahrräder. Also kein Problem. Die Kräfte ließen jetzt aber nun merklich nach. Ich erreichte ein weiteres Storchennest, das sich auf einem alten Strommast in einer Nebenstraße befand. Sehen konnte ich diesmal allerdings keine Störche. Dafür war an dem Mast ein Schild angebracht, auf dem man die Anzahl der Störche ablesen konnte, die hier in den letzten Jahren geschlüpft sind. Es schwankte meist zwischen einem einzigen und  bis zu drei Störchen in anscheinend Spitzenjahren.

Man beachte das Baujahr!

Man beachte das Baujahr!

Es ging jetzt durch das Lüner Holz, einem Wäldchen direkt bei Lüneburg mit hohen Bäumen. Gemütlich radelte ich durch die frische Waldluft. Und ehe ich mich versah war ich auch schon in einer urigen Ecke Lüneburgs angekommen mit Kopfsteinpflaster auf der Straße und toll hergerichteten alten Fachwerkhäusern, unter anderem gab es in den alten Stuben auch ein Restaurant. Sehr sehenswert . Und dann war ich auch schon wieder an der Ilmenau angekommen. Die Sonne schien zum Abend noch einmal kräftig und ließ die Altstadt erstrahlen. Ein schöner Ausklang für die diesmal rund 86 Kilometer lange Radtour.

Zum Schluss kam die Sonne noch einmal kräftig heraus!

Zum Schluss kam die Sonne noch einmal kräftig heraus!

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TOUR: Lüneburger Heide INTENSIV

Warum ich das Wort „intensiv“ in Großbuchstaben schreibe? Es liegt auf der Hand, denn meine Tour durch diese wunderschöne Landschaft war wirklich packend, anstrengend, kräftezehrend und trotzdem ein echter Genuss! Doch fangen wir von vorne an…

 Gestartet bin ich in Salzhausen, ein staatlich anerkannter Erholungsort mit der schönen Kirche von St. Johannis, dessen Rundturm aus dem Jahre 1464 stammt, einem alten Feuerwehrschlauchturm von 1870 und dem ältesten Haus des Ortes, dem Josthof aus dem Jahre 1252. Das Wetter spielte mir an diesem Tag in die Karten, ein ansehnlicher blauer Himmel war mir gegönnt. Der Rucksack war gepackt, ich war für alle erdenklichen Eventualitäten gewappnet. Und schon ging die Fahrt los in Richtung Eyendorf, an seinem Wasserturm aus dem Jahre 1913 vorbei. Er sah eher wie ein Turm einer Burg aus, doch eine Inschrift erinnert an die Hundertjahrfeier der Befreiungskriege von 1813.

Der Wasserturm in Eyendorf.

Der Wasserturm in Eyendorf.

 Das kleine Örtchen ließ ich schnell hinter mir, vor mir lag eine sanft hügelige Landschaft mit Feldern, Wiesen und Wäldern. Von deren Kuppen konnte man teilweise schön weit gucken. Ich fuhr also bergauf und bergab und merkte schon früh das dieser Tag nicht ganz so leicht zu fahren sein würde. Durch ein Wäldchen kam ich so nach Lübberstedt und dann nach Egestorf. Dieser Ort liegt unmittelbar am Ostrand des Naturparks Lüneburger Heide und mit seinen toll hergerichteten Fachwerkhäusern machte dieses Dorf einen geschmackvollen Eindruck. Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1252. Außerdem spielte  Pastor Bode (1860-1927) eine große Rolle im Naturschutz. Er war derjenige, der zum ersten mal ein Naturschutzgebiet erkämpfte. Ein Wanderweg mit seinem Namen zollt ihm gebührenden Respekt.

Kirche in Egestorf von 1645.

Kirche St. Stephanus in Egestorf von 1645.

 Ein Schotterweg führte mich dann mit dem Rad raus in die Natur. Schon nach wenigen Metern lag da so ein wunderbares Pausenplätzchen am Wegesrand, leicht versteckt, die Bänke umgeben von hohem Gras, leicht herabblickend in die Landschaft und hinter mir der gelbe Raps auf dem Feld mit seinem mir angenehmen Duft. So ließ ich mich dort erst einmal nieder, auch wenn noch nicht all zuviel Kilometer auf dem Tacho standen. Eine Weile genoss ich diesen Ausblick bevor ich dann mit dem Rad durch einen Kiefernwald weiterjuckelte. Am Rande fuhr ich am Dörfchen Döhle vorbei, dort fand so eine Art Mittelaltermarkt statt. Man konnte sich dort in originalgetreuen Kleidern jener Zeit kleiden und Fotos machen lassen, auch passende Speis und Trank gab es dort. Ich ließ das Geschehen aber links liegen und hatte kurz darauf dann endlich die Heide vor mir.

Platz für Pferd und Rad.

Platz für Pferd und Rad

Offizieller Radweg!

Offizieller Radweg!

 Ich machte aber direkt Bekanntschaft mit den Bodenbeschaffenheiten, die mich durch die gesamte Heide begleiten sollten. Wohlgemerkt, ich war meist unterwegs auf offiziellen Radwegen, manchmal wohl auf Wanderwegen, was aber keinen Unterschied machte und ich das oftmals auch nicht wusste. Jedenfalls bestand die Wegbeschaffenheit hauptsächlich aus Sand, noch mehr Sand, spitzen Steinen, Wurzeln und selten aus einigermaßen gut zu befahrenden festeren Boden. Ich mit meiner relativ dünnen Bereifung hatte da teilweise so meine Schwierigkeiten und musste auch öfters zur eigenen Sicherheit aus den Klickpedalen heraus.

 Nach einiger Zeit gelangte ich dann zu dem Punkt in der Heide, der  „Totengrund“ genannt wird. Die Herkunft des Namens ist nicht zweifelsfrei geklärt, man vermutet aber, das dieser Talkessel deswegen so heißt, weil für die Heidebauern der Boden als tot oder toter Grund galt. Ein praktisch unfruchtbarer Boden also. Doch wenn im August die Heide blüht, ist dies der wohl der am meistbesuchte Punkt in der Lüneburger Heide, denn der Blick von oben in diesen Talkessel hinein kann einem schon mal die Sprache verschlagen bei so einer Blütenpracht. Totengrund gilt als eine der schönsten Heideflächen überhaupt. Ein Wanderweg, benannt nach dem Heide-Dichter Hermann Löns, führt übrigens komplett einmal oberhalb um Totengrund herum.

 Langsam radelte ich weiter, an Stellen vorbei, die hießen nun Steingrund oder Oberhaverbecker Holz. Ein jüngeres Pärchen, ebenfalls auf dem Rad unterwegs durch die Heide, fragte ich erst einmal, ob der Weg, den sie gekommen waren, denn wirklich auch für das Fahrrad geeignet wäre. Mit einem Schmunzeln bejahten sie, denn aussehen tat der Weg ganz bestimmt nicht wie ein Radweg. In dem Moment sprang ein Reh ziemlich nah an uns vorbei, wir staunten und fuhren dann unseres Weges.

 Nach einiger Zeit war ich für das erste heraus aus der Heidelandschaft, die Straße nach Oberhaverbeck war in Sicht. Genauso wie ein Schlaumeier auf dem Mountainbike, der, als er mich so durch den Sandweg schlingern sah, direkt mit einem Grinsen sagte, ich hätte wohl zu schmale Reifen. Gequält lächelte ich zurück und bejahte das, dann zog er auch schon an mir vorbei. Einen Augenblick später hörte ich den Kerl auch schon hinter mir aufschreien und fluchen. Jetzt hatte ich ein Grinsen im Gesicht.

 Entlang der Straße kam ich nach Oberhaverbeck und kurz darauf auch schon nach Niederhaverbeck. Vorbei an einem Ausflugslokal bog ich links wieder in die Heide. Natürlich war der Weg direkt wieder von schlechterer Qualität, aber befahrbar. Und dann sah ich auf meiner Tour zum ersten mal eine dieser berühmten Schafherden, die ja so typisch sind in der Lüneburger Heide. Der Schäfer unterhielt sich mit Wanderern, die auf einer Bank saßen, die Schafe um sie herum. Ich blieb ein wenig entfernt stehen und beobachtete den Hirtenhund, der seine Schäfchen gut im Griff hatte. Er lief hin und her und ein kurzes Bellen reichte schon um Ordnung und Geschlossenheit der Herde zu bekommen. Das war mal interessant zu sehen.

Schafsherde...von hinten.

Schafherde…von hinten.

 Beschwingt fuhr ich weiter, denn meinen Drahtesel hatte ich auch im Griff. Zuverlässig und gehorsam fuhr es mich weiter, vorbei an Wulfsberg, wo ganz in der Nähe die Quelle der Wümme liegt, dessen Rinnsal stetig etwas größer wird und nach etwa 120 Kilometern in die Weser fließt. Bekannt ist auch durch dieses Flüsschen  der sogenannte Wümme-Radweg, auf dessen Pfaden ich mich nun teilweise auch befand. Doch die Gegend, auch Wümmemoor genannt, lud mich zu einer Pause ein. Ein kleines Hinweisschild führte mich zu einem kleinen, wunderschönen Aussichtspunkt. Etwas abseits gelegen, herrschte hier eine fantastische Ruhe. Auf einer Infotafel war zu lesen, das hier wohl einer der ruhigsten Plätze in der gesamten Heide zu finden wäre. Ich fand diese Ruhe umwerfend und genoss bei besten Sonnenschein mein verdientes Päuschen.

Wunderbarste Stille im Wümmemoor.

Wunderbarste Stille im Wümmemoor. (Tipp: Foto anklicken zum Vergrößern!)

Nach einiger Zeit kam dann doch noch ein Pärchen zu diesem Punkt und aus war es mit der Ruhe. Ich schnappte mir meine Sachen und verließ dieses tolle Plätzchen. Einen weiteren Aussichtspunkt am Wümmeberg fuhr ich kurz an, bevor es dann ein wenig steil bergab ging auf verwurzelten und steinigen Pfaden.

 Ich und mein Rad fuhren nun in trauter Zweisamkeit durch anscheinend endlose Nadelwälder, Kilometer lang. Der Geruch der Kiefern stieg wieder in meine Nase, die Luft roch rein und frisch. Einfach wunderbar. Balsam für die Lunge UND die Seele. Nach geraumer Zeit kam ich zu einer Kreuzung in Wehlen, von dort gingen 5 Wege sternförmig weg. Ich hatte mir den direkt rechts schon bei der Planung der Tour ausgesucht. Denn von dem ging es nach ein paar Metern abermals für rund 300 Meter über einen reinen, mit Nadeln und Tannenzapfen der Kiefern gesäumten Trampelpfad zur Seeve-Quelle. Mitten im tiefen Wald gelegen ein Hort voller Schönheit. Begleitet von einem Quarck-Konzert der Frösche.

Die Seeve-Quelle durfte auf der Tour nicht vergessen werden!

Die Seeve-Quelle durfte auf der Tour nicht vergessen werden!

 Die Seeve ist im übrigen ein Nebenfluss der Elbe, aber mit nur 42 Kilometern Länge wesentlich kürzer. Auch einen ebenfalls gleichnamigen Radweg hat dieser Fluss, der ist aber rund 100 Kilometer lang, da er in drei unterschiedlichen „Ringen“ gegliedert ist.

 Wieder radelte ich jetzt durch den sich unendlich lang anfühlenden Nadelwald. Wahrscheinlich auch deshalb weil der Weg nach Ehrhorn von Meter zu Meter immer schlechter wurde. Tiefer Sandboden ließ mein Rad teilweise ordentlich wegrutschen und ich hatte so meine liebe Mühe. In Ehrhorn gibt es ein Walderlebnis-Zentrum sowie ein „Arboretum“ , oder auch Walderlebnispfad. Doch ich musste leider weiter, das wäre bestimmt interessant gewesen. Aber nun gut.

 Ungefähr 30 Meter neben der Straße nach Haverbeck gab es dann einen Radweg, der den Namen nicht mal ansatzweise verdiente! Mitunter musste ich mir den Trampelpfad wie ein Pfadfinder im Wald suchen! Über Stock und Stein ging es vorwärts, ich wurde heftigst durchgerüttelt. Ich konnte es nicht glauben. Es war ungeheuerlich. Gleichzeitig musste ich aber schon lachen über solche Unwegsamkeiten. Wieder in Niederhaverbeck angekommen, wo man sich mit der Kutsche durch die Heide fahren lassen kann, bog ich links ab und kam kurz darauf wieder in die fast menschenleere Heide.

Naturschutz-Informationshaus in Niederhaverbeck

Naturschutz-Informationshaus in Niederhaverbeck

 Trotz anstrengenden Weges, der Blick in die fantastische Natur entschädigte für alles. An einigen Stellen standen interessante Informationstafeln, die auch für Kinder gedacht waren, da es galt hier mitzumachen, anzufassen und nachzudenken. Schön gemacht. Auch ich ließ das Kind im Manne raus und tat was diese Tafeln mir geheißen hatten. Man lernt halt nie aus.

Spannende Info-Tafeln am Wegesrand. Prima für die ganze Familie.

Spannende Info-Tafeln am Wegesrand. Prima für die ganze Familie.

 Doch jetzt wollte ich „hoch“ hinaus. Direkt auf den höchsten Punkt der norddeutschen Tiefebene. Mit 169,2 m ü. NN ist dies der weit bekannte und beliebte „Wilseder Berg“. Das Zentrum der Lüneburger Heide und absolut toller Aussichtspunkt. Bei gutem Wetter kann man von hier bis nach Hamburg oder Lüneburg gucken. Mein Weg dort rauf lies mich aber mein Rad schieben. Grober Schotter pflasterte meinen Weg, an hoch radeln war da nicht zu denken. Mir bot sich ein toller Ausblick über die Heide und die großen Wälder. Und zu meinem Erstaunen war auch hier gerade wenig los. Nur ein paar vereinzelte Besucher waren zugegen. Kaum der Rede wert. Dafür aber ein schöner Moment in dieser einzigartigen Heidelandschaft.

Blick rauf zum Wilseder Berg.

Blick rauf zum Wilseder Berg…

...und der Blick runter.

…und der Blick runter.

Und nochmal zur anderen Seite Richtung Nord/Nord-West.

Und nochmal zur anderen Seite Richtung Nord/Nord-West.

 Da ich mich immer schwer von solchen Aussichtspunkten trennen kann, musste ich mich irgendwann dann mal zusammenreißen und weiterfahren.  Es ging die andere Seite am Berg hinunter nach Wilsede selber, mit dem Heidemuseum „Dat Ole Hus“. Dort bekommt man einen Einblick in das Leben der Heidebauern in den vergangenen Jahrhunderten. Gleichzeitig ist Wilsede eines der ältesten Freilichtmuseen in Niedersachsen. Dementsprechend trifft man hier dann doch eher auf Menschen. Das musste ich feststellen. Denn anscheinend wurden hier gerade die Bürgersteige hochgeklappt und die Menschen strömten zu Fuß aus dem Museumsdorf hinaus zum Ausgang des Heideparks. Autos dürfen ja nicht in die Heide rein! Sie liefen natürlich nicht auf dem Kopfsteinpflaster, was ich wohl bei all den Huckeln und Stolperfallen auch nicht machen würde, sondern auf dem glatteren Pfad neben der Straße, dort wo ich auch mit dem Fahrrad fuhr. So kam meine Klingel dann doch noch zu ihrem Einsatz auf der Runde. Und wie das so ist, die meisten Menschen waren freundlich und ich bedankte mich jedesmal für das Platz machen, aber es gab halt auch wieder solche, die einfach das Klingeln ignorierten und nur missmutig ein wenig zur Seite gingen. Da wünscht man sich doch manchmal das Nebelhorn eines Ozeanriesen ans Fahrrad. Die Blicke wären unbezahlbar.

Gefunden und ab jetzt immer dabei als Talismann!

Gefunden und ab jetzt immer dabei als Talisman!

Mein Blick fiel an einer Stelle aber zufällig zu Boden und ich sah dort eine Glasperle liegen. So eine mit der Kinder gerne spielen. Mit grün- und orange geschwungener Linie im Inneren. Sehr schön anzusehen. Auch ich habe als Kind immer gerne mit solchen Glasperlen gespielt und ganze Bahnen dafür mit Sand und Erde im Garten gebaut. Ich beschloss die Murmel einzustecken, da weit und breit auch niemand zu sehen war, der sie verloren haben könnte, und sie als meinen Talisman für alle meine weiteren Touren immer bei mir zu haben..

Im Museumsdorf Wilsede.

Im Museumsdorf Wilsede.

 Zum Glück musste ich schon bald von diesem Hauptweg rechts ins Radenbachtal abbiegen und hatte direkt wieder meine Ruhe. Die Sonne stand zwar jetzt schon etwas tiefer, hatte aber immer noch genug Kraft mich bei einem kleinen Päuschen zu wärmen. All zulange hielt ich nicht an, denn ein paar Meter hatte ich noch vor mir. Über eine Weide für Rinder und ein spezielles Gatter kam ich zum Pastor-Bode-Weg und dann hinaus aus dem Naturpark nach Sudermühlen.

Radweg nach Sudermühlen.

Radweg nach Sudermühlen.

 Die Heide lag jetzt hinter mir, vor mir lag die Straße. Etwas Entspannung für den durchgerüttelten Rücken. Aber nur solange bis zum nächsten Anstieg am Botenberg, der aber, oben angekommen, ebenfalls eine tolle Aussicht für mich parat hatte. Ein Hochsitz am Wegesrand machte ich mir zu nutze und erklomm ihn geschwind um dort ein paar Fotos zu machen. Das Licht war gerade ideal dafür. Das Resultat seht ihr unten.

Das Resultat.

Das Resultat. Das Schwarze rechts oben ist das Dach vom Hochstand. Nur mal so zur Anmerkung. Wollte das Bild nicht beschneiden.

 Mit dem guten Weg war hier aber schon wieder kurzfristig Schluss. Kopfsteinpflaster war wieder angesagt. Doch das war nur von kurzer Dauer, ich musste auf die Landstraße nach Garlstorf. Und die ging stetig bergab, so das ich über ein paar ordentliche Meter mal auf hohes Tempo kam. Das tat jetzt auch mal gut. So langsam wurden die Muskeln doch mal müde, trotz Energie-Riegel, Traubenzucker und Obst. In Garlstorf erlebte ich dann doch noch kurz vor Schluss der Tour, wie das ist, in eine Sackgasse zu geraten. Der Weg führte mich raus aus dem Dorf und hinein in die Felder. Doch der Weg war dann doch kurz darauf unpassierbar, der tiefe Sandweg hätte mich zum Schieben gezwungen und ehrlich gesagt hatte ich dazu keine Lust mehr. So fuhr ich zurück nach Garlstorf und von dort entlang der Hauptstraße zurück zum Ausgangspunkt nach Salzhausen.

Fachwerkaus in Garlstorf. Anno 1756.

Fachwerkhaus in Garlstorf. Anno 1756. Wie ein Vogel mit Hut, oder?

Anstrengende 81 Kilometer standen nach diesem Tag auf dem Tacho. Doch jeder einzelne hatte sich trotz kräftezehrender Teilabschnitte gelohnt. Die Oberschenkel brannten am Ende kräftig, doch das Gefühl in solch wunderbarer Natur gewesen zu sein machte das alles wieder wett. Die Mühen hatten sich gelohnt!

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TOUR: Halde Haniel

Ich muss gestehen, in letzter Zeit bin ich viel mit dem E-Bike unterwegs gewesen. Als Pendler ist das eine wunderbare Sache ( natürlich auch so ) und ist natürlich saubequem. Mein Crossbike habe ich sträflich vernachlässigt. Ich habe da schon fast ein schlechtes Gewissen bei bekommen. Außerdem stand es ein paar Wochen doch ein wenig verdreckt im Keller. Jedes mal, wenn ich in den Keller gekommen bin, habe ich immer schnell beschämt weggeschaut. Als ob mich das Bike mit traurigen Blicken anschaut und ich den Blick nicht erwidern will. Das musste ein Ende haben. Also habe ich mir letzte Tage das Bike geschnappt und mal wieder richtig ordentlich sauber gemacht. Ich mein so richtig. Sowie sich das halt gehört. Mit Kette säubern und schmieren, Federgabel prüfen, polieren usw. Am Ende blitzte es wieder richtig schön in der Sonne. Nicht nur ich hatte ein Lächeln auf den Lippen, ich meine auch das Bike grinsen gesehen zu haben…

Schmaler Pfad entlang des Golfclubs Jacobi

Schmaler Pfad entlang des Golfclubs Jacobi

Eingang Zeche Prosper Haniel

Eingang Zeche Prosper Haniel

Tags darauf wollte ich das geputzte Bike mal wieder unter meinen Allerwertesten spüren, ihm ( und mir ) mal ordentlich die Sporen geben und die Pedalen kreisen lassen. Eine richtig gute Fitness-Runde halt. Das Ziel war für mich die Halde Haniel. Von vielen Punkten im Ruhrgebiet kann man sie sehen, doch obwohl sie praktisch bei mir um die Ecke ist bin ich noch nie da oben rauf gefahren. Immer unten dran vorbei. Das wollte ich jetzt ändern. Also Klamotten an und rauf aufs Rad. Die Straße runter zum Rhein-Herne-Kanal, um den Olga-Park in Oberhausen herum auf die alte Trasse der Zeche Jacobi und am gleichnamigen Golfplatz vorbei. Und ehe ich mich versah, kam auch schon die Querverbindung der alten Zechenbahn Jacobi-Haniel und ich bog links ab. Links und rechts Bäume und nach ein paar Metern konnte ich dann schon die Halde vor mir sehen. Aus der Perspektive noch etwas reizlos, doch nachdem ich rechts um das Bergwerksgelände herum gefahren bin – die Zeche ist noch aktiv – kam ich der Halde immer näher. Der „normale“ Radweg führt rechts herum, doch an einer Abzweigung führte ein Schotterweg hinauf.

Blick Richtung Duisburg mit dem Alsumer Berg im Hintergrund

Blick Richtung Duisburg mit dem Alsumer Berg im Hintergrund

Der Weg war zuerst dann doch recht schlecht. Dicke Steinbrocken machten das Auffahren ein wenig schwierig. Denn mein Crossbike hat nicht gerade die dicksten Schluffen drauf. Aber verlassen kann ich mich auf sie. Pumpen mussten meine Lungenflügel , denn es ging doch recht steil rauf und ich war froh, als ich zu meiner eigenen Ausrede bald oberhalb der Baumwipfel war und ich erstmals die Aussicht genießen konnte. Das Wetter war zwar grau in grau, doch die Sicht war trotzdem gut. Schön war es zu sehen, wie grün die Wälder und ihr Blätterdach mittlerweile schon wieder sind. Herrlich.

Abräumgerät und ROSE-Bike am Kreuzweg

Abräumgerät und ROSE-Bike am Kreuzweg

Doch noch waren es ein paar Meter bis rauf zur Halde. Ein paar Mountain-Biker kamen rasant den Berg hinunter geschossen. Immer auf das Gleichgewicht achtend. Ein Sturz bei dem Tempo auf dem losen Untergrund wäre fatal gewesen. Aber das passierte nicht und als sie außer Sichtweite waren, fuhr ich schwitzend weiter die Halde rauf.

Die Natur erobert sich die Halde

Die Natur erobert sich die Halde

Ein Wegweiser führte mich dann zuerst zu dem sogenannten Kreuzweg. Ein Gipfelkreuz wurde am 2. Mai 1987 anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II von Azubis des Bergwerks errichtet. Ja, der Papst war tatsächlich hier oben. Ich kann mich noch erinnern als der Hubschrauber des Papstes mir als kleines Kind über den Kopf flog…also in einiger Höhe natürlich und über den Garten meiner Eltern hinweg. Also das Kreuz steht auf 129 Metern, damals der höchste Punkt der Halde. Doch es wurde weiter aufgeschüttet und heute hat die Halde eine Höhe von rund 159 Metern. Kein Wunder das sie so gut von Weitem zu sehen ist. Vom Kreuz fuhr ich den Weg dann auch weiter rauf. Und man mag es kaum glauben, aber dort oben gibt es sogar ein Amphitheater mit 800 (!) Plätzen, auch Bergarena genannt. Die Oper Aida und auch die Dreigroschenoper wurden unter anderem schon dort aufgeführt. Auch gibt es diverse andere Veranstaltungen wie zum Beispiel das Haldenpicknick. Dieses Jahr (2015) am 4.Juli. Infos hier im Link. Also ganz schön was los hier.

Fast geschafft

Fast geschafft

Sensationelle Kulisse (wenn's doch nur nicht so grau am Himmel gewesen wäre)

Sensationelle Kulisse (wenn’s doch nur nicht so grau am Himmel gewesen wäre)

Die Kunstinstallation „Totems

Über dem Amphitheater, auf dem nun wirklich höchstem Punkt, gibt es dann die Kunstinstallation „Totems“, bunt bemalte Eisenbahnschwellen sind dort in den Boden gehauen und geben ein spektakuläres Bild ab. Am Fuße einer Schwelle sitzend, ließ ich den Blick über das große Areal und das Ruhrgebiet schweifen. Vor mir der Blick in Richtung flaches westliches Münsterland, weiter rechts die hohen Schlote des Kraftwerks Scholven in Gelsenkirchen. Die „Turnhalle“ des S04 konnte man ebenfalls sehen. Außerdem noch weiter rechts eine weitere Halde in Bottrop mit dem berühmten Tetraeder drauf. Dann  der Gasometer in Oberhausen, die Industrietürme in Duisburg mit dem Alsumer Berg nebenan, dort, wo ich bei der letzten Tour unterwegs war. Dann die flache Gegend des Niederrheins erahnend. Also ein wirklich toller 360 Grad Panoramablick, der bei besserem Wetter wohl noch viel mehr zulässt.

On Top Of The Halde

On Top Of The Halde

Zufrieden und froh darüber diesen Ritt rauf auf die Halde gewagt zu haben, machte ich mich auf den Rückweg. Diesmal war ich derjenige, der leicht flott die Wege runter düste. Trotz schmaler Schluffen. Egal, das kribbeln im Bauch dabei war einfach zu verlockend. Über den Stadtwald Bottrop und den schönen Revierpark Vonderort in Oberhausen ( an den man noch immer die immensen Schäden des Pfingststurms von 2014 deutlich erkennen konnte ) ging es dann wieder Richtung Heimat. Am Ende waren es dann zwar nur 36 Kilometer auf der Uhr, aber gefühlt waren das wesentlich mehr. Viele Eindrücke auf kurzer Distanz, das ist der Ruhrpott.

Revierpark Vonderort

Am Revierpark Vonderort

Es warten da noch einige Halden in der Metropole Ruhr. Ein wenig Blut geleckt habe ich schon irgendwie. Vielleicht mache ich das mal zu meinem Projekt, wie dieser Baumarkt immer so sagt…

Ein Tipp noch: das anklicken der Fotos lässt sie vergrößern. Interessant gerade bei den Panorama-Fotos!

Und wer noch ein wenig mehr wissen möchte über die Halde Haniel, der klickt einfach mal hier! Viel Spaß!

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TOUR: Industrie-Romantik mit einem Schuß Frühling

In den letzten Tagen hat das Wetter ja bekanntlich etwas aufgedreht. Und ich hatte das Glück dann kurzfristig einen Tag frei zu bekommen. Ich wollte mal wieder eine Runde durch die Industrie-Landschaft im Ruhrpott drehen. Auf dieser „kleinen“, aber feinen Tour gab es eine ganze Menge zu sehen. Deshalb habe ich mal einige Sehenswürdigkeiten im Text verlinkt. Wer sich also dahin gehend weiter informieren möchte, der klicke dort ruhig mal an!

Die reine Fußgängerbrücke „Slinky Springs To Fame

Startpunkt war hier das Drei-Städte-Eck Essen, Mülheim/Ruhr und Oberhausen. Auf einen Teil der Tal-Route entlang des Läppkes Mühlenbach ging es vorbei am Haus-Ripshorst, einem Info-Zentrum über die Region Emscher-Park zum Rhein-Herne-Kanal. Das Haus lädt den müden Radfahrer zum verweilen ein, aber das war ich nach den wenigen Metern noch nicht. Über eine sichelförmige Brücke fuhr ich über den Kanal auf die andere Seite. Dort lässt sich auf breitem Weg gut radeln. Nach wenigen Metern lag auf der anderen Uferseite das Spionagemuseum sowie der weit über die Region bekannte Konsumtempel CentrO. Doch Shoppen wollte ich nicht und wie James Bond auf Verbrecherjagd gehen auch nicht.

Gasometer Oberhausen

Gasometer Oberhausen

Also weiter. Bei schönstem Wetter juckelte ich den Weg entlang. Schon nach wenigen weiteren Metern, ebenfalls auf der anderen Uferseite, ragte der imposante Gasometer in den Himmel. Erbaut zwischen 1927 und 1929, speicherte er früher Gichtgas. Heute gibt es im Inneren einen gläsernen Aufzug , der auf das Dach führt. In rund 115 Metern Höhe hat man bei guter Sicht einen atemberaubenden Rundum-Blick über das Ruhrgebiet. Gleichzeitig gilt der Gasometer Oberhausen als größte Ausstellungshalle Europas. Wechselnde, spannende und einzigartige Ausstellungen und Veranstaltungen werden dort gezeigt. Auch Christo hatte dort sogar schon eine Ausstellung. Auf dem Kanal schipperten ein paar wenige Schiffe, teils tief liegend im Wasser, teils etwas höher aufragend und ohne Ladung. Mein Tempo war etwas schneller als das der Schiffe, aber immer noch gemächlich. Kurz vor dem Stadion Niederrhein, wo der Fußballklub Rot-Weiß Oberhausen beheimatet ist, kam dann die mittlerweile recht bekannte Fußgängerbrücke „Slinky Springs To Fame“, die über den Kanal in den Oberhausener Kaisergarten führt, einem beliebten Naherholungsziel der Region. Nachts ist sie kunstvoll beleuchtet. Sie wurde im Jahre 2011 im Zuge der Ausstellung EMSCHERKUNST eingeweiht und gehört hier sicherlich zu einem architektonischen Anziehungspunkt.

MTB-Areal unter der A42

BMX-Areal unter der A42

Wie ihr sehen könnt, schon auf wenigen Metern nur am Kanal entlang, ballt sich eine Sehenswürdigkeit an die andere. Doch weiter ging es für mich und meinem Rad. Über einen Kiesweg etwas hinter dem Stadion und dessen Parkplätzen für die Besucher kam ich vorbei an einem BMX-Parcour. Sah irgendwie ein wenig illegal aus, aber auch irgendwie krass geil wenn ich das hier mal so sagen darf.  Direkt unter der Autobahnbrücke der A42 und anscheinend alles in Selbstbauweise errichtet.

An der Emscher entlang zu einer wirklich schönen Trasse

An der Emscher entlang zu einer wirklich schönen Trasse

Für mich ging es weiter, ein kurzes Stück direkt an der Emscher entlang um dann links auf den Grünen Pfad abzubiegen. Auf dieser alten Bahntrasse ging es schnurstracks geradeaus in Richtung Duisburg. Die Bäume blühten über mir, während ich unter ihrem noch dünnen Dach mit meinem Rad dahinfuhr. Der blaue Himmel tat sein Übriges zu meiner Stimmung. Zur Mittagszeit war hier noch wenig los. Nur ein paar wenige Sportskameraden kamen mir auf ihren Drahteseln entgegen.

Im Industrielandschaftspark Duisburg...

Im Landschaftspark Duisburg…

...geht es auch mit dem Fahrrad!

…geht es auch mit dem Fahrrad!

Direkt an der Duisburger Straße, am Eingang zum Landschaftspark Duisburg, kam ich an roten Säulen vorbei, die diesen Punkt markieren. Dort fuhr ich auch erneut unter der A42 hindurch und ab da gab’s dann die tolle Industrie-Kulisse zu sehen. Erbaut wurde dieses markante Industrie-Denkmal im Jahre 1901 und war ein Tochterunternehmen von Thyssen. Etliche Millionen Tonnen Spezialroheisen wurden hier produziert bis das Werk 1985 schließen musste. Landschaftsarchitekten bauten den Park um und machten ihn 1994 der Öffentlichkeit zugängig. Der Industrielandschaftspark bietet viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Konzerte finden dort statt, der deutsche Alpenverein hat dort einen Klettergarten eröffnet, die jährlich stattfindende EXTRASCHICHT ist ein fester Bestandteil, man kann dort in einem alten Gasometer  Tauchen und für Fotografen ist es ein Paradies.

Das Windrad am Sinterplatz...und mein Rad.

Das Windrad am Sinterplatz…und mein Rad.

Ich war zwar schon öfters dort, aber ich finde diese einzigartige Kulisse immer wieder hochinteressant. Viele Plätzchen dort laden gerade Radfahrer zu einer ausgiebigen Rast ein und man kann dort wirklich einige Zeit verbringen. Abends wird die Kulisse ebenfalls sehr schön beleuchtet.

Schön bunt.

Schön bunt.

Die Reste der alten Emscher.

Die Reste der alten Emscher.

Ich fuhr langsam mit dem Rad durch dieses tolle „Bühnenbild“ und kam an dem weithin sichtbaren Windenergieturm am Sinterplatz vorbei. Vom Aussehen her könnte er auch aus dem Wilden Westen stammen, einen Blick dort zu riskieren und sich das mal genauer anschauen lohnt ebenfalls. Von dort fuhr ich hinaus in die ehemaligen Außenbereiche des Werks und dann vorbei am „DELTA Musikpark“, einer Zirkuszelt-artigen Disco, wo ich mich früher auch schon mal am Wochenende rumgetrieben habe. Auf einem nun schön zu fahrenden Stück Radweg, der sogenannten „Deutschen Fussball-Route“ entlang, gelangte ich mit meinem kaum zu haltenden Rad endlich an den Rhein. Auf einer Bank oben auf dem Damm machte ich so bei schönsten Sonnenschein ein Päuschen und genoss die wunderbar wärmenden Sonnenstrahlen. Ich hatte mir genau den richtigen Tag für so eine Radtour ausgesucht.

Verdiente Pause am Rhein.

Verdiente Pause am Rhein.

Auf dem Damm Stromabwärts radelte ich weiter. Auf der anderen Seite des Rheins bei Moers konnte ich die Halde Rheinpreußen sehen, auf der in rund 74 Metern Höhe eine Riesen-Grubenlampe steht, die Abends natürlich wunderbar leuchtet. Dort werde ich irgendwann auch noch einmal hinfahren.

Eisenbahn links, Rad und Halde Rheinpreußen in der Mitte, und rechts die A42

Eisenbahn links, Rad und Halde Rheinpreußen in der Mitte, und rechts die A42

Jetzt fuhr ich erst mal weiter Richtung „Alsumer Berg“, vorbei an der riesigen Halle von ThyssenKrupp Steel, wo Unmengen an Stahl produziert werden und dies ein enorm wichtiger Arbeitgeber in Duisburg und überhaupt in der Region ist. Etliche Meter an den riesigen Hallen vorbei kam ich dann nun kurz nach dem Klärwerk zum Alsumer Berg, auch Beeker Halde genannt. Ich hatte eigentlich erst gar nicht vor da rauf zu fahren. Aber dann tat ich es doch. Einige extra angelegte Asphalt-Huckel später war ich dann oben. Interessant ist, das direkt unter mir, also genau da wo diese Halde steht, ursprünglich das Dorf Alsum war. Im Zweiten Weltkrieg so stark beschädigt und durch Bergsenkungen in Folge des Bergbaus ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde es aufgegeben und diese Halde bis auf etwas über 70 Meter aufgeschüttet. Dort oben, von diversen Aussichtspunkten, kann man die einzigartige Industrielandschaft sehr gut sehen. Unzählige Schlote, die in den Himmel ragen, Fabrikhallen, in den immer noch viele Menschen ihr Brot verdienen, aber auch viel Grün dazwischen. Das „klassische“ Ruhrgebiet lässt sich noch gut erkennen, doch auf der anderen Seite des Rheins kann man weit bis in den Niederrhein hinein gucken. Felder, Dörfer und Wäldchen lassen sich ausmachen. Ganz das Gegenteil zu der Seite, auf der ich jetzt stand. Eine Auffahrt sollte man also unbedingt mit einplanen. Bereuen tut man das nicht.

Alsumer Berg vorraus.

Alsumer Berg vorraus.

Industrielandschaft von oben.

Industrielandschaft von oben.

Der Blick vom Alsumer Berg in Richtung Niederrhein.

Der Blick vom Alsumer Berg in Richtung Niederrhein.

Als ich wieder die Halde hinunterfuhr, wußte ich nun, wofür diese ollen Asphalt-Huckel waren. Der weitere Weg wurde etwas unattraktiver. Denn der Stadtteil Fahrn liegt vielleicht etwas ungünstig zwischen all den Werken und Fabriken, eine einkommensstarke Gegend schien mir das nicht zu sein. Leicht schmutzig und etwas heruntergekommen, so kam es mir vor.

Start der HOAG-Trasse in Duisburg.

Start der HOAG-Trasse in Duisburg.

Irgendwo hier musste der Anfang der HOAG-Trasse sein. Eher ein erbärmliches Bild zeigte sich mir dort. Vandalismus und Schmierereien schienen hier ein wenig an der Tagesordnung zu sein. Typische Schrebergärten, wie man sie so aus dem Ruhrpott kennt, lagen zu meiner linken Seite. Doch es sah dort aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Hütten kurz vor dem Auseinanderfallen, kein (!) Grün zu sehen. Alles sah grau aus, keine Blume und kein Baum blühte dort. Es hatte etwas von einer Mondlandschaft. Ich empfand es ein wenig erschreckend.

Blühende Bäume an der HOAG-Trasse.

Blühende Bäume an der HOAG-Trasse.

Doch schon kurz darauf wurde es wesentlich schöner und die HOAG-Trasse zeigte mir, warum sie doch so beliebt ist. Nun idyllisch zwischen alten Zechensiedlungen und Neubaugebieten gelegen, radelte ich zum Glück jetzt wieder durch wesentlich mehr Grün. Ein paar Relikte aus alten Eisenbahntagen standen dort und erinnerten an vergangene Zeiten. Die rund 10 Kilometer lange Trasse hat viel zu bieten, am Wegesrand liegen zum Teil Spielgeräte für die jüngeren Gäste dieser Route, auch viele nette Rastmöglichkeiten sind installiert und laden zu einer Pause ein. Die Trasse diente früher vor allem dem Kohlentransport zwischen Oberhausen-Sterkrade und Duisburg-Walsum und gehörte der früheren Hüttenwerke Oberhause AG.

Vorbei am Emscher-Klärwerk verlief die Trasse jetzt durch viele grüne Gürtel und es machte einen Riesenspaß zu dort zu fahren. Auf Oberhausener Gebiet kam ich nun zu einer weiteren Sehenswürdigkeit, der alten Zeche Sterkrade. Einsam und verlassen stand die Konstruktion da, nachdem im Jahre 1903 die erste Kohle aus dem Boden geholt wurde. Nur von einem Zaun gegen unerwünschte Besucher gesichert.

Zeche Sterkrade, Schacht 1

Zeche Sterkrade, Schacht 1

So kam ich langsam, aber sicher wieder dahin, woher ich gekommen war. Ich überquerte die Emscher und war wieder auf dem Grünen Pfad. Von dort war es nicht mehr weit bis zu meinem Ausgangspunkt. Ein wirklich ganz hervorragender Tour-Tag neigte sich dem Ende entgegen. Viele Eindrücke habe ich gesammelt, viele davon ließen die Bilder in meinen Kopf von vergangenen Tagen des Ruhrpotts aufleuchten und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie es früher wohl mal hier war.

Wie man unschwer erkennen kann, gibt es auf diesem, in etwa 52 Kilometer langen Rundkurs eine ganze Anzahl von Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Etliche interessante Punkte geben Informationen zur Geschichte dieser Region. Nicht ohne Grund hieß ein Teil meiner Strecke auch „Route der Industrie-Kultur“. Die gesamte Rad-Route ist übrigens etwa 700 (!) Kilometer lang. Also wer mal gerade nichts vor hat…

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TOUR: Panorama-Tour am Limit

Radfahren Steiermark bikingtom

Schloss Waldstein

Bei dieser Tour in der Steiermark konnte mein E-Bike einmal zeigen wie weit es für mich „gehen“ würde.  Und in der Tat, es war eine beeindruckende, spannende Runde. Doch von Anfang an…

Los ging es in Übelbach, einem kleinen Dörfchen in der Steiermark in Östereich. Dort konnte ich die ersten Kilometer ohne Motorunterstützung radeln, denn zuerst führte mich der Weg meist leicht abwärts. Der erste interessante Stop war in Waldstein vor dem gleichnamigen Schloss. Schloss Waldstein gehört zum Hause Liechtenstein, gleichzeitig eine der ältesten Adelsfamilien Europas. Es entstand im 16. Jahrhundert. Erwähnenswert ist auch, das dort der Physik-Nobelpreisträger Victor Franz Hess als Sohn des damaligen Forstmeisters  das Licht der Welt erblickte. So ein kleines Dörfchen mit so einer Geschichte.

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Sensenwerk in Deutschfeistritz.

In Deutschfeistritz radelte ich dann am Sensenwerk vorbei, welches im Jahre 1849 die ersten Sensen produzierte. Nachdem das Werk 1984 stillgelegt wurde, werden im heutigen Museum einmal im Monat kostenlose Führungen veranstaltet und es wird gezeigt wie die Schmiede früher mit Hilfe der Wasserkraft den Hammer geschwungen haben. Die sechs großen Wasserräder funktionieren sogar noch heute!

Und da wo der Übelbach in die Mur fließt, bog ich auf den Murradweg ab. Vorbei an schönen Rastplätzen und Obstbäumen, an denen man sich selbst versorgen darf, wollte ich die rechts von mir liegende Bahnlinie über einer Brücke überqueren. Doch nix da. Baustelle. Ich hatte doch glatt das Baustellenschild übersehen. Das stand aber rund zweieinhalb Kilometer hinter mir wie ich dann feststellte. Was soll ich sagen? Alle Wege führen nach Rom, wie das Sprichwort so sagt. Nachdem ich dann eine kleine Umleitung genommen hatte, bemerkte ich, das ich nur rund 100 Meter entfernt auf der anderen Seite der Brücke vorbeikam. So kann’s gehen. Die wenigen Kilometer Umweg sollte ich anhand der Akkuleistung später noch bereuen…

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Stift Rein – das älteste Zisterzienser-Kloster der Welt.

Jedenfalls kam ich so doch noch nach Stübing, wo es das Österreichische Freilichtmuseum gibt. Ich verließ also den Murradweg und bog rechts ab, hinein ins Hügelige. Links von mir der Pfaffenkogel. Und kaum hatte ich die Hauptstraße verlassen, erwartete mich auch schon der erste enorme Anstieg. Der Motor musste ganz schön ackern und die Straße hatte eher Ähnlichkeit mit einem Schotterweg. Doch oben angekommen, ging es auch schon wieder rasant hinunter nach – der Name stimmt – Hörgas. Nach leicht geschwungenen Kurven kam ich so zum Stift Rein. Das Stift ist das weltälteste Zistersienser-Kloster. Es stammt aus dem Jahre 1129! Gegründet wurde es von Leopold dem Starken, Markgraf der Steiermark. In der Stiftsbibliothek befinden sich über 100.000 Bücher, Einzelblätter und Musikalien, einige davon reichen zurück bis ins 15. Jahrhundert!

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Da oben will ich hin…

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…und von da unten komme ich her.

Vom Stift aus ging es nun stetig bergauf. Nicht nur leicht, sondern stark! Die Akkuleistung ging jetzt rasch runter. Die bewaldeten Hänge boten viel Schatten, denn ich kam trotz Motorunterstützung ordentlich ins Schwitzen. Steilkehren begleiteten mich auf meinen Weg nach oben. Der Wald lichtete sich bei dem Dörfchen Kehr und ich erhaschte die ersten tollen Ausblicke! Bis weit hinein nach Slowenien konnte ich hier bei klarer Sicht schauen. Toll! Doch hier war noch nicht Ende. Ich schraubte mich weiter nach oben, und so langsam bekam ich Angst was meine Reichweite anging. Auf fast 1000 Metern erreichte ich den Gipfelpass bei Plesch. Hier war die Aussicht atemberaubend. Zur einen Seite konnte man die Ausläufer der Berge und bis weit Richtung Graz schauen, zur anderen Seite der Ausblick auf die noch schneebedeckten Gipfel der Gleinalpe sowie Roßbachkogel, Ternbachkogel und Speikkogel. Manche davon fast 2000 Meter hoch. Aber auch bei mir auf dem Pass lag teilweise noch der letzte Rest an Schnee. Die Auffahrt hatte sich definitiv gelohnt! Die Sonne schien und endlich ging es auch wieder Akku schonend bergab.

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Fantastischer Fernblick!

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Oben am Plesch-Pass.

Da ich die Tour spontan angegangen war, hatte ich den Streckenverlauf nur ungefähr geplant. So war ich im Glauben, das jetzt meine letzte Abfahrt auf der Rundtour kommen sollte. Alles wäre gut gewesen. Doch ich hatte mich getäuscht. Nachdem man auf der Abfahrt wohl Spiegeleier auf den Bremsscheiben hätte machen können, kam ich nach Gschnaidt. Hätten die Bremsen versagt, hätte ich wahrscheinlich Geschwindigkeiten wie in der Formel 1 erreicht. So hatte ich gelegentlich dann schon mal ein leichtes Kribbeln in der Magengegend.

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Rasante Abfahrten.

Wo sich die Bächlein Stübingbach und Pankrazenbach treffen, bog ich ab in Richtung Großstübung. Die Landstraße schlängelte sich lieblich durch das Tal. Bei einer Pause an einem Bushaltestellenhäuschen und studieren des weiteren  Weges stellte ich fest, das ich doch noch einen weiteren Pass bezwingen musste. Der Akku zeigte noch 6 km Restreichweite an! Jetzt sollte es spannend werden.

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Kurz vor Großstübing.

Welch ein Name, wie in einem Märchen – der Silberberg stellte sich mir und meinem Ziel Übelbach noch in den Weg. Nach den ersten Metern bergauf rutschte die Unterstützungsmodi ohne mein Zutun von der höchsten Stufe schnell auf die Niedrigste. Ich erreichte eine Bank, auf der ich noch einmal Pause machte. Der schöne Ausblick ins Tal interessierte mich gerade nicht mehr so.  Meine Gedanken kreisten um die Akkuleistung. Ich beschloss wenigstens ein paar Meter zu schieben. Doch selbst die Schiebehilfe versagte mir ihren Dienst. Zu steil ging es hinauf. Schwitzen tat ich jetzt ordentlich. Eine Kurve noch, sagte ich mir, dann steige ich wieder auf. Doch sobald der Motor im Eco-Modus einschaltete, ging die Reichweite jetzt auf 2 Kilometer zurück. Ein kleines Stückchen noch, dann schob ich wieder.

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Letzte Pause vor dem großen Schwitzen am Silberberg.

Dann wurde es brenzlig. Ich hörte Hundegebell näher kommen. Woher kam es? Ich sah den Gipfelpass 200 Meter oberhalb von mir liegen, da kamen links von einem Bauernhof zwei Schäferhunde zähnefletschend über die Wiese gerannt und blieben kläffend ungefähr 60 Meter vor mir stehen. Genauso blieb ich stehen. Was sollte ich tun? Sobald ich mich bewegte, knurrten und kläfften die Hunde noch lauter, jeden Moment bereit mich anzurennen. Das muss ein seltsames Bild gewesen sein. Mein Pfefferspray hatte ich ausnahmsweise mal nicht dabei, hätte mir bei zwei so netten Hündchen wahrscheinlich auch nicht geholfen.  Ich stand da wie angewurzelt. Ich wollte da hinauf zum Pass, unbedingt. Mein Gedanke war,  das ich bis oben langsam schiebe und wenn die Hunde losrennen sollten, ich mich schnell wieder auf das Rad schwinge und dahinunter rase woher ich gekommen war. Also gaaaaanz langsam…es wurde eher hektisch. Erst langsame Schritte, dann schnellere und dann Endspurt. Die Hunde bellten wie verrückt und ich schaute mich um ob sie mir nachgerannt kamen. Doch das war zum Glück nicht der Fall. Denn die zu meinem Glück anscheinend gut dressierten Hündchen bewachten ganz einfach nur das Grundstück und das auch wirklich nur bis zu dessen Grenze. Oben angekommen war ich klitschnass geschwitzt und meine Oberschenkel zitterten von den Anstrengungen. Doch ich hatte den Silberberg bezwungen. Jetzt ging es einfach nur noch bergab. Ich ließ das Rad rollen und musste lachen. „Sowas Aberwitziges kann auch nur mir passieren“,  dachte ich und schüttelte den Kopf.

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Auch der Akku vom Handy ging zur Neige. Hier das letzte Foto. Blick nach Großstübing.

An einem Aussichtspunkt hielt ich noch einmal an und blickte auf Übelbach. Ein, zwei leichte Steigungen noch ehe ich die Pyhrn-Autobahn unterquerte und nach Übelbach gelangte. Ich war am Ziel, nach rund 62 Kilometern, 1523 Höhenmetern und einer Akkuladung! Zwar ziemlich fertig, aber das war mir egal. Und das E-Bike-Fahren nicht anstrengend ist, braucht mir auch keiner mehr zu erzählen. Denn trotz Unterstützung muss man ganz schön an  Steigungen treten. Ich hatte sogar eine Maximalsteigung von 23% dabei! Das ist doch ganz beachtlich. Und wenn ich an all die tollen Ausblicke denke, dann hat sich diese Tour aber ganz gewiss gelohnt!

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TOUR: Mit dem E-Bike in der südlichen Steiermark

Radtour Steiermark bikingtom

Tolle Aussichten.

Noch relativ früh im Jahr war jetzt der Zeitpunkt für meine erste Radtour im europäischen Ausland! Die Steiermark in Österreich sollte die Kraft in meinen Pedalen zu spüren bekommen. Mein E-Bike war für diese Tour wie gemacht! Ausgangspunkt war  Graz, die Landeshauptstadt des Bundeslandes und zweitgrößte Stadt Österreichs.. Von dort ging es zuerst dem Murradweg R2 entlang. Die Mur war breit vom vielen Wasser der Schneeschmelze aus den Bergen. In der Ferne konnte man noch einige Berggipfel erkennen die sogar noch vom Neuschnee gekennzeichnet waren. Doch zum Glück blieben die Wolken an diesen Gipfeln hängen und ließen sich hier in der Tiefebene nicht blicken. Der Himmel war zuerst noch leicht grau, doch von Minute zu Minute klarte er auf. Auf den ersten Kilometern brauchte ich keinerlei Unterstützung vom Motor, das Rad rollte sanft und bequem dahin. Die Stadt ließ ich hinter mir.

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Vorne Acker mit Trecker, hinten Berge mit Schnee.

Die Gegend südlich von Graz wurde ländlicher und überall gab es bereits frisch beackerte Felder, wo die Erde gerade erst von den Traktoren und ihren Pflügen umgeworfen worden war. Die Feldwege waren geteert und die Reifen liefen gut. Feldkirchen lag jetzt hinter mir und ich näherte mich immer mehr dem Kraftwerk bei Werndorf. Die imposanten Türme des Kraftwerks lagen direkt am Radweg. Weiter rollte das E-Bike entlang der Mur, die links von mir dahinfloss. Ihre Strömung war kräftig. Da mitgerissen zu werden wäre bestimmt nicht wünschenswert. Kurz darauf kam ich dann am Badesee in Wildon vorbei. Im Sommer ein bestimmt heißbegehrtes Plätzchen, jetzt zu dieser Jahreszeit aber wenig einladend. Hier bog ich jetzt auch ab von der Mur in Richtung Schönberg an der Laßnitz. Es sollte nun rauf gehen in das hügelige Land der Südsteiermark. Zuerst noch entlang einiger Hauptstraßen, dann aber rein ins Vergnügen und auf schön geschwungenen und kaum befahrenen Landstraßen. Am Fuße der Hügel gab es noch einige Landwirtschaft, an den Hängen lagen schöne Wäldchen, in deren Wipfeln der Wind fegte. Das E-Bike schob sich den Berg in ordentlich geschwungenen Bahnen rauf. Ein wahres Vergnügen, auf einem „normalen“ Fahrrad wohl eher nicht. Teilweise ging der Blick an den Hängen steil nach unten und man merkte sofort was das E-Bike an Höhenmetern gerade bewältigte.

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Fleißiges Radelbienchen.

Je höher ich so den Hügeln kam, desto weniger wurden die Wäldchen und der äußerst bekannte Weinanbau in dieser Region machte sich bemerkbar. Ich war im sogenannten Sausal angekommen, dem Weinanbaugebiet zwischen den Flüssen Laßnitz und Sulm. Weißburgunder, Morillon oder Muskateller sind geschätzte Weine aus dieser Region. Und wie sollte es auch anders sein, kehrte ich standesgemäß in eine dieser bekannten Buschenschanken ein.

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Pause bei einer zünftigen „Brettljausen“.

Dort dürfen nur Getränke aus eigener Produktion sowie hausgemachte kalte Speisen sowie Mehlspeisen serviert werden. Ansonsten darf ein Betrieb den Namen „Buschenschank“ nicht führen. Die „Brettljausen“ gehört zu den bekannteren Speisen. Dabei werden wie bei einem Aufschnitt zum Beispiel Geselchtes, Schinken, Trockenwürstel, Schweinsbraten oder Speck mit Aufstrichen wie Kürbiskern, Verhackert oder Grammelfett serviert. Dabei gibt es noch leckeres, selbstgemachtes Brot sowie auch den teilweise scharfen Kren. Dazu habe ich mir dann noch hervorragenden roten, gespritzten Traubensaft gegönnt. Allerdings muss ich sagen, das die Buschenschank tatsächlich noch zu hatte, als ich dort ankam und die Hausherrin von Pichler & Schober bei St. Nikolai im Sausal selber noch beim Mittagessen war. Doch die Gastfreundlichkeit war so enorm, das alles kein Problem war und Ruck-zuck hatte ich Speis und Trank auf dem Tisch, durfte selbstverständlich mein E-Bike aufladen und saß windgeschützt im wundervollen Weingarten mit einem Ausblick wie in der Toskana! Ein absoluter Hochgenuss! An dieser Stelle muss ich deshalb noch einmal meinen Dank aussprechen!

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Im sogenannten „Sausal“.

Mit einem enorm vollen Bauch sollte man ja bekanntlich nicht direkt wieder kraftvoll in die Pedalen hauen, aber ich tat es trotzdem. Und so musste ich mich die ersten Kilometer dann doch etwas quälen. Hinzu kamen dann noch teilweise  sehr starke Windböen, Ausläufer des Sturmtiefs Niklas, das über Europa wütete, die mich besonders bei schnellen Abfahrten im wahrsten Sinne des Wortes durchrüttelten! Das wurde manchmal sogar recht kritisch. Auch die Bremsen mussten richtig arbeiten, denn so steil wie es die Hügel rauf ging, so steil ging es auch wieder runter. Aber die tollen Aussichten oben auf den Hügelkuppen waren jedes mal all das wert. Bis rauf nach Kärnten konnte man schauen. Beeindruckend.

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Radweg an der Sulm.

Doch mit der Zeit wurden die Hügel auch wieder flacher und ich kam zur Sulm und dem Sulmtalradweg R1. Beginnen tut er in Kaindorf an der Sulm und endet in Deutschlandsberg und gehört zu einem Europaschutzgebiet. Zumindest konnte ich einen Teilabschnitt befahren. Es ging wieder über Feldwege entlang und der Wind kam von hinten. Ich musste nicht mal mehr treten, so stark blies der Wind mir in den Rücken! So konnte der Bosch-Motor sich erst einmal ausruhen. Seine Stärke hatte er ja bisher sehr gut bewiesen. Auf dem Weg lagen dort, wo Bäume standen, viele trockene Äste, teils auch dickere, die der Wind sich geholt hatte. Das Ausweichen wurde mit der Zeit richtig nervig. Machen konnte ich dagegen allerdings nichts. Die Sulm schlängelte sich gemächlich durch die Landschaft. Das Wasser war kristallklar. Aber wohl auch verdammt kalt.

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Restaurationsbedürftig – Schloss Ottersbach.

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Kapelle am Frauenberg, ein geschichtsträchtiger Ort!

Vorbei ging es an einem Kürbiskern-Museum – eine Spezialität der Steiermark ist das Kürbiskernöl – und direkt daneben lag auch das kleine Schloss Ottersbach. Immer weiter ging es den R1 entlang. Manchmal wechselte sich Schotterweg mit geteerten Feldwegen ab. Aber bis auf die losen Äste prima zu fahren. Schließlich gelangte ich zum Sulmsee und kurz darauf lag oberhalb des Radwegs Schloss Seggau, das auch oberhalb der Stadt Leibnitz liegt. Die Sulm umfließt das Schloss aus dem 12. Jahrhundert in einer Schleife. Heute ist dort ein Hotel untergebracht, außerdem gibt es ein Kongresszentrum sowie einen 300-jährigen Weinkeller, wo es auch Speis und Trank gibt. Die Schleife nahm ich also mit und lies Leibnitz links liegen.

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Brücke bei Leibnitz.

Auf einem „Zubringer“, dem R6, gelangte ich bei Landscha an der Mur dann wieder auf den bereits bekannten Murradweg.  Nach wenigen Metern konnte ich dann an einem Sperrwerk sehen, wie die Sulm bei Retznei in die Mur mündet. Jetzt war es nicht mehr weit bis zur slowenischen Grenze. Der Radweg rollte schnell unter meinen Reifen daher. Leicht war es hier zu fahren. Auf den letzten Metern tat das noch mal gut. Vorbei an Ehrenhausen und dem gleichnamigen Schloss, ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert, erreichte ich dann mein Ziel in Spielfeld, kurz vor der slowenischen Grenze. Rund 92 km steckten jetzt in meinen Beinen, aber keinen Kilometer habe ich davon bereut!

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Schloss Ehrenhausen.

Radtour Steiermark bikingtom

Kunst am Ziel in Spielfeld.

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TOUR: Auf „Fietsentour“ in der Grafschaft Bentheim

Endlich, endlich passte mal wieder alles zusammen. Es war Wochenende, und wie die meisten wissen, war am letzten Sonntag hervorragendes Wetter und die Temperaturen krochen weit in den zweistelligen Bereich. Was macht man da? Richtig! Aufsatteln! Ich hatte da noch Runde offen in der Grafschaft Bentheim. Die wollte ich angehen. Also früh aufgestanden und losgebraust.

Der Start war direkt vor der imposanten Burg Bentheim. Oder eher direkt darunter, denn die Burg, die erstmals im Jahre 1050 urkundlich erwähnt wird, erhebt sich majestätisch auf einem großen Fels über der Stadt und hat in all den Jahrhunderten schon viel erlebt. Ich hatte aber für eine Besichtigung leider keine Zeit, aber wer Interesse hat, kann hier ein paar Infos bekommen!

Burg Bentheim im milchigem Abendlicht

Burg Bentheim im milchigem Abendlicht

Der Weg aus der Stadt führte mich über kopfsteingepflasterte Gassen zur Route der „Grafschafter Fietsentour“ Richtung des Naturschutzgebietes „Gildehauser Venn“.  Die Wegbeschaffenheit bis dahin war allerdings mehr schlecht als recht. Links und rechts waren zuerst nur weite Äcker und Weiden. Der Wind pfiff natürlich direkt von vorne, wie sollte es auch anders sein. Doch nach einigen Kilometern kam ich dann zum besagten Naturschutzgebiet. Das Gildehauser Venn ist ein sehr wichtiges und wertvolles Heide- und Moorgebiet. Der größte davon Teil liegt in Niedersachsen, grenzt aber direkt an Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden.

Blick von der östlichen Aussichtsplattform über das Gildehauser Venn

Blick von der östlichen Aussichtsplattform über das Gildehauser Venn

Himmelblaues Wasser

Himmelblaues Wasser

Radweg der Grafschafter Fietsentour durch das Venn

Radweg der Grafschafter Fietsentour durch das Venn

An einer Aussichtsplattform über das Venn hielt ich an. Ein älteres Rentnerpärchen, ausgestattet mit einem Feldstecher, klärte mich auf, welche Tiere man hier sehen kann. Sie kannten sich also anscheinend aus. Ein nettes Gespräch. Alles in allem ein sehr schönes Gebiet um die Natur zu erkunden.

Kurz darauf war ich dann schon in den Niederlanden. Der Weg wurde direkt besser. Die haben’s einfach drauf. Schon überquerte ich zum ersten mal die Dinkel. Der Fluss ist ungefähr 89 km lang und ein Zufluss der Vechte. Er entspringt in Nordrhein-Westfalen um nach kurzer „Irrfahrt“ in den Niederlanden wieder nach Deutschland zu fließen.

Radweg in den Niederlanden

Radweg in den Niederlanden

Der Weg schlängelte sich nun etwas am Waldrand entlang, doch kurz darauf musste ich auf die Straße. Und ehrlich gesagt fahren die Holländer im Grenzgebiet zu Deutschland genauso rücksichtslos wie wir. Breite Straße, aber dem Radfahrer dicht auf die Pelle rücken. Im wahrsten Sinne des Wortes grenzwertig. Doch es dauerte nicht lange. Kurz nach Snoeijink bog ich rechts ab, Richtung De Pope. Dort überquerte ich nun zum zweiten mal die Dinkel. Wunderschön gelegen war direkt an einem Baum gelegen  eine Bank. Die erste Pause war fällig.

An der Dinkel

An der Dinkel

Ich sog die Luft tief ein. Ich liebe diese Landluft. Der Geruch von Kuh, Dung und Acker. Unterwegs war ich schon an einigen Bauernhöfen vorbeigekommen. Dort roch es nach frischer Maissilage. Der Mais wird zur Ernte im Herbst vom Feldhäcksler in 5-50 mm große Stückchen zerkleinert und anschließend meistens in ein Fahrsilo eingebracht. Dort wird der Mais möglichst luftdicht mit einer Folie gegen z.B. Pilze abgedeckt. Durch Restzucker im Mais und dem wenigen Sauerstoff beginnt er zur gären und wird so haltbar gemacht. Meistens wird er dann zur Fütterung von Rindern genutzt, teilweise aber auch in Biogasanlagen gebraucht. Um es kurz zu halten: man stelle sich frisch gemähtes Gras vor, nur mit Mais. So ähnlich halt duftete es…

Weitere Raststation. Mit Gästebuch im Schrank!

Raststation. Mit Gästebuch im Schrank!

Weiter ging es dann Richtung Lutterzand. Einem Waldgebiet mit Birken- und Kiefernbestand sowie Pinien, Laubbäumen und Heidelandschaft. An den Ufern der Dinkel leben unter anderem der Eisvogel und die Uferschwalbe. Herrlich klare Luft empfing mich in diesem Gebiet. Es roch stark nach den Kiefern. Sehr angenehm. Die Reifen rollten leicht gedämpft über den Waldboden, nur das leise surren der Räder und das Gezwitscher der Vögel in den Baumkronen war zu hören. Ich konnte diesen Teil mit allen Sinnen genießen. Ein schönes Stück Natur.

Im Wald von Lutterzand

Im Wald von Lutterzand

Ich lies Lutterzand hinter mir und kam an den sogenannten Omleidingskanaal, der ungefähr von Lutterzand bis nach Lattrop geht und dort wieder in die Dinkel übergeht. Ihr seht, der Fluss hatte es mir angetan. Jedenfalls überquerte ich den Kanal zügig und radelte vor mir hin.Ich kam in den Ortsrand von Denekamp. Tolle Häuschen, das ist untertrieben, prägten diesen Teil der Stadt. Teure Autos und ebenso teure Häuser mit gepflegten Vorgärten waren links und rechts zu sehen. Da weiß man direkt, wo die Kohle steckt.

Schloß Singraven

Schloß Singraven

Beinahe hätte ich eine wirkliche Sehenswürdigkeit einfach übersehen. Zu meiner Linken stand plötzlich herrschaftlich gelegen Schloss Singraven. Im Jahre 1381 wurde es erstmals als landwirtschaftliches Anwesen erwähnt und gehörte im Laufe der Jahrhunderte unter anderem dem Bischof von Utrecht und dem Grafen zu Bentheim. Es wurde mehrfach umgebaut und gehört heute einer Stiftung, die kulturelles Erbgut in den Ost-Niederlanden bewahrt. Nicht zu übersehen war, das diese Ecke ein lohnenswertes Ausflugsziel zu sein scheint. Eine Wassermühle und ein nettes Café dürfen da fast schon nicht fehlen.

Ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Einheimische. Direkt bei Schloss Singraven gelegen.

Ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Einheimische. Direkt bei Schloss Singraven gelegen.

Zum Glück wurden die Anzahl der Menschen kurz nach dem Schloß geringer und es lies sich wieder ruhig radeln. Mein Bike lenkte ich jetzt am Nordhorn-Almelo-Kanal entlang, wieder Richtung Deutschland. Der Kanal war mal rund 33 km lang und diente der ansässigen Textilindustrie. Er wurde zwischen 1889 und 1904 fertig gestellt. Durch die geringe Wassertiefe blieb der Kanal aber relativ unbedeutend im überregionalem Sinne. 1960 fuhr das letzte Boot durch den Kanal und er wurde dann teilweise wieder zugeschüttet. Es entwickelte sich aber eine Art Biotop für Tiere wie Fische und Vögel sowie auch für einige Pflanzenarten. Außerdem blieben einige wenige Schleusen und Zugbrücken erhalten. Die Baumalleen und der Kanal selbst stehen unter Denkmalschutz. Man kann dort prima radeln. An der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden, an der einzigen deutschen Schleuse, machte ich dann noch mal eine Pause. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie hier früher die Kähne die Waren transportierten.

Der Nordhorn-Almelo-Kanal

Der Nordhorn-Almelo-Kanal

Und schwups, war ich wieder in Deutschland. Der Kanal führte mich ins Zentrum von Nordhorn. Am Kanal selber waren jetzt links und rechts mehr Wohngebiete bzw. Industriegebiete angrenzend. Man merkte sofort, das man hier nun  in einer etwas größeren Stadt unterwegs war. Es waren bei dem Wetter wesentlich mehr Sparziergänger unterwegs. Alle wollten etwas von der Sonne abhaben. Nur zu verständlich. So landete ich am Vechtesee, von da ging es Flussaufwärts dem Vechte-Radweg entlang. In Brandlecht bog ich links ab, am gleichnamigen Gut aus dem Jahre 1326 vorbei. Überall auf der Tour war Geschichte satt zu sehen. Toll!

Wäldchen, Acker- und Weideflächen wechselten sich ab. Die Sonne war mittlerweile etwas milchig-trüb geworden, leichte Wolken waren am Himmel zu erkennen. Es wurde Nachmittag. Trotzdem sah ich den ersten gelben Schmetterling in diesem Jahr! Na, wenn das mal kein Zeichen ist.

Ich und mein Rad erreichten nun Hestrup, das aber auch ganz schnell wieder hinter uns lag. Nicht weil der Ort nicht schön ist, sondern weil er recht klein ist. Schon war ich wieder auf Feldwegen unterwegs, die aber erstaunlicherweise recht fahrradfreundlich waren!

Fahrradfreundlicher Rad(Feld)weg

Fahrradfreundlicher Rad(Feld)weg

So langsam merkte ich dann doch meine Muskulatur in den Beinen. Ich habe bisher noch zu wenig Kilometer in diesem Jahr geradelt. Das macht sich dann bemerkbar. Aber das Wetter fängt ja auch erst an schöner zu werden. Da werden noch einige Kilometer folgen.

Ich näherte mich jetzt Schüttorf. Von da sollte es nicht mehr weit sein bis zum Ausgangspunkt der Tour. Die Stadt links liegend lassend schlängelte ich mich nun durch den Bentheimer Forst. Der Weg war als Waldlehrpfad angelegt und es gab einige Stationen, an denen die Besucher, egal ob Groß und Klein, noch einiges über das Grün im Wald lernen konnten. Hier waren auch wieder mehr Menschen unterwegs. Noch mehr natürlich an den Bentheimer Mineral Thermen. Der Außenpool war schon offen und er war sichtlich rege besucht.

Denkmal als Andenken für die Befreiung von Napoleons im Jahre 1813.

Denkmal als Andenken für die Befreiung von Napoleon im Jahre 1813.

Unverkennbar war jetzt, das ich mich dem Ende der Tour näherte. Ich kam zum Schlosspark. Die Burg erhob sich im trüben Sonnenlicht. Eindrucksvoll stand sie auf dem großen Felsen und strahlte Stärke und Standfestigkeit aus. Ein schöner Tag ging zu Ende. Ich hatte wieder mal eine Menge gesehen. Auch wenn die Beine auf den letzten Metern schwer wurden, das war mir egal. Lächelnd und zufrieden konnte ich jetzt meine Heimreise antreten.

Einladung zur Betrachtung des Walddachs im Bentheimer Forst. mit einem Lächeln auf den Lippen.

Einladung zur Betrachtung des Walddachs im Bentheimer Forst. mit einem Lächeln auf den Lippen.

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TOUR: Norseeküsten-Radweg   –  Teil 4 – Das große Finale

Es grünt so grün

Es grünt so grün

Tag 5

„Ein ordentliches Frühstück ließ uns Kräfte sammeln um unsere Taschen vom 2. Stock wieder herunter zu tragen. Danach brauchten wir dann kein Aufwärmprogramm mehr. Da wir nach den letzten Tagen so eingespielt sind, war der Wagen dann in Sekundenschnelle beladen.

Gut gelaunt ging es in den letzten Tour-Tag

Und los ging’s, unser letzter Tag auf dem Rad. Weiter die Küste entlang um nach Wilhelmshaven zu gelangen. Die ersten Meter ging es wieder vom Hotel zurück Richtung Damm. Die eigentliche Route führt über Jever nach Wilhelmshaven, doch wir nahmen lieber die alternative Route an der Küste entlang, der sogenannten Tour D’Fries. So ging es zuerst an am Flugplatz von Carolinensiel vorbei und weiter zwischen den Deichen die das Festland schützen. Das Wetter war hervorragend. Sonne, blauer Himmel und kaum Wind auf der Strecke. Da machte uns das Radeln sehr viel Spaß. Die Stimmung ist so direkt viel besser als bei einem grauen, windigen Tag.

Auch die Temperaturen spielten mit

Auch die Temperaturen spielten mit

Und trotz leichter Schmerzen an den zwei Berührungspunkten unseres Hinterns zum Sattel waren wir gut drauf! Die Route war auch recht abwechslungsreich und führte immer mal wieder zwischen alten Bauernhäusern und durch sanft geschwungene Feldwege hindurch. Nur das Bosseln hat wohl zum Teil die Fahrradwege in Mitleidenschaft gezogen ( haben wir uns zumindest eingeredet, einen Sündenbock brauchten wir ja ), so das wir dem Rad des öfteren durch kleine Kuhlen fuhren und unsere Kronjuwelen nicht gerade sonderlich erfreut waren. Deswegen hier an dieser Stelle der passende Titel für die heutige Fahrt, so wie wir sie dann tauften: die „Nussknacker-Tour“. Alternativen gab es auch. zum Beispiel als ich durch Pferdeäpfel fahren musste und sagte, das wäre eine „Sch…-Tour“, sagte Dirk daraufhin das wäre eher eine „Tort(o)ur“. Wir mussten so lachen das wir vom Fahrrad absteigen mussten weil uns die Tränen schon die Backen herunterliefen! Es war einfach zu schön.

Pause in Horumersiel. Das Leben ist schön.

Pause in Horumersiel. Das Leben ist schön.

Nach rund 19 Kilometern kamen wir dann in Horumersiel an und machten dort auf einer Bank am Deich, oberhalb des Strandes eine Pause. Die Sonne schien mit weit über 20 Grad, man mag es kaum glauben. Wenn sie dann doch mal hinter Wolken verschwand, wurde es aber direkt wesentlich kühler.

Jetzt schien es ein leichtes die „letzten“ Kilometer nach Wilhelmshaven zu fahren. Aber das fand unser Gesäß jedenfalls nicht. Und so fuhren wir weiter, etwas abseits von der Küste, bis wir letztendlich wieder Richtung Deich abbiegen mussten. Wir kamen nach Hooksiel und dem kleinen schnuckeligen Hafen. In dem man anscheinend mit dem Auto und laufenden Motor stehen kann und dabei sein Eis essen kann. Es gibt doch immer wieder Vollidioten!

Am „Hafen

Und nachdem wir den Ort hinter uns gelassen hatten, begann ein regelrechter Zick-Zack-Kurs zwischen Feldern und Bauernhöfen. Zu unserem Leidwesen waren nun Regenwolken aufgezogen die wir erst in der Ferne sahen, dann aber immer näher kamen. Als uns die ersten Tropfen erreichten, zogen wir zum ersten mal auf der gesamten Tour unsere Regenjacken an. Und das auf den letzten Kilometern. Es war kein großer Schauer der uns erreichte, aber ein paar Tropfen waren es schon! Mittlerweile hatten wir die ersten Vororte von Wilhelmshaven erreicht und stellten uns kurz an einer Bushaltestelle unter. Und NEIN, wir fuhren NICHT mit dem Bus weiter. Standhaft wie wir sind, setzten wir uns wieder auf unsere Drahtesel und fuhren durch ein paar Grüngürtel weiter Richtung Hauptbahnhof, wo unser letztes Hotel auf dieser Reise lag. Es war sehr einfach und auch schön durch diese Parkanlagen zu fahren und so den ganzen Verkehr der „Großstadt“ zu entgehen.

Und dann war es so weit – endlich kamen wir mit unseren Rädern nach 5 Tagen und rund 252 Kilometern an unserem Ziel an! Ein richtig gutes Gefühl beschlich uns nach all den Metern auf den Rädern! Wir waren mit uns sehr zufrieden…und glücklich waren wir auch!

Geschafft!

Geschafft!

FAZIT DER TOUR

Es war ein Heidenspaß diese Tour zu fahren. Auch wenn einzelne Passagen manchmal anstrengend waren oder landschaftlich etwas eintönig, waren 99% der Tour einfach nur Spaß. Die Räder fuhren sich hervorragend – unser Sitzfleisch sieht das wohl anders. Wir hatten keine Panne und waren auch sehr froh darüber!

Mit dem Wetter hatten wir Riesen-Glück. Teilweise war es verdammt eng zwischen „trocken bleiben“ und „nass werden“. Aber der klitzekleine Schauer am Schluss machte uns nicht wirklich mehr was aus, nur die Räder wurden doch noch etwas dreckig.

Körperlich, jetzt kann ich nur für mich sprechen, fühle ich mich Spitze. Ich habe keinerlei muskuläre Probleme und könnte in der Hinsicht noch weiter fahren. Mein Hintern wird es mir danken das ich es nicht tue.

Die fünf Tage und 252 Kilometer auf dem Rad sind unseres Erachtens ausreichend. Wir sind keine Spitzensportler und wollen das auch nicht mehr werden. Der Spaß stand im Vordergrund und auf Tempo kam es uns nicht an. So konnten wir die Landschaft genießen, die gesunde Luft hier an der Küste, aber auch die ganzen kulinarischen Köstlichkeiten die hier in der Region angeboten werden. Pizza kann man auch zu Hause haben.

Ich denke das wir hier alle ein paar schöne Tage erlebt haben. Und vielleicht sagt man ja irgendwann: Mensch, das war toll, nächstes mal fahren wir von Wilhelmshaven nach Hamburg, weiter den Nordseeküsten-Radweg entlang. Das wäre doch ein Spaß, oder?“

Hier endet dann auch mein Roadbook. Mir hat es damals wirklich gut gefallen. Außerdem ist es auch teilweise amüsant, wenn man mit einiger Zeit Abstand mal seine eigenen Aufzeichnungen liest. Und vielleicht hat es euch ja auch ein wenig gefallen…?

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