Im Gespräch mit dem ehemaligen Profi
Fotos: Thomas Terbeck
Eine Hotel-Lobby in Cesenatico. Manuel Senni, italienischer Ex-Profi beim legendären BMC Racing Team und anschließend bei Bardiani-CSF ist heute als Tourguide im Lungomare Bike Hotel in Cesenatico, direkt an der Adria gelegen, aktiv. Dazu schraubt er zusätzlich im örtlichen Bikeshop an den teuren Rennrädern der Kundschaft.
Ganz entspannt sitzt er im Cycling-Dress auf der Couch. Er kommt eben von einer Tour mit Hotelgästen zurück, aber rund 90 Kilometer und etwa 800 Hm fordern ihn sichtlich kaum heraus.
Viel zu früh endete seine vielversprechende Karriere. Einige Verletzungen und gesundheitliche Probleme am Herzen beförderten ihn nach vier Teilnahmen beim Giro d’ Italia aus dem Profi-Peloton. Mit seinem Schicksal hadern kommt ihn jedoch nicht im Sinn. Im Gegenteil. Der sympathische und smarte 32-jährige hat stets ein Lächeln auf den Lippen, wirkt aufgeräumt und mit sich im reinen.
Wenn du beispielsweise an einem Fahrrad gearbeitet hast und dieses dann gewinnt, fühlt es sich an, als ob du das Rennen selbst gewonnen hättest. Das macht mich wirklich glücklich.
Seiner Fitness scheinen die Umstände nicht geschadet zu haben. In vielen bekannten Rennen, die in Italien und insbesondere in der Radsport-Region der Emilia-Romagna in den letzten Jahren stattfanden, hat er bemerkenswerte Siege eingefahren und weiterhin seine Duftmarke gesetzt. Zahlreiche Siege bei ambitionierten Granfondos mit starker Konkurrenz oder etliche KOMs stehen auf seinem Konto. Ambitionen auf Höheres hegt er jedoch nicht mehr.
Doch das Leben hält manchmal unerwartete Wendungen parat. So auch für Manuel, denn: kein geringeres WorldTour-Team als Tadej Pogacar’s UAE hat angeklopft, um ihn zur nächsten Saison als Mechaniker zu verpflichten. Er ist Back in Business, wie es so schön heißt. Zurück im Profibereich der UCI WorldTeams. Zwar nicht als aktiver Fahrer, aber dennoch in wichtiger Funktion für das Team.
Ich habe mit Manuel über seine Karriere, seinen Job als Tourguide und seine Zukunft bei UAE gesprochen.

Manuel, in welchem Alter bist du das erste Mal mit dem Radsport in Berührung gekommen und wie war dein Werdegang?
Nun, das war wirklich sehr früh. Ich war etwa acht Jahre alt, als ich mit dem Radsport begann. Zusammen mit meinem Bruder. Ich erinnere mich daran, dass ich bereits mit sechs Jahren Radsport im Fernsehen verfolgt habe, besonders wegen Marco Pantani. Ich erinnere mich an seine Siege beim Giro d’Italia und bei der Tour de France 1998 und 1999. Oder an den legendären Kampf im Jahr 2000 zwischen ihm und Lance Armstrong am Mount Ventoux. Obwohl ich noch sehr jung war, war ich schon ein großer Fan von Marco und erinnere mich an viele Dinge aus dieser Zeit. Wegen ihm habe ich mit dem Radfahren begonnen.
Mein Vater war ebenfalls Radfahrer, aber er wollte nicht, dass wir nur wegen ihm damit anfangen; er wollte, dass wir es aus eigenem Antrieb tun. Später habe ich erfahren, dass er sogar Teamkollege von Marco Pantani in der U23 war.
Nachdem er (Marco Pantani, Anmerk. Autor) verstorben ist, hat mein Vater mit dem Radsport aufgehört. Er lernte meine Mutter kennen und begann, wie es dann oftmals so ist, ein anderes Leben.
Ab meinem zwanzigsten Lebensjahr begann ich ernsthaft daran zu arbeiten, ein Profi zu werden.
Mit meinem Bruder fuhr ich zusammen Rennen bis in die U23. Das war damals in Bergamo beim Team Colpack. Danach wurde ich 2014 Profi, während mein Bruder in der U23-Kategorie blieb. Später begann er in einem Fahrradgeschäft zu arbeiten – dort, wo ich jetzt manchmal nachmittags mitarbeite. Er bleibt weiterhin im Radsport aktiv und fährt Rennen. Wie man sagt: „zum Spaß“.
Wann hast du damals gemerkt, dass es aufgrund deiner Leistungen für mehr reichen könnte?
Wenn du in den Jugendmannschaften gut abschneiden willst, musst du bereits mit 16 oder 17 Jahren wie ein Profi trainieren. Wenn du das nicht tust, wirst du später gegen andere antreten müssen, die besser vorbereitet und stärker sind als du.
Das bedeutete für mich, dass ich mit etwa 20 Jahren aus dem Junioren-Team herauskam. Man bekommt dann ein Jahr in der U23 Zeit, um die Abläufe zu verstehen und zu lernen, wie man richtig trainiert. Diese „Schule“ war damals wichtig; heute beginnt man damit sogar früher.
Ich begann zu der Zeit mit einem Personal Trainer zu arbeiten und hatte jemanden, der mir bei der Ernährung und allem anderen Zeugs half. Ab meinem zwanzigsten Lebensjahr begann ich somit ernsthaft daran zu arbeiten, ein Profi zu werden. Das war genau der Zeitpunkt, an dem ich anfing zu verstehen, was ich erreichen kann. Jahr für Jahr konnte ich mich erheblich verbessern – besonders in den ersten zwei Jahren als Profi.
Um Profi zu werden, reichte es nicht aus, nur ein paar Rennen zu gewinnen.
In dieser Zeit trainierte ich mit stärkeren Fahrern wie Greg van Avermaet, Philippe Gilbert oder Tejay van Garderen. Manchmal schnitt ich sogar besser ab als sie. Das Training und die Wettkämpfe mit ihnen sowie die Trainingslager halfen mir dabei, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und mich zu verbessern.
Wie bist du an deinen ersten Profi-Vertrag gekommen?
2014/15 war das. Bereits in der Mitte des Jahres 2014, als ich noch in der U23-Kategorie war, gewann ich zwei Etappen beim Giro Valle d’Aosta. Das ist eines der wichtigsten Etappenrennen für U23-Fahrer. Nach diesen Erfolgen unterschrieb ich dann meinen ersten Profi-Vertrag.
Wie funktionierte das bei dir genau? Worauf achteten die großen Teams?
Um Profi zu werden, reichte es nicht aus, nur ein paar Rennen zu gewinnen. Du musstest in den wichtigen Rennen gute Ergebnisse erzielen. Am besten in internationalen Wettbewerben, bei denen du gegen Fahrer aus der ganzen Welt antreten musstest. Diese Rennen sind generell viel anspruchsvoller als lokale Rennen, die oft leichter zu gewinnen sind.
Sie konzentrierten sich damals nur auf die größten und bedeutendsten Wettbewerbe. In meiner Karriere hatte ich zwar einige gute Ergebnisse in nationalen und internationalen Rennen. In Europa gab es jedoch immer starke Konkurrenz, während ich in den USA manchmal sogar allein ins Ziel kam. Aber als Solist anzukommen ist immer komplizierter. Jetzt sehen wir ja meistens Gruppen im Sprint-Finale.
Ich war dennoch kein richtiger Gewinner-Typ, weil ich damals einfach nicht schnell genug war, trotzdem sah man in mir anscheinend genug Potenzial.
Wie ist das heutzutage? Was hat sich geändert?
Im Gegensatz zu meiner Zeit schauen die Teams heute bereits früh auf die Junioren-Teams und verfolgen die Resultate der jungen Fahrer. Talente werden frühzeitig getestet. Und wenn sie gut sind kommen sie mit 19 Jahren in die Development-Mannschaften der jeweiligen WorldTeams, um sie so gut wie es geht auf einen möglichen Sprung zu den Profis vorzubereiten.
Der Sportdirektor kannte alle Fahrer, wusste alles über sie und konnte erkennen, wer das Potenzial hat, ein Rennen zu gewinnen.
Die „Neuen“ mussten den alten Hasen im Peloton zumindest früher meist Gefolge leisten. Anerkennung musste sich hart verdient werden. Wie war das bei dir?
Mein erstes Jahr als Profi bei BMC war sehr interessant. Das Team hat mir keinen Druck gemacht, was für mich sehr angenehm war. In einem so starken Team arbeitest du zu Beginn oft für die anderen, die größeren Fahrer. Für mich bedeutete das, dass ich im Peloton mitfuhr, die Anstiege und flachen Abschnitte übernahm und vielleicht versuchte, in Ausreißergruppen zu gehen. Dabei lernte ich schnell, wie das funktionieren kann. Dennoch hatte ich in diesen Rollen nicht viel Druck.
Im Laufe der Jahre gab es dann Rennen, in denen die stärksten Fahrer des Teams sich erholen durften oder auf andere Ziele fokussiert waren. Manchmal gingen wir dann mit einem weniger starken Team an den Start. In solchen Rennen hattest du mehr Chancen, eine Etappe oder sogar die Gesamtwertung zu gewinnen. Ein Beispiel dafür ist die Tour of Colorado: Zwei Wochen vorher hatte ich meinen Kapitän Brandt Bookwalter bei der Tour of Utah unterstützt, und der Sportdirektor merkte, dass ich in guter Form war. In Colorado gab er mir dann die Chance, selbst um den Gesamtsieg zu kämpfen.
Das Teampersonal war wirklich unglaublich; es war fast unmöglich, dass jemand nicht in Topform war. Der Sportdirektor kannte alle Fahrer, wusste alles über sie und konnte erkennen, wer das Potenzial hat, ein Rennen zu gewinnen und wer nicht.
War das der Punkt, wo du dachtest, jetzt bin ich angekommen und werde von allen akzeptiert?
Nein, dieses Denken gab es bei mir nicht.
Was war dein größter Traum für dich als Profi?
Mein großer Traum war es, den Giro d’Italia zu gewinnen, da ich gut in Etappenrennen war. Und als Italiener ist der Giro natürlich etwas ganz Besonderes. Es gibt 21 Etappen, was viele Chancen bedeutet, besonders für die Kletterer. Du musst wirklich stark sein, um eine Etappe zu gewinnen.
Dazu triffst du bei jeder Etappe Freunde aus ganz Italien und insgesamt auf ein sehr begeisterungsfähiges Publikum. Es ist eine großartige Atmosphäre und eine einzigartige Erfahrung.
Du hast viermal am Giro teilgenommen, konntest ihn jedoch leider nicht gewinnen und deinen Traum erfüllen. Doch was hast du dennoch in deiner Karriere erreichen können?
Mein bestes Ergebnis beim Giro d’Italia hatte ich 2019, wo ich in zwei alpinen Etappen unter die Top Ten kam. Es ist richtig, dass ich beim Giro oft für die Kapitäne bei BMC gearbeitet habe. Im ersten Jahr hatten wir van Garderen und Ron Dennis im Team. Leider hatte Ron einen Sturz und musste aufgeben, während van Garderen nach einem Etappensieg versuchte, die Gesamtwertung zu gewinnen.
Im zweiten Jahr war ich in Abu Dhabi dabei, um zu unterstützen. Später in meiner Karriere war ich dann dort mit einem kleineren Team, mit Bardiani. Unser Ziel war es, in Ausreißergruppen zu gehen und eine Etappe zu gewinnen. Das waren schon echte Highlights.
Im Radsport gibt es Höhen und Tiefen. Leider oft mehr Tiefen als Höhen. Radsportler müssen in der Tat sehr leidensfähig sein. Bei dir nahm die Profikarriere ein jähes Ende. Was ist passiert?
Ich begann meine Karriere als Profi und am Anfang lief es wirklich gut für mich; ich war in einem der besten Teams der Welt – dem BMC Racing Team. 2017 gewann ich mein erstes Rennen und erzielte viele gute Ergebnisse. Ich hatte das Gefühl, dass meine Karriere wachsen könnte und dass ich vielleicht ein guter Teamplayer werden könnte – nicht einer der stärksten Fahrer, aber ein solider Fahrer.
Sie mussten meine Aorta öffnen.
Leider hatte ich nach der erfolgreichen Saison 2017 viele gesundheitliche Probleme. Es begann mit Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber, Anmerk. Autor) im Winter und dann hatte ich einen Trainingsunfall, bei dem ich mir beide Knie verletzte. Während des Giro d’Italia 2018 brach ich mir dann auch noch den Oberschenkel.
Im Jahr 2019 hatte ich dann Probleme mit einer Arterie. Zunächst versuchten die Ärzte, das Problem mit einem Stent zu lösen, aber einer davon verbog sich. Also musste eine große Operation durchgeführt werden: Sie mussten meine Aorta öffnen – ein sehr schwerer Eingriff. Nach dieser Operation gaben mir die Ärzte zwei Jahre zur Genesung, weil es wirklich eine harte und umfangreiche Operation war.
Ich habe versucht danach erneut als Profi zu fahren, aber ohne gute Ergebnisse. Ende 2021 entschied ich mich schließlich dazu, meine Karriere zu beenden und begann als Fahrradmechaniker zu arbeiten sowie während der Sommersaison als Tourguide für Hotels tätig zu sein.
Wie hart war es für dich mit dem Profiradsport aufzuhören und wie bist du damit umgegangen?
Nun, für mich war es gar nicht so ein großes Problem, wie es für viel Profis teilweise ist, weil ich ja über die Zeit bereits eine Menge Prozesse abbrechen musste. Und wenn du von vielen Unterbrechungen kommst ist es harte Arbeit die du erledigen musst, um auf einem solch hohen Niveau zurückzukommen.
Ich habe schnell verstanden, das ich nicht in der Lage war, all die notwendigen Dinge zu tun. Ich habe zum Glück zügig einen guten Job gefunden, das hat mir sicherlich auch geholfen aus der Welt des Profiradsports herauszukommen. Ich fing an, in der Fahrradwerkstatt zu arbeiten, weil mein Ziel darin bestand, Fahrradmechaniker zu werden, um dann eines Tages in ein Team zurückzukommen. Das passierte tatsächlich, ich bekam die Chance. Und nächstes Jahr fange ich nun beim Team UAE als Bike-Mechaniker an.
Du bist also nicht in ein mentales Loch gefallen?
Nein, nein, denn du musst immer darüber nachdenken, „wie ist deine Situation?“ Für mich war es quasi unmöglich, zurückzukommen. So realistisch musste ich sein.
Oder ich hätte jemanden finden müssen, der vielleicht in mich investiert. Sagen wir ein großes Team, dass klarstellt, okay, jetzt nehmen wir dich und geben dir zwei Jahre, um zu wachsen. Und dann, im dritten Jahr, fangen wir an, Ergebnisse zu erzielen. Das Risiko ist, sie geben viel Geld für dich und für die Rennen aus und du erzielst trotzdem keine Ergebnisse.
Dazu wächst das Niveau des Radsports gerade sehr stark. Es kommen diese jungen 20-jährigen Fahrer, die jetzt schon bereit sind, die Tour de France zu gewinnen. Das ist so verrückt.
Manuel in der Werkstatt von „Sport Bike“ in Cesenatico, wo er nach den Touren durch die nahen Hügel der Emilia Romagna am Morgen zusätzlich Nachmittags an den Rädern der Kundschaft schraubt. Während er mir erzählt, wie es dort zugeht, behält er stets den Überblick, was er gerade am Rad macht. Wie der Zufall es will, musste mein Bike dringend an den Bremsen gecheckt werden. Kurzerhand nahm sich Manuel meines Problems an und ich konnte sehen, wie sehr er auf Details achtet.
Seit ein paar Jahren arbeitest du auch als Tourguide für das Lungomare Bike-Hotel. Wie kam das zustande?
Nun, ich kannte Andrea schon länger. Er war der Chef-Tourguide hier im Lungomare. Als ich noch Profi war, folgte er mir auf meiner Facebook-Seite. Außerdem war er einer der Organisatoren meines Fanclubs und ist ein wirklich guter Freund. Als ich das Profi-Sein an den Nagel hing, fragte er mich, ob ich Lust hätte als Tourguide zu arbeiten. Ich habe gedacht, ich versuche es einfach und beschloss da reinzukommen. Auch damit ich die englische und französische Sprache nicht ganz verlerne (lacht).
Was bedeutet es mit Giro d’ Italia-Teilnahmen in deinem Palmares als Tourguide zu arbeiten? Spürst da einen gewissen Erwartungsdruck von Gästen, die dich vielleicht immer als den Ex-Profi mit einer gewissen Aura ansehen?
Nein, nein. Da ist kein Druck. Ich kann meinen Job ganz in Ruhe erledigen. Es macht es aufgrund meiner Vergangenheit eher einfacher. Nein, ich verspüre da echt keinerlei Druck.
Gibt es denn Momente, in denen es dich vielleicht nervt, weil du jeden Tag dieselbe Geschichte von dir erzählen musst?
Nein, eigentlich nicht. Vielleicht im ersten Jahr, als ich aufgehört habe, ein bisschen. Journalisten und andere Leute haben damals mehr nachgefragt. Aber viele, viele Menschen in Italien haben eine wirklich echte Leidenschaft für den Radsport. So wird es immer jemanden geben, der meine Geschichte hören möchte. Aber das ist für mich völlig okay.
Ötztaler, Nove Colli oder Granfondo Sportfull Dolomiti Race – allesamt bekannte Radrennen , die du in den letzten Jahren gewonnen hast, die diesjährigen Granfondos nicht mitgezählt. Dazu arbeitest du noch in einem Bikeshop in Cesenatico. Dein Name ist definitiv mit dem Radsport fest verbunden. Und jetzt der nächste große Schritt: Team UAE hat angeklopft. Erzähl uns, was es damit auf sich hat und wie es dazu kam.
Als ich aufhörte, als Profi zu fahren, fing ich sofort an als Fahrradmechaniker zu arbeiten. Für mich war der Fahrradladen wie eine Schule.
Ich dachte zunächst, ich könne außerdem doch Granfondos fahren, was ich anscheinend auch erfolgreich tat.
Dann habe ich darüber nachgedacht, dass ich eigentlich ja als erstes Fahrradmechaniker werden wollte, um danach in ein großes Team zu kommen. Ich habe mir die nötige Zeit genommen und als ich dieses Jahr bereit für etwas Größeres war, habe ich begonnen, ein paar Tage mit dem Team zu verbringen.
Wie kam der der Kontakt zustande?
Wenn du aus der Welt des Profi-Radsports kommst, hast du immer ein paar Freunde und Kontakte. In dem Fall Andre Agostini, der hier aus Cesenatico kommt. Er ist schon mit meinem Vater Rennen gefahren und verfolgte auch meinen Werdegang, als ich noch für die U23 fuhr. Er ist einer der Team Manager von UAE.
Was ist dein Teil der Arbeit als Mechaniker? Ich vermute, du wirst ja nicht direkt am Bike von Tadeji Pogacar herumschrauben, oder?
Nein, das nicht (lacht). Aber vielleicht mit den Jungs, die im Rennen involviert sind. Ich werde nächstes Jahr einige Renntage mit dem Team U23 verbringen. Mir gefällt das. Und ich denke als Fahrradmechaniker solltest du gerne an Fahrrädern herumschrauben. Es ist dabei nicht wichtig, wessen Bike du da vor dir hast. Aber gut, wenn du an das Bike von Pogacar Hand anlegst, wirst du unweigerlich eine Menge Druck bekommen.
Gibt es denn die Chance im Team in deiner Position aufzusteigen?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber mit meiner Vergangenheit als Profi verstehe ich, was die Fahrer wollen. So kannst du von vornherein Fehler ausschliessen.
Warst du schon immer an der Technik deines Rennrads interessiert? Viele Fahrer wollen ja tatsächlich einfach nur das Rennrad fertig vor sich haben und sich gar nicht mit dem Rest befassen.
Als ich Profi war, habe ich viel Zeit mit meinem Team verbracht, speziell in den Trainingscamps. In der Freizeit, die wir dort dann hatten, war ich oft bei den Mechanikern und habe zugeschaut, was sie machen. Und dann habe ich angefangen Fragen zu stellen. Als ich aufgehört habe als Profi, habe ich dann immer selbst an meinem Rennrad herum geschraubt, um es schneller zu machen. (Lacht) Ja, ich hatte immer schon Interesse an der ganzen Technik.
Was bedeutet der Job für dich als Privatperson? Als Mechaniker solch eines Teams wie UAE bist du ja wahrscheinlich viel auf Reisen. Wie bekommst du dabei Privatleben und so einen zeitintensiven Job unter einem Hut?
Glücklicherweise habe ich eine Freundin, die ebenfalls aus dem Radsport kommt. Sie hat bis zu ihrem 18. Lebensjahr Rennen gefahren. Sie fährt immer noch Rennrad und trainiert dazu ein paar Kids hier aus der Gegend. Und natürlich haben wir zusammen über die Vor- und Nachteile gesprochen, die sich durch diese Möglichkeit für mich ergeben hat. Sie ist mit der Entscheidung absolut einverstanden. Ich bin zwar viele Tage auf Reisen, aber trotzdem viel zu Hause, wo wir dann eine Menge Zeit miteinander verbringen können.
In der Freizeit, war ich oft bei den Mechanikern und habe zugeschaut, was sie machen.
Was ist mit deinem Job als Tourguide, wenn du für UAE arbeitest?
Nun, wahrscheinlich ist es, dass, wenn ich gerade nicht mit UAE unterwegs bin, ich hier im Hotel für ein paar Tage in der Woche arbeiten kann oder auch im Bikeshop, wenn meine Freundin arbeiten muss und keinen Urlaub hat. Außerdem bekommen wir immer im Dezember einen Plan vom Hotel für die kommende Saison. So kann ich sehen, in welcher Periode ich theoretisch hier als Guide arbeiten müsste. Letztlich wird es aber darauf ankommen, was mein Kalender sagt.
Auch, wenn ich nicht weiß, wie lange dein Vertrag bei UAE läuft, hast du denn bereits Pläne für danach?
Ein paar Jahre wären schön. Und natürlich wird es darauf ankommen, ob ich mit meiner Freundin entscheide eine Familie zu gründen.
Aber ich kenne Leute, die für zwanzig oder mehr Jahre ihre Arbeit in einem Team machen. Das Familienleben ist kein Problem. Der Vorteil dieses Jobs ist es, wenn du zu Hause bist, bist du zu Hause und hast frei. Du kannst mit der Familie alles unternehmen, worauf du Lust hast.
Der andere Punkt ist, wenn du auf der Arbeit bist, bedeutet dies, du bist dort quasi 24 Stunden im Dienst. Aber wir werden sehen, wie es läuft.
Manchmal gibt es Entscheidungen im Leben, die man nicht vorhersehen kann. Sie können das Leben sowohl im positiven als auch im negativen Sinne auf den Kopf stellen. Was bedeutet Glück für dich?
Wenn du in ein Team wie UAE kommst, ist es wie mit einer großen Familie unterwegs zu sein. Wenn man zu den Rennen geht, fühlt man sich sehr wohl. Du baust eine Art Beziehung auf, besonders mit den Fahrern und wenn du beispielsweise an einem Fahrrad gearbeitet hast und dieses dann gewinnt, fühlt es sich an, als ob du das Rennen selbst gewonnen hättest. Das macht mich wirklich glücklich.
Manuel, vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Infos zu Manuel und zum Rennradfahren in der Emilia-Romagna
Auf Procyclingstats finden sich alle Statistiken über Manuel Senni.
Falls du einmal dort Urlaub machst und dein Fahrrad Hilfe braucht: Sport Bike Cesenatico
Und wenn du ein Bike-Hotel suchst, schau einmal hier: Lungomare Bike Hotel
Über die Emilia Romagna habe ich bereits in folgen Artikeln berichtet: