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Deutschland West (15)

TOUR: Wenn der Vater mit dem Sohne

 

Der Mai bot im Jahre 2018 ein paar schöne Möglichkeiten um ein langes Wochenende zu verbringen. Den Feiertagen sei dank! Was gibt es schöneres diese dann mit dem Fahrrad zu genießen? Trotzdem kann ich ja auch nicht nicht immer alleine durch die Walachei fahren. Aus diesem Grund hatte ich beschlossen, das Pfingst-Wochenende zu nutzen um eine schöne Radtour mit meinem Sohn zu machen. Schließlich hatte er sich ja schon darüber beschwert, das ich die letzten Wochen so viel unterwegs gewesen wäre. Das geht natürlich mal gar nicht. Und da er die Idee hatte auch mal mit mir Radfahren zu wollen, war das doch eine tolle Chance. Nur Vater und Sohn. Also ein Wochenende mit totaler Eskalation und Absturz.

Natürlich ein Scherz und mit Sicherheit wegen Altersgründen und auch so nicht auf unserer Agenda. Statt dessen wollten wir unsere beiden Hobbys miteinander verbinden. Flugzeuge gucken und Radfahren ist deshalb rund um den Frankfurter Flughafen gar keine schlechte Idee! Denn wer sich zum Beispiel mal auf dem Kartenmaterial von opencyclemap umschaut, der wird erkennen, das es dort einige interessante Wege rund um den Flughafen gibt. Mit denen der FRAPORT sogar teilweise selber auf seinen Seiten wirbt. Den Track habe ich zwar selber zusammen gezimmert, aber wegen Tipps habe ich auf deren Website gerne zurückgegriffen. Heraus kam dabei eine Radtour von 35 Kilometern länge. Sehr flach, für Familien mit Kindern gut zu fahren. Das vorweg.

 

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Für die Kids äußerst spannend…für die Großen aber auch!

 

Los ging es vom Hotel in Flughafennähe. Der unmittelbar dort verlaufene Radweg führte erst kurz zum Main weg, aber ging dann direkt wieder rauf zum Mönchwaldsee. Und weil der auch als Löschteich dient und er nicht ganz so klein ist, MUSS die Flughafenfeuerwehr sogar dort ein richtiges Rettungsboot unterhalten. Also wenn da jemand mal baden geht, Rettung naht! Außerdem liegt er wiederum schon ziemlich nah an der Start- und Landebahn. Da wurden die Augen natürlich direkt riesengroß, als die ersten Flugzeuge doch in relativ naher Entfernung aufsetzten. Der Radweg führt dort direkt am Flughafenzaun entlang und man hat einen klasse Blick auf die nahenden Jets.

Einen Spaß für Groß und Klein kommt schon einige wenige Meter weiter. Denn da steht man direkt hinter der Start- und Landebahn. Das war echt irre, als die großen Flugzeuge so direkt wenige Meter über unseren Köpfen hinweg donnerten! Wenn Erwachsene das in diesem Moment äußerst spannend finden, dann kann mich sich ja vorstellen, wie das auf Kinder wirken muss! Deshalb standen wir auch ziemlich lange dort und staunten bei jedem landenden Flugzeug aufs Neue und duckten unsere Köpfe, obwohl das natürlich Quatsch war.

 

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Am Flughafen gibt es nicht nur Flugzeuge!

 

Doch der Frankfurter Flughafen hat natürlich nicht nur eine Start- und Landebahn. Getrennt werden sie  aber durch die Autobahn A3. Die überquerten wir über eine Brücke, von wo aus Kinder dann noch als Bonus auf ein- und ausfahrende ICE’s gucken können. Die Bahnstrecke führt nämlich hier direkt parallel neben der Autobahn her. Was die Kinder manchmal für ein Glück haben können…

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Es ist schon beeindruckend den Jets beim Starten zuzusehen.

 

Kurz darauf kamen wir zu einem extra gebauten Aussichtspunkt an der Startbahn West. Auf einer treppenartigen Erhöhung können die Leute von hier einen hervorragenden Blick auf diese Startbahn und die Flugzeuge erhaschen, die sich direkt vor einem in den Himmel bohren. Faszinierend. Das fanden auch zahlreiche andere Leute so, denn dieser Punkt war sehr gut besucht. Viele mit Fernrohr und Fotoapparat  ausgestattet. Viele von ihnen Planespotter. So etwas möchte man ja auch irgendwie festhalten. Und dank dieser Leute findet man auf einschlägigen Apps auch immer das passende Foto zu dem Flugzeug, welches gerade über einem fliegt.

 

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Mit dem Rad an der Startbahn West entlang.

 

Ruhiger wurde es aber sofort wenige Meter weiter. Mit dem Fahrrad fuhren wir nun parallel die ganze Startbahn West entlang. Und man hat so auch weiterhin einen guten Blick auf die bunten Vögel der Lüfte. An der Spitze umrundeten wir die Piste und radelten ein kleines Stück wieder in die entgegengesetzte Richtung um kurz darauf in den Wald abzubiegen. Und der war wunderschön. Mir wurde da auch klar, warum Naturschützer so vehement gegen einen weiteren Ausbau des Flughafengeländes sind. Die Kiefern spendeten einen angenehmen Geruch, der allerdings auch manchmal mit dem von Kerosin vermischt wurde!

 

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Direkt hinter dem Flughafen geht es durch diesen schnuckeligen Wald!

 

Doch wir entfernten uns nun ein Stück vom Flughafengelände und der Kieferngeruch setzte sich durch. Nur das imposante Donnern der startenden Flugzeuge liess zwischendurch erahnen, das wir uns immer noch nah am Flughafengelände befanden. Da muss man auch schon mal an die Tiere hier im Wald denken. Und wenn der Sohn einen dann fragt, wo sich die Tiere denn verstecken, würde ich am liebsten antworten, daß sie sich bestimmt wegen der permanenten Unruhe mit Sack und Pack vom Acker gemacht haben. Zumindest ich hätte das an deren Stelle schon längst getan.

An Tieren haben wir also keine gesehen, außer einen Ameisenhaufen. Da war ordentlich Gewusel auf und am Wegesrand. Und bevor die kleinen, kräftigen Tierchen uns in die Hosenbeine krabbeln konnten, waren wir aber schon wieder auf unseren Fahrrädern unterwegs durch die schöne Natur des Waldes. Viele einladende Wege gibt es übrigens dort, die man allesamt anscheinend auf dem Rücken eines Fahrrads gut erkunden kann! Die Wegqualität ist ziemlich gut. Abstecher sind somit jederzeit möglich.

 

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Nicht nur für Flugzeug-interessierte, auch für Zeppelin-Fans gibt es etwas auf dieser Tour!

 

Oberhalb von Mörfelden-Walldorf überquerten wir die Autobahn A5, trugen die Fahrräder eine kleine Treppe hinunter, und fuhren auf dem Radweg weiter in Richtung Zeppelinheim. Dort gibt es, wie es der Name schon vermuten lässt, ein Zeppelin-Museum. In der Zeit der Luftschiffe starteten vom Rhein-Main-Gebiet die imposanten Zeppeline in Richtung Nord- und Südamerika. Die vielen Angestellten brauchten Unterkünfte. So entstand dieser Ort. Im Museum kann man einige interessante Dinge über diese Zeit erfahren.

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Kult: das „Terminal 4“, ein wunderbarer Biergarten, am Rande des Flughafens und Startpunkt des Candy B Gravellers.

 

Wenige Meter später erreichten wir einen beliebten Pausenstopp bei Radfahrern. Das „Terminal 4“ ist eine kleine Holzhütte mit angrenzenden Biergarten. Sehr gemütlich waren die Liegestühle direkt vor der Hütte und wir konnten sehr bequem die Flugzeuge sehen, die gerade gestartet waren und hier über den Baumwipfeln erschienen. Das alles, bei einer leckeren Portion Pommes und einer Bratwurst, war dann schon eine nette Belohnung für die bisher gefahrene Strecke. Direkt vom Terminal 4 sind vor kurzem übrigens erst die Teilnehmer des „Candy B Gravellers“ nach Berlin aufgebrochen. Ich habe darüber erst kürzlich im meinem Artikel von der VELOBerlin berichtet.

 

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Einer der legendären Rosinenbomber!

 

Hintergrund war, das der eingeschlossene Teil Berlins kurz nach dem zweiten Weltkrieg von den sogenannten „Rosinenbombern“ der US-Armee angeflogen wurde um die dortige Bevölkerung zu versorgen. Eine absolut logistische Meisterleistung. Am nur wenige hundert Metern entfernten Luftbrückendenkmal stehen noch zwei Maschinen, mit denen damals von hier aus geflogen wurde und es wird an dieser Stelle den Menschen gedacht, die damals im Einsatz waren und teilweise dabei sogar ums Leben gekommen sind. Der Candy B Graveller sieht eine Tour in dem einstigen Luftkorridor in Richtung Berlin vor. Das ebenfalls für einen guten Zweck. Eine tolle Sache. So können auch Kinder noch in Geschichte etwas dazulernen. Nicht unwichtig.

Und auch ein weiterer Aussichtspunkt ist etwas oberhalb des Luftbrückendenkmals gelegen. Einen tollen Ausblick haben hier Groß und Klein auf fast das ganze Flughafengelände. Teilweise rollen die Flieger auf dem Weg zu ihren vorbestimmten Positionen hier nahe am Zaun vorbei. Oder man sieht wie wir, das größte Passagierflugzeug der Welt, den Airbus A380, sanft und elegant über einen abheben. Absolut empfehlenswert also diese Stelle.

 

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Von diesem Aussichtspunkt überblickt man fast den ganzen Flughafen.

 

Dicht am Flughafenzaun führte uns der Radweg nun entlang in Richtung Terminal 2. Dort gibt es auch die neu gebaute Besucherterrasse, von wo aus man noch einen weiteren Ausblick auf das Vorfeld des Flughafens genießen kann. Da gibt es allerdings dann zum Ende hin doch noch ein Problem. Laut Karte auf der Website des FRAPORTS soll es Abstellmöglichkeiten für Fahrräder am Flughafen geben. Und zunächst waren wir guter Dinge, da der Radweg ziemlich nahe am Terminal vorbeiführt. Doch wir fanden keine Möglichkeit annähernd zu solchen Plätzen zu gelangen. Im Gegenteil. Plötzlich endete ein Weg unerwartet im Nichts und es ging nicht mehr weiter. Das empfand ich dann etwas unglücklich, da gerade am Terminal 2 doch viele Besucher nur zur Aussichtsterrasse wollen. Die Radwege ringsherum sind ja nicht ganz so schlecht um auf alternative Weise dorthin zu gelangen. Doch das hier war für uns etwas ernüchternd und wir brachen die Suche nach den Abstellplätzen ab.

 

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Eine wunderbare Vater-Sohn-Radtour ging zu Ende.

 

So radelten wir die letzten drei Kilometer zurück zum Hotel zwischen grünen Feldern und durch kleine Wäldchen. Die Ruhe auf diesen Wegen war angenehm, von den Flugzeugen war so gut wie nichts zu hören, obwohl wir noch immer nicht weit vom Flughafen und parallel zur Landepiste fuhren. So endete schließlich unsere rund 35 Kilometer Flughafen-Runde wieder am Hotel. Für Familien ist dies garantiert eine spannende Tour. Die vielen verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen sind alles andere als langweilig. Kombiniert mit der Natur rund um das Gelände ist die Tour doch recht abwechslungsreich. Uns hat es sehr gut gefallen und wir hatten einen schönen Tag. Wer die Runde auch einmal radeln möchte, der findet den Link zur gpx-Datei unter dem Bericht. Ein Tipp aber noch an dieser Stelle: Vorsicht beim durchstreifen der Wiesen und Wälder, denn es könnten auch Zecken auf potentielle Opfer warten. Ich habe das am eigenen Körper feststellen können, hatte aber noch Glück. Die Zecke hatte sich noch richtig in die Haut verbohrt. Alles gut 😉 Abendliches absuchen des Körpers sollte aber Pflicht sein!

EIN PAAR INFO-LINKS:

Der Flughafen als Ausflugsziel

Zeppelin-Heim

Download GPX-Track

 

 

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TOUR: In der Biosphäre des Bliesgau

 

Wie fängt man von der ersten Radtour an  zu erzählen, wenn man einige Tage in der Region des Saarlands unterwegs war? Die ersten Zeilen eines solchen Berichts sind immer die schwierigsten. Also schreibe ich einfach mal drauf los so wie mir die Gedanken und Erinnerungen aus dem Kopf sprudeln und es die Aufzeichnungen hergeben. Ich war sehr glücklich damit, als die Wettervorhersage für meinen Radurlaub durchaus nur gutes Wetter versprach. So war der Grundstein gelegt für einen herrlichen Radtag, der mich von meinem Hotel in Saarbrücken über kleinere Schleichwege hinunter in die Stadt und zur Saar führte. Gerade noch in einem Industriegebiet unterwegs war ich erstaunt wie schnell alles um mich herum grün wurde. Dabei kam ich in den Vorort St. Anuarl, der zu den ältesten Stadtteilen Saarbrückens gehört. Sage und schreibe aus dem 2. bis 3. Jahrhundert fanden Ausgrabungen heraus. Eine gallo-römische Anlage stand einst an dieser Stelle.  Der Bau der schönen Stiftskirche wurde im 13. Jahrhundert begonnen und gegen 1390 beendet. Sehenswert sind die Grabdenkmäler der Grafen von Nassau-Saarbrücken! Von Mitte des 15. Jahrhunderts war die Kirche Grabeskirche dieses Adels-Geschlechts. Erwähnenswert ist auch der sarkophagartige Schrein der Gräfin Elisabeth von Lothringen (†1456), der aber nicht ihre sterblichen Überreste beherbergt!

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Die Stiftskirche St. Arnual
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Gemälde (?), direkt an der Saar gelegen

Gleichzeitig war ich schon direkt an der Saar angelangt und ich folgte dem Flussverlauf in Richtung Güdingen. Wirkliche Highlights gab es hier nicht zu sehen, aber die Strecke war ideal um sich für den Tag einzupendeln. Kurz hinter dem Örtchen umfing mich dann auch schon ein wunderbares Grün, das „Ensheimer Gelösch“.  Hier nahm das Biosphären-Reservat für mich seinen Anfang. Die Stille der Natur war wunderbar. Es war kein Autolärm mehr zu vernehmen, nur das Zwitschern der Vögel begleitete mich und mein Rad. Erst war der Weg noch asphaltiert, dann wurde es ein typischer Waldweg. Aber gut zu befahren. Die Sonne strahlte durch das Blätterdach. Ich hatte richtig Spaß, bis eines dieser Schilder kam,  das die kommenden Höhenmeter auf einer gewissen Strecke angibt und im Saarland als Hinweis für alle Radfahrer gilt, die meinen sich einen Berg hoch quälen zu müssen. Der erste Schweiß perlte nun also  langsam auf diesen Metern an mir herunter.

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Die Saar bei Güdingen
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Im Ensheimer Gelösch

Auf einmal ließ ich die Bäume und den Wald hinter mir je höher ich kam. Wildblumenfelder waren nun zu sehen und der Ausblick war fantastisch. Das musste erst einmal genossen werden bevor es dann weiter den Berg hochging. Und plötzlich, aus einem Feldweg kommend, stand ich vor dem Flughafen Saarbrücken. Ihn musste ich quasi entlang radeln, bevor ich wieder in die Natur eintauchte. Viel war hier übrigens nicht los, es ist ja auch eher ein kleinerer Flughafen und so war hier auch nicht viel Verkehr. Gut so. Trotzdem standen hier, etwas abseits der Rollbahn, Propeller-Maschinen aus Brasilien und Indonesien wie sich herausstellte. Manchmal ist die Welt doch kleiner als man denkt.

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Jeder Höhenmeter lohnt sich!

Grinsend ging es den „Hanfberg“ hinauf, fragt mich also nicht warum der so heißt! Dort hat man an vielen Stellen weitere tolle Ausblicke in die Region. Das surren und brummeln allerlei Insekten war in der eigentlichen Stille auf den herrlich blühenden Wiesen allgegenwärtig. Da kann man sich gerne mal eine Pause auf eine der netten Bänke gönnen und einfach mal die Seele baumeln lassen.

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Die Sonne blinzelt durch die Blätter
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Blühende Wiesen überall

Von der alten Römerstraße aus hat man bei gutem Wetter dann weitere wunderschöne Ausblicke bis rauf nach Sankt Ingbert, Kirkel und noch weiter! Dafür lohnt sich jeder Höhenmeter den man bis hier hin bewältigt hat. Diese Ausblicke haben für mich diese Radtour geprägt, haben sich förmlich ins Gehirn gebrannt und sie empfand ich bei jeder Höhenbewältigung als Belohnung für die Strapazen.

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Hier lässt es sich gut radeln, oder?

Der Höhepunkt war dann definitiv, als ich an ein „Milich Heisje“ (saarländisch für „Milch-Häuschen“) und dem Eichelberger Hof gelangte. Dieser Bauernhof bietet am Wegesrand einen klitzekleinen Selbstbedienungsladen an. Für Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer gibt es dort allerlei an typischen Bauernhof-Waren wie Milch, Eier und Wurst. Was war ich erfreut darüber als ich sah, das sie sogar selbstgemachtes (!) Eis in einer Eistruhe anboten! Genau das Richtige für dieses warme Wetter und diese herrliche Fahrradtour! Mit Sitzgelegenheiten in der Sonne oder im Schatten. Herz, was willst du mehr?

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Hier ist der Radler gut aufgehoben!

So saß ich schon wieder und machte ein Päuschen. Gefühlt kam ich die letzten 1,5 Stunden kaum vorwärts. Aber ist es nicht schön sich einfach treiben zu lassen, keinen Zeitdruck zu verspüren und einfach das zu tun was man am liebsten macht? Einfach so eine Radtour mit allen Sinnen genießen. Abzuschalten vom Stress des Alltags. Bewusst sich einmal auszuklinken und neue Energie zu tanken. Der Tag war wie dafür gemacht.

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Oft vielen mir solche Kreuze am Wegesrand auf
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Und immer wieder herrliche Aussichten, wie hier vom alten Römerweg aus

Und irgendwann geht es dann doch wieder weiter. Der Saar-Nahe-Radweg schlängelte sich durch die mal mehr, mal weniger sanften Hügel des Bliesgau. Kleine Ortschaften mit Namen wie Seelbach, Biesingen und Alschbach galt es zu durchqueren. Alles liebliche Dörfer, in denen anscheinend noch Ruhe und Gelassenheit herrscht. Die Häuschen mit ihren Vorgärten meist liebevoll gepflegt. Die Zeit schien hier langsamer zu laufen. Kein Nachteil in der heutigen oftmals hektischen Welt. So empfand ich dann auch das Radfahren. Als eine Entschleunigung zum Alltag.

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Die Dorfkirche St. Anna in Biesingen

Die nächste Stadt auf dem Weg war nun Blieskastel. Und diese Stadt hat eine historische Vergangenheit. Wahrzeichen der Stadt ist der sogenannte „Gollenstein“, der ganz in der Nähe steht. Dies ist ein rund 4000 Jahre alter Menhir,  der als größter seiner Art in Mitteleuropa gilt! Des weiteren gibt es das Rathaus, einst Waisenhaus, aus dem 18. Jahrhundert sowie die Orangerie die auch als „ Der Lange Bau“ bekannt ist. Dies ist das einzige Überbleibsel des ehemaligen Schlosses, welches in der Französischen Revolution zerstört wurde. Von weitem sieht man auch etwas oberhalb gelegen die Heilig Kreuz-Kapelle, deren Bau 1682/83 beendet wurde. Der Napoleonbrunnen wurde zu Ehren Napoleons 1804 erbaut. Die französische Inschrift wurde 1939 entfernt, nach dem Krieg wurde sie aber wieder hinzugefügt. Entgehen lassen sollte man sich also diese kleine, aber geschichtsträchtige Stadt nicht, die im übrigen auch viele Einflüsse des Barock aufweist.

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Heilig Kreuz-Kapelle in Blieskastel
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Blick in Richtung der Altstadt von Blieskastel
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Oberhalb der Stadt thront der markante Bau der Kreisvolkshochschule

Auf einer ehemaligen Bahntrasse radelte ich nun ganz entspannt weiter. Sie ist Teil des Glan-Blies-Radwegs und gut frequentiert. Von Radfahrern jeder Couleur. Rennradfahrer, Liegeradfahrer, Mountainbiker, Trekkingradfahrer – alle waren sie hier unterwegs ohne sich gegenseitig zu behindern.  An einigen Stellen kann man wiederum gut Rast machen. Angetan war ich von dem ziemlich neu aussehenden Rastplatz kurz vor Blickweiler. Optimale Unterstellmöglichkeiten bei schlechten Wetter bietet eine nette Schutzhütte, bei guten Wetter kann man auch auf außerhalb stehenden Bänken prima sitzen. Die Räder lassen sich dort  fest anschließen um sich ein wenig in der Gegend umzuschauen. Eine Infotafel zeigt, welche Tiere es alles hier gibt! Das waren eine ganze Menge. Ein gelungener Rastplatz wie ich finde.

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Kurz vor Blickweiler ist dieser angenehme Rastplatz zu finden

Auf dem gut asphaltierten Radweg surrten die Reifen schnell vor sich hin. Das Rad ließ sich hier leicht vorwärts bewegen und manchmal musste ich aufpassen nicht einfach an Sehenswürdigkeiten vorbei zu rauschen. So waren es Kleinigkeiten am Wegesrand, die etwas von der Eisenbahn-Vergangenheit erzählten. Kilometersteine oder auch alte Bahnhöfe wie die bei Blickweiler oder Breitfurt. Im alten Bahnhof bei Gersheim kann man Rast bei einem kühlen Blonden einlegen. Ideal wenn man gerade einen Geschwindigkeitsrausch hinter sich hat. Natürlich nur wenn die Strecke das gerade hergibt. Rücksichtnahme ist oberstes Gebot! Passend dazu kann man einige Meter vorher sogar gut übernachten, denn unmittelbar am Radweg gelegen gibt es die Möglichkeit zum „Glamping“, wie es so schön neudeutsch heißt. Schlichte, aber saubere Holzhütten, aussehend wie große Weinfässer, geben dem Radfahrer die Möglichkeit die müden Glieder auszuruhen. Das hat in so einem „Fass“ bestimmt seinen Reiz!

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Kilometersteine der Eisenbahn weisen auf die Vergangenheit dieser Trasse hin
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Nette Übernachtungsmöglichkeit für müde Radfahrer

Zwischen Reinheim und Bliesbruck verließ ich nun diese tolle Trasse und genau dort befindet sich ein weiteres Highlight, für das man ein wenig Zeit einplanen sollte. Nämlich der Europäische Kulturpark Bliesbruck Reinheim, genau auf der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich gelegen. Klingt vielleicht zuerst etwas langweilig, ist es aber ganz und gar nicht. Es handelt sich hierbei nämlich um einen Archäologiepark. Die ersten Grabungen wurden bereits 1806 durchgeführt. Bedeutend ist u.a. ein keltisches Fürstinnengrab aus der Zeit um 370 v. Chr.! Aber auch aus römischer Zeit gibt es hier Spuren zu finden. Eine Palastvilla und sogar eine kleine Siedlung, Vicus genannt. Anschaulich wird hier dem Besucher die damalige Zeit vor Augen geführt.

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Auf einmal wieder in Deutschland. Die Grenze verschwimmt, man weiß manchmal gar nicht auf welcher Seite man ist. Schlimm? Nein.
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Starker Anstieg bei Reinheim
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Aber solche Ausblicke sind die Belohnung

Kurz darauf gab es einen enormen Anstieg zu bewältigen, der auch noch ein Stück über eine Landstraße führte. Das empfand ich etwas unangenehm, fuhren die Autos doch hier ziemlich schnell an mir vorüber während ich hier mit vier  Stundenkilometern daherjuckelte und aufpassen musste nicht einfach umzukippen. Zum Glück führte ein Feldweg oben weg von der Straße und die Strapazen waren auch hier schnell vergessen, denn wieder einmal war die Aussicht überwältigend. Und durchschnaufen musste ich eh, bevor es dann direkt wieder hinunter nach Habkirchen ging, das schon 819 (!) erstmals urkundlich erwähnt wurde.

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Und wenn wir schon mal so viele Kirchen haben, dann geht auch noch die Sankt Annakapelle von ca. 1239 in Habkirchen
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„Grenzübergang“ über die Blies nach Frankreich

Die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich verschwimmt in dieser Region doch stark wie ich finde. Eben noch auf deutscher Seite, war ich plötzlich schon auf französischem Gebiet, wie bei Blies-Schweyen. Eine kleine Brücke über die Blies führte mich direkt an typisch französischen Häusern vorbei. Die Temperaturen waren gefühlt immer noch hoch als ich am späten Nachmittag in Sarreguemines oder auch bekannt als Saargemünd, eintrudelte. Hier fließt die Blies dann auch in die Saar. Geschichtlich wurde die Stadt schon im Jahre 706 erwähnt und ist bekannt für seine ehemalige florierende Keramikindustrie.

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Kleinere Staustufe bei Sarreguemines

Von hier aus war es jetzt einfach. Es galt der Saar immer weiter in Richtung Güdingen zu folgen, dem eigentlichen Ausgangspunkt der Radtour. Nachdem ich Sarreguemines hinter mir gelassen hatte, wurde es auch schon wieder beschaulicher. Boote waren nicht auf dem Wasser zu sehen, auch in den typisch kleinen französischen Schleusen, wie ich sie schon in der Bretagne kennengelernt habe, war von Freizeitskippern nichts zu sehen. Dafür waren herrliche Auen zu sehen und auf Tafeln wurde gezeigt für welche Tiere dies die Heimat ist. Auch hier musste ich feststellen, das dies nicht wenige waren.

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Radfahren macht auf dem Leinpfad entlang der Saar ordentlich Spaß
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Vielen Tieren bietet die direkte Umgebung der Saar eine Heimat

Früher wurden auf diesen Treidelpfaden am Kanal entlang im übrigen Schiffe im Leerzustand von Menschen, Pferden und Eseln gezogen wenn der Kapitän sparen wollte. Es wurden dann Zugriemen umgelegt und oftmals musste die ganze Familie helfen. Es war eine sehr beschwerliche Arbeit, gerade zu Beginn um das Schiff in Bewegung zu bekommen. Danach glitt es gleichmäßig durch das Wasser und ging einfacher von statten. Die Motorisierung schritt aber auch hier voran und so kamen ab 1934 Zugmaschinen auf, die diese Arbeit übernahmen oder die Frachtkähne erhielten selber Motoren. Man kann an manchen Stellen noch solch alte Schiffe sehen und eine Vorstellung davon bekommen wie es einst hier ausgesehen hat.

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Als ob der Kran platz macht für die Radfahrer

So an einem Fluss entlang zu radeln lässt einen schon mal die Zeit vergessen. Der Radtag wurde also spät, auch weil ich langsam müde wurde und dann doch noch eine Rast am Ufer einlegte. Ich war in dem Moment dankbar für diese wunderbare Fahrradtour. Das Biosphärenreservat Bliesgau und die Gegend rund um das Mandelbachtal hat viel zu bieten für Radfahrer. Wenn ich an die Ruhe denke, die dabei von ganz alleine entstehende Entspannung, den kleinen und größeren Sehenswürdigkeiten an den Radwegen, die abwechslungsreiche Natur, die fantastischen Ausblicke, ja dann hat sich jeder Höhenmeter und jede Anstrengung gelohnt.

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Typisches französisches Schleusenwärterhäuschen

Wenn jetzt jemand auf die Idee kommen sollte diese Tour nachzufahren, dann gebe ich folgende Tipps: Die Höhenmeter sind nicht zu unterschätzen, die Wege aber auch nicht. Ein gutes Trekkingrad ist von Vorteil, man sollte einigermaßen fit sein. Natürlich kann man mit einem eBike nachhelfen. Einkehrmöglichkeiten sollte man in den Örtchen am Wegesrand schon finden, in den etwas größeren sowieso, teilweise liegen sie unmittelbar an der Strecke. Und zum guten Schluss gibt es hier wieder den gpx-Track zum Download! Viel Spaß!

 

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TOUR: Fahrradtour zu den Geister-Dörfern bei Garzweiler

 

 Endlich hatte ich mal ein paar Tage frei. Füße hoch legen, nichts tun, faulenzen…aber nicht mit mir! Denn wenn ich etwas Zeit habe werde ich nervös. Da zieht es mich bei jeder Gelegenheit raus mit dem Rad. Und da nichts Wichtiges anlag habe ich flux mal eine Tour zusammengeschustert. Die Touren-Saison steht eh jetzt vor der Tür, da können auch mal ordentlich Kilometer zusammen kommen. Dabei herausgekommen ist eine Strecke von rund 105 Kilometern. Von der Haustür weg bis zum Tagebau bei Garzweiler. Etwas skeptisch war ich schon ob ich bereits die Fitness für einen langen Tag im Sattel habe. Aber das vorweg: das war alles kein Problem. Doch nun zur eigentlichen Tour mit all den Sehenswürdigkeiten.

 Von meiner Heimat aus war ich schon Ruck-zuck an der Ruhr angelangt. Da ich im Drei-Städte-Eck Essen, Oberhausen und Mülheim wohne, konnte ich quasi bis dorthin herunterrollen. Die kurze Strecke kenne ich von vielen kleineren Rad-Runden in der Gegend schon aus dem Effeff. Doch ab dort wollte ich einmal ganz bewusst unbekanntere Wege einschlagen. Entlang der Ruhr und dem für seine Staus bekannten Autobahnkreuz Kaiserberg radelte ich dann entlang des Sportplatz-Geländes von Preußen Duisburg. Mehrere Fußballplätze nebeneinander gereiht, die teilweise schon bessere Tage gesehen haben. Genauso wie die dazugehörigen Umkleiden-Gebäude. Leider fehlt es wie bei so vielen Vereinen im Pott an Geld und Sponsoren. Eine typische Bolzplatz-Anlage des Ruhrpotts war dies hier also, wie ich sie selber als aktiver Fußballer nur zu gut selber kennengelernt habe. Direkt daneben die klassischen Schrebergarten-Anlagen, ebenfalls typisch für’s Ruhrgebiet. Allesamt hübsch hergerichtet, nach den Bestimmungen und Satzungen des Bundesverbandes  Deutscher Gartenfreunde e.V.

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Bilder aus dem „Königreich Duissern“

 Schon war ich im Duisburger Stadtteil Duissern, wo ich zuerst über einen lustig bemalten Stromkasten schmunzeln musste. „Königreich Duissern“ stand darauf geschrieben. Auf dem Bild war eine Nonne, ein Krug und augenscheinlich einige Stücke Kohle zu sehen. Nach Recherche gibt es dort die sogenannte Duisburger „Karnevalsgesellschaft Königreich Duissern 1934 e.V.“ Das erklärte natürlich das Bild. Pappnasen gibt es also auch hier.

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Hier fand die Tragödie der Loveparade 2010 statt
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Gruseliger Tunnel, die gleiche Länge muss man sich zur anderen Seite vorstellen. Auf dem Foto ist die wirkliche Dunkelheit und Enge nicht gut zu erkennen!

 Kurz darauf wurde es aber sehr beklemmend für mich. Nach wenigen Metern hinter dem Hauptbahnhof gelegen, erreichte ich den Ort der Tragödie der Loveparade von 2010, an dem 21 Menschen wegen einer Massenpanik zu Tode kamen und 541 Leute verletzt wurden. Durch einen langen, dunklen Tunnel erreicht man den schmalen Aufgang zum ehemaligen Veranstaltungsgelände. Ich war noch nie in dieser Ecke und fand diesen elendig langen, düsteren Tunnel von 400 (!) Metern Länge schon alleine dermaßen gruselig das es mich fröstelte. Die niedrige Decke tat dazu ihr übriges. Dann die schmale Lücke in der Mitte des Tunnels durch die tausende von Besuchern damals herein und vom Gelände wieder hinaus mussten. Ein verheerendes Konzept und nicht nachzuvollziehen wie man dies damals überhaupt nur Ansatzweise genehmigen konnte. Bis heute sind vor Gericht keine Urteile gegen die handelnden Personen gefällt worden, ein Skandal sondergleichen. Für die Hinterbliebenen gibt es keine Schmerzlinderung. Wahnsinn. Der kleine Ort ist heute eine Gedenkstätte. Fotos der Verstorbenen hängen dort, Kreuze sind aufgestellt worden, persönliche Gegenstände sind hinterlegt worden. Dort herrscht beklemmende, erdrückende Stille. Ein gespenstiges Fleckchen. Oberhalb der Tunnel soll auf dem Brachgelände vielleicht bald ein Shopping-Outlet-Center gebaut werden. Wenn man an dieser Gedenkstätte steht wirken die Pläne surreal und deplatziert. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch verließ ich diesen denkwürdigen Ort.

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Erinnerungen an die Opfer.
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Die Gedenkstätte der Loveparade 2010

 Nur wenige Meter weiter war ich auch schon am Fußballstadion des MSV Duisburg und dem direkt daneben liegenden Sportpark Wedau, bekannt für seine Ruder-Regatta und anderen sportlichen Aktivitäts-Möglichkeiten. Natürlich kann man hier auch wunderbar spazieren gehen. Das taten auch mal wieder diverse Hundebesitzer, die ihre vierbeinigen Zöglinge nicht im Griff hatten. Solche Leute mag ich nicht, die einen noch angrinsen wenn ihr Wischmop-Köter versucht einen auf den Fahrrad anzuspringen, gerade wenn man schon langsam und rücksichtsvoll vorbeifährt. Habe ich kein Verständnis für. Deshalb habe ich die Herrschaften auch einmal ordentlich angeblafft und sie mit offen stehenden Mund stehen lassen. Den genauen Wortlaut spare ich mir aber hier.

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Glasfassade am Stadion vom MSV Duisburg
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Großes Reinemachen für die Saison
Am Wolfsee kann man nicht nur wunderbar Radfahren!
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Mittlerweile blüht überall der Raps auf den Feldern

 Nach dem nahe gelegenen Wolfsee und Haubachsee umfing mich bereits viel Grün. Keine Spur von Großstadt mehr. Die Badestellen wurden gerade für die Saison hergerichtet, noch waren keine Besucher zugegen. Das Wetter war bisher ja auch nur ein klägliches grau in grau. So hatte ich die Natur fast für mich alleine. Nur vereinzelt ließen sich Spaziergänger blicken. Entlang des Wäldchens Grindsmark und Heltorfer Mark waren bald auch schon die ersten Felder in Sicht. Hier blühte schon der Raps, den ich nun noch viel öfters auf den Feldern sehen sollte.

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Schloss Heltorf
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Die mit hohen Bäumen versehene Auffahrt zum Schloss Heltorf

 Landschaftlich schön gelegen erreichte ich Schloss Heltorf, wo die Herren von Heldorp und u.a. Otto von Heldorp bereits im Jahre 1167 als Besitzer des Schlosses urkundlich erwähnt wurden. Der angrenzende Schlosspark, im englischen Stil als Waldpark angelegt, beherbergt Deutschlands zweitälteste und sehenswerte Rhododendronanpflanzung und ist zwischen Mai und Oktober gegen Eintritt öffentlich zu bestaunen. Den langen Zufahrtsweg mit seinen hohen Bäumen links und rechts radelte ich hinunter, weiter an Feldern vorbei, über das Örtchen Froschenteich und zum Rhein.

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Zeit für eine Pause. Direkt am Rhein.

 Kurz vor Wittlaer kamen erste Wohnbebauungen. Und die, so nah am wunderschönen Rhein gelegen, zeigten deutlich wo das Geld sitzt. Schöne Villen, gepflegte Gärten und teure Autos vor den Häusern sagen schon viel aus. Kurz darauf war ich schon unten direkt am Rhein. Ein schönes Plätzchen am Wasser nutzte ich erst einmal zur Pause. Sogar die Sonne ließ sich kurz blicken, doch wenn ich in die Richtung schaute, in der ich wollte, war es dort hinten eher dunkelgrau. Kein gutes Zeichen. Doch es sollte tatsächlich für mich den ganzen langen Weg trocken bleiben. Schiffe fuhren den Strom hinunter und herauf. Beladen oder leer. Tief im Wasser liegend oder hoch aufragend. Was sie wohl alle geladen hatten in all den Containern?

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Wunderbarer Weg entlang des Rheins.
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Unweit am Rhein bei Wittlaer

 Kaiserswerth war der nächste sehenswerte Halt, direkt am Rhein gelegen. Die „Altstadt“ bietet einem gepflegte Einkehrmöglichkeiten zwischen wunderbar erhaltenen Häusern u.a. aus dem 17. Jahrhundert. Sie wird auch manchmal Kaiserstadt genannt, obwohl es kein ständiger Wohnsitz eines Kaisers war. Kaiser Barbarossa errichtete 1174 die einst mächtige Kaiserpfalz, eine Zollfestung direkt am Rhein und strategisch günstig gelegen. Die Überreste sind heute zu besichtigen. Auch die Suitbertus-Basilika aus dem Jahre 1237 lohnt ein Besuch. Kaiserswerth hat eine umfangreiche Geschichte, die ihr HIER nachlesen könnt. Dank an Wikipedia! Bei Kaiserswerth überquerte ich den Rhein nun mit der dortigen Fähre. Die kurze Fahrt über den Strom ans andere Ufer kostete mich samt Fahrrad schlappe 2€. Nur ich und eine ältere Dame waren an Bord. Wenn die Saison richtig losgeht, wird das wohl anders aussehen. Da werden die Touristen, Spaziergänger, Rad- und Autofahrer wohl in Massen hin und her schippern.

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Reste der Kaiserpfalz bei Kaiserswerth
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Mit der Fähre ging es über den Rhein

 Auf dieser Seite des Rheins waren ebenfalls direkt hinter dem Deich, schön ruhig gelegen, noble Villen zu sehen. Wer hier ein Häuschen besitzt, kann vergnüglich auf den Fluss blicken und dabei noch den Flugzeugen beim Starten vom Düsseldorfer Flughafen aus zusehen. Denn die fliegen hier noch in wenigen hundert Metern über einen hinweg. Ich schaute noch öfters interessiert in den Himmel während ich den Rhein mit dem Fahrrad aufwärts folgte.

 Unter der markanten Brücke der A44 hindurch und nach der Ilvericher Altrheinschlinge bog ich rechts ab in Richtung Meerbusch. Hier war es für einen Werktag recht ruhig. Ich hielt bei einem Bäcker und versorgte mich mit einem sehr leckeren und mit Fleischwurst belegten Brötchen. Das wollte ich irgendwo auf dem Weg an einer schönen Rastmöglichkeit verputzen. Erst am schön gelegenen Gut Dyckhof vorbei, einer Wasserburg die erstmals 1393 erwähnt wurde, traf ich bei Neuss auf den Nordkanal, einst von Napoleon in Auftrag gegeben, wo ich so eine nette Stelle fand und erst einmal eine kleine Pause einlegte. Die Sonne schien in dem Moment kräftig und ich war rundherum zufrieden.

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Gut Dyckhof

 Gestärkt radelte ich weiter ein kleines Stück den Nordkanal entlang. Den habe ich vor längerer Zeit schon einmal auf einem Teil von Neuss bis Venlo abgeradelt und wer Lust hat, sollte das auch mal tun. Die Felder wurden jetzt immer zahlreicher. Dazu kamen einige Baumschulen. Der Wind wehte hier etwas kräftiger frontal ins Gesicht. Doch das leicht sonnige Wetter entlohnte für die manchmal nötigen und kräftigen Pedaltritte.

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Eindrücke von Baumschulen, Windmühlen, Ski-Halle, Hinweistafeln am Nordkanal und der alten Burg Lauvenburg aus dem Jahre 1300!

 Nach den Ortschaften Lüttglehn, Epsendorf und Glehn wurde es mittelalterlich. Die Altstadt von Liedberg liegt auf einen Höhenrücken, das Schloss auf nicht ganz 80 Metern über N.N. Die Anlage mit mehreren Gebäuden stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Grundmauern wahrscheinlich sogar aus dem 11. Jahrhundert! Ein Unternehmer aus Viersen hat die Anlage in sieben Jahren mit viel Mühe saniert, auch jetzt finden noch einige Arbeiten dort statt. Geschichtsträchtig ist dieser Ort mit seinen schönen Fachwerkhäuschen und ein Besuch des Mühlenturms und der Pfarrkirche ist durchaus zu empfehlen. Nebenbei gibt es dort noch einen netten Bio-Laden, in dem man sich mit allerlei regionalen Leckereien eindecken kann.

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Schloss Liedberg
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Altstadt von Liedberg

 Am unweit gelegenen Natuschutzgebiet „Das Hobbruch“ kam ich an einer eher gruseligen, leicht versteckt liegenden Privatklinik vorbei. Alte Gebäude mit Türmchen und Zinnen trugen zu diesem Bild bei, dazu passend ist dies auch noch eine Klinik für psychiatrische Erkrankungen. Es wirkte dementsprechend gelegen etwas schaurig auf mich. Man könnte auch meinen die Fantasie ging mit mir durch. Das Naturschutzgebiet war schnell durchradelt und ich kam schon zum nächsten Schloss auf der Tour.

Auf dem Foto nicht so gruselig wie in Echt! Die Klinik.
Auf dem Foto nicht so gruselig wie in Echt! Die Klinik.
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Hinter der Klinik direkt eine wunderschöne Landschaft
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Schloss Rheydt

 Schloss Rheydt ist eine Wasserburg, mit dem heutigen  Aussehen aus dem 16. Jahrhundert, wobei es ursprünglich schon 1180 erstmals erwähnt wurde. Es befindet sich heute in der Hand der Stadt Mönchengladbach. Gleichzeitig beherbergt es das städtische Museum. Außerdem finden regelmäßig Ausstellungen, Konzerte mit namhaften Künstlern und Ritterspiele statt. An diesem Tag war es ruhig. Ich umrundete das Schloss und warf einen Blick in den Innenhof, wo einige Pfauen mit ihren prachtvollen Federn neugierig die vereinzelten Besucher beäugten.

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Pfau auf dem Hof von Schloss Rheydt
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Lustige Wandbemalung einer Schule

 Danach umfing mich das Umfeld von Rheydt. Einen kleinen Grüngürtel folgend bekam ich hier einmal das etwas hässlichere Gesicht eines Vororts zu sehen. Beschmierte Betonburgen einer Sozialbausiedlung, davor Müllberge, gesammelte und umgeworfene Einkaufswagen. Es fehlten nur noch die brennenden Mülltonnen. Zum Glück ließ ich diesen Abschnitt  sehr schnell wieder hinter mir. Und erreichte…

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Schlossinsel von Schloss Wickrath

…das nächste Schloss. Wie konnte es auch anders sein. Schloss Wickrath im gleichnamigen Stadtteil, ist eine Wasserschlossanlage mit herrlichem, öffentlich zugängigen Schlossgarten. Der Reichsgraf Wilhelm Otto Friedrich von Quadt ließ es zwischen 1746 und 1772 erbauen. Die ursprüngliche Burg Wickrath wurde aber bereits im Jahr 1068 urkundlich erwähnt. Heute gibt es dort diverse Veranstaltungen und eine gehobene Gastronomie.

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Ein Spaß hier zu radeln

Dem schmalen Flüsschen Niers folgend radelten ich und mein Bike genüsslich den gleichnamigen Radweg entlang. Noch immer gab es keine Ermüdungserscheinungen bei mir. Auch mein Allerwertester meldete sich nicht. Dank einem prima Sattel, einer guten Radhose und einem richtig gut eingestellten Bike. Das macht schon eine Menge aus beim Radfahren.

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Das Ende eines Dorfes
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Borschemich ist dem Untergang geweiht

 Doch es sollte an diesem Tag noch einmal bedrückend werden. Der Braunkohletageabbau von Garzweiler kam immer näher. Die Schlote und „Wolkenmacher“ des Betreibers RWE waren schon seit geraumer Zeit in der Ferne zu sehen gewesen. Jetzt kam ich zu einer abgesperrten Straße für Autos, der Radweg führte aber weiter. Erst dachte ich die Tour hätte ich an dieser Stelle falsch geplant. Doch ich war richtig. In einem Bogen fuhr ich in das verlassene Dorf Borschemich. Direkt am Rande des Tageabbaus gelegen. Die meisten Häuser waren schon abgerissen, die wenigen noch stehenden waren verrammelt und verriegelt. Bagger und Schuttcontainer standen an manchen Stellen. Nur wenige Meter weiter war schon die Spitze des riesigen Schaufelradbaggers zu erkennen, der aus dem tiefen Loch auftauchte. Es herrschte bedrückende Stille. Hier haben Menschen gelebt, hatten schöne kleine Gärten, nette Nachbarn. Hier wurde am Gartenzaun der neueste Tratsch ausgetauscht. Jetzt war das Dorf verlassen, die letzten Reste menschlicher Behausung werden in kurzer Zeit verschwunden sein. Der Schaufelradbagger frisst sich immer weiter durch den Boden. Unaufhaltsam.

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Der riesige Schaufelradbagger frisst sich unaufhaltsam weiter

 Schlimmer wurde es dann sogar noch im nächsten Dorf, das ich nach ein paar Metern über asphaltierte Feldwege erreichte. Immerath, so der Name dieses Geisterdorfes. Wenn man die Straße ins Dorf hinunter radelt, denkt man, das man noch auf einen Umtrunk in die Dorfkneipe einkehren kann. Doch wenn man näher kommt, die Betonsperren für die Autos sieht, die mit Brettern vernagelten Fenster in allen Stockwerken, die Laternen, an denen Kabel herunterbaumeln, die zugewachsenen Hinterhöfe, geschlossenen Geschäfte und leeren Parkplätze, wo das Unkraut wächst. Dazu noch die große Kirche mit ihren zwei Türmen, ebenfalls verlassen und sich ihrem Schicksal überlassen, ja da lief es mir fröstelnd den Rücken hinunter. Als ob die Menschen fast fluchtartig ihre Häuser verlassen mussten herrschte nun eine düstere Stimmung und unwirkliche Stille über den Dächern dieses Ortes. Ich folgte der Hauptstraße, die nach einigen Biegungen wieder hinaus aus Immerath führte. Ganz am Ende, ich konnte es nicht glauben, wohnte hier anscheinend tatsächlich noch jemand. Keine verrammelten Fenster, der Gehweg noch sauber und gepflegt. Ein Auto vor der Tür. Von dieser Seite kam man damit anscheinend noch hinein. Die letzten Verbliebenen, doch auch deren Schicksal mit Ablaufdatum versehen. Um danach irgendwo anders einen Neuanfang starten zu müssen. Das surren meiner Räder klang hier irgendwie lauter als sonst. Einerseits war es spannend durch so ein Geisterdorf zu radeln, andererseits war ich froh wieder heraus zu sein.

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Trügerische Idylle. Das verlassene Dorf Immerath mit seiner Kirche
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Fast wie bei einer Evakuierung
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Leerstehende Häuser…
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…wo man nur hinsieht. Gespenstisch.

 Danach ging es über einige Meter Feldweg, mein Ziel war der Aussichtspunkt und Skywalk, direkt über den Abgrund des Tageabbaus. Von dort hat man einen sehr guten Ausblick in das tiefe Loch der Erde. Mehrere Schaufelradbagger auf unterschiedlichen Höhen des Abbaus waren zu sehen. Dazu Förderbänder die die abgebaute Braunkohle zu den weit entfernten Kraftwerken des Energie-Riesen befördern.

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Keine Postkartenidylle aus Immerath
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Braunkohleabbau Garzweiler
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Einer der riesigen Schaufelradbagger
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Die Größe ist schier überwältigend

 Auf einigen Schautafeln wurden Infos rund um das Thema Braunkohleabbau veranschaulicht. Wahrscheinlich auch um Verständnis bei der Bevölkerung zu werben. Die Tour war jedenfalls definitiv spannend, es gab viel zu sehen. Überrascht war ich aber von den bedrückenden Momenten. Zugleich war es aber auch lehrreich und informativ. Immer wieder kann man auf solchen Touren Ecken kennenlernen, mit denen man gar nicht rechnet. Das ist das Aufregende dabei. Es war ein langer Tag, aber einer der jeden Meter wert war.

Update: Auf Grund der großen Nachfrage könnt ihr  euch den gpx-Track zum nachfahren hier jetzt herunterladen. Ich wünsche euch viel Spaß dabei!

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Spannend und auch lehrreich war diese Radtour

 

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TOUR: Niederrhein-Tour nach Wesel

 

 Mein Gefühl sagte mir das es langsam an der Zeit ist um „in die Puschen“ zu kommen für die ersten „richtigen“ Radtouren im neuen Jahr. Schließlich wartet ja auch mein neues ROSE-Bike sehnsüchtig auf schöne Ausritte. Kurzerhand plante ich deshalb eine Tour, die im Grunde vor der Haustür startete und in Wesel enden sollte. Das Wetter war wie in den letzten Tagen solide grau, aber immerhin trocken. Das ist ja schon die halbe Miete. Wie interessant es in der unmittelbaren Umgebung sein kann, erfuhr ich direkt am Haus Ripshorst am Rhein-Herne-Kanal, denn dort trafen sich an diesem Morgen einige Leute auf der großen Wiese zum Drachen steigen lassen. Tolle und vor allem große Drachen waren hier zu bestaunen. Den noch spärlichen Besuchern um diese Uhrzeit wurde Kaffee und Kuchen für einen kleinen Obolus angeboten.

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Drachen vor Haus Ripshorst

 Ich überquerte den Kanal über eine Brücke und radelte weiter entlang des Kanals. Vorbei an dem Gasometer und dem Niederrheinstadion, wo die Fußballmannschaft von Rot-Weiß Oberhausen ihre Heimspiele austrägt. Das Rad fühlte sich schon auf den ersten Metern richtig gut an und das ließ mich ganz entspannt in die Pedalen treten. Vom Kanal weg gelangte ich nun auf den Radweg „Grüner Pfad“, einer alten Bahntrasse die nun neu asphaltiert wurde und nun optimal zu befahren ist. Nach einigen Kilometern erreichte ich den Landschaftspark Duisburg. Immer wieder bietet dieses alte Industriedenkmal eine tolle Kulisse und ist einen Besuch wert. Schon oft bin ich hier auf meinen Radtouren vorbeigekommen. Diesmal machte ich nur kurz Halt um ein paar Fotos zu machen, danach war ich dann auf der Themen-Route „Deutsche Fußballroute“ unterwegs. Einer Route, die in NRW viele Höhepunkte des Fußballs in größeren und kleineren Städten ansteuert und für Freunde des runden Leders sicherlich interessant ist.

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Der Gasometer in Oberhausen.
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Vor dem Stadion von RWO.

 Kurz darauf erreichte ich schon den Rhein. Winzige Regentropfen empfingen mich hier, doch die waren zum Glück nur von kurzer Dauer. Viele Schiffe waren hier auf dem Strom unterwegs. Manche schwer beladen und tief im Wasser liegend, die anderen leer und unterwegs zu den Häfen um neue Fracht aufzunehmen. Diese Bilder sollten mich jetzt bis Wesel begleiten, denn nun hieß es auch für mich den Rhein „abwärts“ zu folgen. Über die Brücke der A42 wechselte ich auf die andere Uferseite. Von dort oben hat man übrigens auch einen schönen Ausblick in die Umgebung. Die Halde Rheinpreußen mit ihrem „Geleucht“ liegt in unmittelbarer Nähe, einen Abstecher zu meiner eigentlichen Tour könnte man hier problemlos machen. Doch ich hielt mich diesmal am Wasser.

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Der „Grüne Pfad“
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In der Kulisse des Landschaftsparks Duisburg
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Halde Rheinpreußen mit dem Geleucht, Eisenbahnbrücke und der Rhein mit seiner Schifffahrt!

 Die Gegend wurde ländlicher. Felder und Wiesen wurden zahlreicher. Die ersten Bauernhöfe waren zu sehen. Duisburg-Baerl ist eher ein Dorf als ein Stadtteil, da war ich schnell durch und wieder auf den Damm des Rheins. Über Binsheim gelangte ich nach Orsoy. Ein nettes, ruhiges Örtchen. Immer gut für einen  kleinen Ausflug. Doch ruhig war es an diesem Karnevalssonntag hier nicht. Überall waren  hier die Leute bunt verkleidet und standen an Stehtischen vor der Haustür zusammen, unterhielten sich, lachten, schunkelten bei Karnevalsmusik und tranken dabei das ein oder andere Bier. Hier wird Nachbarschaft anscheinend noch Groß geschrieben. Eine richtige Dorfgemeinschaft könnte man das auch nennen. Nett mitanzusehen. Ein wenig war ja auch ich verkleidet als Radfahrer…

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Duisburg-Baerl von der Brücke der A42 aus.
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Schiffs-Impressionen auf dem Rhein.

 Hätte ich irgendwo spontan gehalten, hätte ich wahrscheinlich ein Bier in die Hand gedrückt bekommen. Doch mich zog es weiter. Orsoy war schnell durchquert. Danach herrschte wieder Ruhe auf dem Weg. Den Rhein konnte ich jetzt nicht mehr sehen, da ich landeinwärts unterhalb des Damms radelte. Den Orsoyer Rheinbogen ließ ich hinter mir. Es radelte sich an dem Tag wirklich gut. Ich verspürte ein zufriedenes Gefühl in mir aufsteigen. Dieses Gefühl, das es genau richtig war heute mit dem Rad auf Tour zu gehen. Und auch das Wetter spielte mit. Hin und wieder rissen die Wolken kurz auf und ließen ein paar kurze Sonnenstrahlen durch.

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Nur wenige Radfahrer waren an diesem Tag unterwegs.
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Info-Tafel am Wegesrand.
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Beruhigende Landschaft…

 Das nächste Dorf, Ossenberg, lag links von mir. Doch auch hier konnte man von weitem das halbe Dorf hören wie es mit der Karnevalsmusik schunkelte. Der Rhein und das Rheinvorland war nun auch wieder in Sichtweite. Unermüdlich waren Schiffe  an diesem Tag  auf den Rhein unterwegs. Gut zu sehen war auch wie sie teilweise gegen den Strom ankämpften, während die anderen mit Leichtigkeit den Fluss hinab schwammen. Felder und Wiesen blieben hier am Niederrhein ebenfalls ein ständiger Begleiter. Ich empfinde diese Landschaft immer wieder als sehr entspannend.

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…und Brutgebiet für Graugänse.

 Die neue Niederrheinbrücke von Wesel war nun nicht mehr zu übersehen. Nach Büderich mit seiner kleinen Rheinpromenade kam ich nun zum Fort Blücher, einer Festungsruine direkt vor der Brücke. Sie wurde unter Napoleon in den Jahren 1807 bis 1813 erbaut und hat wohl einiges Geschichtsträchtiges mitgemacht. Ein paar Fotos später war ich dann bereits schon auf der besagten neuen Brücke und konnte trotz etwas diesigem Wetter gut auf den Rhein und die flache Landschaft schauen. Wesel lag direkt vor mir. Die Stadt war im Spätmittelalter eine wichtige Handelsstadt und aus militärischer Sicht hatte sie im zweiten Weltkrieg eine ebenso strategische Lage und war daher von großer Zerstörung betroffen.

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Man könnte meinen ich war in Norddeutschland unterwegs.
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Niederrhein-Brücke und Wesel im Blick.
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Fort Blücher, Heimat vieler Fledermäuse!
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Der Willibrordi-Dom in Wesel.

 Von der Brücke aus war es nur ein Katzensprung bis zu der Lippe-Mündung. Hier endet oder startet zugleich die bekannte Römer-Lippe-Route. Und auch meine Tour hatte ihr Ziel hier erreicht. Bis zum Bahnhof war es nicht mehr weit. Einen ausgiebigen Besuch der Stadt mit seiner Rheinpromenade, der Zitadelle Wesel und dem Preußenmuseum ist aber empfehlenswert.

 Die Strecke ist ganz bequem als Tagestour zu gestalten und wer Lust hat diese Route einmal nachzufahren, für den gibt es hier den Link zum Download der gpx-Datei für Smartphone oder Navi.

Viel Spaß!

 

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TOUR: KWL – Kamen.Werne.Lünen.

Der Sommer kam dieses Jahr erst spät. Doch dann mit Wucht. Im September noch so warme Temperaturen zu haben ist schon außergewöhnlich. Das wollte ich ausnutzen und bin eine schon länger geplante Tour gefahren. Am Ende des Berichts findet ihr den Link für den gpx-track zum Download!

 Startpunkt für diese nette Runde war am Bahnhof von Kamen, gelegen am südlichen Ende der westfälischen Bucht. Von hier gelangte ich schnell auf den Seseke-Weg. Die Seseke, früher ein Abwasserfluss, heute renaturiert, durchfließt die Stadt Kamen von Ost nach West und endet in der Lippe. Hier hat man einen schönen Weg angelegt, der prima zu befahren ist. Von hier war auch die alte Zeche Monopol mit ihrem Fördergerüst von Schacht Grillo 1 von 1873 zu sehen. Auch in dieser Gegend hatte die Kohleförderung zu der damaligen Zeit eine große Bedeutung.

Fahrradtour bikingtom Zeche Grillo Kamen
Zeche Grillo Schachtanlage 1/2  bei Kamen.

 Etwas weiter, direkt an der Seseke und der Mündung des Braunebach gelegen, steht das Kunstwerk „JETZT“ des Berliner Künstlers Christian Hasucha. Steine wurden umfasst und umrahmen das Wort JETZT. Durch die Buchstaben kann man den Fluss im steten Wandel beobachten. Kunst halt. Aber auffallend! Und ein Foto wert.

Fahrradtour bikingtom Seseke-Weg
Auf dem Seseke-Weg.
Fahrradtour bikingtom JETZT-Skulptur Seseke-Weg
Im „Jetzt“ an der Seseke.

 Am Weg der Seseke entlang erfährt man immer wieder auf Schautafeln einiges über die Besonderheiten der Umgebung. Und, das fand ich besonders toll, am Wegesrand wurden einige Apfelbäume gepflanzt, an denen sich jeder bedienen kann. Und so war es kein seltenes Bild zu dieser Jahreszeit, das Radfahrer mit Käschern die Äpfel von den oberen Zweigen pflückten und in ihren Fahrradkorb packten. Auch ich machte meine Radtasche mit verschiedenen Apfelsorten voll, allerdings mit den von den unteren Zweigen gepflückten Äpfeln. Schön saftig und erfrischend waren diese. Die musste ich ja natürlich auch direkt probieren. Herrlich!

Fahrradtour bikingtom Seseke-Weg
Schön zu fahren mit dem Fahrrad.
Fahrradtour bikingtom Apfelernte Äpfel Verpflegung
Verpflegung am Wegesrand. Saftige Äpfel direkt vom Baum.

 Ehe ich mich versah war ich dann schon auch am Seepark Horstmar mit seinem beliebten Strandbad und den großen Liegewiesen. Entstanden ist das alles auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Preußen. Anlass war die Landesgartenschau von 1996, heute ist dies ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet. Hier gibt es Kunst zu bestaunen, es gibt Rasenfußballplätze und eine Discgolf-Anlage fürs Frisbee-Werfen. Nebenan ist direkt der  Datteln-Hamm-Kanal, auf den dann doch einige Binnenschiffe unterwegs sind. Und ein paar Meter weiter kann man dort auch eine kurze Pause am kleinen Wasserwanderrastplatz, dem sogenannten Preußen-Hafen, machen.

Fahrradtour bikingtom Seepark Horstmar
Am Seepark Horstmar.
Fahrradtour bikingtom Seepark Horstmar
Warme Temperaturen im September am Seepark Horstmar.
Fahrradtour bikingtom Zechenbahn Zeche Relikt Förderrad
Relikt der alten Zechen-Zeit an der ehemaligen Zechenbahn kurz nach dem Preußen-Hafen.

 Auf dem Weg der ehemaligen Zechenbahn radelte ich nun durch Lünen-Süd und dem Süggelbach entlang. Schnell ließ ich die Häuserzeilen hinter mir und ehe ich mich versah war ich schon wieder im Grünen. Auf dem Radweg A7 – nein, nicht die Autobahn! – der einmal rund um Lünen führt, kam ich nun zu einem weiteren Highlight der Tour. Vom Mühlenbachtal konnte ich es schon von weitem sehen. Ich meine das sogenannte „Colani-Ufo“. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Minister Achenbach ist heute das Technologiezentrum Lüntec beheimatet. Der weit bekannte Designer Luigi Colani setzte dem ehemaligen Fördergerüst im Jahre 1995 das „UFO“ auf. Bekannt ist es aber auch unter dem Namen „Colani-Ei“. Die letzte Förderung war im Jahr 1992. Viele Gebäude werden heute anderweitig genutzt. unter anderem gibt es dort ein kleines, nettes Café. Genau richtig um auch hier mal ein Päuschen einzulegen.

Fahrradtour bikingtom Colani-Ei Colani UFO Lüntec
Das Colani-UFO, auch „Colani-Ei“ genannt.
Fahrradtour bikingtom Colani-Ei Colani UFO Lüntec Café
Einladend das Café am Colani-UFO und der ehemaligen Zeche Minister Achenbach.

 Wieder über den Datteln-Hamm- Kanal ( übrigens wurde der erste Abschnitt des Kanals schon im Jahre 1914 in Betrieb genommen ) erreichte ich ein unscheinbares, altes Mühlenhäuschen. Die Schlossmühle Lippholthausen ist heute ein Standesamt. Daneben steht der alte Grenzstein zwischen den Grafschaften Mark und Dortmund. Nur einen Steinwurf weiter, oder eher besser ein paar Pedalumdrehungen weiter, überquerte ich nun das nächste Gewässer. Diesmal die Lippe!

Fahrradtour bikingtom Schlossmühle Lippholthausen Standesamt
Früher Schlossmühle…
Fahrradtour bikingtom Schlossmühle Lippholthausen
…heute Standesamt Lippholthausen.

 An dieser Stelle stand früher die Buddenburg.  Seit dem 14. Jahrhundert bis zum Jahre 1902 gehörte es der Familie Frydag zu Buddenburg. Nach dem Verkauf und weiterer Nutzung auch während der Kriegszeit, wurde es angeblich wegen Baufälligkeit im Jahre 1977 abgerissen. Eine Infotafel an der Stelle erinnert an Haus Buddenburg.

Fahrradtour bikingtom Schloss Buddenburg Lippe
Infotafel über das ehemalige Schloss Buddenburg.
Fahrradtour bikingtom Schloss Buddenburg Lippe
An der Lippe, beim ehemaligen Schloss Buddenburg.

 Am Rand von Altstedde und Nordlünen vorbei und vielen Feldern und Wäldern, erreichte ich nun Cappenberg mit seinem gleichnamigen Schloss! Es ist zugleich eines der bedeutendsten Beispiele für westfälische Klosterbaukunst des Barock! Die genaue Grundsteinlegung ist unbekannt, jedoch gründete der letzte Graf von Cappenberg im Jahre 1122 den ersten Prämonstratenser Orden im deutschsprachigen Raum. Er selbst lebte dort als Mönch. Weit über 700 Jahre war hier ein Kloster untergebracht. Erst im Jahre 1803 wurde es geschlossen. Die gesamte Geschichte von Schloss Cappenberg könnt ihr in diesem Link nachlesen wenn es euch interessiert! Heute gibt es dort eine ständige LWL-Ausstellung mit dem Namen „Der Freiherr vom Stein und Cappenberg“. Wer also Lust bekommen hat, mit dem Rad zu fahren und dabei noch kulturhistorisches Wissen zu sammeln, der sollte sich in den Sattel schwingen.

Fahrradtour bikingtom Schloss Cappenberg
Renovierung am Schloss Cappenberg.
Fahrradtour bikingtom Schloss Cappenberg
Eingang Schloss Cappenberg

 Kurz nach Schloss Cappenberg führte der Radweg in den Wald, dem Kohuesholz. An sich ist es ja meistens wunderbar auf Waldwegen zu radeln und die gute Luft zu genießen. Doch hier war der Weg teilweise dermaßen schlecht, das ich ordentlich durchgerüttelt wurde und mich so auf den Untergrund konzentrieren musste, das ich nicht nach rechts oder links gucken konnte. Da war ich doch froh, als ich wieder aus dem Wald raus war und der Weg wieder besser wurde. Wie man so eine Strecke als Radweg kennzeichnen kann ist mir ein Rätsel. Na ja.

Fahrradtour bikingtom Wald Cappenberg Radweg
Ist das noch ein Radweg?

 Nun kamen wieder Felder. Viele waren schon wieder umgepflügt, auf einigen stand der Mais aber schon richtig hoch. Die Zeit bis zur Maisernte ist nicht mehr lang. Dann fahren die Feldhäcksler raus und die Bauern legen wieder eine Mais-Silage an. Hier merkte ich, das der Herbst trotz  der Temperaturen doch schon seine ersten Spuren hinterlässt.

Fahrradtour bikingtom Mais Ernte
Der Mais steht schon hoch!

 Das nächste Städtchen, welches ich erreichte,  war Werne. Durch einige ruhige Nebenstraßen kam ich zum Stadtpark. Dort, in kurzer Distanz zum Natur-Solebad, steht das Gradierwerk. Über Rieselwände, bewachsen mit Schwarzdorn,  wird die Sole hinab geleitet und beim Aufprall entsteht ein „Solenebel“ und eine Art mediterranes Klima in der Umgebungsluft. Und die ist wiederum förderlich bei Atemwegserkrankungen. So saßen auf den zahlreichen Bänken viele Leute und genossen die gute Luft. Eine tolle Sache wie ich finde!

Fahrradtour bikingtom Saline Werne Stadtpark
Die Saline in Werne.
Fahrradtour bikingtom Stadtpark Werne
Im Stadtpark von Werne

  Ein Stück weiter traf ich wieder kurz auf die Lippe und folgte dem Weg der alten Zechenbahn. Ich überquerte die Lippe  und dann kam auch schon wieder der Datteln-Hamm-Kanal. Wie ihr seht, ständige Begleiter dieser Tour. Bald darauf erschien auch schon die Marina Rünthe. Am nett gestalteten Hafen lagen viel Boote und Yachten vor Anker. Es lockten an der Promenade einige Restaurants oder auch als Restaurant umgebaute Boote. Ein sehr beliebtes Ausflugsziel stellt mittlerweile dieser – man mag es kaum glauben – ehemalige Kohleumschlaghafen der Zeche Werne bei vielen Radfahrern da. Man konnte es an den zahlreich geparkten Rädern sehen. Die Leute saßen bei einem gut gekühlten Bier unter den Sonnenschirm und genossen das gute Wetter. Die Marina Rünthe ist übrigens der größte Sportboothafen NRWs!

Fahrradtour bikingtom Marina Rünthe Datteln Hamm Kanal
Die Marina Rünthe.

  Direkt hinter der Marina Rünthe durchquerte ich auf einem schmalen Pfad das Naturschutzgebiet Beversee. Mannshoher Farn empfing mich im Wald. Ein toller Anblick. Hier verirrten sich nicht viele Leute hin. Der Weg war zwar auch etwas holprig, doch es war dort so schön, das mir das dann doch egal war. Am Beversee selber empfing mich ein Algenteppich. Es sah schon etwas ekelig aus und das Kraftwerk Bergkamen im Hintergrund trug nicht gerade zur Schönheit der Gegend bei. Auf einer Holzempore hatte man einen guten Überblick über den See. Ich radelte aber weiter.

Fahrradtour bikingtom Beversee Naturschutzgebiet
Am Beversee.

 Jetzt kamen die Höhenmeter! Ich wollte unbedingt auf die Bergehalde Großes Holz und ihrer höchsten Erhebung, der „Adener Höhe“, rund 148 Meter hoch gelegen. Irgendwie schaffte ich es tatsächlich, den falschen Weg bergauf zu nehmen. Die Steigung, die ich nahm, war so steil, das die Räder durchrutschten. Also hieß es für ein paar Meter schieben, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war. Schweißgebadet kam ich oben an. Die Lichtinstallation „Impuls“ bildet den höchsten Punkt. Auf dem Weg rauf – oder runter, je nach dem – findet man auch noch die „blauen Leuchttürme“, die an die Geschichte der Zechen in der Region erinnern. Kurz unterhalb des Gipfels gibt es auch eine nett gestaltete Schutzhütte sowie Betonwände mit gemalten Motiven der Region Bergkamen! Man hat bei guten Wetter eine tolle Aussicht in das östliche Ruhrgebiet und das Münsterland. Der Aufstieg war also definitiv nicht umsonst!

Fahrradtour bikingtom Großes Holz Adener Höhe
Auf dem Weg zum Gipfel der Adener Höhe.
Fahrradtour bikingtom Großes Holz Adener Höhe Motive Bergkamen
Unterhalb des Gipfel gibt es diese Wände mit Motiven aus der Region.
Fahrradtour bikingtom Adener Höhe Großes Holz Bergkamen
Vom Gipfel gibt es tolle Aussichten!

 Runter ging es schneller als rauf. Die Tour führte mich vorbei ein der ehemaligen Schachtanlage Grimberg, die eine traurige Geschichte hat. Im September 1944 kamen bei einer Schlagwetterexplosion 107 Bergleute ums Leben. Nicht mal zwei Jahre später starben bei einem weiteren Grubenunglück in 930 Metern Tiefe weitere 405 Bergarbeiter! Die Druckwelle der Explosion war so groß, das es selbst über Tage Opfer gab und die Fördereinrichtung zerstört wurde. Nur 64 Bergleute konnten gerettet werden.  Die Ursachen des Unglücks wurden nie wirklich abschließend geklärt.

Fahrradtour bikingtom Schachtanlage Grimberg Grubenunglück
Gedenktafel an der alten Schachtanlage Grimberg 3/4.

 Auf dem Weg der ehemaligen Werksbahn radelte ich weiter und kam nun auf dem Kuhbach-Weg, der mich einmal durch den Grüngürtel von Bergkamen führte. An einer Stelle war in einem angrenzenden Garten die Flagge von Neuseeland gehisst. Ich dachte schon ich hätte mich verfahren…

Fahrradtour bikingtom Kuhbachweg
Der Kuhbach-Weg.
Fahrradtour bikingtom Seseke-Weg Kamen
Kurz vor Tour-Ende wieder am Seseke-Weg.

 Weiter ging es dann, vorbei an Feldern und Wohnvierteln, über den Klöcknerbahnweg. Von dem ganz nah gelegenen Autobahnkreuz „Kamener Kreuz“, einer der meist befahrenen Autobahnkreuze Deutschlands, bekam ich hier nichts mit. Idyllisch lag der Weg vor mir und der feine Kies knirschte unter den Rädern. Bald darauf erreichte ich wieder den Seseke-Weg. Nach wenigen Metern durch Kamen erreichte ich wieder den Bahnhof.

 Erstaunlich finde ich es immer wieder, wie viele interessante Dinge man auf solchen Radtouren erfahren kann. Man kann so viel über eine Region lernen. Ich war mir zum Beispiel nicht bewusst, das so weit im östlichen Ruhrgebiet oder auf westfälischen Boden die Kohleförderung so eng mit dem Menschen verknüpft war. So bin ich mit dieser Tour mal wieder sehr zufrieden. Und wenn auch ihr diese etwas über 70 Kilometer lange Runde einmal mit eurem Fahrrad drehen wollt, dann könnt ihr beim nachfolgenden Link euch den gpx-Track herunterladen und nachfahren. Der Aufstieg auf die Halde ist korrigiert…

Ich wünsche euch viel Spaß!

Download gpx-Track der Tour „Kamen.Werne.Lünen.“

 

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TOUR: Harte Waden in der Rhön

 

 Mein kleiner Radurlaub für dieses Jahr stand endlich vor der Tür und Ziel für vier Tage war diesmal die Rhön. Mit sanften Hügeln, aber auch ordentlichen Höhenmetern dabei. Ein  landschaftlich unheimlich schön im Herzen Deutschlands gelegenes Mittelgebirge. Was man nicht vermutet, ist, das zum Beispiel  das osthessische Gebiet der Rhön vulkanischen Ursprungs ist. In grauer Vorzeit war es dort ziemlich eben und alles von einem flachen Meer überzogen! Bis sich in vielen, vielen Kilometern  Tiefe die Erde aufmachte und nach oben drückte! So entstanden dann die sanften Bergrücken. Heute ist dort aber keine vulkanische Aktivität mehr vorhanden. Also alles in allem ein höchst interessantes Gebiet, das es lohnt zu erkunden.

Wie immer gilt: zum vergrößern der Bilder einfach die Fotos anklicken!

 Zu allererst muss ich aber  zu der Überschrift sagen, das sie ja fast nur die halbe Wahrheit darstellt. Um es vorweg zu nehmen, es gab auch entspannte Teilstücke auf dieser Tour. Doch zuerst kam Schmerz. Großer Schmerz. Aber von vorne…

Radfahren in der Rhön mit bikingtom
Harte Wade

 Ich wusste schon vorher, das mich am Anfang dieser Tour einiges an Höhenmetern erwarten würde. Aber das die Anstiege so gemein sein würden, das hätte ich nicht gedacht! Start war für mich in Hausen, einem unscheinbaren Dorf, in dem Abends um sieben die Bürgersteige hochgeklappt werden und alles ruhig ist. Das Wetter war irgendwie schwer einzuschätzen. Waren Wolken da, war es kühl. Kam die Sonne durch, wurde einem sofort warm. Auf dem ersten Stück nach Leubach hatten die kühleren Temperaturen bei mir gesiegt, doch als ich den ersten ernsthaften Anstieg vor mir sah, wußte ich das ich definitiv gerade die falschen Sachen an hatte. Doch so eine Zip-Off-Hose ist äußerst praktisch und die Jacke wanderte auch direkt wieder in den Rucksack! Und dann „ging die Luzie so richtig ab“ wie man so schön sagt! Steil und kurvenreich ging es rauf auf rund 790 Metern Höhe. Zwischendurch musste ich tatsächlich öfters mal anhalten und Luft holen. Und das soll schon was heißen, das mache ich sonst nicht so oft! Von der Straße aus hatte man hin und wieder einen schönen Blick ins Tal. Weiter oben konnte man einen Grenzturm der ehemaligen DDR sehen. Das Gebiet, in dem ich fuhr, liegt genau im Drei-Länder-Eck von Bayern, Hessen und Thüringen. Ein heißes Pflaster, doch dazu komme ich noch in einem weiteren Tour-Bericht.

 Irgendwann, nach viel Schweiß und einiger veronnener Zeit kam ich jedenfalls endlich oben an. Dort gibt es das sogenannte „Schwarze Moor“, eines der wichtigsten Hochmoore Europas und ein Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Ein wahrer Rückzugsort seltener Tiere und Pflanzen. Ein Rundwanderweg über Holzplanken lässt das Moor schonend erkunden. Schautafeln bieten eine Fülle an Informationen und ein schöner, 17 Meter hoher Aussichtsturm aus Holz in Form eines Weizenglases, lässt einen die Schönheit auch von oben erahnen! Markant ist ein einfach da stehender Torbogen aus Stein am Eingang des Moores, das doch ein wenig unheimlich wirkt. Und in der Tat, dort stand früher ein Gaulager der Nationalsozialisten, benannt nach dem damaligen Gauleiter Dr. Otto Hellmuth auch Hellmuthlager genannt! Heute hat es keine echte Bedeutung mehr, es dient  nur noch als Mahnmal.

Radfahren in der Rhön bikingtom
Holzspielplatz am „Schwarzen Moor“.

 Weiter ging es für mich in Richtung Naturpark Lange Rhön. Das Wetter war hier oben doch etwas schlechter. Wolkenverhangen und grau in grau. Langgezogene Anstiege. Fiese Anstiege. Die Landstraße war aber ziemlich leer, so gut wie keine Autos waren dort. Nur ein Motorradtrupp mit gefühlten 189 Mann musste natürlich an mir vorbei. Mit Tempo und Visier unten. Wie kann man nur mit den stinkenden Dingern durch die Natur kutschern und hinterher schwärmen wie toll es dort ist obwohl man kaum was gesehen hat durch den schmalen Schlitz im Helm? Das werde ich nie verstehen.

Radfahren in der Rhön bikingtom
Nein, das Bild ist nicht schief! Von rechts ging’s da links rauf.

 Und irgendwie kam ich auch etwas aus dem Tritt. Trotz Navi verlor ich hier oben kurzfristig die Orientierung. Und so musste es dann wohl auch dazu kommen, das ich anstatt den direkteren Weg zu nehmen, einen Umweg fuhr. Huuuuiiiiiiii ging es da schnell runter, bester Asphalt unter den Rädern, rauschender Wind um die Ohren. Nur ich und die Natur. Vereint in Geschwindigkeit, die mir trotz Radbrille die Tränen aus den Augen trieb. Bis ich unten ankam und ernüchternd festellte, ich bin zu früh abgebogen und die nächste Straße ging wieder steil rauf. Wäre ich oben geblieben, hätte ich einfach nur um die nächste Kurve gemußt. Dumm gelaufen für meine Waden, die jetzt nochmal ran durften!

Radfahren in der Rhön bikingtom
Ab Kilometer 25 ging es etwas entspannter zu…bis zum nächsten Anstieg.

 Hechelnd mit der Zunge fast auf dem Boden kam ich wieder nach oben. Doch nun waren die schlimmsten Leiden erstmal vorbei. Nach relativ wenigen Kilometern fühlte ich mich aber so, als ob ich schon den ganzen Tag im Sattel gesessen hätte. Eine kurze Pause und ein Energieriegel taten mir da ganz gut. Die Straße hatte ich nun verlassen und bog in einem gut befahrbaren Feldweg ab. Am Waldrand entlang radelte ich nun freudig Richtung Tal. Hier genoss ich das erstemal bewusst an diesem Tag die schöne frische Luft. Tief sog ich sie in meine Lungen. Herrlich. Das liebe ich, dafür radel ich.

Radfahren in der Rhön bikingtom
Hier lässt es sich prima in Richtung Tal radeln.

 Hier war es auch wesentlich grüner als noch oben auf dem Berg. Saftige Wiesen, würzige Wälder und vereinzelt ein paar Rinder auf den Weiden. Und niemand weit und breit zu sehen. Nur ich mit meinem Rad. Und so kam ich dann nach ein paar Kilometern in den Ort  Wüstensachsen: Dort traf ich das erstemal auf diese prima gemachten Infotafeln für Radwege. In diesem Fall für den Rhönrad- bzw. Ulstertalradweg. Wie auf dem Foto zu sehen, gibt’s da auch ein Kästchen, wo ein Stempel samt Stempelkissen mit dem Schriftzug der Rhön drin ist. Den drückte ich auf meine Radkarte, aber am Ende der Tour war der leider verwischt. Die Karte war halt wasserfest. Pech.

Radfahren in der Rhön bikingtom
Interessante Infotafeln fand ich öfters an den Radwegen.

 Ich folgte also nun dem Ulstertalradweg. Der Weg führte mich an den Hängen vorbei, die Ulsta bekam ich da noch selten zu sehen. Dafür wieder kleine knackige Steigungen. Gerade noch konnte ich das Rad laufen lassen, nach der nächsten Ecke ging es wieder rauf und ich musste  ordentlich in die Pedale treten. Die Fitness kam heute nicht zu kurz!

Radfahren in der Rhön
Blumenpracht, herrliche Wiesen und eine Madonna mitten im Wald.

 Durch die Orte Seiferts, Thaiden und Batten und dem alten, leider nicht genutzten Viadukt der ehemaligen Ulstertalbahn,  kam ich nach rund neun weiteren Kilometern in Hilders an. Dort angekommen wusste ich, jetzt hatte ich die härtesten Steigungen wirklich hinter mir! Ab hier radelte ich nun über den bekannten Milseburgradweg in Richtung Petersberg-Götzenhof und der alten Barockstadt Fulda! Am Anfang der Bahntrasse stehen ebenfalls ein paar Infotafeln und eine kleine Skulptur. Der alte Bahnhof in Hilders am Anfang der Strecke ist mittlerweile in Privatbesitz. Doch den ursprünglichen Zweck kann man noch deutlich erkennen.

Radfahren in der Rhön bikingtom
Am Anfang des Milseburgradwegs steht diese Skulptur und der alte Bahnhof, der heute in Privatbesitz ist.

 Der Asphalt des Radwegs ist sehr gut, das Rad fühlte sich sehr gut an. Die moderate und leichte Steigung bis zum Milseburgtunnel ist auch mit Kind und Kegel gut zu fahren. Hin und wieder sieht man am Wegesrand noch das Kiesbett der alten Eisenbahnschwellen, wenn der Radweg leicht versetzt verläuft. Leicht zugewuchert, aber dennoch nicht zu übersehen. Auch alte Relikte der Eisenbahnstrecke sind des Öfteren noch erhalten geblieben. Wie zum Beispiel die Schranke in Eckweisbach oder aber auch diverse Signale.

Radfahren in der Rhön
Immer gerne gesehen: Relikte der alten Zeit.

 Links und rechts waren meist blühende Wiesen und grüne Wälder. Immer wieder ein schöner Anblick. Die 40-Kilometer-Marke hatte ich nun bereits hinter mir gelassen. Ein wenig Kraft tanken wollte ich aber erst etwas später. Ich wusste, das es einen Biergarten in Langenbieber gibt, direkt an der Trasse. Da wollte ich hin. Doch zuerst kam noch eine kleine und nette Einkehrmöglichkeit in Milseburg, kurz vor dem bekannten gleichnamigen und 1172 Meter langen Tunnel! Eigentlich der Höhepunkt auf dem Radweg. Im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Einkehrmöglichkeit ließ ich aber links liegen und fuhr lieber direkt in den Tunnel. Der ist auch nur von Mitte April bis Oktober befahrbar wegen unseren Freunden, den Fledermäusen. Er ist beleuchtet und es gibt sogar an diversen Stellen Notrufsäulen. An alles wurde gedacht, nur nicht an die Heizung! Spaß beiseite. Die Durchschnittstemperatur in dem alten ehrwürdigen Tunnel beträgt 8-10 Grad! Dementsprechend hat es mich ganz schön gefröstelt. Aber die Fahrt hindurch macht ordentlich Laune!

Radfahren in der Rhön bikingtom
Am östlichen Eingang des Milseburgtunnels.
Radfahren in der Rhön
Cooles Radeln im kalten Tunnel.

 Das Ende des Tunnels kam irgendwie dann doch viel zu schnell. Den hätten sie damals ruhig noch etwas länger machen können für die künftigen Radfahrer-Generationen. Hätten die Bauarbeiter das nur damals gewußt…verdammt…

 Schon bald darauf kam ich bei Elters vorbei. Von dort hatte ich eine tolle Aussicht mit einem weitem Blick zurück auf die markanten Bergkuppen, aber auch auf sanfte Hügelketten. Und nicht weit entfernt konnte man auf schroffen Fels schon Schloss Bieberstein sehen, das in einer Höhe von 500 ü. NN liegt. Das Barockschloss wurde 1740 vollendet, thronend über dem Biebertal.

Radfahren in der Rhön bikingtom
Schloss Bieberstein

 Und dann kam ich endlich in Langenbieber zu meiner wohlverdienten Pause. Es saßen nur eine handvoll Leute dort, die aber schon im Begriff waren weiter zu radeln. So saß ich dort ganz alleine mit meinem alkoholfreien Weizen und einen Laugenbrezel. Schmecken tat das isotonische Getränk sehr gut und ich meine enorm neue Kraft gespürt zu haben.

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Rast in Langenbieber mit wohltuendem isotonischen Getränk!

 Gestärkt radelte ich danach weiter. Ein sanftes Gefälle tat meinen Beinen ebenfalls gut. Die Berge wurden nun immer mehr zu Hügeln, Felder und Wiesen wechselten sich ab, genau wie die alten Bahnhofsschilder, die in vielen kleinen Orten darauf hinwiesen, das dort mal ein Haltepunkt war.  Die Sonne kam immer mehr raus und es wurde richtig warm. Schönstes Radwetter also.

Radfahren in der Rhön bikingtom
Auf dem Milseburgradweg.
Radfahren in der Rhön bikingtom
Impressionen Milseburgradweg.

 Ich näherte mich nun immer mehr Petersberg, dem Endpunkt des Milseburgradwegs. Er hat mir sehr gut gefallen. Abwechslungsreich, mit schönen Aussichten und entspannt zu fahren. Dazu immer wieder Anlehnungen an die Eisenbahn, die dort einst fuhr. Er ist wirklich empfehlenswert! Doch zu Ende war meine Tour aber hier noch nicht! Petersberg ist ein Vorort von Fulda. Und da wollte ich noch sehr gerne hin.

radfahren in der Rhön bikingtom
Unspektakulär. Der Anfang – für mich Ende – des Milseburgradwegs.

 Über Nebenstrassen und kleinen Wegen erreichte ich schon nach kurzer Zeit Fulda. Durch das Paulustor, das in den Jahren 1709 bis 1711 errichtet wurde,  aber nicht immer an dieser Stelle stand (!) kam ich auf die gepflasterte Pauluspromenade. Zu meiner Rechten war nun der eindrucksvolle Dom zu Fulda mit seinem großen Vorplatz, auf den ich von der Promenade hinunter schauen konnte. Geweiht wurde er im Jahre 1712. Er ist das Wahrzeichen von Fulda und auch die Grabeskirche des heiligen Bonifatius. Wer noch mehr zu diesem Bauwerk wissen möchte, den auch einst Papst Johannes Paul II. im Jahre 1980 besuchte, der klicke einfach hier. Da habt ihr die Gelegenheit auf eine tolle virtuelle 360 Grad-Tour zu gehen!

Radfahren in der Rhön bikingtom
Der Dom zu Fulda und rechts daneben die Michaelskirche.

 Jedenfalls lag an der Promenade zu meiner Linken der Schlosspark. Den wollte ich mir auch einmal kurz anschauen. Ich kann sagen, ein Abstecher hinein sollte man unbedingt machen. Er wirkte auf mich sehr beruhigend, so mit seinen hohen Bäumen, die hart radelnden Leuten bei Sonnenschein angenehmen Schatten spenden. Der Springbrunnen in der Mitte mit seiner hohen Fontäne, links die schöne Orangerie, rechts das imposante Stadtschloss von Fulda aus dem Jahre 1714. Erwähnte ich bereits, das Fulda eine alte Barockstadt ist?

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Links der Springbrunnen im Schlosspark und im Hintergrund das Schloss mit Turm, rechts oben die Orangerie und rechts unten das Schloss mit abgeknipsten Turm.

  Da das Wetter jetzt noch einmal richtig schön wurde fuhr ich noch weiter mit dem Rad. Durch die wunderbare Fulda-Aue, einem Naherholungsgebiet unweit der Innenstadt. Der hessische Fernradweg R1/R2 geht da mitten durch. Wunderbar. Immer wieder bot sich mir zwischendurch ein netter Blick zurück auf die Stadt. Bis sie dann doch irgendwann aus dem Sichtfeld verschwand. Wenige Menschen waren unterwegs. Es war mittlerweile auch schon gegen Abend. Ich radelte praktisch noch aus bis Eichenzell und beendete diesen anstrengenden, aber absolut lohnenswerten Radtag. Rund 83 Kilometer mit über 1050 fiesen Höhenmetern hatte ich hinter mir. Ich war ziemlich fertig, aber glücklich.

 Eine leicht verfeinerte Tour, nicht ganz so lang ( 66 km ) und ganz so anstrengend ( 440 Höhenmeter ) habe ich als gpx-Datei zusammengestellt und KANN HIER GERNE HERUNTERGELADEN WERDEN! Anfang der Tour ist am Schwarzen Moor und endet in Eichenzell am Bahnhof. Ein wenig Kondition ist von Vorteil.

Viel Spaß mit den harten Waden…

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TOUR: Halde Hoheward im Pott

 

 Das Dezember-Wetter in den letzten Tagen war ja eher Frühlingshaft. Bei Temperaturen im zweistelligen Bereich konnte ich der Verlockung nicht widerstehen, doch noch eine kleine Tour zu fahren. Dafür ist es einfach zu schön auf dem Fahrrad. Geplant hatte ich nichts konkretes, beim Blick auf die Karte war ich eher unschlüssig. Bis mir einfiel, das ich immer schon mal gerne AUF die Halde Hoheward, zwischen Herten und Recklinghausen gelegen, mit dem Rad wollte. Bisher hatte ich die Halde nur mal umrundet. Das sollte sich also nun mal schleunigst ändern.

 Vom beschaulichen Frintrop in Essen ging es zuerst in Richtung Rhein-Herne-Kanal, und von dort entlang des Emscher-Radwegs vorbei am Berne-Park in Bottrop. Trotz des schönen Wetters waren nicht allzu viel Menschen unterwegs. Das Rad rollte angenehm über den Kies.

Carbon Obelisk
Carbon Obelisk

 Es war die richtige Entscheidung gewesen sich in den Sattel zu schwingen. Ich durchfuhr ein kleines Wäldchen in der Welheimer Mark in Bottrop und kurz darauf kam ich in Essen-Karnap zu dem sogenannten „Carbon Obelisk“. Er wurde im Jahre 2010 zum Anlass der KULTURHAUPTSTADT EUROPAS 2010 von der amerikanischen Künstlerin Rita McBride errichtet, mit Bezug auf die alte Region, die heute so sehr im Wandel steht. Der Obelisk ist rund 14 Meter hoch.

 Kurz darauf erreichte ich den Nordsternpark in Gelsenkirchen und fuhr am Amphitheater vorbei, wo im Sommer tolle Konzerte und Musikfestivals ausgerichtet werden. Jetzt war hier gerade nicht viel los, nur ein paar vereinzelte Sparziergänger liefen durch den Park, der Spielplatz war auch verweist. Im Sommer ist es hier sonst oftmals überlaufen. Leider wurde der Weg nun für ein kleines Stück etwas holprig. Direkt am Kanal gelegen war der Radweg in keinem guten Zustand. Zum Glück aber nur für wenige hundert Meter. Aufpassen musste man hier aber dennoch gut!

Brücke im Nordsternpark
Brücke im Nordsternpark

 Besser wurde der Emscherradweg schon kurz darauf. Gut ausgeschildert mit netten Rastmöglichkeiten machte hier das Radfahren wieder richtig Laune. Wenn der feine Kies unter den Rädern knirscht ist das ein schönes Gefühl. Und so ging es auch schon weiter in Richtung Wanne.

Direkt an der Emscher
Direkt an der Emscher
Rastmöglichkeit am Emscherradweg.
Rastmöglichkeit am Emscherradweg.

 Ich musste nun auf einem Radweg entlang einer Hauptstraße abbiegen und kurz darauf kam ich auch schon zur Zeche Ewald, direkt an der Halde Hoheward gelegen. Die Zeche, errichtet im Jahre 1871 und geschlossen im Jahre 2000, ist ein beliebter Treffpunkt für Radfahrer aller Art, Veranstaltungsort und einen schönen Biergarten hat es dort auch. Der hatte sogar bei diesem Wetter auf und lud zur Einkehr ein. Doch erst wollte ich oben auf die Halde!

Angekommen an der Zeche Ewald
Angekommen an der Zeche Ewald
Rechts am Förderturm liegt der Biergarten der Zeche Ewald, links der Malakowturm von 1888!

 Ein asphaltierter Weg führte bis ganz nach oben auf die fast 153 Meter hohe Halde. Mit dem E-Bike war das kein Problem. Und die Auffahrt hatte sich direkt gelohnt, auch mit einem herkömmlichen Rad wäre es die Mühe definitiv wert gewesen!  Ein atemberaubender Blick über das Ruhrgebiet wird  einem geboten! Der Wind haute mir hier oben zwar um die Ohren, aber das war mir in dem Moment nicht wichtig. Die Konstruktion des Horizontobservatorium war selber abgesperrt. Im sogenannten Äquatorialbogen wurden kurz nach Eröffnung im Dezember 2008 Risse festgestellt und seitdem gibt es einen heftigen Rechtsstreit wegen diesem Mangel und man weiß bis jetzt immer noch nicht wann das Forum innerhalb des Observatorium wieder zugänglich sein wird. Schade. Nichtsdestotrotz  ist diese, an das legendäre Stonehenge in England und den prähistorischen Steinkreisen angelehnte Konstrukt beeindruckend.

Auffahrt auf die Halde
Auffahrt auf die Halde
Beeindruckend
Beeindruckend
Blick über das Ruhrgebiet
Blick über das Ruhrgebiet

Das Observatorium

An einem anderen Teil der Halde steht ein weiterer Obelisk, diesmal dient er als Sonnenuhr! Er ist neun Meter hoch und man kann mit etwas Hilfe von den Infotafeln konkret die Zeit wie in der Antike messen! Tolle Sache. Und so fuhr ich bei heftigen Wind über das Plateau und genoss die Aussicht. Auf und entlang der Halde gibt es aber noch mehr Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel die Drachenbrücke oder die verschiedenen „Balkone“ entlang der Ring- oder Balkonpromenade. Wie bereits erwähnt, kann man alternativ zu meiner Route auch die Halde komplett umfahren. Auch dies bietet sich für alle Interessierten an, es lohnt sich.  Man kann hier also wirklich eine Menge Zeit verbringen! Doch bald darauf wurde es auch Zeit weiter zu radeln. Runter von Halde und ein kurzes Stück den gleichen Weg zurück, den ich auch gekommen war.

Typische Ruhrpottbude und im Hintergrund der Malakowturm der Zeche „unser Fritz“.

 Eine weitere Zechenansiedlung lag nun auf meinen Weg. Die Zeche „Unser Fritz 2/3″ aus dem Jahre 1871. Heute ist das Zechengebäude ein Künstler-Atelierhaus und es finden dort auch Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Es ist ein relativ unscheinbares Gelände, doch nett hergerichtet. Einen Ausflug lohnt sich auch hierhin. Nicht weit von hier steht auch der Malakowturm, der weithin immer noch sichtbar ist.

 Doch es sollte an diesem Tag nicht die letzte Zeche auf meinem Weg gewesen sein. Nachdem ich die bekannte Erzbahn-Trasse überquerte, gelangte ich auf eine weitere, relativ kurze, alte Bahntrasse und kam so zur ehemaligen Zeche „Consol“ oder auch „Consolidation“ genannt. Gelegen im Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck hat diese ehemalige Zeche auch eine lange Geschichte die sich zurück bis ins Jahr 1848 verfolgen lässt. Die Förderung wurde im Jahre 1993 aufgegeben. Heute, wie so oft, wird das Gelände unter dem Namen „Consol-Park“ für kulturelle Anlässe genutzt ( u.a. Consol-Theater), bietet aber auch ein Multifunktionssportplatz und eine Trendsportanlage.

Alte Bahntrasse in Richtung...
Alte Bahntrasse (links) 

...Zeche „Consol

 Ein Stück weiter, vorbei am Bulmker Park, gelangte ich nun direkt in die Stadtmitte von Gelsenkirchen. Unter der Woche wäre die Fußgängerzone wahrscheinlich voller, doch an diesem Tag war nicht viel los. Einige Cafés hatten geöffnet, nur wenige Menschen waren unterwegs. Doch ich radelte weiter in Richtung Stadtgarten und Revierpark Nienhausen. Und wo sollte ich kurz darauf schon hinkommen? Natürlich zur letzten Zechen-Station an diesem Tag. Schon mehrmals drüber berichtet, deshalb hier auch nur kurz erwähnt: das Weltkulturerbe der UNESCO, Zeche Zollverein. Für alle Interessierten hier also nochmals ein Link zu wohl einer der schönsten Zechenanlagen.

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Auf einem Pfad hinter dem Gerätehaus der Feuerwehr Essen-Stoppenberg.

 Durch einige verschlungene Pfade in Essen-Stoppenberg gelangte ich dann wieder zum Essener Uni-Viertel und auf die Rheinische Bahntrasse, meiner Haus- und Hofstrecke von und zur Arbeitsstelle. Am See des Krupp-Parks waren einige Leute versammelt, die ihre ferngesteuerten Boote dort fahren ließen. Groß und Klein unter den Zuschauern hatten große Augen und beobachteten glückselig die durch das Wasser pflügenden Schiffs-Modelle.

 Langsam nahm die Tour nun auch ihr Ende. Etwas über 60 Kilometer standen auf meinem Tacho. Jeder Meter davon war es heute wert gewesen. Einen bunten Querschnitt des Ruhrgebiets habe ich so wieder kennengelernt bzw. vertieft. Am Wegesrand gab es wieder so viel zu sehen und entdecken. Es macht einfach Spaß, auch in einem Ballungsraum wie das Ruhrgebiet, auf Entdeckungstour zu gehen.

Den passenden gpx-track findet ihr hier an dieser Stelle. Einfach diesen Link anklicken.

 Zum Schluss hier noch ein paar kurze Infos zur Tour. Es erwarten euch rund 340 Höhenmeter, die meisten davon natürlich an der Halde. Die Strecke ist rund 65 Kilometer lang, normalerweise von den meisten Leuten zu schaffen, die ein wenig Kondition haben. Außerdem gibt es überall Möglichkeiten interessante Stopps einzulegen und dort auch neue Kraft zu tanken.

Viel Spaß beim Nachfahren!

 

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TOUR: Rund um Solingen

 

 Dieses mal hat es mich und mein Rad ins Bergische Land gezogen. Nach vielen Tagen mit Regen hatte der Himmel endlich mal aufgeklart. So tat es richtig gut sich mal wieder ein wenig zu bewegen. Die Tour rund um Solingen hatte ich schon vor einigen Monaten geplant, aber erst jetzt passte alles zusammen.

Wasserburg Haus Graven
Wasserburg Haus Graven

 Startpunkt war in der Nähe von Wiescheid, Stadtteil von Langenfeld. Ein ganz kurzes Stück entlang der Bundesstraße und schon war ich in der Natur. Vorbei an der Wasserburg Haus Graven. Das heutige Aussehen der Burg, die an drei Seiten von Wasser umgeben ist, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Über ruhige Nebenstraßen kam ich so mit dem Rad in das Naturschutzgebiet Ohligser Heide, das rund 150 Hektar groß ist und auf dem es unter anderem Eichen- und Birkenwälder sowie einen Heideweiher gibt.

Naturschutzgebiet Ohligser Heide
Naturschutzgebiet Ohligser Heide

 Kurz darauf kam ich auch schon am Solinger Vogel- und Tierpark vorbei. Die Vögel konnte man gut an der Straße neben dem anliegenden Waldfriedhof hören!

 Leicht hügelig und stetig empor ging es nun die Straße entlang, die einen ausgezeichneten Fahrradstreifen mit viel Platz bot! Oben angekommen führte mein Weg mich kurz über die Hauptstraße um links abzubiegen. Zu meiner Linken war der Solinger Hauptbahnhof zu sehen, kurz darauf bog ich in den Grüngürtel am Lochbach ab und kam an der Poschheider Mühle vorbei. Das erste mal schriftlich erwähnt wurde sie gegen Ende des 17. Jahrhunderts und hat in all den Jahrhunderten einiges erlebt.

Die Poschheider Mühle.
Die Poschheider Mühle. Vorne der „Neubau“ von 1941 mit der Inschrift, hinten die wesentlich älteren Gebäude.

 Den Weg leicht ansteigend radelte ich nun oberhalb des Lochbachs durch ein schönes Wäldchen. Die Sonnenstrahlen ließen die rot-braunen Blätter in prächtigen Farben leuchten. Leichtes rascheln unter den Reifen hörte sich an wie eine Symphonie der Sinne. Das Radfahren machte mal wieder richtig Spaß! Auch wenn sehr viele Leute, teils mit ihren Hunden, spazieren gingen. Das sollte an diesen Tag überall der Fall sein. Kein Wunder nach den ganzen trüben Tagen.

Oberhalb im Wäldchen am Lochbach.
Oberhalb im Wäldchen am Lochbach. Da macht Radfahren Laune!
Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg!
Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg!

 Doch irgendwann kam dann doch wieder eine Straße. Kurz bevor ich auf die „Korkenzieher-Trasse“ traf, kam ich an der Jugendhilfe Werkstatt vorbei. Die tollen Metallfiguren auf der Mauer fielen mir direkt auf, besonders der große „Don Quichotte“. Prima Handwerkskunst, alle Achtung!

Kunst an der Jugendhilfe-Werkstatt!
Kunst an der Jugendhilfe Werkstatt!

 Als nächstes fand ich mich auf der besagten Trasse wieder, in Höhe des botanischen Gartens wieder. Der Name „Korkenzieher“ führt wohl auf die gewundene Wegführung durch Stadt zurück. Eröffnet wurde die Bahnstrecke  im Jahre 1887, das letzte Stück wurde 1995 wieder geschlossen. Direkt am Rande der Trasse waren zahlreiche Tafeln von Amnesty International angebracht, die auf unsere Menschenrechte aufmerksam machen sollen.

Wunderschöner Blick ins Bergische.
Wunderschöner Blick ins Bergische.

 Die Trasse war wunderbar zu fahren. Eine prima Asphaltdecke ließ das Rad leicht rollen. Am Rande der Stadt, auf Höhe der Schelerstraße, hatte ich einen schönen Ausblick in das Bergische Land mit seinen Hügeln, Feldern und Wäldchen.

Leider mittlerweile geschlossenes Trassencafé direkt an der Korkenzieher-Trasse.
Leider mittlerweile geschlossenes Trassencafé direkt an der Korkenzieher-Trasse.
Auf der Korkenzieher-Trasse.
Auf der Korkenzieher-Trasse.

 Vorbei an den beiden Waggons des ehemaligen Trassencafés, das leider dieses Jahr geschlossen wurde, ging es weiter bis nach Gräfrath. Dort verließ ich die Trasse wieder um durch die Altstadt mit dem Kopfsteinpflaster zu radeln. Ein schöner Marktplatz mit Café und der Kirche St. Mariä Himmelfahrt oberhalb am Berg lagen vor mir. Die Häuser mit all ihren mit Schiefertafeln verkleideten Mauern boten ein prächtiges Bild. Es war leider nur zu kalt um draußen an einen Tisch diesen Anblick zu genießen. So radelte ich weiter, durch wenig befahrene Nebenstraßen,  um dann abzubiegen in Richtung Kohlfuhrt und der Wupper. Teils rasant und steil ging es nun bergab zum Fluss. Bewaldete Hänge links und rechts. Ich überquerte die alte Kohlfurther Brücke mit ihren zwei Stahlbögen aus dem Jahre 1893. Doch schon rund 500 (!) Jahre früher gab es an dieser Stelle eine hölzerne Brücke und später eine aus Stein. Sie diente als Verbindung von Solingen nach Cronenberg.

Altstadt von Gräfrath.
Altstadt von Gräfrath.
Die alte Kohlfurther Brücke über die Wupper.
Die alte Kohlfurther Brücke über die Wupper.

 Von hier aus ging es auf dem Radweg ein paar wenige Kilometer entlang der Hauptstraße. Nächster Stopp: die Müngstener Brücke. Eine imposante Eisenbahnbrücke aus Stahl mit einer Höhe von 107 Metern, die die Wupper und das Müngstener Tal überspannt. Im Jahre 1897 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Remscheid und Solingen eröffnet und verkürzte den Weg zwischen den Städten von 44 km auf nur noch 8! Unter den rund 935.000 Nieten die die Brücke zusammenhalten soll angeblich auch eine einzige Goldene sein. Doch bisher wurde sie nicht gefunden.

Die Müngstener Brücke hoch über der Wupper.

 Seit 2006 gibt es unterhalb der Brücke den sogenannten Brückenpark mit netten Verweilmöglichkeiten, Restaurant, Minigolf-Anlage und ein paar Buden, an denen es zum Beispiel leckere frische Waffeln gibt.

Außerdem gibt es eine Schwebefähre über die Wupper. Auch für Radfahrer gedacht. Doch an einem Wochenende wie diesem sind da viele Menschen unterwegs und man muss doch recht lange auf die Überquermöglichkeit warten.  Deshalb machte ich kehrt, denn nur einen Katzensprung, am Anfang des Brückenparks, geht ganz normal eine Brücke über die Wupper. Keine lange Wartezeit. Auf der anderen Seite ging es nun bergauf, ein kurzes Stück eher auf MTB-Terrain mit einem breiten Schotterweg und vielen Wurzeln. Doch mit dem E-Bike war auch dieses Stück befahrbar. Wer Schwierigkeiten mit so einem Gelände hat, der sollte den Abzweig links neben, der nur eine kurzen Umweg darstellt. Leicht steigend, unter einem schönen Blätterdach, ging es den Weg weiter, direkt unter einem Teil der Müngstener Brücke vorbei. Momentan wird die Brücke restauriert, so das dort noch eine Baustelle ist. Doch für Radfahrer und Spaziergänger ist genug Platz vorhanden.

Direkt unter der Müngstener Brücke.
Direkt unter der Müngstener Brücke.

 An den Hängen oberhalb der Wupper entlang radelte ich durch den Wald, saugte die frische Luft ein. Oftmals musste ich klingeln, denn viele Spaziergänger waren ebenfalls auf diesen schönen Weg unterwegs. Ich bedankte mich jedes mal beim vorbei radeln, die Leute nahmen das freundlich zur Kenntnis. So sollte das immer sein.

Farbenprächtiger Weg direkt am Ufer der Wupper.
Farbenprächtiger Weg direkt am Ufer der Wupper.

 Nun kam der Fluss wieder näher und ich konnte in ein paar Sonnenstrahlen am Ufer der Wupper eine kleine Pause machen. Danach ging es mal rechts, mal links entlang des dahinfließenden Stroms. Eine Schleifmühle lag am Wegesrand, die auch als Museum dient und die alte Handwerkskunst des Schwerterschmiedens zeigt.

Schleifmühle
Schleifmühle

 Das Wetter wurde nun leider etwas grauer, leichter Nieselregen war für den Spätnachmittag angesagt. Die Vorboten zeigten sich durch die graue und tristen Wolkendecke am Himmel. Doch das tat meiner Laune keinen Abbruch. Leicht irritiert war ich, als mir mitten im Wald ein Mann entgegenkam, der ein Lama an der Leine ausführte. Schmunzelnd radelte ich an den beiden „Gestalten“ vorbei und kam bald darauf am sogenannten Haus Fähr vorbei, einem schönen Ausflugslokal, direkt an der Wupper gelegen. Am Wegesrand lagen in der Tat einige Ausflugslokale, die auch für einen kurzen Stopp einluden.

Verschlungener Baumstamm
Verschlungener Baumstamm
Alter Gutshof

 Die Waldwege verließ ich nun, vor mir lagen nun einige Felder, der Weg war flach, die Hügel hatten sich etwas zurückgezogen. Ein altes und schönes Gehöft mit einem Turmartigen Eingang wie bei einem Schloss passierte ich und war kurz darauf auch schon am Ende der meiner Tour angelangt. Auch wenn so viele Leute an diesem Tag unterwegs waren, war es trotzdem eine wunderbare Tour! Die Gegend lohnt sich per Fahrrad zu erkunden. Ein solides Trekkingrad, MTB oder E-Bike sollte man schon einsetzen. Und weil es so schön war könnt ihr HIER DEN GPX-FILE für eure eigene Tour herunterladen, falls ihr nun Lust bekommen habt! Es erwarten euch 51 Kilometer mit rund 850 Höhenmetern. Viel Spaß!

 

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TOUR: Im grünen Pott

 

Bei der Vorstellung wie es im Ruhrgebiet aussieht gehen die Meinungen manchmal immer noch weit auseinander. Von Rußgeschwärzt bis tiefgrün. Und davon trifft dann auch eher letzteres zu. Im Ranking der grünsten Städte liegt meine Stadt Essen aktuell auf Platz 3. Gelsenkirchen, durch die diese Tour ebenfalls führt, liegt auch schon auf Platz 8. Und Essen hat sogar die Wahl zur Grünen Hauptstadt 2017 gewonnen! Das also nur mal so am Rande. Und wie schön es im Pott sein kann, möchte ich euch halt auf dieser Tour mal wieder vor Augen führen. Und damit ihr euch ebenfalls bei Gelegenheit mal selber ein Bild machen könnt, findet ihr am Ende des Berichts den Link zur passenden GPX-Datei für euer Navi.

Es wird grün an der Emscher...
Es wird grün an der Emscher…

 Start der Tour ist im Essener Stadtteil Frintrop, der noch immer ein wenig den Charme eines Dorfes versprüht. Von dort geht es erst einmal den Donnerberg hinunter in Richtung Dellwig, vorbei an Feldern und Pferdekoppeln. Und  – schwupps – sind wir auch schon am Rhein-Herne-Kanal, überqueren ihn und folgen dem Wasser entlang des Kanals in Richtung Osten. Viele Binnenschiffe befahren den Kanal und haben von Erdgas bis Kies so ziemlich alles geladen. Kurz darauf erreichen wir auch schon den Berne-Park in Bottrop. Jahrzehntelang wurden hier Abwässer geklärt, heute sind in den Becken verschiedene Pflanzenarten angepflanzt, im ehemaligen Maschinenhaus befindet sich eine Gastronomie, einen schönen Spielplatz für die Kleinen gibt es auch und ihn Betonröhren ist es sogar möglich zu übernachten! Für Radler auf Tour bestimmt mal was sehr Außergewöhnliches.

Am Rhein-Herne-Kanal
Am Rhein-Herne-Kanal
Der Berne-Park
Der Berne-Park (Foto von 2014)

 Weiter geht es ein Stück entlang des Emscher-Radwegs und dem gleichnamigen Flusses, der als Kloake in einem Betonbett gepfercht wurde, aber mittlerweile mit enormen finanziellen Aufwand wieder renaturiert wird. Wir unterqueren die Autobahn A42, eine der Auto-Hauptrouten durch’s Ruhrgebiet. Unter der Brücke gibt es die „Emschergalerie“, wo Kinder einer Grundschule in Bottrop-Ebel mit kleinen Figuren ihren Lebenstraum inszenierten und Fotos machten. Diese hängen nun plakativ dort an der Wand und sind wirklich entzückend gemacht.

Galerie unter der A42
Galerie unter der A42
Zwischen Emscher und Autobahn
Zwischen Emscher und Autobahn

 Zwischen Autobahn und Emscher gelangt man mit dem Rad dann in den Bottroper Stadtteil Welheimer Mark und kurz darauf kann man einen Blick auf das Klärwerk Bottrop mit seinen vielen verschiedenen Becken werfen. Es riecht gar nicht so streng dort wie man eventuell meint. Wir überqueren schnell die immer verkehrsinfarktgefährdete B224 sicher über die Ampel und gelangen so flugs wieder nach Essen in den Stadtteil Kanarp und erreichen kurz darauf auch schon wieder den Rhein-Herne-Kanal. Vorbei am dortigen Emscher-Park kommen wir dann auch zügig mit unseren Drahteseln in den Gelsenkirchener Nordsternpark, dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern. Dort gibt es viel zu sehen. Unter anderem einen Bergbaustollen, einen Aussichtshügel, die ehemalige Kohlenmischanlage, die Besucherterasse auf dem neuen Erschließungsturm in luftiger Höhe mit seiner imposanten Herkules-Statue des Künstlers Markus Lüpertz und natürlich schönem Biergarten und einem tollen Wasser-Spielplatz. Und viele weitere Dinge die zum verweilen lohnen.

Der Nordsternpark vorraus
Der Nordsternpark vorraus

 Der Radweg führt nun weiter entlang des Kanals. Ein kurzes Stück wird der Weg zwar etwas ruckelig, aber schon bald erreichen wir einen kleinen aber schön gemachten Ausflugspunkt, den Hafen Graf Bismarck. Kein Hafen im herkömmlichen Sinne, sondern ein kleines Becken, an dem eine Promenade errichetet wurde und wo schattenspendene Bäume zur Pause einladen. Außerdem ist die dortige Brücke über das Becken sehenswert, die Ausblick über das neue Hafenviertel bietet.

Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal
Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal
Am Gelsenkirchener Hafen Graf Bismarck
Am Gelsenkirchener Hafen Graf Bismarck

 Rauf auf das Fahrrad und kurze Zeit später heißt es auch schon wieder runter vom Sattel, wenn man denn in die ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen möchte. Für diesen schön gestalteten Zoo mit seinen vielen Innen- und Außenbereichen kann man schon mal einen ganzen Tag brauchen um sich alles anzusehen. Auf dem Rad umrundet man den Park halb. Am Kanal erreicht man dann direkt die Erzbahntrasse, dessen markantes Zeichen hier die Brücke Grimberger Sichel in selbiger Form bildet. Die Trasse führt direkt entlang der Erlebniswelt und ist wunderbar zu radeln. Wenn man bis zu ihrem Ende radeln würde, würde man an der bekannten Bochumer Jahrhunderthalle auskommen.

Brücke Grimberger Sichel
Brücke Grimberger Sichel
Auf der Erzbahn-Trasse durch's oder hier besser über's Grün!
Auf der Erzbahn-Trasse durch’s oder hier besser über’s Grün!

Doch nach ein paar Kilometern gelangen wir zu der Abzweigung des Radweges Krayer-Wanner-Bahn. Und genau an dortiger Stelle gibt es mittlerweile die zum Kulturgut erhobene Radstation Erzbahn-Bude. Dort kann man mit vielen anderen Radlern ein frisches Blondes trinken oder eine Frikadelle futtern und bei Sonnenschein gemütlich den anderen vorbeifahrenden Radfahrern zuschauen. Auch bei kleineren Pannen wird einem hier schnell geholfen. Ein Stopp ist dort einfach ein „Muss“! Zwar von einem „Nordlicht“ betrieben, aber ein richtig echtes Stück Ruhrpott und nicht mehr wegzudenken.

Die Erzbahn-Bude. Kult.
Die Erzbahn-Bude. Kult.

Dem Radweg der Krayer-Wanner-Bahn nun folgend geht es auf prima Aspahlt zügig dahin. Entspannt kann man hier die Kurbel treten. Heftiger kann es werden, wenn man die direkt am Radweg liegende Halde Rheinelbe mit der sogenannten Himmelstreppe hochfahren möchte um die tolle Aussicht über das Ruhrgebiet zu genießen. Egal ob mit dem E-Bike oder dem MTB, eine Auffahrt lohnt sich allemal.

Die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe
Die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe

Und wenn man das geschafft hat, kann man sich auf einen Kaffee auch beim nahegelegenen Bauernhof am Mechtenberg freuen. Dort gibt es aber auch einen kleinen Hofladen wo man Eier, Kartoffeln, Milch und frische Wurst bekommen kann. Kinder freuen sich auf den kleinen Streichelzoo oder das spielen in den Heuballen.

Ein weiterer möglicher Stopp liegt ein kleines Stück weiter entlang der Trasse, nämlich Zeche 3/7/10.  Zugehörig zum nahegelegenen Welterbe Zeche Zollverein beherbergt diese nette Örtlichkeit die Ausstellung „Phänomalia Erfahrungsfeld“, man kann dort Räumlichkeiten für verschiedene Veranstaltungen mieten und der Biergarten unter dem begehbaren (!) Förderturm lockt uns Radler natürlich mit seinen Hopfengetränken.

Förderturm
Förderturm der Zeche 3/7/10

Wie bereits erwähnt liegt in kurzer Distanz dann das UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein vor uns. Das riesige Gelände zu erkunden kann ebenfalls mal locker einen Tag beanspruchen. Soviel gibt es dort zu sehen. Und es ist wirklich interessant dort mal eine Führung mitzumachen! Unser Radweg führt uns dort vorbei an Zeche Zollverein 1/2/8 und auf die Ringpromenade entlang der Kokerei Zollverein. Das Gelände ist in der Tat außergewöhnlich und lohnt für viele Stopps.

Trasse der Krayer-Wanner-Bahn
Trasse der Krayer-Wanner-Bahn
Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes.
Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes. Hier der Förderturm der Zeche 1/2/8

Nun gelangen wir schon durch ein paar ruhigen Nebenstraßen und einem Grüngürtel fast in der Innenstadt von Essen. An der Universität Duisburg-Essen kommen wir am neuen Universitätsviertel Grüne Mitte Essen vorbei, einem Vorzeigeprojekt der Stadt. Hier entstehen moderne Wohnungen und ein gut besuchter Grüngürtel direkt in der Stadtmitte und Uni gelegen. Der zukünftige Radschnellweg RS1, der einmal die Städte von Duisburg bis Hamm auf rund 100 Kilometern verbinden soll, endet hier bisher von Mülheim kommend.

Und genau auf diesen, ebenfalls als Vorzeigeprojekt der Region geltenden Radschnellwegs, machen wir uns auf um auf der Trasse der ehemaligen Rheinischen Bahn die Kette surren zu lassen. Vorbei am Thyssen-Kruppschen Hauptquartier und em atttraktiven Krupp-Park  gelangen wir zu einem weiteren Neubaugebiet am Niederfeldsee. Dort wurden attraktive Wohnungen „am Wasser“ gebaut und der Stadtteil Altendorf in Essen somit enorm aufgewertet. Mittlerweile ist das dort ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt geworden. Bei einem kurzen Päuschen kann sich mal einen kleinen Eindruck des Areals verschaffen.

Auf der Tal-Route (Frühling 2015)
Auf der Tal-Route (Frühling 2015)

Der Trasse der Rheinischen Bahn folgend gelangen wir nach ein paar Kilometern an die Grenze zu Mülheim. Dort verlassen wir den wunderbaren neuen Asphalt und widmen uns nun der sogenannten Tal-Route zu. Wir passieren die Naturschutzgebiete Kamptal und Winkhauser Tal, überqueren nach einigen ruhigen Nebenstraßen die Hauptverkehrsader Aktienstraße und gelangen so sicher in eine weitere grüne Lunge mit Feldern, Wald und Wiesen – dem Naturschutzgebiet Hexbachtal. Das das Gebiet nichts mit Hexen zu tun hat und Bürger manchmal doch einiges erreichen können, könnt ihr in dem Link nachlesen.

Hier kann man frische Luft einatmen und man denkt man ist überall – nur nicht im Ruhrgebiet. Und so kommen wir langsam, aber sicher wieder zum Ausgangspunkt der Tour zurück. Nicht ohne noch einmal einen kleinen Stopp im schönen Biergarten der Tal-Schänke hinzulegen.

Und wer jetzt noch denkt, das mit dem grünen Pott wäre hier nur eine Ausnahme…na, dem ist nicht mehr zu helfen.

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TOUR: Halde Haniel

 

Ich muss gestehen, in letzter Zeit bin ich viel mit dem E-Bike unterwegs gewesen. Als Pendler ist das eine wunderbare Sache ( natürlich auch so ) und ist natürlich saubequem. Mein Crossbike habe ich sträflich vernachlässigt. Ich habe da schon fast ein schlechtes Gewissen bei bekommen. Außerdem stand es ein paar Wochen doch ein wenig verdreckt im Keller. Jedes mal, wenn ich in den Keller gekommen bin, habe ich immer schnell beschämt weggeschaut. Als ob mich das Bike mit traurigen Blicken anschaut und ich den Blick nicht erwidern will. Das musste ein Ende haben. Also habe ich mir letzte Tage das Bike geschnappt und mal wieder richtig ordentlich sauber gemacht. Ich mein so richtig. Sowie sich das halt gehört. Mit Kette säubern und schmieren, Federgabel prüfen, polieren usw. Am Ende blitzte es wieder richtig schön in der Sonne. Nicht nur ich hatte ein Lächeln auf den Lippen, ich meine auch das Bike grinsen gesehen zu haben…

Schmaler Pfad entlang des Golfclubs Jacobi
Schmaler Pfad entlang des Golfclubs Jacobi
Eingang Zeche Prosper Haniel
Eingang Zeche Prosper Haniel

Tags darauf wollte ich das geputzte Bike mal wieder unter meinen Allerwertesten spüren, ihm ( und mir ) mal ordentlich die Sporen geben und die Pedalen kreisen lassen. Eine richtig gute Fitness-Runde halt. Das Ziel war für mich die Halde Haniel. Von vielen Punkten im Ruhrgebiet kann man sie sehen, doch obwohl sie praktisch bei mir um die Ecke ist bin ich noch nie da oben rauf gefahren. Immer unten dran vorbei. Das wollte ich jetzt ändern. Also Klamotten an und rauf aufs Rad. Die Straße runter zum Rhein-Herne-Kanal, um den Olga-Park in Oberhausen herum auf die alte Trasse der Zeche Jacobi und am gleichnamigen Golfplatz vorbei. Und ehe ich mich versah, kam auch schon die Querverbindung der alten Zechenbahn Jacobi-Haniel und ich bog links ab. Links und rechts Bäume und nach ein paar Metern konnte ich dann schon die Halde vor mir sehen. Aus der Perspektive noch etwas reizlos, doch nachdem ich rechts um das Bergwerksgelände herum gefahren bin – die Zeche ist noch aktiv – kam ich der Halde immer näher. Der „normale“ Radweg führt rechts herum, doch an einer Abzweigung führte ein Schotterweg hinauf.

Blick Richtung Duisburg mit dem Alsumer Berg im Hintergrund
Blick Richtung Duisburg mit dem Alsumer Berg im Hintergrund

Der Weg war zuerst dann doch recht schlecht. Dicke Steinbrocken machten das Auffahren ein wenig schwierig. Denn mein Crossbike hat nicht gerade die dicksten Schluffen drauf. Aber verlassen kann ich mich auf sie. Pumpen mussten meine Lungenflügel , denn es ging doch recht steil rauf und ich war froh, als ich zu meiner eigenen Ausrede bald oberhalb der Baumwipfel war und ich erstmals die Aussicht genießen konnte. Das Wetter war zwar grau in grau, doch die Sicht war trotzdem gut. Schön war es zu sehen, wie grün die Wälder und ihr Blätterdach mittlerweile schon wieder sind. Herrlich.

Abräumgerät und ROSE-Bike am Kreuzweg
Abräumgerät und ROSE-Bike am Kreuzweg

Doch noch waren es ein paar Meter bis rauf zur Halde. Ein paar Mountain-Biker kamen rasant den Berg hinunter geschossen. Immer auf das Gleichgewicht achtend. Ein Sturz bei dem Tempo auf dem losen Untergrund wäre fatal gewesen. Aber das passierte nicht und als sie außer Sichtweite waren, fuhr ich schwitzend weiter die Halde rauf.

Die Natur erobert sich die Halde
Die Natur erobert sich die Halde

Ein Wegweiser führte mich dann zuerst zu dem sogenannten Kreuzweg. Ein Gipfelkreuz wurde am 2. Mai 1987 anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II von Azubis des Bergwerks errichtet. Ja, der Papst war tatsächlich hier oben. Ich kann mich noch erinnern als der Hubschrauber des Papstes mir als kleines Kind über den Kopf flog…also in einiger Höhe natürlich und über den Garten meiner Eltern hinweg. Also das Kreuz steht auf 129 Metern, damals der höchste Punkt der Halde. Doch es wurde weiter aufgeschüttet und heute hat die Halde eine Höhe von rund 159 Metern. Kein Wunder das sie so gut von Weitem zu sehen ist. Vom Kreuz fuhr ich den Weg dann auch weiter rauf. Und man mag es kaum glauben, aber dort oben gibt es sogar ein Amphitheater mit 800 (!) Plätzen, auch Bergarena genannt. Die Oper Aida und auch die Dreigroschenoper wurden unter anderem schon dort aufgeführt. Auch gibt es diverse andere Veranstaltungen wie zum Beispiel das Haldenpicknick. Dieses Jahr (2015) am 4.Juli. Infos hier im Link. Also ganz schön was los hier.

Fast geschafft
Fast geschafft
Sensationelle Kulisse (wenn's doch nur nicht so grau am Himmel gewesen wäre)
Sensationelle Kulisse (wenn’s doch nur nicht so grau am Himmel gewesen wäre)

Die Kunstinstallation „Totems

Über dem Amphitheater, auf dem nun wirklich höchstem Punkt, gibt es dann die Kunstinstallation „Totems“, bunt bemalte Eisenbahnschwellen sind dort in den Boden gehauen und geben ein spektakuläres Bild ab. Am Fuße einer Schwelle sitzend, ließ ich den Blick über das große Areal und das Ruhrgebiet schweifen. Vor mir der Blick in Richtung flaches westliches Münsterland, weiter rechts die hohen Schlote des Kraftwerks Scholven in Gelsenkirchen. Die „Turnhalle“ des S04 konnte man ebenfalls sehen. Außerdem noch weiter rechts eine weitere Halde in Bottrop mit dem berühmten Tetraeder drauf. Dann  der Gasometer in Oberhausen, die Industrietürme in Duisburg mit dem Alsumer Berg nebenan, dort, wo ich bei der letzten Tour unterwegs war. Dann die flache Gegend des Niederrheins erahnend. Also ein wirklich toller 360 Grad Panoramablick, der bei besserem Wetter wohl noch viel mehr zulässt.

On Top Of The Halde
On Top Of The Halde

Zufrieden und froh darüber diesen Ritt rauf auf die Halde gewagt zu haben, machte ich mich auf den Rückweg. Diesmal war ich derjenige, der leicht flott die Wege runter düste. Trotz schmaler Schluffen. Egal, das kribbeln im Bauch dabei war einfach zu verlockend. Über den Stadtwald Bottrop und den schönen Revierpark Vonderort in Oberhausen ( an den man noch immer die immensen Schäden des Pfingststurms von 2014 deutlich erkennen konnte ) ging es dann wieder Richtung Heimat. Am Ende waren es dann zwar nur 36 Kilometer auf der Uhr, aber gefühlt waren das wesentlich mehr. Viele Eindrücke auf kurzer Distanz, das ist der Ruhrpott.

Revierpark Vonderort
Am Revierpark Vonderort

Es warten da noch einige Halden in der Metropole Ruhr. Ein wenig Blut geleckt habe ich schon irgendwie. Vielleicht mache ich das mal zu meinem Projekt, wie dieser Baumarkt immer so sagt…

Ein Tipp noch: das anklicken der Fotos lässt sie vergrößern. Interessant gerade bei den Panorama-Fotos!

Und wer noch ein wenig mehr wissen möchte über die Halde Haniel, der klickt einfach mal hier! Viel Spaß!

 

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TOUR: Industrie-Romantik mit einem Schuß Frühling

 

In den letzten Tagen hat das Wetter ja bekanntlich etwas aufgedreht. Und ich hatte das Glück dann kurzfristig einen Tag frei zu bekommen. Ich wollte mal wieder eine Runde durch die Industrie-Landschaft im Ruhrpott drehen. Auf dieser „kleinen“, aber feinen Tour gab es eine ganze Menge zu sehen. Deshalb habe ich mal einige Sehenswürdigkeiten im Text verlinkt. Wer sich also dahin gehend weiter informieren möchte, der klicke dort ruhig mal an!

Die reine Fußgängerbrücke „Slinky Springs To Fame

Startpunkt war hier das Drei-Städte-Eck Essen, Mülheim/Ruhr und Oberhausen. Auf einen Teil der Tal-Route entlang des Läppkes Mühlenbach ging es vorbei am Haus-Ripshorst, einem Info-Zentrum über die Region Emscher-Park zum Rhein-Herne-Kanal. Das Haus lädt den müden Radfahrer zum verweilen ein, aber das war ich nach den wenigen Metern noch nicht. Über eine sichelförmige Brücke fuhr ich über den Kanal auf die andere Seite. Dort lässt sich auf breitem Weg gut radeln. Nach wenigen Metern lag auf der anderen Uferseite das Spionagemuseum sowie der weit über die Region bekannte Konsumtempel CentrO. Doch Shoppen wollte ich nicht und wie James Bond auf Verbrecherjagd gehen auch nicht.

Gasometer Oberhausen
Gasometer Oberhausen

Also weiter. Bei schönstem Wetter juckelte ich den Weg entlang. Schon nach wenigen weiteren Metern, ebenfalls auf der anderen Uferseite, ragte der imposante Gasometer in den Himmel. Erbaut zwischen 1927 und 1929, speicherte er früher Gichtgas. Heute gibt es im Inneren einen gläsernen Aufzug , der auf das Dach führt. In rund 115 Metern Höhe hat man bei guter Sicht einen atemberaubenden Rundum-Blick über das Ruhrgebiet. Gleichzeitig gilt der Gasometer Oberhausen als größte Ausstellungshalle Europas. Wechselnde, spannende und einzigartige Ausstellungen und Veranstaltungen werden dort gezeigt. Auch Christo hatte dort sogar schon eine Ausstellung. Auf dem Kanal schipperten ein paar wenige Schiffe, teils tief liegend im Wasser, teils etwas höher aufragend und ohne Ladung. Mein Tempo war etwas schneller als das der Schiffe, aber immer noch gemächlich. Kurz vor dem Stadion Niederrhein, wo der Fußballklub Rot-Weiß Oberhausen beheimatet ist, kam dann die mittlerweile recht bekannte Fußgängerbrücke „Slinky Springs To Fame“, die über den Kanal in den Oberhausener Kaisergarten führt, einem beliebten Naherholungsziel der Region. Nachts ist sie kunstvoll beleuchtet. Sie wurde im Jahre 2011 im Zuge der Ausstellung EMSCHERKUNST eingeweiht und gehört hier sicherlich zu einem architektonischen Anziehungspunkt.

MTB-Areal unter der A42
BMX-Areal unter der A42

Wie ihr sehen könnt, schon auf wenigen Metern nur am Kanal entlang, ballt sich eine Sehenswürdigkeit an die andere. Doch weiter ging es für mich und meinem Rad. Über einen Kiesweg etwas hinter dem Stadion und dessen Parkplätzen für die Besucher kam ich vorbei an einem BMX-Parcour. Sah irgendwie ein wenig illegal aus, aber auch irgendwie krass geil wenn ich das hier mal so sagen darf.  Direkt unter der Autobahnbrücke der A42 und anscheinend alles in Selbstbauweise errichtet.

An der Emscher entlang zu einer wirklich schönen Trasse
An der Emscher entlang zu einer wirklich schönen Trasse

Für mich ging es weiter, ein kurzes Stück direkt an der Emscher entlang um dann links auf den Grünen Pfad abzubiegen. Auf dieser alten Bahntrasse ging es schnurstracks geradeaus in Richtung Duisburg. Die Bäume blühten über mir, während ich unter ihrem noch dünnen Dach mit meinem Rad dahinfuhr. Der blaue Himmel tat sein Übriges zu meiner Stimmung. Zur Mittagszeit war hier noch wenig los. Nur ein paar wenige Sportskameraden kamen mir auf ihren Drahteseln entgegen.

Im Industrielandschaftspark Duisburg...
Im Landschaftspark Duisburg…
...geht es auch mit dem Fahrrad!
…geht es auch mit dem Fahrrad!

Direkt an der Duisburger Straße, am Eingang zum Landschaftspark Duisburg, kam ich an roten Säulen vorbei, die diesen Punkt markieren. Dort fuhr ich auch erneut unter der A42 hindurch und ab da gab’s dann die tolle Industrie-Kulisse zu sehen. Erbaut wurde dieses markante Industrie-Denkmal im Jahre 1901 und war ein Tochterunternehmen von Thyssen. Etliche Millionen Tonnen Spezialroheisen wurden hier produziert bis das Werk 1985 schließen musste. Landschaftsarchitekten bauten den Park um und machten ihn 1994 der Öffentlichkeit zugängig. Der Industrielandschaftspark bietet viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Konzerte finden dort statt, der deutsche Alpenverein hat dort einen Klettergarten eröffnet, die jährlich stattfindende EXTRASCHICHT ist ein fester Bestandteil, man kann dort in einem alten Gasometer  Tauchen und für Fotografen ist es ein Paradies.

Das Windrad am Sinterplatz...und mein Rad.
Das Windrad am Sinterplatz…und mein Rad.

Ich war zwar schon öfters dort, aber ich finde diese einzigartige Kulisse immer wieder hochinteressant. Viele Plätzchen dort laden gerade Radfahrer zu einer ausgiebigen Rast ein und man kann dort wirklich einige Zeit verbringen. Abends wird die Kulisse ebenfalls sehr schön beleuchtet.

Schön bunt.
Schön bunt.
Die Reste der alten Emscher.
Die Reste der alten Emscher.

Ich fuhr langsam mit dem Rad durch dieses tolle „Bühnenbild“ und kam an dem weithin sichtbaren Windenergieturm am Sinterplatz vorbei. Vom Aussehen her könnte er auch aus dem Wilden Westen stammen, einen Blick dort zu riskieren und sich das mal genauer anschauen lohnt ebenfalls. Von dort fuhr ich hinaus in die ehemaligen Außenbereiche des Werks und dann vorbei am „DELTA Musikpark“, einer Zirkuszelt-artigen Disco, wo ich mich früher auch schon mal am Wochenende rumgetrieben habe. Auf einem nun schön zu fahrenden Stück Radweg, der sogenannten „Deutschen Fussball-Route“ entlang, gelangte ich mit meinem kaum zu haltenden Rad endlich an den Rhein. Auf einer Bank oben auf dem Damm machte ich so bei schönsten Sonnenschein ein Päuschen und genoss die wunderbar wärmenden Sonnenstrahlen. Ich hatte mir genau den richtigen Tag für so eine Radtour ausgesucht.

Verdiente Pause am Rhein.
Verdiente Pause am Rhein.

Auf dem Damm Stromabwärts radelte ich weiter. Auf der anderen Seite des Rheins bei Moers konnte ich die Halde Rheinpreußen sehen, auf der in rund 74 Metern Höhe eine Riesen-Grubenlampe steht, die Abends natürlich wunderbar leuchtet. Dort werde ich irgendwann auch noch einmal hinfahren.

Eisenbahn links, Rad und Halde Rheinpreußen in der Mitte, und rechts die A42
Eisenbahn links, Rad und Halde Rheinpreußen in der Mitte, und rechts die A42

Jetzt fuhr ich erst mal weiter Richtung „Alsumer Berg“, vorbei an der riesigen Halle von ThyssenKrupp Steel, wo Unmengen an Stahl produziert werden und dies ein enorm wichtiger Arbeitgeber in Duisburg und überhaupt in der Region ist. Etliche Meter an den riesigen Hallen vorbei kam ich dann nun kurz nach dem Klärwerk zum Alsumer Berg, auch Beeker Halde genannt. Ich hatte eigentlich erst gar nicht vor da rauf zu fahren. Aber dann tat ich es doch. Einige extra angelegte Asphalt-Huckel später war ich dann oben. Interessant ist, das direkt unter mir, also genau da wo diese Halde steht, ursprünglich das Dorf Alsum war. Im Zweiten Weltkrieg so stark beschädigt und durch Bergsenkungen in Folge des Bergbaus ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde es aufgegeben und diese Halde bis auf etwas über 70 Meter aufgeschüttet. Dort oben, von diversen Aussichtspunkten, kann man die einzigartige Industrielandschaft sehr gut sehen. Unzählige Schlote, die in den Himmel ragen, Fabrikhallen, in den immer noch viele Menschen ihr Brot verdienen, aber auch viel Grün dazwischen. Das „klassische“ Ruhrgebiet lässt sich noch gut erkennen, doch auf der anderen Seite des Rheins kann man weit bis in den Niederrhein hinein gucken. Felder, Dörfer und Wäldchen lassen sich ausmachen. Ganz das Gegenteil zu der Seite, auf der ich jetzt stand. Eine Auffahrt sollte man also unbedingt mit einplanen. Bereuen tut man das nicht.

Alsumer Berg vorraus.
Alsumer Berg vorraus.
Industrielandschaft von oben.
Industrielandschaft von oben.
Der Blick vom Alsumer Berg in Richtung Niederrhein.
Der Blick vom Alsumer Berg in Richtung Niederrhein.

Als ich wieder die Halde hinunterfuhr, wußte ich nun, wofür diese ollen Asphalt-Huckel waren. Der weitere Weg wurde etwas unattraktiver. Denn der Stadtteil Fahrn liegt vielleicht etwas ungünstig zwischen all den Werken und Fabriken, eine einkommensstarke Gegend schien mir das nicht zu sein. Leicht schmutzig und etwas heruntergekommen, so kam es mir vor.

Start der HOAG-Trasse in Duisburg.
Start der HOAG-Trasse in Duisburg.

Irgendwo hier musste der Anfang der HOAG-Trasse sein. Eher ein erbärmliches Bild zeigte sich mir dort. Vandalismus und Schmierereien schienen hier ein wenig an der Tagesordnung zu sein. Typische Schrebergärten, wie man sie so aus dem Ruhrpott kennt, lagen zu meiner linken Seite. Doch es sah dort aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Hütten kurz vor dem Auseinanderfallen, kein (!) Grün zu sehen. Alles sah grau aus, keine Blume und kein Baum blühte dort. Es hatte etwas von einer Mondlandschaft. Ich empfand es ein wenig erschreckend.

Blühende Bäume an der HOAG-Trasse.
Blühende Bäume an der HOAG-Trasse.

Doch schon kurz darauf wurde es wesentlich schöner und die HOAG-Trasse zeigte mir, warum sie doch so beliebt ist. Nun idyllisch zwischen alten Zechensiedlungen und Neubaugebieten gelegen, radelte ich zum Glück jetzt wieder durch wesentlich mehr Grün. Ein paar Relikte aus alten Eisenbahntagen standen dort und erinnerten an vergangene Zeiten. Die rund 10 Kilometer lange Trasse hat viel zu bieten, am Wegesrand liegen zum Teil Spielgeräte für die jüngeren Gäste dieser Route, auch viele nette Rastmöglichkeiten sind installiert und laden zu einer Pause ein. Die Trasse diente früher vor allem dem Kohlentransport zwischen Oberhausen-Sterkrade und Duisburg-Walsum und gehörte der früheren Hüttenwerke Oberhause AG.

Vorbei am Emscher-Klärwerk verlief die Trasse jetzt durch viele grüne Gürtel und es machte einen Riesenspaß zu dort zu fahren. Auf Oberhausener Gebiet kam ich nun zu einer weiteren Sehenswürdigkeit, der alten Zeche Sterkrade. Einsam und verlassen stand die Konstruktion da, nachdem im Jahre 1903 die erste Kohle aus dem Boden geholt wurde. Nur von einem Zaun gegen unerwünschte Besucher gesichert.

Zeche Sterkrade, Schacht 1
Zeche Sterkrade, Schacht 1

So kam ich langsam, aber sicher wieder dahin, woher ich gekommen war. Ich überquerte die Emscher und war wieder auf dem Grünen Pfad. Von dort war es nicht mehr weit bis zu meinem Ausgangspunkt. Ein wirklich ganz hervorragender Tour-Tag neigte sich dem Ende entgegen. Viele Eindrücke habe ich gesammelt, viele davon ließen die Bilder in meinen Kopf von vergangenen Tagen des Ruhrpotts aufleuchten und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie es früher wohl mal hier war.

Wie man unschwer erkennen kann, gibt es auf diesem, in etwa 52 Kilometer langen Rundkurs eine ganze Anzahl von Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Etliche interessante Punkte geben Informationen zur Geschichte dieser Region. Nicht ohne Grund hieß ein Teil meiner Strecke auch „Route der Industrie-Kultur“. Die gesamte Rad-Route ist übrigens etwa 700 (!) Kilometer lang. Also wer mal gerade nichts vor hat…

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TOUR: 1. Radtour 2015

 

Das Pferdchen aufgesattelt und nix wie los. Ich muss dazu sagen, das es ein sonniger Tag war, aber bei 4 Grad doch etwas kalt. An manchen Stellen unterwegs zum Startpunkt mit dem Auto war es sogar ein wenig glatt, so das ich ein wenig die Befürchtung hatte, das wäre auf dem Rad dann auch nicht anders. Aber ich sollte in der Hinsicht Glück haben. Muss ja auch mal sein. Und um es nicht ganz so spannend zu machen wohin es denn gegangen ist: der Naturpark Hohe Mark im Münsterland war das Fleckchen Erde meiner Begierde.

So eine Art Baumallee
So eine Art Baumallee

Ich war also so gut eingepackt gegen die Kälte, das es mir nach einigen wenigen Kilometern tatsächlich zu warm wurde und ich mich von einer Jacke verabschieden musste. Keine Sorge, die habe ich nicht in die Gegend geschmissen sondern einfach in die Satteltasche gepackt. So fuhr ich also von Reken aus durch feinste asphaltierte Feldwege. Links und rechts lagen für diese Jahreszeit passend karge Felder. Teilweise noch voller Stoppeln, die von der Maisernte im Herbst übrig geblieben waren.

Karge Felder
Karge Felder

Ich saugte die klare Luft tief ein während ich so das „Dahin-radeln“ genoss. Zu meiner Verwunderung tauchte zu meiner Rechten direkt am Weg liegend ein Golfplatz auf, während zu meiner Linken direkt ein Wäldchen angrenzte. Kein Zaun dazwischen, kein Graben, nichts. Der Golfplatz integrierte sich prima in die Landschaft und war bei diesem Wetter auch sehr gut besucht. Viele Golfer drehten an diesem Tag mit ihrem ganzen Equipment ihre Runden.

Flüster-Aspahlt?
Flüster-Asphalt?

Die Gegend zwischen Reken, Coesfeld und Dülmen ist natürlich auch bekannt für die Pferdezucht oder dem Reitsport allgemein. In Dülmen gibt es ja auch die berühmten Wildpferde. So wechselten sich nun auch immer öfters Felder mit Grasweiden ab. Auch einige Reitsporthallen lagen am Weg und einige Reiter nutzen ebenfalls das schöne Wetter aus und galoppierten über die abgemähten Felder. Welch ein sportlicher Tag!

Letter Mühle
Letter Mühle

So kam ich dann zum Örtchen Lette und machte vor der gleichnamigen Mühle eine kleine Pause. Sie stammt aus dem Jahre 1813 und ist mit ihren Flügeln an die 25 Meter hoch. Heute steht sie unter Denkmalschutz und es lässt sich hier prima eine kleine Rast machen! Danach ging es wieder weiter durch Feld und Flur, teilweise an Schienen der Bahn entlang, die das Münsterland mit dem Ruhrgebiet verbindet. Die Wälder wurden bald etwas weniger und es kam mir bald so vor, als ob ich irgendwo im Marschland unterwegs wäre, weil die Felder teilweise durch Kanäle durchzogen waren. Aber die Realität holte mich ein, indem ich dann eine ganze Weile entlang eines Truppenübungsplatzes der Bundeswehr fuhr. Dieser war natürlich durch einen dichten Kiefernwald nicht einsehbar.

Auf den letzten Metern kam der Regen
Auf den letzten Metern kam der Regen

Die Landschaft wurde jetzt etwas hügeliger, doch im Eco-Gang meines E-Bikes ( JA, MIT MEINEM E-BIKE!!!)…(UND ECO!!!) waren die sanften Kuppen dieser schönen Landschaft kein Problem. Ich kam dem Ausgangspunkt in Reken immer näher, genauso wie die Wolken mir immer näher kamen. Und so musste es dann ja auch kommen. Auf den letzten paar Kilometern wurde ich dann tatsächlich noch mal nass! Aber ich steckte so voller Endorphine das mir das völlig egal war. Außerdem hatte ich passende Kleidung an. Man sollte immer auf alles vorbereitet sein. Das waren schöne 65 km!

 

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TOUR: Herbstliche Fahrt zum Wasserschloss Wittringen

 

Das Wetter wollte ich also heute unbedingt nutzen, auch wenn der Zeitplan trotz eigentlich etwas anderer Terminplanung enger gestrickt war. Egal…soviel schönes Wetter kommt dieses Jahr nicht mehr. Also bitteschön…

Verkehrsberuhigte Straße mit Blick Richtung Bottrop
Verkehrsberuhigte Straße mit Blick Richtung Bottrop

Den frisch geputzten Drahtesel aus der Garage geholt und nix wie los. Der kleine Rundkurs führte mich zuerst Richtung Rhein-Herne-Kanal. Dort kann man wunderbar mit dem Rad fahren. Man kann dort oft Schiffe sehen, die mit Sand, Kohle, Gas oder ähnlichem beladen sind. Vom Kanal aus führte der Weg mich dann am Berne-Park vorbei. Mittlerweile ein Industriedenkmal, wurden hier früher fast 40 Jahre lang Abwässer in den zwei kreisrunden Becken geklärt bevor die Anlage mit dem Maschinenhaus geschlossen wurden. Im Jahre 2010, zum Kulturhauptstadtjahr und zur Emscherkunst2010 wurde die Anlage als Park umgestaltet und im Maschinenhaus ist heute eine nette Gastronomie untergekommen. In kleinen „Steinröhren“ kann man sogar übernachten, im sogenannten „Parkhotel“. Wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, aber für Radfreunde die den Emscher-Radweg entlangfahren bestimmt interessant!

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Eigentlich wollte ich den Emscher-Radweg nun weiter folgen, doch weit kam ich nicht mehr, denn Aufräumarbeiten auf Grund des Pfingststurms(!), der hier in weiten Teilen des Ruhrgebiets wütete, versperrten mir den Weg. So blieb mir nur ein kleiner Umweg zu fahren bis ich wieder auf dem richtigen Weg kam, der mich durch den Welheimer Wald führte. Kurz darauf konnte ich zu meiner linken Seite die Zeche und Kokerei Prosper sehen und rechts die 4 „Eiertürme“ des Klärwerks Bottrop. Nun musste ich nur noch die B224 überqueren um auf die alte Bahntrasse der Glaswerke Ruhr zu gelangen.

Bemalung an einem Stützpfeiler der A42
Bemalung an einem Stützpfeiler der A42

Die Trasse ist zwar nicht sehr lang, aber trotzdem schön gelegen. Sie führt durch das Karnaper Wäldchen hindurch, vorbei an den Halden 19 und 22 der Zeche Prosper Haniel. Die Halden darf man nicht erklimmen, doch am Fuße sind nette Wege für die Öffentlichkeit angelegt.

Weg an der Mottbruchhalde/ Feuchtgebiet Natroper Feld
Weg an der Mottbruchhalde/ Feuchtgebiet Natroper Feld

Bei schönstem blauen Himmel machte das Radeln hier viel Spaß. Kurz darauf überquerte ich die B224 erneut und fuhr auf der anderen Seite weiter entlang einiger Felder und kam dann am Ballonstartplatz in Gladbeck vorbei, direkt in den Wittringer Wald und zum Wasserschloss Wittringen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Schloss, das umgeben ist von einer breiten Gräfte, im Jahre 1263. Auch ein Fachwerkhaus steht dort dort, das originalgetreu wiederaufgebaute Herrenhaus.

Wasserschloss Wittringen oder auch Haus Wittringen genannt
Wasserschloss Wittringen oder auch Haus Wittringen genannt
Das Herrenhaus
Das Herrenhaus

Seit dem Jahre 1928 ist im Wasserschloss das Museum der Stadt Gladbeck untergebracht. Außerdem gibt es dort ein Restaurant und man kann sich dort auch standesamtlich Trauen lassen. Angrenzend an dieser wunderschönen Anlage tut wie bereits erwähnt der Wittringer Wald bzw. der Schlosspark. Teilweise ist der Baumbestand an Rotbuchen über 200 Jahre alt. Der Park hat eine Größe von ca. 100 Hektar und besitzt mehrere Teiche. An einem wurde im Jahre 1934 das sogenannte Ehrenmal eingeweiht. An dieser Stelle habe ich dann auch eine kleine Pause gemacht, die Sonne blinzelte mich dort verführerisch an und so wärmten mich einige der letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Diese Parkanlage ist wunderschön und an einem normalen Wochentag kaum besucht. Herrlich. Ein Besuch ist dann defintiv lohnenswert!

Wittringer Wald
Wittringer Wald
Ehrenmal
Ehrenmal

Nun war es an der Zeit die Kurve Richtung Heimat zu drehen. So fuhr ich dann vorbei an der Halde Ellinghorst und entlang der Halde Rheinbaben – ich musste mal wieder einen Umweg fahren wegen einer weiteren größeren Baustelle. Einige wenige Kilometer stiess ich dann wieder auf den gewollten Weg. Am Weg lag dann der Prosper-Park mit der Seilscheibe oben auf dem Hügel. Auf dem Weg der alten Zechenbahn Prosper II-III kam ich dann zur Halde Beckstraße, auf der oben eines der Wahrzeichen des Ruhrgebiets steht, der Tetraeder! Von vielen Winkeln der Region aus kann man den Tetraeder schon von weitem sehen! Die Stahlkonstruktion ähnelt einer Pyramide. Man kann sie erklimmen und hat einen tollen Ausblick von dort oben! Im Jahre 1995, am Tag der Deutschen Einheit, wurde diese Aussichtsplattform eröffnet.

Treppen am Tetraeder, der selber von hier nicht zu sehen ist!
Treppen am Tetraeder, der selber von hier nicht zu sehen ist!

Entlang der ehemaligen Bahntrasse Gohrweide fuhr ich nun vorbei an Industrie- und Wohngebieten zum Bahnhof Bottrop. Von dort war es dann nur noch ein Katzensprung bis zum Rhein-Herne-Kanal – der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden ist. Dies wurde auch gebührend mit vielen Veranstaltungen und Aktionen gefeiert. Unterwegs lag noch die kleine Burg Vondern, gelegen im Oberhausener Stadtbezirk Osterfeld und urkundlich erstmals im 13. Jahrundert erwähnt. Dort gibt es heute viele Veranstaltungen und auch kleinere Konzerte finden dort statt.

Vorne die Emscher, links der Rhein-Herne-Kanal und auch der Gasometer in Oberhausen ist zu erkennen
Vorne die Emscher, links der Rhein-Herne-Kanal und auch der Gasometer in Oberhausen ist zu erkennen

Am Schluss hatte ich dann runde 45 km auf dem Tacho. Angesichts dieser relativ kleinen Runde kann man mal wieder sehen, wie dicht hier im „Pott“ die Sehenswürdigkeiten liegen. Es gibt hier soviel zu entdecken, auf jeder Tour lässt sich was „Neues“ finden. Das ist halt das schöne hier im Ruhrgebiet. Und trotz der hohen Bevölkerungsdichte in der Region stellt man immer wieder fest wie enorm Grün es hier ist! Der Wandel des Ruhrgebiets lässt sich deutlich erkennen und Radfahren kann und macht hier ordentlich Spaß!

 

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TOUR: Zech(en)-Runde

 

Diese nette Tour führte mich von Hattingen aus größtenteils entlang des Radrundkurses „Von Ruhr zu Ruhr“. Der eigentliche Rundkurs beträgt ca. 55 Kilometer. Zwischendurch bin ich aber von diesem Kurs auch mal abgewichen. Der Bergbau spielte und spielt immer noch in gewisser Weise eine große Rolle in diesem Teil des Ruhrgebiets.

Bemalter Stromkasten mit Szenen aus dem Bergbau
Bemalter Stromkasten mit Szenen aus dem Bergbau

So findet man entlang der alten Bahntrasse zum Beispiel viele Infotafeln mit gut erklärter Geschichte zu den regionalen Begebenheiten des Bergbaus. Schön ist auch die Fahrt durch den Schmalenbergtunnel von 1883 und einer Länge von rund 195 m. Die sogenannte „Kohlenbahn“, also die Eisenbahnstrecke von Hattingen nach Wuppertal, wurde ein Jahr später eröffnet und genau 100 Jahre später, 1984, wieder für den Schienenverkehr geschlossen.

Immer wieder kann man tolle Ausblicke in die bergische Region erhaschen. Wälder wechseln sich ab mit landwirtschaftlich genutzten Flächen. Gerade jetzt, wo die ersten Blätter fallen, kann man schon erahnen wie schön bald das Blätterwerk im Herbst aussehen wird.

Im Schulenbergtunnel von 1883
Im Schulenbergtunnel von 1883
Schöne Ausblicke rüber in die Mischwälder
Schöne Ausblicke rüber in die Mischwälder

Am alten Bahnhof Schee zweigt dann eine Stichtrasse direkt Richtung Silschede ab. Der alte Bahnhof ist heute in Privatbesitz. Immer weiter geht es auf der Trasse. Jede Tretbewegung tut in den Lungen gut. Die Luft hier ist außerordentlich wohltuend und so habe ich mich dann auch gefühlt.

Wendepunkt auf die Stichtrasse nach Silschede
Wendepunkt auf die Stichtrasse nach Silschede

Doch kurz nachdem ich den Dampflok-Club Sprockhövel passiert habe, kehre ich der Trasse den Rücken und wechsel auf den Radweg EN1 und etwas später auf den EN11 um ungefähr an der ehemaligen Zeche Neuwülfingsburg wieder auf den RZR-Radweg zu treffen. Das Bergische Land zeigt sich hier von einer richtig schönen Seite. Und trotz eines wolkenverhangenen Tages kann man hier die Landschaft in vollen Zügen genießen.

Knirschender Kies unter den Reifen
Knirschender Kies unter den Reifen

Die Wälder sind prächtig und der Kies auf den Waldwegen knirscht unter der Reifen. Ich fühle mich einsam und doch bin ich mitten in einer dicht besiedelten Region. Und so kommt dann einem wieder die Erkenntis wie Grün es doch so kurz hinter der Haustür sein kann. Schön.

In Wengern fahre ich auf die Dorfkirche zu. Direkt daneben befindet sich in einem uralten, leicht schiefen Fachwerkhaus die Gaststätte Leimkasten. Welche Idylle man noch vorfinden kann. Auch sowas finde ich faszinierend.

Dann treffe ich endlich auf die Ruhr und den bekannten Ruhrtalradweg. Links neben mir verlaufen leicht bewachsene Schienen, rechts, noch etwas außer Sicht, die Ruhr. Die Strecke verläuft nun flach. Und schon bald komme ich zur Zeche Nachtigall in Witten. Sie wurde erstmals 1645 (!) erwähnt. In all den Jahren bis zur Schließung im Jahre 1892 wurde die Zeche oft ausgebaut, doch immer wieder tauchten Probleme mit der Wasserhaltung auf und die Lagerstättenvorräte waren erschöpft. Das machte die Zeche nicht mehr profitabel und wurde geschlossen. In Spitzenzeiten waren zum Teil über 500 Menschen dort beschäftigt.

Am Eingang der Zeche Nachtigall und der Ziegelei
Am Eingang der Zeche Nachtigall und der Ziegelei

Heute kann man die Zeche Nachtigall besichtigen, denn auf dem ehemaligen Werksgelände befindet sich das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall und ist definitiv einen Ausflug wert!

Der Weg führte mich dann ins Muttental. Auf einem Rundweg von ca. 9 km kommt man an vielen Stationen des Bergbaus vorbei. Zu sehen gibt es zum Beispiel dort ein Bethaus der Bergleute, einen Besucherstollen der Zeche Nachtigall, eine Haspelanlage sowie einige alte Gebäude am Schacht Constanz. Alles ist mit sehr informativen Info-Tafeln versehen. Der Rundkurs gilt als einer der beliebetesten Wanderstrecken des Ruhrgebiets!

 Jupiter-Schacht von 1783
Jupiter-Schacht von 1783
Die Wasserburg Kemnade oder auch Haus Kemnade genannt
Die Wasserburg Kemnade oder auch Haus Kemnade genannt

Das E-Bike mußte jetzt viel Arbeit verrichten, mein Kurs führte mich wieder rauf in die Hügel bevor es dann ins Hammertal ging und wieder runter zur Ruhr, vorbei an dem beliebten Ausflugsziel, der Wasserburg Kemnade. Wegen fehlender Urkunden kann heute nicht mehr genau gesagt werden aus welchem Jahr die Burg stammt. Man schätzt wohl in etwa aus dem 13. Jahrhundert! Es befindet sich ein Museum, mehrere Sammlungen und etwas Gastronomie in der Burg.

Von hier aus gings weiter über die Stauwehranlage des Kemnader Sees und entlang des Ruhrtalradwegs. Trotz Wochenendes waren hier weniger Menschen unterwegs als gedacht. So war es hier ein entspanntes radeln. Auf der Ruhr waren viele Kanuten unterwegs. Am Stauwehr gibt es sogar am Rand eine eigene, leicht abfallende „Abfahrt“ für die ganzen Kanus. Das Kanufahren ist hier sehr beliebt und die Ruhr ist dafür ideal.

An der Ruhr
An der Ruhr

Und am Schluß kam ich dann wieder in Hattingen an. Ein toller und interessanter Rad-Tag ging so zu Ende. Es kam sogar noch einmal die Sonne heraus und ich konnte die warmen Sonnenstrahlen genießen. Rundherum eine gelungene, interessante Tour die sich wirklich gelohnt hat. Da kann das Radler-Herz schon mal höher schlagen…

 

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