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Logbuch

# 07.03.2021 – Der Schleifer

Immer wieder stelle ich fest, wenn ich in’s Logbuch schreibe, wie lange es schon her ist, das letzte Mal an dieser Stelle meine Gedanken rund um’s Radfahren niederzuschreiben. Ich nehme es mir jedesmal vor dies öfters zu tun, aber irgendwie hinke ich trotzdem dann hinterher. Dabei gibt es genug Themen. Es ist ja auch einiges passiert. Zum einen gibt es da ein neues Pferd im Stall. Ich berichtete davon im letzten Eintrag. Es ist zwar nicht meins, sondern das meiner Frau. Aber immerhin. Natürlich musste das ein Gravelbike sein. Angefixt war die Holde von mir. Oder eher von dem, was ich so tat da auf und mit meinen Bike. Schon letztes Jahr im August bestellt wurde es noch rechtzeitig vor Weihnachten geliefert. Schwein gehabt. Doch meint ihr, ich durfte schon mal damit fahren? Nö. Nix da.

Die Ausfahrten sind da eher noch etwas schleppend. Zwar wird schon in gewisser Regelmäßigkeit gefahren, aber da fehlt schon ordentlich eine gewisse Power. Das nicht sofort Vollgas gegeben werden kann ist mir klar. Aber irgendwann sollten Fortschritte zu sehen sein. Immerhin wird ja auch schon seit letztem Jahr im Sommer gemeinsam auf Tour gegangen. Gefühlt liegt da immer noch etwas Angst im Raum, zu viel Respekt und Unsicherheit. Da liegt ohne Zweifel noch ein bisschen Arbeit vor ihr. Und nein, ich bin kein Chauvie, versteht das nicht falsch! Vielleicht bin ich hin und wieder zu hart als „Trainer“. Musste ich mir auch schon anhören. „Schleifer“ haben sie mich schon damals als Fussballtrainer genannt. Quasi als Kompliment habe ich das aufgenommen. Ob das in diesem speziellen Fall jetzt so ist sei dahin gestellt.

Fakt ist, dass man, egal wer, auch mal ruhig an und über seine Schmerzgrenze gehen kann. So erzielt man Trainingseffekte. Ich schreibe nicht von irren und utopischen Leistungen, die man erbringen soll. Nicht von permanenten Highend-Geschwindigkeiten. Nicht von Dauerleistung im roten Bereich. Nicht von ewig langen Touren. Ich schreibe vom ganz normalen Radfahren. Das der Leistungsunterschied bei uns beiden groß ist, ist mir auch klar. Ich und jeder andere auch hat so angefangen. Ich bin auch zu Beginn wie ein nasser Sack unterwegs gewesen. Bin ich jetzt zu streng? Zu ungeduldig? Zu Ehrgeizig? Dann Schande über mein Haupt.

Ich würde mich aber riesig freuen, wenn Fortschritte erzielt werden würden. Ja, ich weiß. Der Spaß sollte bei gemeinsamen Ausfahrten im Vordergrund stehen. Die kleine Pause dazu, irgendwo an der Tanke, einem Café oder Kiosk ist doch immer ein kleines Highlight, oder? Das Rad sollte jedoch nicht als Gegner gesehen werden, das es zu bezwingen gilt. Sondern als zuverlässiger Partner, dass dich sicher als Einheit mit dir selber über Stock und Stein bringt.

Habt ihr auch diese Erfahrungen gemacht? Wie geht ihr damit um? Wie habt ihr den goldenen Mittelweg gefunden? Wie versucht ihr Leistungsunterschiede auszugleichen? Wie kann man den Spaß bei den Ausfahrten hoch halten? Schreibt mir weiter eure Meinung zu dem Thema, wie ihr es bereits zum letzten Logbuch-Eintrag getan habt.

Tubeless. Nächstes Thema. Ehrlich jetzt? Ich bin ja jetzt doch einige Zeit damit unterwegs gewesen und erlaube mir hier nun MEIN persönliches Urteil: eine Sauerei. Ob bei einer Panne, wo die Milch NICHT abdichtet, wie versprochen. Oder beim Nachfüllen, wo die Suppe öfters aus dem Ventil heraus schwappte. Und das Ventil an sich, dass einfach seinen Geist aufgab. Ich erlaube mir zu behaupten, dass alles richtig und sachgemäß, nach bestem Wissen und Gewissen montiert wurde. Und vielleicht ist das auch alles nur ein dummer Zufall. Aber unterm Strich blieb es bei mir eine Sauerei und dafür zu kostspielig. Andere mögen und dürfen andere Erfahrungen damit machen, kein Problem. Ich für mich habe entschieden auf die Aerothan-Schläuche, die ich auch schon zum testen da hatte, umzuschwenken. Leichte Montage, mit Druck ähnlich wie bei Tubeless fahren, aber keine Sauerei damit entfachen. Zwar teuer in der Anschaffung, doch durch hohe Pannensicherheit amortisiert sich das – hoffentlich. Wir werden sehen…

Noch ein Thema: Events. Dieses Jahr wegen der langsam auf’s Gemüt drückenden Corona-Pandemie wird es weiterhin schwierig werden. Daher habe ich meinen Fokus diesmal auf solche Events gelegt, die man zur Not auch einfach so fahren kann und nicht mit Massenstarts zu tun haben. Ein Highlight wird das Wetterauhochdrei Anfang Juni. Ein schönes Bikepacking-Wochenende wartet da in einer tollen Landschaft auf mich. Ein Wochenende später geht es dann zum SBE747. Hamburg-Berlin-Hamburg. Ein Long Distance Country Cat. 747 Kilometer in drei Tagen! Mein Einstieg ins Ultracycling? Vielleicht. Da freue mich mich sehr drauf, kann ich doch wieder versuchen meine eigenen Grenzen zu verschieben. Als mein eigener Schleifer bekomme ich das ja eventuell hin 😉

Anfang Juli geht es dann in den Harz zum Brockenhexe Gravel Camp, das ich mit Andreas von Triberg Bike Reisen organisiere. Fünfundzwanzig Teilnehmer dürfen sich dort abbrackern. Da sind wir gerade noch voll am organisieren. Das wird Hammer. In der Landschaft! Irre! Aber Leiden werden die Starter abkönnen müssen. Die Anmeldung beginnt in Kürze. Im September findet dann hoffentlich der Dirty Boar statt. Ein irrer Ritt in den belgischen Ardennen. Sehr geil. Letztes Jahr wegen Corona ausgefallen, gilt mein Ticket jetzt auch noch für 2021. Genau wie der LTD-Gravelride. Der liegt aber erst im Dezember an. Mein Event-Kalender aktualisiere ich noch in den nächsten Tagen.

Das soll es für’s erste gewesen sein. Andere Projekte sind zwar zusätzlich am Start, aber noch nicht spruchreif. Manches verrückt, aber leider geil. Ob’s am Ende alle klappt, werde ich sehen. Es bleibt aber definitiv spannend.

Hier geht es zum kompletten Logbuch…

 

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One Comment

  • Eyk

    Hallo Tom,
    etwas amüsiert habe ich die Zeilen über die Fahrten mit deiner Frau gelesen und mich daran erinnert wie meine Frau und ich mich entwickelt haben. Sportlich waren wir beide und am Anfang gingen wir regelmäßig laufen und mountainbiken. Da wir im Schwarzwald wohnen geht beides nicht ohne Höhenmeter. Ich war zum Zeitpunkt unseres kennenlernens (vor 7 Jahren) gut im Training und so lief ich immer einen halben Meter vor ihr, was sie etwas nervte. Da ich als Leichtathletiktrainer natürlich auch ein Wettkämpfer bin, habe ich versucht ihr dieses Gen zu implantieren und festgestellt, dass eine solche Implatation viel Zeit und Geduld benötigt. Ich wurde von ihr als Schleifer tituliert, ui. Seit letztem Jahr haben sich zu unseren MTB´s zwei Gravelbikes dazugesellt und da Implatation des Wettkampfgens bei meiner Frau vollendet ist, haben sich die Rollen bei uns um verschoben…nun läuft und fährt sie immer einen halben Meter vor mir.
    Tubeless finde ich klasse und wir hatten damit noch nie Probleme oder sauerei.
    In diesem Jahr werden wir ein paar private bikepacking Touren machen und vielleicht mal im nächsten Jahr an einem Event teilnehmen.

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