Conti Terra Speed,Test,Praxis

TEST

In der Praxis – Der CONTI TERRA SPEED nach 2000 Kilometern

Ich habe mir den Conti Terra Speed selber aus Neugier gekauft und berichte nun absolut unabhängig von meiner persönlichen Erfahrung aus verschiedenen Touren.

Zunächst möchte ich euch den Einsatzzweck des Conti Terra Speed in der Größe 40-622 auf meinen Crossbike näher erläutern. Daher müsst ihr das berücksichtigen, wenn ihr das lest! Den Reifen fahre ich mit Schlauch! Ich habe ihn ausschließlich am Hinterrad montiert! Der Sinn dahinter ist der, dass ich vorne einen Reifen mit noch gröberen Stollen fahre, den Schwalbe G-One Bite. Der bringt mir mehr Grip, wobei ich den Conti Terra Speed für’s Hinterrad gewählt habe, wegen der angeblichen Schnelligkeit und trotzdem guter Traktion. Dabei ist die Struktur der Stollen auf beiden Reifen sich tatsächlich sehr ähnlich. So einer Kombination sagt man übrigens gute Fahreigenschaften nach. Ausgestattet ist der Conti mit dem Black Chili Compound Laufstreifen. Die sollen eine höhere Laufleistung, guten Grip und einen geringeren Rollwiderstand bieten. Ein besserer Pannenschutz soll durch die ProTection Technology erzielt werden. Dabei wird in der Produktion, die ausschließlich in Korbach direkt bei Continental läuft, rundherum mit hohem Aufwand eine spezielle Pannenschutzlage eingefügt. Die Herstellerangaben hören sich immer toll an, doch wie schlägt sich der Conti Terra Speed nun in der Praxis?

 

Conti Terra Speed,Test,Praxis
Der Conti Terra Speed ging bei mir leicht auf die Felgen. Prima.

 

Ich habe ihn bisher auf rund 2000 Kilometern gefahren. In meiner Einschätzung fahre ich zu rund 60 Prozent Asphalt und 40 Prozent (groben) Schotter, Waldwege und teilweise regelrechte Trails. Auf Asphalt fahre ich mit ca. 4,2 bar, im Gelände reduziere ich, je nach Untergrund, auf ca. 3,5 bar für noch bessere Haftung. Gerade bei Matsch und Feuchtigkeit. Dabei schenke ich dem Conti Terra Speed nichts, ich nehme ihn da schon ordentlich in die Mangel. So, wie es der Einsatzzweck auch mal vorsieht.

 

Der Antrieb ist sehr direkt und kein bisschen zäh

 

Die Montage auf meinen Mavic Crossride-Felgen ging angenehm leicht. Da habe ich schon anderes erlebt. Bei den ersten Fahrten auf trockenen Pisten konnte ich dann eine deutlich gefühlte Leichtigkeit feststellen. Der Antrieb ist sehr direkt und kein bisschen zäh. Hier spielt der Reifen seine Vorteile klar aus. Das liegt sicherlich mit an dem geringen Gewicht gegenüber anderen Gravelreifen. Knappe 440 Gramm kommen da auf die Waage, laut Hersteller. Der Schwalbe G-One Bite, den ich vorne montiert habe, wiegt nur 20 Gramm mehr (einige Mitbewerber sind oftmals schwerer). Er fühlte sich aber wesentlich träger an, als ich ihn in früheren Fahrten am Hinterrad montiert hatte. Ich empfinde das Verhalten des Conti als wesentlich spritziger. Der Komfort ist ebenfalls ein Pluspunkt des Terra Speed. Ich würde ihm gute Dämpfungseigenschaften bescheinigen.

 

Conti Terra Speed,Test,Praxis
Auf nassen Wegen kann’s schon mal rutschig werden.

 

Zunächst, am Anfang, fiel mir ein leichtes Ausbrechen bei leicht erhöhter Geschwindigkeit in Kurven auf. Nachdem ich den Conti Terra Speed etwas eingefahren hatte, wurde das Verhalten sehr stark reduziert, konnte allerdings nicht ganz ausgeschlossen. Gerade bei feuchtem, weichem Untergrund hätte ich mir da etwas mehr Haftung gewünscht. Im Gelände und dort gerade im Matsch muss man also Kompromisse eingehen und leider immer mal mit leichtem wegrutschen rechnen, welches aber immer noch kontrollierbar bleibt. Auch das Anfahren auf solchem Geläuf sollte weniger mit brachialem Antritt geschehen. Mit kleinen Einschränkungen muss man bei solchem Gegebenheiten somit klarkommen.

 

Deutliche Cuts überall auf dem Profil

 

Während den 2000 Kilometern hatte ich zwei Pannen. Die erste war einer Eisenkrampe geschuldet, die den stärksten Reifen durchbohrt hätte. Das kann man getrost als „Nicht Normal” abhaken. Die zweite Panne war meines Erachtens auf einen Schleichplatten und somit eines fehlerhaften Schlauchs zurückzuführen. Das Ventil hatte anscheinend einen Schlag weg. Jetzt kommt allerdings das große ABER. Trotzdem ich also keinerlei „echte” Pannen auf all diesen Kilometern hatte, sind ganz deutliche Cuts, also Einschnitte, überall auf dem Profil zu erkennen. Die nächsten Schichten liegen, das kann man je nach Lichteinfall gut sehen, recht frei! Das habe ich so noch nirgends gesehen. Dass man schon mal einen Cut hat bleibt nicht aus und ist beim Graveln ja auch normal. Aber hier sind mir die Cuts einfach zu tief. Eine üble Panne ist nur eine Frage der Zeit! Inwieweit der Pannenschutz die Cuts noch zusammenhält, vermag ich nicht zu sagen. Aber das Vertrauen in den Reifen kann da schon mal etwas bröckeln.

 

Conti Terra Speed,Test,Praxis
Ausschnitte vom Conti Terra Speed. Ein paar Cuts. Die einen schwach, die anderen gravierender.

 

Auffällig für mich war der Abrieb der Stollen. Logischerweise muss es ihn ja auch geben nach so einer Laufleistung, aber auf dem Laufsteg ist er meines Empfindens überdurchschnittlich hoch, am Rand dagegen naturgemäß weniger. Hier bleibt sogar noch oft der Dreck zwischen den einzelnen Stollen hängen! Die Laufleistung des Reifens wird bei meinem Fahrstil im Endeffekt wahrscheinlich dennoch nicht mehr viel höher werden.

 

Conti Terra Speed,Test,Praxis
Das mittige Profil hat nach 2000 Kilometern sichtbaren Verschleiß.

 

FAZIT MEINER ERFAHRUNG
Schnell, agil und komfortabel. Das sind die positiven Eigenschaften des Conti Terra Speed. Wer meistens im trockenen Terrain fährt, der sollte durchaus auf seine Kosten kommen. Unter diesen Bedingungen fährt er sich wirklich klasse. Wenn es auf feuchte Bodenverhältnisse geht, dann muss man unter Umständen Abstriche machen. Mir fehlt da einfach etwas an Griffigkeit auf solchen Untergrund. Größtes Manko für mich sind aber die vielen Cuts auf dem Profil trotz keinerlei Pannen auf den bisherigen rund 2000 Kilometern. Vertrauen erweckend ist das nicht und eine daraus resultierende Panne wohl absehbar. Für den Hanse-Gravel werde ich mir deshalb eine Alternative aussuchen. Schade eigentlich.

 

Daten

  • Gefahren in Größe 40-622
  • als Faltreifen
  • ist aber auch Tubeless Ready!
  • Pannenschutz: ProTection Technology
  • Seitenwand TPI: 3×180
  • Karkasse TPI: 4×240
  • Gewicht (Herstellerangabe): 440 g
  • Preis ca. 35-40€
  • Website: Continental

 

 

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8 Comments

  • VeloKickRun

    auch keine schlechte Wahl, Dein Reifen. ich habe letztes Jahr auf meinen Graveler den Conti SpeedKing 35-622 aufgezogen. Bislang bin ich sehr damit zufrieden, ich fahre damit jedoch nicht Matsch, nur befestigte Wege und keinen zu groben Schotter, viel jedoch auch Asphalt.

    • Touringjoe

      In den trockenen Monaten nutze ich ebenfalls den Conti SpeedKing CX in 35-622. Der hat den Puregrip-Compound. Der Reifen rollt auf harten Oberflächen wie ein Samthandschuh. Schnell aber komfortabel. Bietet aber genug Reserven für weichere Wege. Die Schotterabfahrt (nicht der Kreuzweg) auf der Halde Haniel ist kein Problem. Die üblichen Auffahrten auf die Halde rauf auch nicht. Der Rotbachtrail stellt ebenfalls kein Problem dar, solange es nicht zu mockig ist. (Tom dürfte die erwähnten Orte alle kennen). Es ist eine Schande, dass Conti den Reifen nicht (mehr) in anderen Breiten anbietet. Wohl, im sich vom neuen Gravel-Portfolio nicht selbst Konkurrenz zu machen. Vom Black Chili Compound war ich zuletzt auch sehr enttäuscht, was die Haltbarkeit anging.

  • GravelD

    Diese Cuts sind doch vollkommen normal. Hatte / habe das an den meisten Reifen. Egal ob RR oder CX. Bei mir Gravelking SK, Kenda Happy Medium, Marathon Supreme und vor allem Conti 4000s.
    Weiche Lauffläche ist halt empfindlich. Pannen macht das selten. Aber irgendwann geht was durch. Hilfreich da tubeless.
    Weiss nicht, wie viel du wiegst? Aber 3.5bar mit 40mm Reifen im Gelände ist bisschen viel. Selbst mit Schlauch. Fahre 32 bis 38mm Reifen mit 2.5 bis 3 bar offroad mit Schlauch. Im Rennen auf weichem Untergrund reichen auch 2bar. Tubeless waren beim 32er SK 2 bis 2.5 ausreichend.
    Probiere das mal…

    • bikingtom

      Hi und hallo! Das Cuts vorkommen ist logisch. Nur die Anzahl ist gefühlt etwas hoch. Es kommt sicherlich auch auf die Fahrweise an. Aber vielen Dank für deine Vorschläge und Erfahrungen! Werde mal schauen, was ich da für mich noch verbessern kann! 🙂 VG, Tom

    • Oliver

      Hey, ich habe meinen Terra Speed nach am Hinterrad nach 1600 km entsorgt da er kein Profil mehr hatte. Schwalbe und Panaracer haben doppelt so lange gehalten.
      Am Vorderrad habe ich jetzt nach 2000 auch diese Cuts, an 8 Stellen drückt die Dichtmilch raus. Vermutlich muss ich da jetzt einen Schlauch rein machen. Bin schwer enttäuscht von dem Reifen, auf dem Rennrad wie auf dem MTB fahre ich schon ewig Conti,s und hatte nie Problem.

      • bikingtom

        Das der Terra Speed momentan einige Testsiege vorweisen kann, erschließt sich mir auch nicht ganz. Ja, ist gut und schnell, keine Frage. Aber solche Cuts habe ich sonst in der Anzahl nirgendwo. Habe ihn aber trotzdem erst nach rund 3500 Kilometern runtergenommen um zu sehen, wie weit es tatsächlich gut geht. Dann wurde es mir zu kritisch und das Profil war durch. Somit ist die Laufleistung okay, aber mit sehr viel Vorsichtig zu genießen.

      • Oliver

        Das mit den Testsiegen ist ganz einfach. Die fahren jeden Satz Reifen nur 200-300 km. Da treten solche Sachen gar nicht auf. Die können ja nicht 10 Sätze je 3000km fahren. So viel Zeit haben die auch nicht.

      • bikingtom

        Ja, so kann das zustande kommen. Zusätzlich macht jeder noch seine eigene Erfahrungen. Daher bin ich immer interessiert an Meinungen von Leuten, die solche Reifen im Alltag auf Herz und Nieren fahren (prüfen). Das hat meist mehr Aussagekraft, finde ich.

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